Und jetzt: Großbritannien

Angeblich gerät Großbritannien wegen seiner hohen Schulden und der unklaren Regierungsbildung ins Visier der Spekulanten, die sich nach dem Euro-Rettungspaket ein neues Ziel suchen.

Die Briten haben aber einen großen Vorteil: Sie haben eine frei floatende Währung und eine Attacke kann nur über diese laufen. Es werden also nicht direkt die Staatsanleihen ins Visier genommen, sondern in erster Linie die Währung. Den Spekulanten ist auch Wurscht, womit sie Geld verdienen.

Die Briten gewinnen aber mit einer fallenden Währung Wettbewerbsfähigkeit, was ihnen hilft, ihre Defizite zu reduzieren, riskieren allerdings auch zwei Sachen:

a) dass ihnen niemand mehr Pfund-Anleihen abkauft (weil Weichwährung) und
b) dass die importierte Inflation steigt und dadurch das Zinsniveau steigt.

Aber alles in allem ist die Lage für die Briten trotzdem deutlich einfacher als die griechische. Die haben nämlich kein Währungsventil mehr, über das der Druck, den die Spekulanten erzeugen, abgelassen werden könnte ...

Ich weiss nicht, wie viel Wahrheit im FTD Artikel steckt. Mir wirkt der doch etwas konstruiert. Großbritannien hat sein AAA Rating noch. Und auch im Pfundkurs kann ich noch keine Attacke erkennen. Immerhin war das Pfund in der Krise schon fast auf Parität zum Euro und hat sich davon wieder etwa 14% erholt. Nur weil die Regierungsbildung schwierig wird? Ich weiss nicht.

Dass Pfund wird abwerten, das scheint mir sicher zu sein. Aber ob das eine Hedgefonds getriebene Attacke wird und nicht doch eher eine normale langsame Abwertung, ist noch lange nicht ausgemacht ...

Pfund im Blickpunkt: Großbritannien droht Markt-Attacke | FTD.de

Update (18:17):

Marketwatch: U.K. is no Greece but fiscal reckoning needed

But hey, Greece wasn't supposed to be Dubai as well ...

Update (18:33):

Übrigens sind die Briten heute vergleichsweise problemlos langlaufende Anleihen (bis 2027) im Gesamtwert von 2,25 Mrd. Pfund losgeworden. Rendite 4,47%,  Nachfrage fast 2,5mal so hoch wie das Angebot (kurz hoch).

Marketwatch: Hung parliament fails to dent appetite for British gilts

FT Alphaville: UK gilt auction – ‘pass’

Kommentare :

  1. und was wollen die Briten exportieren ?deutschland wird das schon unterbinden !
    GRUSS GEORG

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  2. Silberne Teekannen. Golfschläger. Reitsattel. Wachsjacken. Doc Martens.

    Nee etwas ernster: Öl! Autos! Maschinen! Arzneimittel! Auch wenn der Export im Vergleich zu Deutschland ein Witz ist, ist er immerhin vorhanden.

    Und ein Pfundrückgang um 25% oder so würde ja nicht nur die Exporte billiger machen, sondern auch der Importe teurer. Und dann noch weniger Engländer im Ausland im Urlaub und irgendwann ist das wieder im Lot.

    Ohne sinkenden Pfundkurs kommen die Briten allerdings nicht aus der Nummer raus. 13% Minus bezogen aufs BIP kann man nicht einfach wegsparen.

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  3. Die Abwertung ist gefährlich für England, weil sie Schulden in Höhe von mehr als 50% des BIP in Fremdwährung halten.

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  4. Wer wird erster?

    Aus dem Spiegel-Artikel über die Schulden der USA:
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,694153,00.html

    "Die Rating-Agentur Moody's - selbst tief in die Ursachen der Finanzkrise verstrickt - warnte kürzlich, dass der wachsende US-Schuldenberg zur Abwertung der Staatsanleihen führen könnte."

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  5. DEUTSCHER EXPORT EXPLODIERT IM MÄRZ
    HAB ICH GRAD MAL GELESEN. DA MUSS MANN SICH IN GB ABER GEWALTIG ANSTRENGEN:
    ÖL ? DIE BRITISCHEN NORDSEEFELDER SIND IM DECLINE, DAS LAND IST ÖLIMPORTEUR. AUTOS? SOLL DAS VAUXHALL SEIN ? MASCHINEN ? DER DEUTSCHE MASCHBAU IST WELTSPITZE HEISST ES, ARZNEIMITTEL MAG SEIN NE KLEINE NEUE SCHEINGRIPPE KÖNNTE HELFEN
    GRUSS GEORG

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  6. Abwehrreaktionen aus Deutschland gegen eine Pfundabwertung sind einfach. Man senkt hierzulande das Lohn-und Gehaltsniveau weiter ab, setzt noch mehr 1 Euro Jobber ein und steigert die Produktivität mit Weltklasse Maschinen und Anlagen, natürlich Deutsche.
    gruss georg

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  7. > Großbritannien hat sein AAA Rating noch.

    Wir brauchen endlich andere Rating-Agenturen!

    > Abwehrreaktionen aus Deutschland gegen eine Pfundabwertung sind einfach.

    Ich bin für eine Steuer auf Löhne die sich nach der Währungsentwicklung richtet, und bei steigendem Euro im Vergleich zu einem Währungskorb direkt als Ausgleich an den Arbeitgeber ausgezahlt wird. Der müsste sie gar nicht ans Finanzamt überweisen, nur einziehen und behalten. Alternative wäre eine Zweitwährung die sich nach einem Währungskorb richtet, und in der man die Lohnvereinbarungen in Arbeitsverträgen schliessen muss.

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  8. Ich sehe jetzt so kurzfristig keine Gefahr für GB, außer sie kommen, dank solcher Artikel in der FTD, ins Gerede. Aber mittelfristig sieht es für GB echt düster aus.

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  9. Die BoE kauft ja schon seit geraumer Zeit, wie die FED, die eigenen Staatsanleihen auf. Da ist es dann auch kein Problem ein entsprechendes Interesse zu simulieren.

    Aber wohl nicht mehr allzu lange.

    Gruß

    SH

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  10. Über das Gelbe Forum gefunden: Franzosen warnen England vor Problemen.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/financetopics/financialcrisis/7710261/Britain-must-fend-for-itself-in-event-of-crisis-French-official-warns.html

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