Zahl des Tages (29.04.10): 10,5

Eine Zahl, die ich hier immer relativ regelmäßig bringe, sind die Immobilienpreise in Großbritannien, gemessen von Nationwide.

Die Hauspreise in Großbritannien haben vor etwa einem Jahr eine beeindruckende Trendwende hingelegt, die ich hier schon mehrfach mit Erstaunen veröffentlicht habe. Während der Immobilienmarkt in den USA noch immer in einer (wahrscheinlich langwierigen) Bodenbildungsphase steckt, legen die Preise in Großbritannien schon wieder kräftig zu. Im April kam es zum 11. Monatsplus der letzten 13 Monate. Er ging im Vergleich zum März 1,0% nach oben. Im Jahresvergleich errechnet sich nun ein Plus von

10,5%,

was das erste zweistellige Plus seit 2007 ist. Damit haben sich die Hauspreise in Großbritannien von dem Einbruch um knapp 20% bis Februar 2009 wieder deutlichst erholt. Etwa die Hälfte des Rückgangs ist schon wieder aufgeholt.

Der Preisanstieg ist eigentlich zu stark, um nachhaltig zu sein. Jetzt kann man diese Erholung auf den vorangegangen Einbruch zurückführen. So stark war der Preisrückgang allerdings auch nicht, dass eine derart schnelle Erholung damit erklärt werden könnte.

Das sieht mir doch schon wieder stark nach einer neuen Blase aus ...

direkt von der Quelle:

Nationwide: House price inflation reaches double digits (PDF!)

Allerdings womöglich nur auf den ersten Blick. Denn um die Rate weiterhin im zweistelligen Bereich zu halten, muss die monatliche Steigerung weiter über 1% bleiben. Und da war sie im Schnitt der letzten 6 Monate nicht mehr. Das "Problem" erledigt sich vielleicht von alleine.

Gegen einen weiteren kräftigen Anstieg sprechen noch zwei Punkte:

i) Die Kreditvergabebedingungen bleiben streng.
ii) Mit den Hauspreisen gehen keine steigenden Einkommen einher, die Erschwinglichkeit von Immobilien verschlechtert sich also wieder (dazu gibt's auch eine Grafik im oben verlinkten PDF).

Das alles sollte weitere kräftige Anstiege verhindern. Aber wer weiss. Ich bleibe am Ball.

FT Alphaville: Double digit house price inflation is back

Kommentare :

  1. Die britischen Privathaushalte sind doch, wenn ich mich recht erinnere, genauso hoch verschuldet wie die Amis, wie können die sich noch neue Häuser leisten? Was geht da vor auf der Insel?

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  2. Frag ich nicht. Ich staune auch immer ...

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  3. In London ist es wohl schon seit einem halben Jahr so, dass Immobilienkäufe negative Renditen produzieren. Die Banker haben halt wieder Geld und das muss raus.

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  4. Frag mich nicht sollte das natürlich heißen.

    @40Stunden:

    Tja, London war auch der Immobilienmarkt, der bereits vor ein paar Monaten wieder auf Allzeithochs gestiegen ist. Die haben nicht die Hälfte wieder aufgeholt, sondern sind schon wieder ganz oben.

    Ziemlich unglaublich!

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  5. Ich habe das hier schon mal geschrieben: Der Immobilienmarkt in England ist aus der Tradition heraus ganz anders gestrickt als bei uns. Da ist es in einem Erwerbsleben völlig normal sechs- bis achtmal eine Immobile zu erwerben. Viele Ortswechsel durch neuen Job zieht einen Verkauf und einen Kauf nach sich.

    Die Altbausubstanz hat kleine Wohnflächen, kleine Grundstücksflächen, Einfachverglasung, aussenliegende Abflüsse, Mischbatterien sind ein Fremdwort. Die Dinger sind billig und immer in ausreichender Menge da.

    London darf man in dem Fall auch nicht als ganzes sehen. Der "Boom" dürfte sich im wesentlichen in "Inner London" abspielen, wo die ganzen Bankster hausen. Und die verdienen ja schon wieder ganz prächtig. Wobei verdienen in dem Fall das falsche Wort ist.

    Die Region Inner-London West hat auf NUTS-3-Ebene das höchste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in EU27: Über 520% vom Durchschnitt, ca. 130.000 Euro pro Kopf.

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  6. Ja ich weiss. Das Unverständnis bezieht sich vor allem aus dem Vergleich USA-UK nicht aus einem Vergleich UK-D. USA und UK sind sehr ähnlich: Überwiegend Bruchbuden, mehrere Immobilien im Leben normal, viele Umzüge, Investmentbanker verdienen wieder dickes Geld, Arbeitslosigkeit hoch, Immobilien im langfristigen Vergleich eher teuer, Zinsen niedrig, Steuerhilfen für Immobilienkäufe laufen, ... Trotzdem verhält sich die Immo-Markt in Großbritannien gaaanz anders als der in den USA. Das finde ich echt überraschend.

    Die einzige *halbwegs* logische Erklärung: Es gibt (IIRC) 4 Millionen Briten, die im Ausland leben. Nach dem Rückgang des Pfunds sind die Zahlungen aus der Heimat nix mehr wert. Also kehrt man zurück und braucht eine Wohnung. Das treibt die Nachfrage. Ist als Erklärung in sich logisch, ich habe aber nie eine Zahl zu den Rückkehrern gefunden (wäre sonst schon Zahl des Tages geworden ...)

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  7. Der Großraum London macht ja schon einen wesentlichen Teil des englischen Immobilienmarkts aus. Hohe Steigerungen hier (die City macht den Anfang, aber das strahlt ja auch aufs Umland aus) dürften schon einen statistischen Effekt für das Gesamtland haben.

    Nebenbei bemerkt ist der Vergleich US<->UK auch nicht passend. In England ist Baufläche knapp. In vielen Staaten in den USA braucht man einfach eine leere Wiese und stellt den Trailer ab.

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