Zahl des Tages (10.05.10): 63

Ich versuche verzweifelt das Thema Griechenland bzw. den Euro-Rettungspakt zu vermeiden ...

Also nehmen wir den Zweitlieblingsfeind aller wirtschaftskritischen Beobachter ;-) Goldman Sachs.

Zu Goldman Sachs hat FT Alphaville eine schöne Zahl ausgegraben. Die Banken in den USA müssen in ihren Quartalsergebnissen die Ergebnisse des Eigenhandels ausweisen (klar), das aber heruntergebrochen bis auf die Tagesperformance (wusste ich bisher nicht). Dabei müssen zwar nicht die Tage einzeln aufgelistet werden, aber immerhin die statistische Verteilung über die Tagesgewinne bzw. -verluste.

Danach hatte Goldman Sachs im ersten Quartal 2010

7 Tage mit Handelsgewinnen von 25 bis 50 Millionen Dollar
5 Tage mit Handelsgewinnen von 50 bis 75 Millionen Dollar
16 Tage mit Handelsgewinnen von 75 bis 100 Millionen Dollar
35 Tage mit Handelsgewinnen von mehr als 100 Millionen Dollar.

Leider sind die 35 Tage nicht weiter aufgeschlüsselt. Mich würde schon interessieren, wie hoch der Gewinn am besten Tag für Goldman Sachs lag ... Aber auch so muss man sich schon wundern, denn 35 Tage mit mindestens 100 Millionen Dollar Gewinn sind mal eben mindestens 3,5 Milliarden Dollar ...

Jetzt könnte man meinen, dass Goldman Sachs ein sehr hohes Risiko fährt und ein paar miese Tage die Performance deutlich drücken. Aber nada, niente, Goldman Sachs hat an

63

von 63 Handelstagen Geld verdient. Nicht ein einziger Tag, den GS mit einem Minus abgeschlossen hat!

Da fragt man sich schon, ob die Goldmänner den Stein der Weisen gefunden haben.
Oder sind die High Frequency Trading Gewinne wirklich so hoch und so sicher?
Oder liegt das nur daran, dass die Handelssysteme noch aus Zeiten stammen, als sie mindestens 5 oder 6% erwirtschaften mussten, weil die Finanzierungskosten so hoch waren (jetzt sind die Kosten ja bekanntlich dank der Nullzinspolitik quasi nicht vorhanden)?
Oder geht es vielleicht alles nicht mit rechten Dingen zu, eine Vermutung, die nicht wenige generell im Zusammenhang mit dem High Frequency Trading aufstellen?

Was meint ihr?

FT Alphaville: Goldman Sachs, or how to mint money daily

oder direkt von der Quelle:

Goldman Sachs: 10-Q 2010/Q01 (PDF!), Seite 122

Update (11.05.10):

Ich finde es immer cool, wenn die recherchierenden Profis beim Spiegel so ganz ohne abzuschreiben an ihre Infos kommen. Poah, sind die gut. Die sind dabei sogar einen ganzen Tag langsamer als ich. Neee, nicht dass die hier lesen, aber warum kommt bei Spiegel und Konsorten nie ein Link auf FT Alphaville oder den 10-Q bei der SEC?

Spiegel: Goldman Sachs sahnt 100 Millionen Dollar pro Tag ab

Update 2 (11.05.10):

Bei der Zahl war ich scheinbar früh dran. Jetzt folgt auch die FAZ:

FAZ: Jeden Tag 25 Millionen Dollar Gewinn

Natürlich ist die FAZ noch exklusiver. Die musste nicht einmal auf DPA oder Reuters zurückgreifen ...

Kommentare :

  1. Man hat ja nicht nur an 63 Tagen Geld verdient, man hat sogar (wenn ich mich jetzt nicht komplettt beim im Kopf zusammenzählen verhaue) an 63 Tagen jeweils mehr als 25 Millionen Dollar verdient.(!)

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  2. Das sind die Handelsgewinne. Interessant wäre zu wissen, mit welchem Kostenaufwand sie erzielt wurden. Ob 25 Millionen Handelsgewinn am Tag bei dem Aufwand, den die treiben im Investment-Banking, ausreicht um Gewinne zu machen?

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  3. @Anon|Thomas:

    jaja, immer mehr als 25 Mio. Und bei mir als der Hälfte der Tage sogar mehr als 100 Mio.

    @Usedomspotter:

    Ob die Kosten schon berücksichtigt sind, weiss ich auch nicht.

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  4. Die Kosten sind vernachläßigbar für Banken. Da reden wir über ZentelCents pro Trade - nicht wie bei Privatkunden 5-xxx €uronen.

    Die Algos sind gut weil die Vola höher wird und die Spreads sich weiten...

    Allein bei GRBonds bis zu 15(!!) Bigfigures...

    Und der Müll der in den Büchern liegt wird mit Phantasie ausgewiesen

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