Kleinanleger werden besch****en ...

Diesen Hinweis wollte ich schon lange mal als Update zu einer Zahl des Tages aus der letzten Woche hinterherschieben. Ich fand es ja schon unglaublich, dass Goldman Sachs im ersten Quartal keinen einzigen Tag mit einem Verlust im Eigenhandel hatte (ZAHL DES TAGES (10.05.10): 63), aber es ist noch extremer. Denn Goldman Sachs ist mitnichten die einzige Bank, die ein solch perfekter Ergebnis eingefahren hat.

Die Bank of America, die Citigroup und JP Morgan Chase haben ebenfalls das perfekte Ergebnis eingefahren: 63 von 63 Handelstagen im Plus. Die Loser von Morgan Stanley hingegen haben satte 4 Tage mit Minus erhandelt, auch wenn man einschränken muss, dass diese nur sehr leicht im Minus endeten.

Da fragt man sich natürlich schon, wie die großen Banken ein solch perfektes Ergebnis erzielen können. Sicherlich werden die sehr positive Börsentendenz und die hohen Handelsumsätze geholfen haben. Und der niedrige Zins bei der Refinanzierung hilft natürlich auch.

Aber der Verdacht bleibt nicht aus, dass die Banken den Markt systematisch melken. Und da ein ganzer Teil des Geschäfts ein Nullsummenspiel ist, muss irgendjemand anderes die Rechnung bezahlen. Sind es die konservativen Großanleger? Sind es die Kleinanleger, die über High Frequency Trading über den Tisch gezogen werden?
Auch wenn es vorstellbar erscheint, dass in normalen Zeiten durch das High Frequency Trading für HFTs *und* für die anderen Teilnehmer Vorteile entstehen, muss man das angesichts dieser Bilanz der großen Banken doch arg bezweifeln. Wer auf der anderen Seite hat in der gleichen Größenordnung eine perfekte Bilanz aufzuweisen? Denn wenn der Markt fair wäre und die Risiken gleich verteilt wären, müsste es die Marktteilnehmer mit perfekter Bilanz auch auf der anderen Seite geben. Da kenne ich aber keine ... Ich kenne nur die großen Banken mit einer solchen Tradinggeschichte ...

NYT: 4 Big Banks Score Perfect 61-Day Run
gefunden über:
Trader's Quest: Gibt es Chancengleichheit für alle Marktteilnehmer?

Kommentare :

  1. Es geht sogar noch extremer:

    http://ftalphaville.ft.com/blog/2010/05/17/233506/tradebot-shows-goldman-what-minting-money-really-looks-like/


    ... und dass mir keiner erzählt, in den vier jahren hätte die gegenseite auch nur gewinner gesehen.

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  2. Der mittlerweile wichtigste systemkrische alternative Blog "U made my day" bereitet ein großes HD-Video Special zur Psyche des Finanzexperten Walter K. Eichelburg vor.
    http://uxmadexmyxday.wordpress.com/
    Dabei soll auch das umstrittene Thema "Rettungsboote" zur Sprache, welches zuvor schon der katholischen Kirche das Genick gebrochen hatte.

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  3. @ WK

    *gggg*

    Muss ich das verstehen?

    Massenmedien sind das System, gegen das Eichelburg vorgibt, zu sein. Somit ist er also systemkritisch.

    Der Blog "U made my day" ist gegen Eichelburg und somit auch systemkritisch. (?)

    Hmmmmmmm, versteh ich nicht!

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  4. Prinzipiell spielt eine Bank mit ihrem Eigenhandel den Market Maker. Nur nicht rechtlich bindend wie ein offizieller MM in einer Börse. Der Aufschlag für die Dienstleistung funktioniert aber genauso. Erstmal der Ask-Bid Spread. Das funktioniert gut, wenn sich eine Bank über ihre eigene Handelsplattform abschottet, um wieder der Monopol-MM zu sein. Auf der Nasdaq ist das schwieriger. Als nächstes kommt das Frontrunning was zu Recht in der Kritik ist. Aber auch ohne Frontrunning kann ein falscher MM ganz viele Signale erzeugen um die Gegenspieler zu gewünschten Entscheidungen zu bewegen. Die Handelsregeln von Chartanylsten sind zum Beispiel ein gefundes Fressen.

    Am Ende ist es doch das Problem der Kunden von den Banken. Es zwingt die doch niemand über deren Handelsplattformen Geschäfte zu tätigen und dabei seinen Hals dem Wolf offen zu legen.

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  5. Eigentlich melken die Banken ja den Markt nicht sondern sie schöpfen aus diese Art und Weise Geld. ein steigender Dax, Dow usw. bedeutet ja auch immer eine Steigerung der Geldmenge.
    Wer soll denn dann der Verlierer sein?

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  6. Es sind insbesondere die großen Fische wie Pensionsfonds, Rentenfonds etc die für diese HFT Gewinne bluten müssen. Auf deren große Orders haben die es abgesehen um rechtzeitig sich selbst davorzusetzen. Aber im Grunde legt dort ja auch vorallem wieder der Kleine Mann an, insofern wird es wieder ihm aus den Taschen gezogen. Dem Fondmanager juckt das selbst wenig.

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  7. > ein steigender Dax, Dow usw. bedeutet ja auch immer eine Steigerung der Geldmenge.
    Wer soll denn dann der Verlierer sein?

    Wir alle! Damit blähen sie den Markt auf, und machen daraus ein fragiles Gebilde. Ausserdem ist es immer Inflation wenn mehr Geld geschaffen wird, als die Wirtschaft wächst.
    Wenn sie auch noch andere Spekulanten übervorteilen ist das ein Thema für sich.

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  8. @Jörg

    Bei den Fonds kommt es nicht selten auf den hauseigenen Trading Desk an. Kann man nicht generell sagen wie clever die Leute dort das machen.

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  9. Ich hab mich vor einiger Zeit mit dem Thema Betrügereien beschäftigt (weil ich immer Angst habe, betrogen zu werden) und bin zum Ergebnis gekommen, dass die Finanzmärkte die größte Betrügerei gegenüber Normalsterblichen überhaubt ist. Dies beinhaltet echte Kursmanipulationen, Taschenspielertricks wie Frontrunnig, Algoritmen, Nachrichtensteuerung (wenn die "Praline" wieder Aktientipps gibt, steht der Crash vor der Haustür), Verkauf von undurchsichtigen Finanzprodukten (hier bietet die Sparkasse gerade 3,6% Zinsen, wenn man die gleiche Summe in "ausgewählte Investmentfonds" anlegt) uswusf.

    Deshalb überrascht mich nichts mehr aus dieser Richtung, und bei allen meinen Finanzentscheidungen habe ich im Hinterkopf, dass man versucht mich zu bescheißen.

    Interessante Literatur die ich empfehlen kann, um die Psychologie von Betrügern zu verstehen:

    1. How to Cheat at Everything:
    http://www.amazon.de/How-Cheat-Everything-Esoteric-Cheating/dp/1560259736/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1274387310&sr=8-1

    2. The Big Con (über die altmodische Art zu betrügen):
    http://www.amazon.de/Big-Con-Story-Confidence-Man/dp/0385495382/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1274387494&sr=1-1

    3. Sehenswerter Film, The Spanisch Prisoner (mit Steve Martin in einer ernsten Rolle):
    http://www.imdb.com/title/tt0120176/

    4. Super Film (7 Oscars), The Sting (auf Deutsch "Der Clou") mit Robert Redford und Paul Newman:
    http://www.imdb.com/title/tt0070735/

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  10. Wichtigster Leitsatz, wenn man nicht betrogen werden will:

    "You cannot cheat an honest man" (Man kann einen ehrlichen Mann nicht betrügen).

    "Honest" steht vor allem für "Nicht gierig".

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  11. @anonym (22:39)
    >>wenn die "Praline" wieder Aktientipps gibt<
    das war für mich bestenfalls ein Tittytainment-Magazin; geben die ernsthaft Aktientipps?
    Irgendwie erinnert mich das Ganze an Anfang 2008: eigentlich war klar: es knallt und Steinbrueck und Merkel beklagen öffentlich, dass die Deutschen nicht mehr Geld in Aktien investieren und jetzt sind wir mal wieder zu bloed zu investieren. Irgendwie hab ich ziemlich Bauchschmerzen, wo das hingehen soll...

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  12. @devnull

    Keine Ahnung, das war nur so als Metapher für die "Hausfrauenhausse" (oder hier vielleicht "Hausmännerhausse" ;-)) gemeint. Hab seit meiner Schulzeit keine Praline mehr angeguckt.

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  13. Hilft mir mal kurz jemand auf die Sprünge:
    Weshalb kommt es zwangsläufig zur Steigerung der Geldmenge (welcher eigentlich?), wenn DAX und DOW ansteigen?

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  14. Zur Vermehrung der Geldmenge kommt es wegen der Nullzinspolitik der US-Notenbank. Die Banken bekommen das Geld praktisch geschenkt um es zu investieren.

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