Zahl des Tages (13.05.10): 15.000.000.000

Es muss gespart werden. Diese Aussage hört man überall in der westlichen Welt. Besonders aufmerksam auf die Sparbemühungen geschaut wird logischerweise in den Ländern, die als kritisch gelten. In Griechenland sind die Sparpläne ja nun bekannt und nach genauerem Durchrechnen haben die Griechen auch zwei Jahre mehr Zeit bekommen, bis das Haushaltsdefizit wieder unter 3% des BIPs sinken soll.

Danach bleiben besonders Spanien und Portugal im Blick. Beide iberischen Staaten haben ihre Programme nun vorgestellt.

In Spanien gibt es nun Sparbemühungen von weiteren

15.000.000.000 (15 Milliarden) Euro.

Diese verteilen sich aber auf zwei Jahre, was die Zahl dann wieder relativiert. Gespart werden soll bei Rentnern (keine Rentenerhöhung), bei Staatsbediensteten (-5% Lohn dieses Jahr, keine Erhöhung im Jahr danach), Streichung des Neugeborenengelds, ...

Allerdings sind die Defizite Spaniens massiv. Das BIP Spaniens betrug 2009 1,05 Billionen Euro. Auf zwei Jahre verteilt machen die 15 Milliarden also gerade einmal 0,75% des BIPs aus.

Das Haushaltsdefizit liegt in Höhe eines zweistelligen Prozentanteils am BIP. Und jetzt geht es satte 0,75 Prozentpunkte nach unten. Hmmm, so doll ist das nicht.

Im FAZ Artikel wird übrigens für die Berechnungen ein spanisches BIP von 1,37 Billionen Euro angenommen. Das decken aber Wikipedia und Auswärtiges Amt nicht. Ich schätze, dem Autor ist einem BIP in Dollar "aufgesessen". Die Einschätzung, dass das Paket eher klein ist, teile ich aber auch ...

FAZ: Spanisches Sparpaket sieht klein aus
FAZ: Spanien kürzt Gehälter von Ministern und Beamten

Das größte Problem Spaniens ist eh die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 20%. Sparmaßnahmen tun der Konjunktur einfach nicht gut und werden die Arbeitslosenquote weiter steigen lassen. Und ein Heer von unzufriedenen Arbeitslosen hat schon viel kleinere Sparmaßnahmen scheitern lassen als die, die Spanien jetzt benötigt ...

Eigentlich sollte auch noch Portugal mit in dieses Posting, aber 23:57 ... Publish!

Update (die kann man ja auch nach 0:00 nachliefern ...):

Bin ich eigentlich der einzige, der es komisch findet, dass sich nur so wenige Journalisten die Mühe machen, das Sparprogramm mal in Relation zur wirklichen Neuverschuldung zu setzen? Ob man das Sparprogramm auf die ca. 0,75 Prozent des BIPs runterrechnet und das mit den etwa 10% Minus im BIP vergleicht oder ob man die Neuverschuldung in Milliarden raussucht und das mit dem Sparprogramm vergleicht, ist egal. Aber Hauptsache man ordnet die Zahl irgendwie ein. Ansonsten schreibt der eine Journalist von einem "drastischen" Sparprogramm und der andere von einem "kleinen". Und wer als Leser beide Überschriften sieht, dem bleibt nur noch ein großes "Häh?" ...

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