Zahl des Tages (26.05.10): 2.940.000.000

Ich gebe ja zu, auf den Tag habe ich irgendwie gewartet ... Es deutete sich seit Monaten an, aber trotzdem kann man es nicht glauben. Selbst wenn man Fanboi ist ...

Zum Börsenschluss heute ist Apple zu zweitwertvollsten börsennotierten Firma in den USA geworden. Die bisherige Nummer zwei Microsoft wurde heute überholt. Apple hatte zum Börsenschluss eine Marktkapitalisierung von 222,12 Milliarden Dollar, Microsoft nach gut 4% Kursrückgang nur noch 219,18 Milliarden Dollar.

Apple ist mit Stand heute Abend also

2.940.000.000 (2,94 Milliarden) Dollar

mehr wert als Microsoft.

Das iPad dürfte dazu massiv beigetragen haben. Selbst meine relativ freche (sprich hohe) Wette auf 5 Millionen iPads in diesem Jahr scheint nun deutlich übertroffen zu werden (siehe MEINE 5-MIO-#IPAD-WETTE WIRD JA FAST LÄCHERLICH ...). Es würde mich nicht mehr überraschen, wenn Apple allein im zweiten Quartal schon 3 Millionen oder mehr verkauft.

Trotzdem ist das natürlich irre. Microsoft hat im Betriebssystemmarkt immer noch ein äußerst profitables Nahezu-Monopol, mit Margen von weiter über 90(!)%. Auch der Office-Markt ist defakto Microsoft only. In beiden Märkten ist Apple bestenfalls Nischenplayer.

Allerdings muss man auch klar sehen, dass Microsoft in vielen Zukunftsmärkten nicht toll aufgestellt ist. Bei allen großen Investitionen der letzten 10 Jahren kamen bis auf die xbox mehr oder weniger große Flops raus. (Und selbst bei der xbox ist fraglich, ob die über die Lebensdauer profitabel ist. Die Einführung gegen die PS3 war seeeehr teuer, auch für MS).

Als schlimmstes muss man sicherlich die Saga um Windows CE/Mobile/Phone werten. Als Microsoft mit großem Aufwand Palm zerstört hatte und den PDA übernommen hatte, kam der Zug in Richtung Smartphone ins Laufen. Hier nahmen erst RIM mit den Blackberries (die ironischerweise mit einer besseren Integration zu den Exchange-Server von Microsoft als die Microsoft-Handies überzeugen konnten) und später noch Apple mit dem iPhone Microsoft diesen Markt komplett wieder aus der Hand.
Jetzt steht MS nicht nur dem hochpreisigen und exzellent aufgestellten Konkurrenten Apple gegenüber, sondern auch Google, die ihr Betriebssystem Android defakto an jeden verschenken, der es haben will. Mir ist schleierhaft, wie Microsoft in dem Markt nochmal Geld verdienen will ... Klar, Marktanteile kann man sich kaufen. Aber wofür, wenn man gegen gute kostenlose und quelloffene Software anstinken muss? Ich als MS würde meine Software (Outlook, Office, ...) auf *alle* Smartphones bringen und damit versuchen, Geld zu verdienen.

Die Internetsparte ist nicht besser. Der letzte Geschäftsbericht, den ich mir angeschaut hatte, lieferte für Microsoft bei knapp 900 Millionen Dollar Umsatz über 800 Millionen Dollar Miese. Autsch. Und das obwohl Microsoft im Internet ähnlich viele Leute erreicht wie Google. Google hingegen holt aus den Kontakten mit den Kunden ein Mehrfaches an Werbeeinnahmen heraus und ist suuuperprofitabel.

Und jetzt zeigt Apple Microsoft auch, wie man Touch macht. Eine Technik, die Microsoft seit 10 Jahren versucht, an den Mann zu bringen und die immer wieder gefloppt ist. Weil Touch und Windows-GUIs zusammen keinen Sinn machen.
Im Tablett-Markt wird Microsoft erst wieder kontern können, wenn das neue Windows OS für Smartphones fertig ist, das sieht nämlich ganz gut aus. Das ist eine geeignete Softwarebasis für ein Tablet. Nur zieht Microsoft den großen Vorteil, den sie haben, nämlich den Unmengen an existierender Software, leider nicht, weil die Software komplett neu geschrieben werden muss.

Schlimmer für Microsoft am Erfolg des iPads dürfte für Microsoft noch die Erkenntnis sein, dass bei aller berechtigten Kritik am iPad (keine Ports, keine Erweiterbarkeit, ...) die Leute das Teil trotzdem kaufen und damit eigentlich nur eines sagen: WIR WOLLEN KEINEN PC MEHR. Keine Virenscanner, keine 5 Programme gleichzeitig (ich kann eh nur in eines tippen), keine CDs, keine 37 unabhängigen Updateprogramme, keine andauernden Sicherheitsaktualisierungen, ... Nichts davon.

Wenn das jetzt arg Apple-freundlich klingt, möchte ich betonen, dass die eigentliche Gefahr für Microsoft aber Google ist. Weil man gegen das Geschäftsmodell von Apple (relativ geschlossene Systeme, relativ teuer) immer einfach angreifen kann: Mit Dumping (was MS auch seit knapp 3 Jahrzehnten macht) und/oder mehr Flexibilität. Aber gegen Google wird das viel schwieriger. Denn die sagen einfach: Hej, hier ist unser Betriebssystem, nehmt es und werdet glücklich (und baut mit Android Smartphones und demnächst mit ChromeOS Tablets, Netbooks und einfache PCs). Und ansonsten gibt es ein Office und Mail und und und online und das kostet euch nix bis ganz wenig ... Und dagegen wird ein Angriff sehr schwer bis unmöglich ...
Schon irre, dass all diese Überlegungen, die vor 10 Jahren aus der Linux Ecke kamen, jetzt durch Google umgesetzt werden ...

Update (23:01):

Im ZDF Auslandsmagazin kam heute was über den "digitalen Diktator" Steve Jobs. Wen's interessiert ...

ZDF Mediathek: Steve Jobs: der digitale Diktator (7 min)?

Update 2 (23:10):

Bericht ist übrigens von Mario Sixtus. Nicht schlecht, aber für mich (wie erwartet) exakt NIX neues drin ...

Update 3 (23:22):

Barrons hat leicht andere Zahlen, das Ergebnis bleibt aber sehr ähnlich: 226,1 Mrd. für Apple vs. 223,5 Mrd. für Microsoft.

Barron's: New Tech Stock King: Apple Surpasses Microsoft In Market Cap

Kommentare :

  1. Alles nicht schlecht für Apple. Aber die ganz, ganz große Frage ist doch: Was kommt nach Steve Jobs? Wenn bei Microsoft der Vorstand weg ist, kommt halt ein neuer und es läuft weiter profitabel. Aber Apple? Interessant wird der Vergleich der Börsenbewertungen in einer "Nach-Jobs-Area" sein! Deshalb ist eigentlich auch Apple in den Zukunftsmärkten nicht gut aufgestellt...

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  2. "Deshalb ist eigentlich auch Apple in den Zukunftsmärkten nicht gut aufgestellt..."

    Das sehe ich anders. Apple hat in den letzten 10 Jahren die Zukunftsmärkte gemacht. Egal was ein Ei vorneweg hat, es hat einen Markt geschaffen. Echte Neuheiten, die nicht von Apple kamen? Fällt mir jetzt nicht wirklich etwas ein.

    Die Frage, ob jemand Steve Jobs adäquat ersetzen kann, ist allerdings berechtigt. Der scheint tatsächlich ein goldenes Händchen zu haben.

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  3. Was kommt nach Steve Jobs?

    Ich weiss nicht, ob ein Managerladen wie Microsoft besser dasteht, weil er keine Vision hat als ein Laden, der eine Vision hat (wie Apple).

    Es gibt ja immerhin Leute wie den Rosenberg, der bei Apple und jetzt bei Palm gezeigt hat, wie man gute Geräte baut.
    Ich glaube schon, dass auch nach Jobs da noch einige kommen könnten, die das auch können. Und man darf Jobs auch nicht überbewerten. Das iPad nach dem iPhone zu machen war ja naheliegend und keine Sensation. Die "Sensationen" waren der iPod und das iPhone. 2 in einem Jahrzehnt sind dann soooo überragend auch nicht mehr (wenn auch mehr als von der transusigen Konkurrenz, aber MS hat noch nie was erfunden, die haben quasi immer nur abgekupfert oder zugekauft).

    Microsoft und Google haben ein klares Problem damit, dass die Geschlossenheit von Apple (OS X nur auf Apple Hardware, iPod nur mit iTunes, iPad nur mit AppStore, ...) an vielen Stellen die Ursache ist, warum Apple-Produkte besser sind. Microsoft und Google hingegen arbeiten mit allen zusammen. Und dadurch werden deren Produkte nie so rund und gut aufeinander abgestimmt sein wie die von Apple.

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  4. Noch nicht so viele Jahre zurück als Apple was für freaks (und Leute aus der Medienbranche) war, mit Lifestyle eher wenig in Zusammenhang gebracht wurde. Eine ziemlich marode Firma, der bemitleidenswerte Antagonist von Microsoft, so wie die ewig dahinsiechenden AMD versus Intel.
    Die phänomenale Entwicklung von Apple habe ich lange unterschätzt, ein zeitweiliger Hype, der sich wieder geben wird. Andere Branche zwar, aber vergleichbar der Aufstieg von Puma. Irre billig in China produziert, irre teuer hier verkauft. Aber es funktioniert und hat immer noch Bestand. Hätte ich auch nicht gedacht. Nokia dagegen war mal sehr hipp. Die haben es hinter sich.

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