Zahl des Tages (28.04.10): 135.000.000.000

So, scheint jetzt einigermaßen final zu sein. Das Rettungspaket der Eurozone (mit Unterstützung des IWF) für Griechenland soll

135.000.000.000 (135 Milliarden) Euro

umfassen. Das zumindest meldet die FTD.

Damit wäre Griechenland (voraussichtlich) die nächsten Jahre nicht mehr auf eine Kapitalaufnahme am Markt angewiesen.

Die deutschen Kosten sollen sich auf 8,4 Mrd. Euro pro Jahr belaufen. Diese Rechnung gilt aber nur, wenn nicht schief geht. Was aber durchaus passieren kann, denn die grundlegenden Probleme (Leistungsbilanzdefizit, mangelnde Wettbewerbsfähgkeit, ineffizientes Steuersystem ...) sind ja alle nicht gelöst. Und die ersten beiden sind eigentlich auch nicht einfach und schnell lösbar, außer die Griechen bekommen eine irgendwie geartete Weichwährung.

Beschlossen werden soll das Paket bereits am Samstag, dem letzten Tag an dem die CDU und FDP noch die Bundesratsmehrheit besitzen ;-)

FTD: Athen bekommt 135 Milliarden

Man, war das ein Rumgeeiere ... Erkennt jetzt irgendjemand einen Grund dafür? Diese alberne Lösung hätten wir auch schon vor 6 Wochen haben können ...

Update (18:53):

Kosten pro Jahr: Europa 30 Mrd. Euro (davon Deutschland 8,4 Md.), IWF 15 Mrd.

Spiegel: Griechenland braucht bis zu 135 Milliarden Euro

Kommentare :

  1. (30 + 15) * 3 = 135

    Wahnsinnig interesante Nachricht der FTD.

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  2. Bin sehr gespannt, wie die angekündigte Verfassungsklage gegen diese Trickserei ausgeht.

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  3. Ich warte auf den ersten Artikel, in dem ein Blödmann der FTD mir vorrechnet, was für ein tolles Zinsarbitragegeschäft das für die Deutschen sei.

    135 Milliarden. Wie groß ist daran der Anteil Spaniens? Portugal? Italien? Ich dachte, die können selbst keinen Kredit mehr aufnehmen? Oder zahlt am Ende alles die Nordschiene?

    Das ist alles so hirnrissig, die Messe für Griechenland ist gelesen. Das Geld sehen wir nie wieder. Da hat der Sinn schon recht. Falls es die Griechen noch bis 2013 schaffen, werden sie knallhart einen Forderungsverzicht verlangen.
    Schlechtem Geld gutes hinterwerfen, das soll auf der Makroebene alles auf einmal nicht mehr gelten. Man muss wissen wann das Spiel zu Ende ist.

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  4. Die Rating Agentur soll mal UK und USA abstuffen auf B dann will ich mal sehen wie sich Dollar,Pfund schlagen , ist ja schön wenn man kleine europa Länder runter setzt aber die Dt. Uk UND USA oben bei AAA lässt , alles abgekatterte show da oben

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  5. Die USA könnte man in der Tat auch mal abstufen.

    Abseits dessen:
    Wäre es nicht die günstigere Variante gewesen, ein solches "Paket", auch in der Höhe, viel früher bekannt zu geben?
    Zwischenzeitlich mussten sich die Griechen doch für viel zu hohe Zinsen am Kapitalmarkt refinanzieren.

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  6. Selbst wenn die gesamte aushaftende Staatsschuld von den übrigen EURO-Ländern finanziert werden sollte, löste dieser Schritt keinesfalls das Problem. Es bedeutet lediglich, die Zinslasten auf ein Niveau ähnlich dem von vor einem Jahr zu deckeln. Nur dass seither wohl das neue Defizit hinzukam.

    Vergleichen wir es mit einem Privatmann: Was hilft es ihm, wenn er ohne Forderungsverzicht die Bank wechselt und dabei weiterhin zusätzliche Kredite braucht um zu leben? Er ist und bleibt überschuldet bzw. rutscht weiter in die Katastrophe, wenn - wie im gegenständlichen Fall - die Neuverschuldung weit höher ist als die Zinsersparnis.

    Ich sehe nur zwei Lösungen: a) Umschuldung samt ordentlichem Haircut und (Herr, mach es mich glauben!) dauerhafter Budgetkonsolidierung oder b)Inflationierung durch direkten Staatsanleihenkauf via EZB.

    Zweiteren Fall halte ich nicht mehr für absolut ausgeschlossen, falls sich die Situation in den restlichen PIIGS-Staaten ähnlich entwickeln sollte.

    Das Grundübel - es scheint mir auf lange Sicht der Totengräber des EURO zu sein - ist und bleibt eine alles erklärende Tatsache: Eine starke Wirtschaft ist gepaart mit einer starken Währung, hingegen geht eine schwache Wirtschaft immer mit einer schwachen Währungsentwicklung einher. Jeder Versuch, eine schwache Wirtschaft mit einer starken Währung zu kombinieren (und auch umgekehrt) ist ein künstlicher Eingriff, welcher auf Dauer keinen Bestand haben kann. Kein Spekulant der Welt kann auf lange Sicht eine Währung künstlich entgegen der Wirtschaftsdynamik drücken und kein Notenbanker der Welt kann langfristig eine Währung bei wirtschaftlicher Schwäche hochhalten.

    Oder übersehe ich da etwas?

    lg - urriegel

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  7. @diemo:

    Eine schnellere Reaktion hätte das Volumen wohl deutlich reduziert. Anders gesagt: Gegen den IWF spekulieren die Finanzmärkte nicht. Zumindest bisher nicht.

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  8. @matsch:

    Sehe ich anders. Selbst Megapleitiers wie Argentinien haben nach der Restrukturierung Geld zurückgezahlt. Der IWF hat in Argentinien gar keinen Schaden gehabt und den kleinen Privatanlegern hat Argentinien vor Kurzem ein ziemlich gutes Angebot gemacht. Richtig bluten mussten nur die großen Anleger. Aber selbst die haben noch richtig Geld bekommen.

    Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Argentinier auch durch die Währungsabwertung wieder Überschüsse erwirtschaftet haben und sich so halbwegs) sanieren konnten. Genau das Mittel fehlt den Griechen.

    Vielleicht sollte das die vorrangige Aufgabe für die nächsten drei Jahre sein: Den Austritt aus der Eurozone vorbereiten. Ich weiss, ich träume. Die Politiker werden sich jetzt wieder zur Ruhe setzen und in ein paar Monaten selber auf die Schulter klopfen, wie toll sie die Krise gelöst haben. Angela hat das heute bei der Bankenkrise auch gemacht. Dabei ist keines der Probleme, das die Krise verursacht hat, gelöst worden.

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  9. @urriegel:

    Exakt. Griechenland und Deutschland sind einfach zu unterschiedlich. Der Anpassungsprozess, den Griechenland leisten muss, dauert Jahrzehnte und nicht nur ein paar Jahre.
    Selbst Länder wie Holland oder Österreich haben damals als sie sich an die D-Mark gekoppelt haben, sehr viel länger als Griechenland gebraucht, um sich zu "akklimatisieren". Dabei waren beide Länder aber *viel* näher am deutschen Bildungs-, Lohn- und Wettbewerbsniveau. Die Griechen hätten sich zwei oder drei Jahrzehnte Zeit nehmen sollen ... (oder wir ihnen geben sollen).

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  10. @egghat 28 April, 2010 22:50
    Ähnlich sehe ich das auch.

    Ebenso sehe ich die Notwendigkeit zur Änderung der Europäischen Verträge zum Austritt bzw. Ausschluss eines Landes aus der Eurozone.
    Es ist doch gänzlich Irrsinn, zwar Kriterien für den ZU- aber nicht ABgang festzulegen und letzteren nicht vorzusehen.
    Ist doch aber schon seit Jahren problematisch.

    Ein anderer Gedanke noch:
    Kann es sein, dass Griechenland noch "zu klein" ist?
    Gäbe es aktuelle Diskussionen, ja gäbe es überhaupt noch private "Ratingagenturen", bspw., wenn die USA pleite ginge?
    Und so viel besser sieht es bei ihr auch nicht aus.

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  11. Die USA-Frage ist interessant. Ich schätze, dass die USA erst dann das AAA verlieren, wenn sich die Ratingagentur "Biāozhǔn pǔěr" ;-) als eine der großen etabliert hat ;-) Die dürfen dann nämlich entziehen ...

    Und ja: Eine Austrittsmöglichkeit aus der Eurozone brauchen wir irgendwie. Immerhin ist das eine Möglichkeit, die Pleite zu vermeiden ... Ob Griechenland mit der Drachme allerdings ein sinnvolles Konstrukt hätte, weiss ich nicht. Das Land ist eigentlich zu klein ... DonAlphonso ist ja für die Einführung des Great Britain Peso in Griechenland ;-)

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  12. Man reibt sich ja verwundert die Augen: man entfacht einen vor Zorn bebenden Sturm der Entrüstung über die Ratingagenturen nicht etwa, weil sie viel zu lange an Fantasie-Ratings festgehalten haben (und immer noch festhalten), sondern weil die Agenturen zu schlechte Noten verteilen würden.

    Hatte man nicht etwa im Fall von Enron oder Lehman wütend beklagt, die Ratingagenturen hätten an A-Ratings festgehalten obwohl die Hütte schon voller Rauch war?
    Aber gottlob wird das mit einer unter der Aufsicht der Eurokraten stehenden Agentur besser. Dann gibt es nur noch Triple A. Ausnahmslos.

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  13. Das ist mir der albernste Aspekte an den politischen Äußerungen zur Krise. Die Politiker wissen immer ganz genau, wie ein Rating zu sein hat. Bei den ABS und CDOs waren die Rating zu gut, bei Griechenland sind sie jetzt zu schlecht. Der Markt lag in beiden Fällen besser: Die CDOs gaben mehr Rendite als eine AAA Staatsanleihen (man sah also trotz AAA ein höheres Risiko) und im Fall Griechenland zeigen die Zinsen ein Rating von C oder so an. Und jetzt kritisiert man die Ratingagenturen dafür, dass die dem Markt mit einer deutlichen Verzögerung hinterherlaufen?

    Man, wenn die Maulaufreisser doch so schlau sind, dann sollen sie dagegen halten. Wenn die der Meinung sind, dass Griechenland A ist, dann sollen ie die Anleihen ab 5% Rendite (oder wo auch immer eine A-Anleihe so rentiert) einfach aufkaufen!

    Die zehnjährige Anleihe bringt immer noch 9%. Die Notkredite würden aber nur 3%+400 Basispunkte kosten. Da stecken allein bis zu diesem Niveau eine Kurserholung von ungefähr 79 Euro auf 94 Euro drin. Warum steckt der Staat sich das Geld nicht ein?

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  14. Dass die Politiker in ihrer Verblendung und Ahnungslosigkeit über die Ratingagenturen Gift und Galle spucken kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Nicht aber bei großen Teilen der sog. seriösen Presse, namentlich FTD, SPON oder die DuMont-Presse, die ins selbe schrille Horn blasen anstatt den wahren Sachverhalt richtig zu stellen. Die FTD betreibt schon seit längerem eine unsäglich tendenziöse Berichterstattung, mit plumpen boulevardesken Headlines, die vor Meinungsjournalismus nur so triefen

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  15. Da hast du (mal wieder) Recht. Dass sich diese Meinung so weit durch gesetzt hat, ist einigermaßen erschreckend.

    In der Bankenkrise und den Verbriefungsgeschäften war die Kritik an den Ratingagenturen *völlig* richtig. Jetzt aber nicht.

    Wenn die Politiker was könnten, hätten die Ratingagenturen auch für die Verbriefungsgeschichte so richtig was vor den Latz bekommen. Aber nicht einmal das bekommen die hin ...

    Komplettausfall ...

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  16. Ich denke Währungsabwertungen sind nur notwendig wenn es die Regierung nicht schafft die Löhne und Staatsausgaben zu senken, es scheint sich in GR aber etwas in der Richtung zu tun. Man sollte aber lieber noch radikaler durchgreifen.

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