Zahl des Tages (31.05.10): 41

Die Herabstufung Spaniens am Freitag durch die Ratingagentur Fitch ist ein willkommener Anlass, mal wieder einen Blick nach Spanien zu werfen. Immerhin wird Spanien auch von mir schon länger  vergleichsweise kritisch gesehen.

Zwar sind die Zahlen zur wirtschaftlichen Lage Spaniens nicht ganz so schlimm wie in Griechenland oder Portugal. Das langfristig entscheidende Leistungsbilanzdefizit liegt in Irland bei 5,2% des BIPs, in Portugal bei 10,5%, in Italien bei 3,4%, in Griechenland bei 12,8% und in Spanien bei 9,1%.
Diese Zahlen deuten schon auf viele grundlegende Probleme hin: Mangelnde Ausbildung der Bevölkerung (1/3 der Jugendlichen sind ohne Abschluss!), trotzdem vergleichsweise hohe Löhne, was in Kombination zu einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit führt. Und daraus resultiert das hohe Leistungsbilanzdefizit.

In Spanien kommt noch ein ziemlich verkrusteter Arbeitsmarkt hinzu und die Tatsache, dass die Spanier seit dem Eintritt in die Eurozone extrem viel gebaut haben. Der Bausektor war mehr als doppelt so wichtig wie z.B. in Deutschland. Nach Ausbruch der Finanzkrise brach die Nachfrage nach Immobilien ein und nun stehen ganze Stadtteile mit neuen Immobilien leer und weit und breit ist kein Käufer in Sicht. Landesweit sollen es 1,5 Millionen leerstehende Wohnungen sein.

In diesem Bereich werden auf Jahre hinaus kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Problem vor allem für die schlecht ausgebildete Jugend, die diese vergleichsweise niedrig qualifizierten Jobs eigentlich benötigt.

Die Arbeitslosenquote in Spanien lag schon vor der Krise bei grob dem Doppelten des deutschen Werts. Inzwischen ist sie sogar auf 20% gestiegen. Schlimmer allerdings noch die Jugendarbeitslosigkeit, die aktuell bei

41%

liegt. Ein Wert, der einem echt die Sprache verschlägt!

FAZ: Spanien – das immobile Land

FAZ: Zweifel an Spaniens Zahlungsfähigkeit wachsen

Kein Wunder, dass die Anleger an Spanien zweifeln. Auch wenn die Jugendarbeitslosigkeit für die Investoren kaum der ausschlaggebende Faktor sein dürfte. Diese schauen bestimmt verstärkt auf eine andere Zahl: Die

325.000.000.000 (325 Milliarden) Euro

an Hypotheken in den Bilanzen der spanischen Banken, bei denen die als Sicherheit dienenden Immobilien täglich im Wert fallen. Ich habe lange versucht, einen vernünftigen Immobilienpreisindex für Spanien zu finden, aber leider nichts gefunden. Mich würde brennend interessieren, ob in Spanien die Preise auch schon wie in den USA 30 Prozent oder mehr gefallen sind. Denn dann sähe es bei den Banken echt übel aus ...

FTD: Bondinvestoren strafen Spanien ab

Kommentare :

  1. Ich bin bzgl. der Entwicklung in Spanien sehr pessimistisch und erwarte hier in den nächsten Wochen/Monaten noch deutlich schlechter Nachrichten, als Du sie hier in Deinem Beitrag beschreibst. Aber das wird nicht nur Spanien betreffen, sondern leider auf weitere Länder der Eurozone übergreifen.

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  2. Die Blase in Spanien wir platzen. Ich sehe nicht, wie da die Luft geordnet rausgelassen werden könnte.

    Wäre interessant zu wissen, wie die spanischen Vorschriften hinsichtlich Bilanzierung und Abschreibungen sind.

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  3. Die spanischen Immobiliebpreise sind seit 2008 in manchen Regionen um bis zu 70% (Beispiel Region Murcia) gefallen. Die Mietpreise sind um ca 20-30% gefallen (Neubau bzw. Altbau).

    Für die Gesamtregion Murcia kann man eine Wertkorrektur von mindestens 50% annehmen.

    Gruss,

    Rafael E. Wefers Verástegui

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  4. Tja, wenn die Preise denn auch wirklich richtig gefallen wären. Freunde von uns haben sich diesen Monat eine 114 qm Wohnung für 230.000 EUR gekauft. In einem Dorf (7000 Einwohner), ca 60 km von Barcelona. Diese Wohnung muss allerdings erst noch gebaut werden.

    Andererseits, wie von Rafael schon angesprochen, sind die Preise vor allem in Ferienregionen regelrecht zusammengebrochen.

    "Die" Spanier sehen das im allgemeinen aber nicht so tragisch, für die meisten ist das nur eine vorübergehende Krise. Tja.

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  5. @Rafael Eduardo Wefers Verástegui:

    Danke für den Zahlen! Wieso sind die offiziellen Zahlen so viel besser? Das passt ja vorne und hinten nicht. Nach INE sind die Preise in der Region sogar stabil (!), was ich allerdings nicht ansatzweisse glauben kann ...

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  6. @antonia:

    Ich habe nix gegen Links auf eigene Artikel, wenn sie zum Thema passen. Aber dieses sinnfreie Gespamme auf Artikel, die nix mit dem Thema zu tun haben, nervt. Bitte unterlassen! Danke!

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  7. @Ueedomspotter:

    Dazu schreibe ich gerade was ...

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  8. @egghat Ich habe einige Jahre als "Hypotheken-Broker" gearbeitet, kenne mich also auf dem spanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt entsprechend aus.

    Ein paar Fakten aus meinem Arbeitsalltag:

    Selbst Banken und Sparkassen die seinerzeit Hypotheken mit 80% Finanzierung abgeschlossen haben, haben dem Kunden DE FACTO eine 120% Hypothek verschafft, den es wurde keine Eigenleistung erbracht, von der Hypothkensumme wurde die Immobilie, die Provisionen, die Kosten, der Notar, die Steuern, die Einrichtung und oft auch das neue Auto bezahlt.

    Wie das? Nun das Wertgutachten wurde durch die Bank nach Absprache mit dem Hypothekenbroker erstellt, also genau so, dass 80% des Schätzwertes den kompletten Finanzierungsbedarf ausmachten.

    Im Falle von CajaMadrid waren es übrigens immer Hypotheken bis zu max. 85%. Dabei bekam zum Beispiel (real) ein Haus mit 2 Schlafzimmern und einem Verkaufspreis von 153.000€ einen Schätzwert von 238.500€ so das 85% für Haus, Einrichtung, Klimaanlagen in allen Zimmern, Auto, Flitterwochen etc. ausreichten.

    Finanzierungen bei anderen Banken wurden teilweise mit 80% des Schätzwertes + 20% als ungesichertes Darlehen (Kredit ohne Absicherung!) vergeben um 100% Finanzierung und mehr zu erreichen (Banesto, UCI, Santander-Gruppe).

    Zurück zum o.g. Beispiel des Hauses mit 153.000€ (+Steuern) Kaufpreis 2006. Derzeit verfügbar für 60000€ alles inkl. Wenn das mal kein Schnäppchen ist!

    Weiterhin sind besonders die Sparkassen de facto PLEITE! Egal welche "Caja" man besucht, alle haben ganze Ordnerwände mit verfügbaren Häusern!

    Um die Hypothekenmisere möglichst noch zu verschleieren gehen viele Banken inzwischen Wege die nicht zur Zwangsversteigerung werden, die mit Zwangseinlagen beim Banco de España verbunden ist. Man bietet immer öfter eine aussergerichtliche Abwicklung der Hypothek ab, also ein kompletter Schuldenerlass (mit Rabatt auf die Hypothek aus Steuergründen!) genannt "dación en pago". Der Schuldner ist danach "sauber" und die Bank meldet die Hypothek als bezahlt, obwohl die dadurch zum Eigentümer einer nun beinahe wertlosen Wohnung geworden ist.

    Die angeblich so glimpflich davongekommene Santander-Gruppe hatte letzes Jahr massive Liquiditätsprobleme bei Fälligwerdung eines Immobilienfonds, so dass ein Moratorium gewährt wurde, das auch auch noch gilt!

    Insgesamt versuchen die Banken auf Teufel komm'raus liquide zu bleiben und investieren erheblich Summen um an Gehaltskonten zu kommen, so bekommt man inzwischen 32"-TV, Reisen usw. geschenkt, wenn man ein Gehaltskonto eröffnet.

    Die Lage spanischer Banken ist weitaus prekärer als in Deutschland bekannt, noch schlimmer sieht es aber in der kaum verhandenen Industrie aus, kaum Aufträge, geringe Produktivität, massive Probleme bezüglich der Qualität und immer wieder Lieferschwierigkeiten haben spanische Produzenten in Grund und Boden gewirtschaftet.

    Die momentan bestehenden Ratings sind vollkommen aus der Luft gegriffen, das Land steht, leider, am Rande des wirtschaftlichen und politischen Totalzusammenbruchs, wobei IMHO beides nur eine Frage der Zeit ist.

    Die Subprime-Krise in den USA ist nichts gegen das, was hier in Spanien die letzten 10 Jahre gemacht wurde, es existieren ganze Geisterstädte mit unbewohnbaren und unverkäuflichen Luxuswohnungen, um nocheinmal auf die Region Murcia zurückzukommen: hier entstand bis vor Kurzem ein neuer "Megaflughafen" auf enteignetem Grund und Boden (der dann illegalerweise an Privatinvestoren verkauft wurde) der geplant und erdacht wurde als noch ca 50 Golfparks geplant waren und Murcia die grösste Tourismusregion Spaniens vorhatte. Dies ist Geschichte, der Flughafenbau ist gestoppt und es ist unsicher ob und wann es wieder weitergeht (wer mehr wissen will, die Firmen die bauen sind SACYR und ACCIONA).

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  9. @Rafael Eduardo Wefers Verástegui:

    Darf ich den Kommentar in einen Artikel packen? Ich kann (logischerweise) den Wahrheitsgehalt nicht kontrollieren, aber das hört sich alles sehr plausibel an und ich fände es sehr schade, wenn diese Situationsbeschreibung in einem Kommentar "versacken" würde ...

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  10. @Rafael

    ich sage auch vielen Dank für diese eindrucksvolle Situationsbeschreibung. Fast hätte ich Lust auf eine Exkursion (erst recht bei diesem nicht enden wollenden grauenhaften Wetter in Süddeutschland). Ich bilde mir ein, einen Hauch vom wehenden Mantel der Geschichte zu spüren.

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  11. @egghat Ich habe nichts dagegen. Die riskanten Hypothekenprodukte sind nach wie vor im Internet zu finden (cambio de casa, hipoteca 120%, hipoteca fácil, superhipoteca santander, etc).

    Was die Abschreibungsregeln bei "dación en pago" sollte es auch nicht weiter schwer sein Nachweise und Quellen zu finden. Aus Gründen des Datenschutzes kann und darf ich allerdings keine konkreten Fälle nennen. ;)

    Über die Liquiditätsprobleme der Santander-Gruppe wurde vor einigen Monaten im Zusammenhang mit dem Moratorium der Fondsauszahlung ausgiebig berichtet, auch da sollte sich noch genug Material finden lassen. Also.... frisch ans Werk!

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  12. @match Ich kann dir ein Paar Dörfer nennen die 620-700 Einwohner (alle haben eine Wohnung, ein Haus oder eine Bleibe) haben und in den letzten 2 Jahren 2000 Wohneinheiten erhalten haben um die "steigende" Nachfrage zu befriedigen.

    Sieht des Nachts lustig aus, wenn ich einem Wohnblock mit 400 Wohnungen/Häusern 1 Fenster beleuchtet ist und alle anderen nicht.

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