Zahl des Tages (18.05.10): 3%

Lange keine positive Zahl mehr gehabt, oder?

OK, ich suche ... Hmm, aha. Ich finde leider nur etwas, bei dem die Eurozone vergleichsweise gut aussieht. Aber besser als nichts ;-)

Die Credit Suisse hat in einer neuen Studie eine Übergewichtung von Aktien aus Kontinentaleuropa um 16% empfohlen (vorher 5%).

In einem Satz wäre die Studie wie folgt zusammenzufassen: Kontinentaleuropa ist der Einäugige unter Blinden ...

Wenn man die Verschuldung von Verbrauchern, Unternehmen und Staat zusammenrechnet, hat Kontinentaleuropa eine Verschuldung von 220% des BIPs, die USA von 270% des BIPs, Großbritannien von 300% des BIPs und Japan sogar von 363% des BIPs.
Man kann diese Zahl durchaus kritisch sehen, denn sie berücksichtigt die Vermögensseite nicht. Die Schulden des japanischen Staats liegen z.B. fast zu 100% in japanischen Händen. Die Japaner sind in dieser Hinsicht also fast unabhängig vom Ausland, ähnliches gilt für Europa. Großbritannien und die USA sehen in dieser Hinsicht aber viel schlechter aus.

Die Sparrate in Kontinentaleuropa liegt etwa sechsmal so hoch wie in den USA (die extrem niedrige Sparrate in den USA war ja schon häufig Thema hier).

Auch die laufenden Haushaltsdefizite in der Eurozone als Ganzes sind viel geringer. Die Eurozone hat ein Minus von 6,7% gemeldet. In Großbritannien und den USA ist das Minus zweistellig. Und vielleicht noch schlimmer: Von konkreten Sparmaßnahmen ist nichts zu sehen.

Die Credit Suisse schätzt daher das Volumen der Sparmaßnahmen, die noch zu erbringen sind, in den USA, Großbritannien und Japan auf etwa 7 bis 8%, in Kontinentaleuropa aber "nur" auf

3%.

Dass die Credit Suisse so optimistisch für europäische Aktien ist, begründet sie auch mit anderen Faktoren:

  • Das Wirtschaftswachstum in Kontinentaleuropa würde unterschätzt. Offiziell würden in Deutschland 1,2% Wirtschaftswachstum erwartet, die zuverlässigsten Frühindikatoren würden aber eher

    3%

    anzeigen (hätte ich auch als ZdT nehmen können ...).
  • Die Aktien in Europa wären deutlich preiswerter als in den USA (30%).
  • Der schwache Euro allein würde schon für einen Prozentpunkt mehr Wachstum sorgen.

Kurz: Die Credit Suisse traut der Eurozone eine Rettungsaktion für Griechenland und Portugal durchaus zu. Und die Belastungen daraus auf das Wirtschaftswachstum als verkraftbar. Wie hingegen die USA oder Großbritannien 7% des BIPs "ersparen" sollen, ohne die Wirtschaft abzuwürgen, bleibt unklar.

FT Alphaville: Markets Live transcript 17 May 2010
Reuters: STOCKS NEWS EUROPE-Credit Suisse further overweight Europe

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