Warum kam es gerade zum Crash?

Ha, suchmaschinenoptimierter Titel ;-) Hinter dem wie üblich nix an Substanz steckt ...

Naja, egal, man kann ja auch mal Gerüchte verbreiten.

a) Naheliegend, aber bisher nicht durch Gerüchte "belegt": Wildgelaufener Computerhandel wie beim Crash 1987, nur diesmal in der Variante High Frequency Trading.

b) Eine Fehlorder, entweder durch zu viel Nullen oder einen Zahlendreher. Das ist schon häufiger passiert als man glaubt. Die Börse Tokio lag sogar schonmal durch eine solche Order komplett flach!  (FAZ: Der vermutlich teuerste Tippfehler der Welt).

Es werden auch schon Namen rumgereicht. Ein Trader der Citigroup soll's gewesen sein. Und es soll ein Fehlorder (oder mglw. auch nur ein falscher Kurs) gewesen sein. Im Chart sieht das wie folgt aus:



Das spiegelt aber nur die halbe Wahrheit wieder. Denn die Aktie von Procter & Gamble sank sogar unter die 40 Dollar. Es steht ja auch schon "Gamble" im Namen ;-)



Naja, so genau weiss man es nicht. Systems normal, all f*cked up.

Marketwatch: Programs, E-Minis Trade Snafu Said Contributed To Market Plunge

Update 1 (22:58):

Es gibt auch Gerüchte um Liquiditätsprobleme irgendeiner Bank (oder eines Hedgefonds?) in Europa (Calculated Risk: Market Update). Ich sehe in meiner Zugriffsstatistik auch mehrere Suchanfragen zum Themenkomplex "Holland Niederlande Bank Pleite Bankenpleite Liquidität". Mehr weiss ich aber auch nicht.

Update 2 (23:05):

Creditwritedowns: What caused the crash?

Update 3 (07.05.10):

Citigroup dementiert eine eventuelle Fehlorder. Kann damit natürlich immer noch ein Tippfehler gewesen sein ...

Businessweek: Citigroup Finds ‘No Evidence’ of Erroneous Trading (Update1)

Update 4 (07.05.10):

Die Börse NASDAQ rollt einige Orders aus dem gestrigen Crash zurück. Alle Trades zwischen 2:40 und 3:00 Uhr Ortszeit  in der letzten 100 Minuten des Handels in Aktien, die mehr als 60% Minus (oder Plus) zum Kurs davor hatten, werden annulliert.
War nicht ein Trader von außen der Auslöser des Minicrashs, sondern das Handelssystem der NASDAQ selber?!?

Reuters: Nasdaq to cancel trades

Update 5 (07.05.10):

ZeroHedge ist (als bekannter Kritiker des High Frequency Tradings nicht sonderlich überraschend) der Meinung, dass der Minicrash auf High Frequency Trading zurückzuführen ist. Es sei schlicht die Liquidität zusammengebrochen.

ZeroHedge: The Day The Market Almost Died (Courtesy Of High Frequency Trading)

Update 6 (07.05.10):

Zur These, dass die Liquidität weggebrochen ist, auch ein Artikel im WSJ (leider hinter der Paywall):

WSJ: Did Shutdowns Make Plunge Worse?

Mindestens zwei HFT Firmen haben gestern den Handel wegen zu  hoher Volatilität ausgesetzt. Und damit brach die Liquidität ein und alle, die noch weiter tradeten, stießen auf einen ausgetrockneten Markt.

Wir haben also einen Markt, bei dem das HFT inzwischen etwa 3/4 aller Orders bewegt und einen Haufen Teilnehmer, die davon ausgehen, dass das Volumen immer so hoch bleibt. Stellen die HFT den Handel ein, prallt der Rest auf ausgetrocknete Märkte. 

Hmmm, Damit entpuppt sich die Argumentation der HFT, sie würde für effizientere Märkte sorgen (mehr Liquidität, kleinere Spreads) als Witz. Denn wenn es wirklich drauf ankommt, sorgen sie genau für's Gegenteil: Die Liquidität bricht zusammen und alle wollen gleichzeitig durch die auf einmal auf ein Viertel der ursprünglichen Größe geschrumpfte Türe ...

Update 7 (07.05.10):

Frank Luebberding hat die Geschichte des gestressten Traders mit seiner Fehleingabe mal protokolliert:

Weissgarnix: Abends an der Wall Street

Aber ich tippe eher auf wildgelaufenen Computerhandel, sprich High Frequency Trading. Wobei weniger das HFT den Rückgang auslöste, sondern die Einstellung des HFT.

Update (08.05.10):

Noch ein paar Erklärungsversuche von Felix Salmon:

Reuters: Deconstructing the crash

Kommentare :

  1. Eingabefehler, zumal bei der ohnehin sehr angespannten Börsenverfassung, halte ich durchaus für glaubhaft. Eine Procter&Gamble, eines der defensivsten Investments auf dem Kurszettel was man sich vorstellen kann, klappt niemals nachrichtenlos um 1/3 zusammen, auch nicht in der größten Panik

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  2. Die Indizes waren aber schon 3% (oder so) im Minus als P&G wegkrachte.

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  3. Die Indizes waren aber schon 3% (oder so) im Minus als P&G wegkrachte.

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  4. "zumal bei der ohnehin sehr angespannten Börsenverfassung" - da kann das leichter mal passieren

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das am 11. September 2001 so zwischen 15:30 und 17h in Deutschland ablief. In Deutschland gehandelte US-Werte gab es da reihenweise mit 30% Abschlag, so z.B eine Abbott Laboratories. Damals gab es bekanntlich einen schockierenden Anlass, heute nicht (oder wir wissen es bloß noch nicht, dass Goldman Sachs sich mit Gold-Shorts verhoben hat ;) )

    Ne ne, eine P&G klappt niemals um 1/3 zusammen. Vorher hätte sich der ganze andere Dreck zehnteln müssen bevor das passiert ;)

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  5. Eingabefehler? Glaubt hier wirklich jemand, dass die Handelsabteilungen der Banken mit all ihren ausgefuchsten HF-Trading-Maschinen bei den manuellen Eingaben keine Plausibilitaetspruefungen durchfuehren, Limits gesetzt haben etc. und dass der kleine Trader von nebenan einfach mal drei Nullen zuviel eingeben kann? Na sicher doch...

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  6. das war sicher eine Sternstunde für Daytraders. Zumindest wenn sie nicht mehr als 59.99% Gewinn gemacht haben. :-)

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  7. Drei Nullen zu viel eher nicht. Aber 8200 statt 2800 oder Limit 26 statt 62 ... Hej, das gibt es alle paar Jahre wieder irgendwo ...

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  8. Das sollen wir glauben. Selbst bei meinem Endkunden-Broker poppt ein Fenster auf, wenn ich mit meinem eingegebenen Preis (Kauf, Verkauf, Stop) zu weit vom aktuellen Kurs weg bin. Und die maximale Differenz kann ich sogar selbst individuell konfigurieren, wenn mir der Standardwert nicht passt. Und so etwas sollen die Handelsabteilung der Banken nicht haben? Vollkommener Quatsch.

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  9. Nee, sehe ich nicht so. Auch wenn die HFT These plausibler ist.

    Aber es liegen andauernd komische Orders im Markt. Und wenn du 100 mal am Tag die Warnung wegklickst, klickst du sie auch weg, wenn sie beim 101. Mal Sinn gemacht hätte ... Das ist menschlich. Gerade sowas wie einen Zahlendreher übersieht man (wie man auch Tippfehler dauernd übersieht und auch beim 3. Mal noch nicht findet)

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  10. "Und wenn du 100 mal am Tag die Warnung wegklickst, klickst du sie auch weg, wenn sie beim 101. Mal Sinn gemacht hätte"

    stimmt *seufz*
    Das habe ich auch so bei meinem Broker eingestellt. Zum Glück hab ich noch zusätzlich ein 'hard limit', was ich nicht wegklicken kann. Greift übrigens schon weit unter "billion" *höhöhö*

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  11. Das mit dem Eingabefehler ist Blödsinn, da eine so große Order nicht automatisch ausgeführt wird und man quasi ganz P&G aufkaufen würde! (2,9 Mrd.!)

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  12. Es muss doch gar nicht P&G sein. Auch der S&P sackte vorher schon weg. Und Accenture. Und der Yen ging durch die Decke. Und es können auch noch alles Orders auf ein Derivat der drei Sachen oben gewesen sein. Und dann haben die Handelssysteme einen Haufen Arbitrage-Geschäfte angestoßen.

    Wer weiss.

    Aber die HFT These ist weiterhin plausibler ...

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  13. Schaut euch mal bitte dieses Video an:

    http://www.youtube.com/watch?v=ppEJ8r7bQ2o

    So geil, ein Bär rastet während des Crashs völlig aus.

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  14. Accenture von 40 auf 0,01 und wieder auf das Ausgangsniveau.
    Ich suche eine Aufstellung aller Werte, die so stark verloren haben...

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  15. Alle Trades, die weiter als 60% vom Kurs vor 14 Uhr (New York) entfernt lagen werden gestrichen. Hier die Liste:

    http://media.primezone.com/cache/6948/file/8212.pdf

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  16. Wer zahlt die ausgeknockten Zertis?
    bekomme ich die rückgebucht, wenn es die trades gar nicht gab? ;)

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