Ein spannendes Monatsende liegt vor uns

Es gibt zwei große Termine in den kommenden Tagen, die aus europäischer Sicht ziemlich viel Spannung versprechen. Beide sind eigentlich "Zahl des Tages" tauglich, aber ich verschwende die hier einfach mal sinnlos ;-) (OK, eigentlich bleiben sie ja noch Zahl des Tages fähig, weil der konkrete Wert ja erst noch festgestellt wird ...)

a) Am Donnerstag läuft das 12-monatige Refinanzierungsgeschäft der EZB aus, über das die EZB den Banken in Europa 442 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt hat (siehe ZAHL DES TAGES (24.06.09): 442.241.000.000). Es gilt als ausgemacht, dass die EZB einen gehörigen Teil des Geldes wieder einsammelt, sprich im neuen Geschäft (das dann planmäßig drei Monate laufen soll) deutlich weniger Geld zur Verfügung stellen wird.

Spannend daran ist die Interpretation: Man könnte geneigt sein, eine weiterhin großzügige Liquiditätszufuhr positiv zu bewerten, weil sich die Banken dann weiterhin unproblematisch refinanzieren können. Die Analysten in London werten es aber genau anderes herum als Krisenzeichen, weil die EZB mit einer großzügigen Liquiditätszufuhr das Signal sendet, dass die Banken sich immer noch nicht untereinander trauen und sich (wie normalerweise üblich) gegenseitig Geld leihen. Die Deutsche Bank schätzt, dass ziemlich genau die Hälfte des alten Liquiditätstenders (222 Mrd. Euro) übergerollt sprich verlängert werden.  Die DeuBa würde alles unter 150 Mrd. als positiv, alles über 300 Mrd. als negativ bewerten.

Sonderlich schwierig würfte das Einsammeln der Liquidität nicht werden. Einen großen Teil des Geldes haben die Banken direkt wieder bei der EZB geparkt oder alternativ in etwas länger laufende Anleihen angelegt. Besonders beliebt waren dabei die Anleihen der PIGS-Länder, weil diese so gute und vermeintlich risikofreie Rendite versprachen. Naja, den Carrytrade hätten sich die europäischen Banken wohl besser gespart.

Auch wenn allgemein davon ausgegangen wird, dass die Liquidität relativ problemlos wieder eingesammelt werden kann, muss man auf die PIGS Länder doch genauer schauen, besser gesagt auf die Banken dort. Diese haben sich nämlich vorwiegend aus den neuen Geldtöpfen der EZB bedient. Darauf habe ich auch schon ein paar Mal hingewiesen (u.a. hier: ZAHL DES TAGES (25.06.10): 10,06). Dort droht also durchaus eine gewisse Gefahr.

FT Alphaville: Numbers for LTRO-watchers

Der zweite Grund, warum das Monatsende spannend wird, ist der Rauswurf der griechischen Staatsanleihen aus vielen wichtigen Rentenindizes, weil die Anleihen auf Junkstatus gefallen sind. Auch das hatte ich als Erklärungsversuch für den erneuten und deutlichen Renditeanstieg in der oben genannten Zahl des Tages schon erwähnt.

Experten gehen davon aus, dass durch die indexorientierten Verkäufe griechische Staatsanleihen im Wert von 20 bis 30 Mrd. Euro auf den Markt kommen werden. Käufer dafür gibt es nicht sonderlich viele, daher wird wohl vor allem die EZB wieder die Hände aufhalten.

Die EZB hat bis zum vorletzten Wochenende Staatsanleihen für 51 Mrd. Euro gekauft (siehe ZAHL DES TAGES (21.06.10): 51.000.000.000), das Tempo inzwischen aber deutlich verlangsamt. In der letzten Woche kamen nur relativ bescheidene 4 Mrd. dazu.

Das dürfte sich diese Woche aber ändern. Und dabei kann man wohl auch davon ausgehen, dass der Anstieg bei der nächsten Zahl, die die EZB meldet, vorrangig auf griechische Staatsanleihen zurückzuführen ist. Werde ich verbloggen.

Handelsblatt: EZB spielt Feuerwehr für Griechenland

Beide Punkte könnten sich übrigens auch so gut ergänzen, dass beide Geschäfte völlig reibungslos verlaufen. Die EZB könnte fixe Ankaufskurse für  griechische Anleihen stellen. Die griechischen Banken könnten dann die EZB als Ablagestelle für die griechischen Staatsanleihen nutzen und mit dem Erlös die von der EZB geborgte Liquidität zurück zahlen.

Das wäre natürlich ein klassischer Bailout, denn die griechischen Banken hätten so einen ziemlich risikoreichen Carrytrade auf Kosten der EZB mit Ehren wieder abgewickelt. Aber wer will sich darüber noch aufregen ...

Update (16.59):

Interessanterweise lassen sich die Griechen weder von den Zinsen von mehr als 10% für die zweijährigen, noch von den Rekordpreise für die Kreditausfallversicherungen (CDS) schrecken und wollen selber Geld aufnehmen:

FTD: Nach 110-Mrd.-Euro-Rettung: Griechen spielen Geldmarkt-Vabanque

Update (30.06.10):

Vorläufige Entwarnung am Geldmarkt?

Beim heutigen Liquiditätstender haben sich die europäischen Banken deutlich weniger Geld bei der EZB geliehen als erwartet. Es wurden nur etwa 132 Mrd. Euro aufgerufen statt wie erwartet mehr als 200 Mrd. Euro. Das liegt sicherlich auch an dem 6-Tages-Tender mit unbegrenztem Volumen, den die EZB für morgen eingeschoben hat (wenn doch jemand klamm werden sollte ...)

Handelsblatt: Nachfrage nach Liquidität fällt gering aus

Kommentare :

  1. Usedomspotter29 Juni, 2010 12:33

    Was passiert eigentlich, wenn die Kriechen ihren Währungsschnitt machen, nachdem erst einmal alle Anleihen bei der EZB gelandet sind?

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  2. Dann hat die EZB eine dickes Loch in der Bilanz. Dafür druckt die dann einen Haufen Geld, verteilt es an die Regierungen und die stopfen das Loch in der Bilanz ... Kurz: Am Ende bezahlt es der Steuerzahler.

    Natürlich wird man dafür sorgen, dass das nicht direkt auffällt. Daher lässt man den Nennwert z.B. konstant und senkt bzw. streicht die Zinsen und streckt die Rückzahlung. Oder versieht alles mit Besserungsschein. Oder ähnliches.

    Wichtig nur, dass es nicht sofort alle Verluste gibt. Einen Teil steckt man unter Opportunitätskosten (man bucht ein Papier mit 100% Nennwert ein, auch wenn der Zins und das Risiko eigentlich nur einen Kurs von 80 rechtfertigen, aber solange es keinen Börsenkurs gibt, merkt es keiner). Einen Teil verschiebt man z.B. über Besserungsscheine in die Zukunft, die man heute für ganz wertvoll hält, aber in der Zukunft dann doch scheibchenweise abschreibt.

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  3. Danke. Das hat was von einem Schneeballsystem.

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