Zahl des Tages (27.05.10): 4,8%

Ich hatte noch einen anderen Bericht, aber es reichen auch nur die zwei Berichte für einiges "Augenbrauen-Hochziehen" ... Den anderen reiche ich morgen nach ...

Unter dem Druck der EU und des IWFs beginnt Griechenland nun den Kampf gegen Korruption und Steuerhinterziehung. Glücklicherweise muss man da als griechischer Finanzminister gar nicht weit laufen. Man beginnt einfach in der eigenen Behörde ...

Da findet man direkt 234 Angestellte, die offiziell nicht einen einzigen Euro verdient haben. Mist, da können die Griechen ihre Sparbemühungen wieder vergessen. Die verdienen ja gar nichts ;-)

Außerdem gibt es noch weitere 70 weitere Angestellte, die mit einem (offiziellen) durchschnittlichen Einkommen von 50.834 Euro das Kunststück vollbracht haben, Grundbesitz im Wert von durchschnittlich 1,228,337 zu erwerben. OK, die mögen reich geheiratet oder geerbt haben, aber da dürften trotzdem Einige bestimmte "andere" Einnahmen erzielt haben ...

Daneben gibt es noch ein Haufen von Anzeigen wegen Korruption. Eine Telefonhotline zum Verpfeiffen des ungeliebten Finanzbeamten haben die Griechen auch schon eingerichtet.

FT Alphaville: Tax evasion, Greek style

Aber nicht alles geht auf Korruption in der Steuerverwaltung zurück. Auch die ganze Struktur der griechischen Wirtschaft ist scheinbar auf die Optimierung der Steuern hin ausgelegt. So arbeiten in Griechenland nur etwa ein Viertel der Angestellten in einem normalen Beschäftigungsverhältnis. Deutlich über dem EU-Durchschnitt ist hingegen die Anteil der Selbstständigen und der mitarbeitenden Familienmitglieder. Gerade die mitarbeitenden Familienmitglieder werden mit Sicherheit genutzt, um die eh schon hohe Steuerfreigrenze von 12.000 Euro pro Kopf besser auszunutzen.

All das führt in Kombination dazu, dass die Einnahmen aus der Einkommensteuer in Griechenland bei nur

4,8%

des BIPs liegen. Der Durchschnitt der EU liegt bei 8,7%, Deutschland noch leicht darüber.

Die Griechen schätzen die nicht versteuerten Einkommen auf 23 Mrd. Euro, ein Bankanalyst sogar auf 70 Mrd. Euro. Nach den Berechnungen des Analysten könnten so zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von 3% des BIPs generiert werden.

Und ebenfalls wundern muss man sich über die ausstehenden Steuern, die Griechenland noch nicht eingetrieben hat. Diese sollen sich auf 32 Mrd. Euro belaufen. Das sind etwa 10% des BIPs. Da hätte man wohl etwas früher anfangen sollen, die mal konsequent einzutreiben. Vielleicht wäre es dann nie zur Krise gekommen ...

NZZ: Warum Griechen kaum Steuern zahlen

Zum Abschluss muss ich mich wiederholen und darauf hinweisen, dass das ineffiziente Steuersystem eben auch eine Chance bietet. Allein eine Erhöhung der Steuerquote auf deutsches Niveau dürfte gut ein Drittel des Defizits von etwa 13% des BIPs verdampfen lassen. Dann noch ein Drittel Einsparungen und man könnte Griechenland schon fast wieder solide nennen ...

Das grundlegende, längerfristige Problem des Leistungsbilanzdefizits Griechenlands ist damit leider immer noch nicht gelöst ...

Update (28.05.10):

So, hier noch der Link:

Handelsblatt: Nachfahren des Hippokrates am Pranger

Darin eine Liste von Ärzten auf einem Athener Nobelvorort, die keine Skrupel hatten, Einkommen von teilweise nur ein paar Hundert Euro zu versteuern ...

Kommentare :

  1. und das deutsche steuersystem ist effizient ???
    GRUSS GEORG

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  2. auch ganz interessant, 30 000 000 000
    Verwschwendet in dieser bananenrepublik aber vor fremden haustüren kehr sich viel leichter.
    http://www.tagesschau.de/inland/schwarzbuch100.html
    gruss georg

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  3. Zumindest trägt es mehr zum BIP bei.

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  4. > und das deutsche steuersystem ist effizient ???

    Sicher nicht perfekt, und das macht das der Griechen nur noch schlimmer. In Deutschland gibt es auch keine Steuerprüfungen bei einigen Reichen und es gab (z.B. Stupid German Money) und gibt viele Schlupflöcher, aber andererseits wird schon härter kontrolliert.

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  5. @GEORG:
    Das deutsche Steuersystem zieht immerhin über 9% des BIPs ein, das griechische keine 5. Ob das deutsche damit gut ist, ist doch uninteressant (an was will man das messen?), spannend ist doch nur, dass die Griechen ein Drittel ihres Defizits los sind, wenn sie es schaffen, so viel Einkommenssteuer zu kassieren wie die Deutschen ...

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  6. Bei uns in Österreich wird immer beklagt, dass es zu wenige Selbständige/Unternehmer gäbe.

    Was mich bei der Steuerlast in Österreich und den div. Vorschriften auch nicht sonderlich wundert, zumindest bei Kleinbetrieben.

    Im Grunde bewegt man sich da immer im Graubereich.

    In GR verhält es sich scheinbar anders und man will nun den Unternehmern "Steuergerechtigkeit" beibringen.

    Die Frage die sich dabei stellt ist, wie viele werden diese neue "Steuergerechtigkeit" überleben.

    Der Arzt wird kein Problem damit haben, aber viele gewerbliche familiäre Kleinbetriebe werden dadurch nicht mehr überlebensfähig sein.

    Ich denke, das geht zu schnell und zu brutal und wird in einem wirtschaftlichen Desaster enden.

    Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass der Schwarzmarkt noch stärker zu nehmen wird.

    Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

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