EZB Alchemie für Fortgeschrittene

Im Mittelalter war es der vergebliche Versuch der Alchemisten, Blei in Gold zu verwandeln. Heute ist es einfacher: Man muss nur eine Bank sein und etwas bleihaltigen Schrott (also griechische Staatsanleihen) besitzen und darf den bei der EZB in Geld tauschen. OK, dass ist nicht ganz das Gleiche wie Blei in Gold, aber es ist nahe dran. So geht die Alchemie des 21. Jahrhunderts.

Die EZB akzeptiert seit heute morgen auch die im Rating je nach Ratingagentur teilweise schon auf Junk herabgestuften griechischen Staatsanleihen als Sicherheit für ihre Geldmarktgeschäfte. Das war zu erwarten, denn die EZB hat schon vorher die Grenze von A-, die bis Ende März galt, auf BBB- gesenkt (siehe EZB SCHONT GRIECHENLAND ...). Grund damals war genau wie heute das sinkende Rating der Griechenbonds. Wieso die FAZ auf die Einschätzung kommt, dass das ein Kehrtwende sei, ist mir etwas schleierhaft (FAZ: Kehrtwende der EZB - Ausnahme für griechische Anleihen). Aber die FAZ steht schon die ganze Zeit der Griechenlandhilfe sehr kritisch gegenüber und sieht durch die Regeländerung die Grundregeln der Währungsunion verletzt. Die erste Regeländerung ist aber schon länger gültig und daher kann die zweite gar nicht soooooo kritisch sein wie die FAZ tut. Oder hat sie bei der Herabsetzung der Grenze von A- auf BBB- auch so laut geschrien? Ich kann mich nicht daran erinnern.

Etwas anderes als die Änderung war schlicht nicht vorstellbar, ansonsten hätte es wohl alle griechischen Banken zerlegt, weil diese keine Sicherheiten für die Refinanzierung mehr zur Verfügung gestanden hätten.  Denn gerade die griechischen Banken gehörten in den letzten Monaten zu den ganz großen Käufern der griechischen Staatsanleihen, übrigens mit geliehenem Geld zu 1% Zinsen bei der EZB.

Ich bin sowieso sehr gespannt, wenn wir in ein paar Monaten einen tieferen Einblick in die Bilanzen der griechischen Banken bekommen. Ich halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass die bisher bekannten 8 Milliarden Euro hohen Kapitalabflüsse der griechischen Banken (ZAHL DES TAGES (06.04.10): 8.000.000.000) nicht das Ende der Geschichte darstellen. Wenn die Griechen vernünftig sind, müssten sie noch viel höhere Summen in Sicherheit gebracht haben ...

Aber über Bankruns wird nie richtig berichtet. Und es kann mit gut vorstellen, dass genau das der Auslöser für die am Ende doch relativ plötzliche Hilfe war. Also nicht die anstehende Refinanzierung Griechenlands am 19. Mai, die offiziell immer angeführt wird, sondern ein möglicher Zusammenbruch der griechischen Banken ...

Die Nachricht direkt von der Quelle: Bundesbank: EZB gibt Änderung der Notenbankfähigkeit der von Griechenland begebenen oder garantierten Schuldtitel bekannt (PDF!)

Kommentare :

  1. Man könnte auch sagen: die EZB hat wesentlich zum plötzlichen Ausbruch und Zuspitzung des griechischen Dramas beigetragen, vielmehr sogar mitverursacht. Weil die EZB durch die Akzeptanz von Ramschanleihen den Marktzins für langlaufende griechische Anleihen künstlich unten gehalten hat und somit das wahre Ausfallrisiko verdeckt hat. Umso heftiger jetzt die Reaktion nachdem der Markt aus seinen süßen Träumen geweckt wurde.
    Besserung ist allerdings nicht in Sicht, im Gegenteil.

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  2. Risikolose Carry-Trades als Beteiligung der Banken?

    Wenn ich das richtig verstanden habe, dann können sich die Banken bei Hinterlegung von Staatsanleihen aus GR für 1 Prozent refinanzieren, aber 5-6 Prozent für die Anleihen kassieren.

    Diesen Anleihekauf bezeichnen die dann noch als Solidarbeitrag.

    Sehe ich das falsch?

    Oder erkenne ich nicht den verborgenen Sinn, falls da einer sein sollte?

    Arvid

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  3. @arvid;:

    Yepp. so ist es.

    Ich habe schonmal vor ein paar Wochen geschrieben, dass wir den Griechen eh schon seit 1 Jahr helfen ... Nämlich mit dem 1% Kredit, den nicht nur, aber vor allem die griechischen Banken benutzen, um Griechenland die Anleihen abzukaufen.

    Die griechischen Banken haben ja nix zu verlieren. Wenn der Staat Pleite geht, gehen die eh mit. Und wenn nicht (Bailout), verdient man ne Menge Geld.

    Dass die deutschen Banken die gleiche Nummer jetzt auch mitspielen, habe ich ha auch schon angemosert, als ich vorgeschlagen habe, dass doch einfach die Eurozone die griechischen Anleihen kaufen soll. Wenn man für die Dinger garantiert (was ja jetzt defakto passiert), sind die am Ende 100% wert. Man muss doof sein (sprich Politiker), wenn man die Dinger dann nicht für 70% an der Börse abgreift. Naja, noch bescheuerter ist es, wenn man den Banken dann noch empfiehlt, dieses risikolose Geschäft zu machen. Und vollkommen gaga wird die Nummer, wenn man das als "Solidaritätsbeitrag" verkauft! Ein risikoloser Carry-Trade im Mäntelchen einer solidarischen Hilfsaktion! Unglaublich!

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  4. Refinanzierung: Ich suche heute schon den ganzen Tag eine Auflistung der zukünftigen Refinanzierungstermine nicht nur für Griechenland, sondern auch für Spanien.

    Hat da hier jemand vielleicht eine Idee?

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