Zahl des Tages (25.04.10): 15

Artikel von Lobbyisten sind für klar denkende Menschen ziemlich häufig ein toller Aufhänger für einen Verriss ... Vor allem wenn es um mein Lieblings-Desinformationsthema Fotovoltaik geht ...

Die Kürzung der Einspeisevergütung scheint nach langem Hichhack jetzt doch fast genauso zu kommen, wie am Anfang geplant. Entgegen meiner Vermutung, dass das Hickhack nur dazu dienen soll, die Senkung zu verzögern, soll diese wohl sogar doch im Juli kommen.

Aber zum Artikel:

FTD: Die Regierung kürzt zu stark bei der Solarenergie

Darin so tolle Formulierungen wie
"Gleichzeitig wurde durch diese Förderung das Ziel einer drastischen Kostensenkung erreicht: Die Zahl der Solaranlagen unter 100 Kilowatt ist zwischen 2006 und 2009 um 40 Prozent gesunken."
Was zum Teufel sagt die Größe der Anlage über die Kosten aus?
Oder:
"Die solare Massenproduktion wird nämlich wegen des Kostenvorteils bereits seit einigen Jahren schrittweise nach Asien verlagert."
Tja, und das ist ziemlich unabhängig von der Förderung der letzten Jahre passiert oder haben die Hersteller die Senkung im Juli 2010 schon im März 2008 geahnt? Wie also soll eine höhere Förderung diesen Trend umkehren?
Ansonsten Phrasen wie "globale Führungsposition", bei denen der Autor (der CDU Pflügler, jetzt Lobbyist ...) nicht einmal versuchen muss, irgendeinen Sinnzusammenhang herzustellen ... (OK, er arbeitet für einen indischen Konzern, deshalb gibt es wohl keinen Hinweis auf die Anzahl der deutschen Arbeitsplätze ...)

Dabei sehen die Fakten ziemlich ernüchternd aus. Ich habe schonmal "EEG: SUBVENTIONEN FÜR CHINA getextet und auf den sinkenden Marktanteil von Solarzellen aus deutscher Produktion hingewiesen. Dieser Trend geht immer weiter und inzwischen kommen nur noch

15% 

der Weltproduktion von Solarzellen aus Fabriken in Deutschland. Meine Überschrift war also keine Übertreibung.

FAZ: Die deutsche Solarproduktion verliert an Boden

Und weil man der deutschen Solarindustrie ja nicht zu böse werden darf (30% Senkung der Einspeisevergütung nach einer Senkung der Kosten um 30% scheinen ja schon böse zu sein), legt man als Ausgleich direkt ein neues Subventionsprogramm auf:

FAZ: Berlin spendiert Solarindustrie 100 Millionen

Eine rückwirkende Kürzung, wie sie jetzt in Spanien angedacht wird, ist allerdings auch ein Witz ...

Spaniens Photovoltaikbranche im Aufruhr

Update (27.04.10):

Zwei Zitate von Dieter Manz, dem Chef der börsennotierten Manz AG, die u.a. Maschinen zur Herstellung von Solarzellen - und modulen herstellt:

"Dadurch entsteht Druck auf die Hersteller, ihre Kosten schnell zu senken und damit Solarstrom schneller konkurrenzfähig gegenüber fossiler Energie zu machen"

"Deutschland ist zu klein und sonnenarm. Die großen Märkte der Photovoltaik werden in China, Indien und in den USA sein. Um dort erfolgreich zu sein, müssen die deutschen Hersteller ihre Kosten senken"

Handelsblatt: Manz begrüßt Kürzungen bei Solarförderung

Kommentare :

  1. Da ist es wieder da - das EEG Bashing. Einige kurze Bemerkungen: Mag sein, dass die Module aus Asien kommen; die Fertigungsanlagen für diese kommen jedoch auch weiterhin größtenteils aus D. Und der nette Handwerker, welcher mir die Dinger aufs Dach schraubt ebenso. Wir müssen uns entscheiden, was besser ist: Energie vom Monopolisten mit einer sagenhaften Rendite von 25% beziehen oder die dezentrale Stromversorgung fördern ... also quasi die Internet-ifizierung der Stromherstellung ... Und die Gewinne der PV-Betreiber bleiben dann auch noch in D.... Hast du dir mal dagegen die Aktionärsstruktur von EON angeschaut? Da kannst du schön erkennen wohin die Rendite fließt ... siehe http://www.eon.com/de/investors/965.jsp?RenderOutputType=pdf

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  2. Da ist es wieder: Das anonyme EEG-Verteidigen, bei denen das einzige Argument pro-EEG ist, dass das bisher bestehende System auch unverschämte Rendite abwirft.

    Toll! Dann können wir ja direkt noch ein paar sinnlose Subventionen einführen, weil es ja auch andere gibt. Irgendwie überzeugt mich diese Idee aber nicht!

    Wenn die Preise von Solarmodulen INKL. Installation und allem anderen um zusammen fast 30% seit Anfang 2009 gesunken sind, muss auch die Förderung um 30% runter.

    Jeder Euro, der anstelle von Fotovoltaiksubventionen z.B. in Wärmedämmung geht oder auch in 20% effektivere Autos spart zigfach mehr CO2 und bringt mehr Arbeitsplätze in Deutschland als die Fotovoltaik-Subvention. Selbst wenn die den Haushalten durch hohe Energiepreise fehlenden Euros beim Friseur oder in der Kneipe ausgegeben würden, wären wahrscheinlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als durch die Solarmilliarden.

    Übrigens: Wenn man dezentrale Energieversorgung will, muss man auch dezentrale Speicherung fördern. Da ist nämlich aktuell der Schwachpunkt. Dezentrale Erzeugung hört sich erstmal ganz schön an, ist aber beim aktuellen Netz erstmal gar nicht sinnvoll. OK, aktuell macht die Fotovoltaik keine Problem, weil sie trotz der hohen Kosten der Förderung kaum zur Energieerzeugung beiträgt. Aber irgendwann stellt sich das Problem. Und dann haben wir für Abermilliarden Solarzellen auf die Dächer gepappt, aber den nächsten Zukunftsmarkt (die Speicherung) verpennt.

    Und noch was: Wenn ich über dieses Thema diskutiere, wird man dann oft gesagt, dass die Aufgabe der Förderung eben nicht sei, möglichst viele Solarzellen auf's Dach zu bekommen, sondern diese "marktfähig" zu machen. Also zu erreichen, dass die Solarzellen die Netzparität erreichen. Nur die dafür nötigen Preissenkung erreicht man nicht, wenn man den Herstellern beliebig viel Zucker in den Allerwertesten bläst, sondern indem man sie maximal drückt. Und das will ich: Möglichst viele Solarzellen, möglichst schnelle, große Preissenkungen bis zur Erreichung der Netzparität und das bei Subventionen, die so niedrig wie möglich sein sollen.

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  3. Wichtig wäre vor allem das es keine Subventionen mehr für neue Anlagen gibt!
    Vielleicht aber eben auch kein Geld mehr für die bestehenden Anlagen, auch weil so die Glaubwürdigkeit des Staates aus Sicht solcher Subventionsschmarotzer auf Dauer zerstört wäre. Dann trauen sie sich nie wieder in sowas zu investieren. Leider wird daraus wohl nichts.
    Hier wird das Geld der Bürger verbraten. Wenn man weniger Rendite für Aktionäre will, muss man direkt was für den Wettbewerb tun. Wenn man CO2 einsparen will, eine Abgabe dafür einführen. Dann regelt es der Markt. Derzeit tut man lieber nix für den Wettbewerb damit man ein Argument für Solarförderung hat.

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  4. Jaja, im Prinzip völlig richtig. Aber politisch nicht durchsetzbar. Wir haben völlig unterschiedliche Steuersätze auf CO2. Diesel = Heizöl. Trotzdem auf Diesel wesentlich höhere Steuern. 1 Liter Diesel erzeugt mehr CO2 als Benzin, aber die Steuern sind trotzdem niedriger. Auf Kerosin ist gar keine Steuer.

    Tja, und daher wird weiter VIEL Geld in Fotovoltaik laufen statt mit Wärmedämmung für weniger Geld mehr zu erreichen. Wenn man sinnvoll denken würde, wäre man das Problem auch mal europaweit angegangen. Dann hätte man in Italien und Spanien Solarzellen verbaut (und dort 50% (oder so) mehr Ertrag bekommen) und in Deutschland erstmal die Heizungen optimiert. Fotovoltaik kann man hier ja immer noch machen, wenn die Kosten auf einem sinnvollen Niveau liegen.


    Ich bin auch kein genereller Gegner der Fotovoltaik. Ich finde die Idee des EEG durchaus korrekt. Wenn man da kein Geld reinwirft, wird nie angefangen zu produzieren. Dann wird die Produktion auch nicht billiger und es wird auch nicht geforscht. Die Frage ist nur, *wieviel* man darein steckt. Wir haben in Deutschland IMHO erstens zu früh angefangen zu fördern und zweitens später die Förderung viel zu lange viel zu hoch gelassen ...

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