Griechenlandrettung und die Bankensolidarität - die doppelte Verarschung

Ich wollte gestern schon was dazu schreiben, habe mich aber nur aufgeregt und das am Ende doch in die Tonne befördert und am Ende nur noch Energie für eine uninspirierte Zahl des Tages gehabt. Heute habe ich den Vorteil, dass ich die RSS-Feeds durchhabe und mir daher einiges sparen kann, was ich sonst aufwändig selber geschrieben hätte.

Es geht erstens um die Griechenlandrettung und zweitens um die "Hilfe" der Banken für diese Aktion.

Denn wie so häufig steckt der Teufel im Detail. Im Fall der Griechenlandkredit scheinen diese nämlich nachrangig zu sein. Im Fall des Bankrotts von Griechenland werden also im ersten Schritt alle anderen Gläubiger ausgezahlt und erst danach kommen die Notkredite an die Reihe. Auch im ersten Schritt gibt es bei einer Staatspleite meistens eine Reihenfolge: Zuerst kommt der IWF (1a) und dann die anderen Gläubiger (1b). Normalerweise bekommt der IWF 100% seiner Kredite zurück und die anderen Gläubiger dann einen geringeren Teil. Manchmal wird nach Höhe der Schulden gestaffelt (z.B. bis 20.000 gibt es alles, darüber nur 50%), manchmal nach Sitz der Gläubiger (Inländer bekommen hohen Abzug, Ausländer niedrigen). Das aber nur der Vollständigkeit wegen. Was entscheidend ist: Die Notkredite stehen auf Stufe 3 nach dem IWF und den normalen Gläubigern.

Zumindest geht man davon aus, denn aktuell ist diese Information noch nicht bestätigt. (oder?)

Allein diese Nicht-Informationspolitik ist schon eine Frechheit!

Und die ganze Beurteilung des Rettungspakets ändert sich komplett, weil der Zinsaufschlag für einen nachrangigen Kredit am Markt groß ist. Ich fand die 300 Basispunkte Strafzins bisher eher hoch, bei einem nachrangigen Kredit finde ich die 300 Basispunkte hingegen niedrig. Nicht, dass die Griechen in der Lage wären, einen höheren Zins zu zahlen und man daher einen höheren verlangen sollte, aber 300 Basispunkte für einen nachrangigen Kredit sind IMHO glasklar als Hilfe zu werten.

Im Fall eines Bankrotts oder einer Umschuldung Griechenlands ergibt sich folgendes Szenario: Mal angenommen, dass die Griechen in drei Jahren das komplette Hilfspaket ausgeschöpft haben. Dann wurden (mindestens) 80 Mrd. Euro von der Eurozone und 30 Mrd. vom IWF gewährt. Darüberhinaus dürfte Griechenland noch ganz grob 220 Mrd. Euro "normale" Schulden haben (insgesamt also 330 Mrd. Euro). Muss Griechenland jetzt umschulden und halbiert dabei zum Beispiel die Schulden, ergibt das 165 Mrd. Euro "Verschnitt". Da der IWF auf nichts verzichtet, bleiben damit schonmal 30 Mrd. Euro erhalten. Die ersten 80 Mrd. Euro nachrangiger Schulden sind weg und die restlichen 85 Mrd., die noch gestrichen werden müssen, werden auf die normalen Gläubiger also die 220 Mrd. verteilt. Diese müssen also nur auf etwa 38% ihres Geldes verzichten und nicht auf die Hälfte (wie im Durchschnitt). Der Steuerzahler hingegen verzichtet auf alles.

Toll, was?

Herausgefunden hat die Sache mit der Nachrangigkeit:
FTD: Münchau - Auf dem Weg in die nächste Lüge
Einen schönen Kommentar dazu hat:
Spiegelfechter: Teure Intransparenz

Was ich jetzt vermute: Die ganze Story hat genau ein Ziel: Den normalen Gläubigern den Kauf der normalen Anleihen zu ermöglichen und damit deren Zins zu senken und im Gegenzug quasi schon heute den Verzicht einzuplanen bzw. einzubauen. Ergo: Es ist gut möglich, dass Prof. Sinn mit seinem populistischen "Wir sehen keinen Cent zurück" doch Recht behält. Nicht weil die Griechen gar nichts zurückzahlen, sondern weil das Geschäft so konstruiert wird, dass genau der Steuerzahlerteil nicht zurückgezahlt werden soll/muss.

Das ist irgendwie alles schon der Hammer.

Allerdings weiss ich nicht, ob mich der Part der Banken nicht noch mehr aufregt. Denn diese beteiligen sich mit einem Betrag, der allenfalls symbolisch zu nennen ist und zum dem sie sich rechtlich auch in keiner Weise committet haben. Und die Banken finanzieren sich zu 1% bei der EZB und leihen das für 5 oder 6% an Griechenland weiter (verdienen damit also Geld!). Und wenn die ganzen unvollständigen Informationsbrocken stimmen, die aus der Politkaste raussickern, handelt es sich nicht einmal um die nachrangigen Papiere, die dem Steuerzahler auf's Auge gedrückt werden. Und nicht einmal um die normalen Anleihen (siehe oben), sondern um welche, die von der KfW (damit Deutschland) garantiert werden.

Und das wird dann als "Solidarität der deutschen Banken mit Griechenland" verkauft.

ICH FASS ES NICHT.

Die Banken kaufen (quasi) Bundesanleihen mit Renditekick und verkaufen die Nummer als "starkes Signal".

Ich schweige jetzt besser, sonst sage ich noch was Unüberlegtes. Ich verweise daher auf Frank Luebberding bei Weissgarnix.de:

Weissgarnix: Dämliches Manöver

OK, vielleicht ein Satz noch: Ich habe geglaubt, die Rettung der Hyporealestate sei an Volumen, Intransparenz und Steuerzahlervera****e nicht so schnell zu toppen. Aber ich muss scheinbar meine Definition von "nicht so schnell" überdenken ...

Update (21:38)

Gab es eigentlich irgendwo jemanden, der die Bankenbeteiligung positiv beurteilt hat?

FR: Peinliche Symbolhandlung
Wiwo: Banken helfen Griechen: Die Jo-Ackermann-Show
FAZ: Nicht mal ein Feigenblatt
N-TV: Die billige Griechen-Geste

Man muss bei der ganzen Sache immer noch berücksichtigen, dass die deutschen Banken gerade für griechische Staatsanleihen im Wert von 40 oder 60 Mrd. Euro (die Zahlen schwanken), die sie selber halten, einen Bailout bekommen haben. Der Staat reisst also Abermilliarden Schrottanleihen raus und im Gegenzug kaufen die Banken für 1 oder 2 Mrd. Euro hochsichere Anleihen der KfW ...

Update (23:00):

Nur zur Klarstellung: Der ganze Artikel ist spekulativ, weil niemand die Details des Rettungsplans, weder des großen staatlichen, noch des kleinen des Bankensektors kennt. Es kann gut sein, dass der Kredit NICHT nachrangig sein wird.  Ich wollte aber nicht den ganzen Artikel im Konjunktiv schreiben.

Kommentare :

  1. ... denn sie wissen nicht was sie tun ...

    Mit Vollgas in Richtung Klippe.

    Der Steuerzahler hat das Auto ohne Bremsen.

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  2. Das mit der Nachrangigkeit wurde dementiert:
    "Das sei "schlicht falsch", betonte der Sprecher von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP), Harald Waiglein, gegenüber ORF.at. "

    http://orf.at/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2Fticker%2F367326.html

    Aber was bedeutet das heutzutage schon.

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  3. Egghat, was Du schreibst, ist nicht ganz richtig: Es ist längst nicht ausgemacht, dass die Hilfskredite "junior" sind - Münchau selbst hat das nur "gehört". Und er schreibt z. B.:
    "Sind also unsere Kredite junior, pari passu oder senior? Die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags sollten diese Frage bei ihrer Anhörung heute unbedingt stellen und eine Abstimmung verweigern, solange diese Frage nicht klar beantwortet ist."

    Gehört hat er übrigens, dass die IWF-Kredite ebenfalls "junior" sind. Das macht die Sache nicht wesentlich besser, Dein Beitrag ist aber trotzdem unpräzise und lässt die Sache für die Steuerzahler dramatischer erscheinen, als sie den bisher bekannten Fakten nach ist.

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  4. Sorry, hab beim ersten Anlauf überlesen, dass Du es selbst relativiert hast. Trotzdem würde ich erst mal sagen: Ich kann mir das nur schwer vorstellen (aber das muss ja nix heißen).

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  5. Ich habe aber geschrieben, dass man "davon ausgeht". Und dass wir die Informationen nicht komplett haben, bemängle ich ja auch. Das ist alles unter Vorbehalt zu genießen ...

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  6. Ja, wie gesagt: Hatte ich überlesen (muss wohl passieren, wenn man jemand anderen bezichtigt, unpräzise zu sein). Sorry!

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  7. @Kroesus2:

    Ich warte weiterhin auf endgültige Informationen ...

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  8. Die fr-online berichtet heute, daß die EU-Hilfskredite zusammen mit den Gr.-Anleihen nachrangig ggü den IWF-Hilfen seien, laut Auskunft des Finanzministeriums. Außerdem wird über die wohl noch nicht ganz abgeschlossenen Quersubventions-Planungen der Staaaten besserer Bonität ggü den evtl. überforderten PII(G)S-Staaaten berichtet, wozu auch in der FAZ heute und gestern einiges zu lesen war.

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/debatte_wirtschafts_und_finanzkrise/2617905_Milliarden-fuer-Griechenland-Berlin-koennte-Teil-der-Hilfe-verlieren.html

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