Zahl des Tages (17.05.10): 16.500.000.000


Im Rahmen der Rettungsaktion für die Eurozone haben die drei Beteiligten EU, IWF und EZB unterschiedliche Maßnahmen beschlossen. Wie die Pressekonferenz andeutete, angeblich nicht koordiniert (was einigermaßen unglaubwürdig ist). Die EU-Kommission beantwortete Fragen zum IWF Anteil nicht und die Hilfe der EZB blieb völlig unklar. Erst im Laufe der Zeit klärte sich die Rolle der EZB ein wenig.

Ziemlich überraschend vollführte die EZB eine 180-Grad-Wende. Nur wenige Tage nachdem die EZB selbst Diskussionen über das Thema Anleihenkauf noch kategorisch ausgeschlossen hat, begann die europäische Notenbank dann doch genau damit. Bis zu 50 Mrd. Euro sollen dafür zur Verfügung stehen, offiziell wurde die Zahl aber nie.

Heute meldete die EZB den ersten Zwischenstand: Anleihen im Wert von

16.500.000.000 (16,5 Milliarden) Euro

wurden bisher gekauft.

Das entspricht etwa 2% der ausstehenden Anleihen der vier kritischen Staaten Griechenland, Spanien, Irland und Portugal.

Leider ist der vielleicht interessanteste Punkt nicht bekanntgegeben worden: Von welchem Land hat die EZB wie viele Anleihen gekauft?

Die Kehrtwende der EZB hat dem Euro nicht gut getan. Das Vertrauen in die eigentlich sehr hawkische (strenge) Geldpolitik der EZB ist dahin. Sie greift jetzt zum gleichen Mittel wie die Notenbanken in Großbritannien und den USA und das nur wenige Tage nachdem das noch kategorisch ausgeschlossen wurde. Auch an der Unabhängigkeit der EZB von der Politik wird nun - mit Grund - gezweifelt.

Die EZB hingegen tut alles, um den Eindruck einer laxen Geldpolitik zu vermeiden. Sie versprach die durch die Anleihenkäufe zusätzlich in den Markt gepumpte Liquidität umgehend wieder abzuschöpfen. Die EZB reduziert die wöchentlichen Geldzuteilungen für die Banken um das Volumen der Anleihenkäufe der Eurostaaten.

Aber ob die Käufe der Euroanleihen so kritisch sind, ist umstritten. Manche Beobachter weisen darauf hin, dass die EZB die Märkte sowieso mit Liquidität flutet, da würden ein paar Milliarden zusätzlich auch nicht mehr viel bewirken.

Andersherum entzieht die EZB den Banken über die verringerten Geldzuteilungen Liquidität, was aber kaum kritisch sein dürfte, weil die Banken ja auch die größten Verkäufer der Euroanleihen sein dürften.

Irgendwie fällt mir die Beurteilung schwer. Die Maßnahme an sich erscheint mir deutlich weniger kritisch zu sein als vielfach kommentiert. Der Ansichtsverlust der EZB könnte sich langfristig als deutlich kritischer herausstellen ...

Wenn das Posting kaputt ist, kann ich auch nichts dran ändern. Blogger.com spinnt gerade und es ist jetzt 0:23. Gute Nacht.

Update (18.05.10):

Bei FT Alphaville gibt's noch eine ganze Reihe interessanter Anmerkungen zu der "Sterilisation" der zusätzlichen Liquidität durch die Anleihenkäufe, also dem "Zurückholen" des Geldes. Darauf will ich aber nicht eingehen, das ist ziemlich technisch. Kurz: Die Experten halten davon ziemlich wenig, weil die EZB eh Liquidität en masse zur Verfügung stellt.

Aber ein anderer Punkt ist noch ganz interessant. Die EZB kauft nämlich mit den Griechenbonds Papiere, die Junk sind. Diese wurden zwar auch schon seit ein paar Wochen als Sicherheit akzeptiert und das mag daher nicht überraschen. Ist es aber doch, denn weder die Fed noch die BoE haben im Rahmen ihrer Quantitative Easing Operationen Papiere von so schlechter Qualität in die eigene Bilanz genommen.

Lange hat die EZB die Quantitative Easing Maßnahmen sehr skeptisch betrachtet und jetzt eigentlich in einer noch viel kritischeren Version selber durchgeführt. Hmm. Hmm.

FT Alphaville: Sterilised and scandalised

Kommentare :

  1. Ich befürchte fast, dass langfristig die EZB die ganzen Anleihen von Griechenland und Co, aufkaufen sollen, damit dann eine Intimrasur gemacht werden kann, ohne dass die ganzen Banken im Adamskostüm dastehen müssen.

    Was passiert eigentlich, wenn die EZB massenhaft Anleigen hält, die mit einem Default enden? Stört das irgendwie oder kann die EZB das einfach in den WOM (Write Only Memory) buchen und keiner siehts mehr?

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  2. Die EZB hat eine Bilanz wie ein normales Unternehmen. Wenn also aufgrund eines Defaults Abschreibungen vorgenommen werden müssen, sinkt das Eigenkapital und das Unternehmen geht schlimmstenfalls insolvent.
    Nach Lehman musste die EZB Abschreibungen vornehmen, die das Eigenkapital soweit belasteten, dass die Anteilseigner Geld nachschießen mussten. Das sind die nationalen Zentralbanken. Im Endeffekt zahlt es also der Steuerzahler, da bei uns die Bundesbank dann keinen Jahresgewinn mehr in den Bundeshaushalt überweisen könnte.
    Damals ging es nur um ein paar hundert Millionen, wenn künftig dutzende Milliarden abgeschrieben werden müssten, dürfte der BB-Anteil auch deren Gewinne übersteigen. Könnte mir gut vorstellen, dass die BB dann als Goldverkäufer aufträte oder das Gold in die EZB-Bilanz überträgt - alles natürlich im Interesse der Eurostabilität...

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  3. Vorher wird aber noch der private Goldbesitz verboten, bzw. der Zwangsumtausch zu einem ungeheuer guten Kurs angeboten. Damit füllt man die Lager dann (wieder) auf ...

    Etwas konkreter zum Fall:

    Die Griechenland Anleihen gehen nicht Bankrott. Schließlich haben die Euroländer gerade Garantien im Wert von 750 Mrd. Euro gegeben. Die Refinanzierung Griechenlands, Portugals und Irlands ist damit gesichert. Problematisch wird es erst, wenn Spanien oder Italien noch dazukämen ...

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  4. Wenn @3 sicher ist, wieso ist gibt's dann noch den Renditeabstand zwischen deutschen und griechischen Anleihen? Wieso muss die EZB die kaufen und nicht der liebe Onkel Joe?

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  5. Weil die Märkte draußen zweifeln. Die Regierungen haben aber mehr Informationen. Die wissen, ob die wirklich wollen oder nicht. Wenn die EZB kauft und die Zusage hat, dass der Staat im Notfall einspringt, naja, dann kann's der EZB egal sein.

    Meine Aussage war rein aus Sicht der EZB (oder der Eurozone) getroffen.

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  6. bin ja schwer beeindruckt: die EZB packt sich Club Med Ramsch in die Bilanz, den sie bis zur Endfälligkeit (dann Ausbuchung wegen Wertlosigkeit?) halten muss und 'sterilisiert' die zusätzliche Liquidität fristenkongruent über einen Schnelltender mit Laufzeit 1 Woche

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  7. werden die eigentlich zum Nennwert gekauft?

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  8. Ohne es zu wissen ... Nennwert kann eigentlich nicht sein, dann wären ja irgendwo Kurse zu sehen gewesen ... Ziemlich sicher, dass die Dinger am Markt zu den normalen Marktkursen gekauft wurden.

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