Zahl des Tages (26.04.10): 90

jajajaja schon wieder griechenland ...

Aber was soll ich auch sonst nehmen? Was wir gerade erleben, ist aber definitiv historisch und wird ein Moment bleiben, der auch in 10 Jahren noch Relevanz haben wird.

Ausserdem muss ich, wie Robert von Heusinger in der FR auch, mal etwas Dampf ablassen. OK, ich reisse mich zusammen.

Heute ist die Rendite der (synthetischen) zehnjährigen griechischen Staatsanleihe um

90 Basispunkte

gestiegen. Leider habe ich keine ausreichende Datenbasis zur Hand, aber es dürfte sich um einen ziemlich einmaligen Anstieg handeln. Ich kann mich nicht an einen Renditesprung einer 10-jährigen Staatsanleihe um fast ein ganzes Prozent an einem Tag erinnern (Pfundkrise?).

Die zehnjährigen Anleihen rentieren jetzt mit 9,56%. Noch viel dramatischer waren die Sprünge am kurzen Ende. Die zweijährigen Anleihen legten

294 Basispunkte

auf 13,16% zu. Damit rentieren die Griechen jetzt am kurzen Ende oberhalb des Niveaus von seriösen Staaten wie z.B. Venezuela ;-)

Auch die CDS wurden teurer und erreichten Intraday erstmals Werte von 700 Basispunkten.

FT Alphaville: CDS report: US financials in the frame

Damit preisen die Märkte inzwischen ziemlich heftige Ausfallwahrscheinlichkeiten für die griechischen Anleihen ein, bzw. Verluste für diesen Fall. Ganz grob über den Daumen gepeilt gibt es inzwischen eine etwa 30%ige Wahrscheinlichkeit für einen 30%-Haircut (also eine Umschuldung, bei der auf 100 Euro alter Schulden 70 Euro neuer Schulden gemacht werden). Diese Wahrscheinlichkeit ist nur ein Mittelwert, denn zumindest die Käuferseite geht ja überwiegend davon aus, dass die Anleihen überhaupt nicht restrukturiert werden.

Und wer jetzt Angst hat, dass Portugal der Nächste ist, dem kann der Blick auf den CDS Markt die Angst nicht nehmen. Die CDS auf Portugal sprangen nämlich um 45 Basispunkte auf 315 Basispunkte.

Daher sollte man an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass das Hilfspaket für Griechenland ein KREDIT ist. Geholfen wird also an erster Stelle nicht den Griechen, sondern den Anlegern (darunter prominent die deutschen Banken), die jetzt griechische Anleihen halten. Denn der Finanzbedarf Griechenlands für die nächsten Jahre kommt ja nur zu einem kleineren Teil aus der Neuverschuldung. Der wesentlich größere Teil kommt aus der Ablösung/Refinanzierung der alten Kredite.

Creditwritedowns: Greek bond yields at 12-year high, contagion increasing

Bei der Bewältigung der Krise darf nicht auf die Vergangenheit geschaut werden (und die angebliche Faulheit der Griechen), sondern auf die Zukunft, also welche Entscheidung wie viel Geld kostet und welche Auswirkungen das hat. Verhindert eine Rettung Griechenlands einen Dominoeffekt (Portugal, Irland, Spanien) oder nicht?
Die Fragen sind die gleichen wie bei der Pleite von Lehman. Damals hat man die fatale Entscheidung gefällt, dass man ruhig mal ausprobieren kann, was bei einer unkontrollierten Pleite einer Too-Big-To-Fail Bank passiert. Das war ein ziemlich teures Experiment ...

Und ich gebe lieber einem Land und den Leuten dort Geld (was indirekt den Banken hilft, die die Anleihen halten) als nach einer Pleite Griechenlands den Banken direkt das Geld zu geben, damit diese ihre Löcher stopfen können. Wir (Steuerzahler) zahlen sowieso ...

FR: Dann geht doch raus!  (ich teile, wie fast immer, die Meinung von Heusinger nur teilweise. Denn er irrt, dass die Deutschen alleine aus dem Euro austreten würden. Wahrscheinlich würde der ganze Euroblock austreten. Außerdem irrt er natürlich, dass die anderen Länder dann ein Wachstumswunder bekommen würden. Die hatten das mit ihren Weichwährungen vor dem Euro nicht und die werden das als Weichwährung nach dem Euro nicht bekommen).

Kommentare :

  1. "Und ich gebe lieber einem Land und den Leuten dort Geld (...) als nach einer Pleite Griechenlands den Banken direkt das Geld zu geben, damit diese ihre Löcher stopfen können."
    Warum denn das?
    Es sollte doch allemal billiger sein, ein paar Banken zu stützen als ein ganzes Land!
    Zumal, diese Banken unterliegen nationalen Gesetzen (und die größten Patienten sind staatlich), wer kann einem souveränen Staat *ernsthaft* Vorschriften machen?

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  2. Schon wieder rettet der dumme, kleine Lohnsteuerkarteninhaber den gierigen Bankstern den Hintern. Und die "unabhängige" Presse schweigt es tot.

    Und ewig grüßt das Murmeltier.

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  3. Natürlich muss auch auf die Vergangenheit geschaut werden. Es muss z.B. einen Untersuchungsausschuss geben, der mal die Namen derer nennt, die absichtlich die Haushaltszahlen Griechenlands gefälscht haben. Es mus einfach mal Konsequenzen geben, um diese "was kann mir schon passieren" Mentalität zu durchbrechen.

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  4. @ Anonym

    Wenn überhaupt, dann sollte untersucht werden, wer ausserhalb von Griechenland über die Fälschungen Bescheid wusste und die Lügenbande trotzdem in die Eurozone gelassen hat.

    Die wundersame Sanierung des griechischen Staatshaushaltes hat schon damals für hinreichend Aufsehen gesorgt.

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  5. @Usedomspotter

    Und warum bitteschön sollten die Betrügereien der Griechen selbst nicht untersucht werden? Warum interessieren Dich nur die Mitwisser im Ausland?

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  6. @ Anonym

    Bei den Griechen musst du nichts untersuchen. Wer damals an der Regierungschef war, Finanzminister war, Notenbankchef war etc. ist öffentlich.

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  7. "Was wir gerade erleben, ist aber definitiv historisch und wird ein Moment bleiben, der auch in 10 Jahren noch Relevanz haben wird."

    Da übertreibst Du aber schon ein wenig. Wir erleben die alles andere als unverdiente De-facto-Pleite eines notorisch schlecht haushaltenden Mittelmeerstaates. Überraschend ist, dass die Anleihegläubiger solange geschlafen haben und erst im Dezember 2009 aus ihrem Tiefschlaf aufgewacht sind. Wir hatten seitdem zwei Jahre Subprime, Bankenzusammenbrüche, tiefste Rezession seit 1929 und die Gläubiger haben bis in den Herbst 2009 Griechenland Kredit zu Konditionen eingeräumt als wäre da draußen immer noch nur leicht eingetrübtes Wetter.

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  8. Naja, eine Staatspleite ist immer ein einscheidender Moment. Die Argentinienpleite ist auch schon ein paar Jahre her und da gibt es auch noch dauernd Nachrichten zu. Und wer weiss: Wenn Griechenland das erst von einigen Ländern werden sollte, wird das auf jeden Fall ein historischer Moment bleiben ...

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  9. okay, die Griechen-Pleite wäre dann schon mehr als nur eine Fußnote. Aber der Sprung der Renditen um 90 Basispunkte für ein unmittelbar von der Staatspleite bedrohtes Land ist aus meiner Sicht nicht spektakulär, sondern mehr als nur angemessen. Ich hätte auch mit dem Kenntnisstand von vor drei Monaten keine Griechen-Anleihe für 13% Rendite angefasst. Griechenland braucht einen Schuldenerlass von 40-50% (entweder in Form von Geschenken durch die anderen EU-Länder oder durch einen Haircut) um eine Perspektive zu haben. Selbst mit dem Haircut wäre ich auf die lange Sicht noch skeptisch, denn Griechenland und Sparen und Reformieren - nö, das nehm ich ihnen nicht ab. Nach einer kurzen Schamfrist und so-tun-als-ob machen die wieder so weiter

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