Zahl des Tages (06.05.10): 15

Willem Buiter schätzt, dass die Pleite Griechenlands bereits ausgemacht ist. Anders kann er sich die Bedingungen des Rettungspakets nicht erklären. Diese lassen ein Überleben Griechenlands eigentlich nicht möglich erscheinen. Buiter erwartet die Nachricht über den Bankrott Griechenlands bereits 2011.

Na, bis dahin ist ja noch etwas Zeit, die griechischen Papiere aus den Bankbilanzen in die Bilanzen des Staats zu transferieren. Um nichts anderes geht es bei der Aktion IMHO. Wir Steuerzahler werden sich freuen ...

Interessanterweise ist das Papier von Buiter aus der Zeit, bevor die Gerüchte über die Nachrangigkeit der Griechenlandanleihen aufkamen. Buiter leitet die Idee, dass die Politiker bereits heute den Bankrott von Griechenland vorbereiten, allein aus der Höhe des Zinssatzes ab. Bei 5% Zinsen (nach 3% Strafzinsaufschlag) ist das griechische Defizit nicht finanzierbar. Der Anteil der Zinskosten am BIP steigt so stark, dass die Konsolidierungslücke zu groß wird.

Eine kleine Rechnung: Das Minus im griechischen Haushalt liegt bei 13,x% im BIP. Die Griechen müssten also "nur" gut 10% des BIPs sparen, um wieder die 3% zu erreichen, die nach Maastricht erlaubt sind.

Wenn aber durch den vereinbarten Strafzinsaufschlag von 300 Basispunkten die durchschnittlichen Zinsen für die Schulden von aktuell etwa 4% um die Hälfte auf etwa 6% steigen, steigen auch die Ausgaben für Zinsen entsprechend. Diese liegen aktuell bei knapp 5% des BIPs, bei 50% Anstieg der Zinsen sind wir schon bei 7,5% des BIPs.
Dazu kommt dann noch, dass die Höhe der Schulden ebenfalls steigt. Erwartet wird ein Anstieg von aktuell etwa 120% des BIPs auf etwa 150% des BIPs. Das ist grob ein Anstieg um 25%. Das auf die 7,5% drauf und die Griechen haben Zinszahlungen von gut 9% des BIPs. Das sind gut 3 Prozentpunkte mehr als heute. Die Griechen müssen also nicht gut 10% ihres BIPs einsparen, sondern 13%.

Und wenn ich jetzt noch berücksichtige, dass das BIP Griechenlands im aktuellen und den beiden folgenden Jahren sicher um 8 oder 10% sinken wird, erhöht sich die Summe, die gespart werden muss, weiter. Dabei ist der direkte Effekt, dass die Steuereinnahmen (bei gleichem Prozentsatz) sinken, der indirekte Effekt, dass der Schuldenstand in Prozent des BIPs schon steigt, wenn die Schulden konstant bleiben, aber das BIP fällt. Ich berücksichtige nur den indirekten Effekt (und hoffe, dass der IWF den direkten Effekt in seinen Berechnungen berücksichtigt hat) und schlage nochmal 10% auf das 13%-BIP-Minus auf. Da ich bei den bisherigen Rechnungen immer abgerundet habe, runde ich diesmal auf. Und dann landen wir bei einem Haushaltsumgestaltungsvolumen für Griechenland von

15% des BIPs.

Ein Teil davon wird über Einsparungen kommen, ein Teil über Steuererhöhungen. Aber 15% sind heftig. Um nicht zu sagen unmöglich. Ich habe in einem älteren Posting schonmal die größten Sparprogramme der letzten Jahrzehnte verlinkt (ZAHL DES TAGES (02.05.10): 5). 15% kamen da nicht drin vor. 11% in Norwegen waren das bisher größte Sparprogramm eines westlichen Landes.

@matsch: Ich glaube du behältst Recht ...

Leider habe ich das Originalpapier von Buiter nicht. In der WSJ Zusammenfassung geht Buiter von 7% Zinszahlungen im BIP für 2013 aus.  Das stimmt so ungefähr mit meinen Berechnungen überein. Aber man bekommt aus Griechenland nicht einmal zuverlässige Zahlen über die Zinsen. Der letzte Haushalt, der online auf Englisch verfügbar ist, enthält die Zahl nicht und ist ansonsten nicht mehr als der ultimative Beweis für die Lügenstory, die uns die Griechen in den letzten Jahren aufgetischt haben. Lest das mal: Greek Ministry of Finance: The 2008 budget at a glance (PDF!). Die haben keinerlei Probleme, alles in Butter, Defizite sinken, Wirtschaft wächst, ...

WSJ: Greek Default Already Decided

So Zahl des Tages fertig. Das Ding kann kommen :-)

Update (11:25):

Martin Wolf hat unter Bezug auf Buiter in der FT ähnliche Überlegungen angestellt:


FT: A bail-out for Greece is just the beginning

Update (13:45):

Die FAZ hat eine spannende Berechnung gemacht. Was wäre wenn Deutschland 13% des BIP sparen müsste? Das wären etwa 300 Mrd. Euro. Bei den von mir berechneten 15% wären das sogar 360 Mrd. Euro.

Bundeswehr abschaffen bringt 30 Mrd. Euro.
Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt rauf bringt 8 Mrd. Euro Mehreinnahmen.
Und an große Teile der Ausgaben kann man gar nicht rangehen: Rentenkürzungen sind ausgeschlossen und Hartz IV kann man auch nicht mehr weiter senken.

FAZ: Was würde uns das kosten?

Der Artikel ist an einer Stelle etwas missverständlich formuliert: Schäuble muss nicht Jahr für Jahr 60 Mrd. sparen, sondern Jahr für Jahr 60 Milliarden zusätzlich.

Kommentare :

  1. Na gut - wie schon mehrfach erwähnt: Ohne Umschulung mit ordentlicher Gesamtschuldenreduktion samt nachhaltiger Budgetkonsolidierung wird es innerhalb der EURO-Zone und bei unveränderten Rahmenbedingungen nicht gehen.

    Einzige Alternative: Lockerung der Rahmenbedingungen und direkte Defizitfinanzierung durch die EZB (überlegt jetzt auch schon Das Kapital in der FTD).

    lg - urriegel

    AntwortenLöschen
  2. An den griechischen Default glaube ich nicht. Ich gehe davon aus, dass die EU mit etwas Nachlauf zu den drakonischen Sparmaßnahmen ein kleines Konjunkturprogramm auf die Beine stellen wird. Bisher beträgt die Fahrzeit für die 1092km Athen <-> Istanbul 13h. Wie wäre es mit einer weiteren Spur und höherem Tempo?

    Und wenn es Deutschland erwischt, dann wird die EZB ohnehin nicht mehr an der Notenpresse vorbeikommen. Die Zurückhaltung ist doch nur machbar, weil Griechenland so klein ist.

    AntwortenLöschen
  3. egghat,

    bevor wir uns in den Fall versetzen, Deutschland müsste Staatsausgaben in Höhe von 10% BIP zusammenstreichen, müssten wir erst mal unsere Ausgaben um genau diese 10% hochschrauben. Sonst hinkt der Vergleich, aber sowas von ;)

    Sarrazin ist mittlerweile auf meine Linie eingeschwenkt. Kluger Mann :-]

    Die FTD titelt in ihr typischer Manier
    "Bundesbank-Querulant Sarrazin zweifelt an Hellasrettung"

    www.ftd.de/politik/europa/:schuldenkrise-bundesbank-querulant-sarrazin-zweifelt-an-hellasrettung/50111112.html

    -----------

    Wenn Griechenland ein leistungsfähiges und leistungswilliges Land wäre wie sagen wir mal Irland, dann könnten sie es mit einem Haircut von ~ 1/3 wohl schaffen. So aber gar nie nicht. Die brauchen wohl an die 50% und selbst dann müssten sie sich noch auf die Hinterbeine stellen (was ich ihnen eh nicht zutraue)

    AntwortenLöschen
  4. @matsch: Naja, 10% erhöhen brauchen wir nicht.Bei 6% Minus im BIP sind wir ja auch schon ... Da reichen also 7 oder 8%. OK, Korinthen ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore