UK: Immobilienpreise 06/10: +0,1% (Vm), +8,7% (Vj)

Der Immobilienmarkt in Großbritannien erholt sich weiter. Der von mir bevorzugte Nationwide Index zeigt ein kleines Plus von 0,1% im Juni 2010 an. Im ersten Halbjahr legten die Preise um insgesamt 3% zu, in den letzten 12 Monaten um 8,7%.

Auch wenn die schnelle Aufholjagd der Immobilienpreise in Großbritannien beeindruckend (und überraschend) ist, muss man doch eine deutliche Abschwächung des Aufwärtstrends zur Kenntnis nehmen. Im Mai betrug das Jahresplus noch 9,8%, im April sogar 10,5% (ZAHL DES TAGES (29.04.10): 10,5).
Im 2. Halbjahr 2009 gab es fast 6% Plus, im 1. Halbjahr 2010 nur noch 3%, also ungefähr die Hälfte.

Aber Jammern ist sicherlich nicht angebracht. Die USA würden sich über solche Zahlen freuen.

Überraschend finde ich übrigens, dass die Megablase geplatzt ist, ohne dass die Preise nach unten "übergeschossen" sind. In einem Crash sinken die Preise meistens deutlich unter die eigentlich fairen Niveaus. Das ist im Fall des britischen Immobilienmarkts aber ausgeblieben:

Die Preise haben ziemlich genau am langfristigen Aufwärtstrend gedreht und ein Überschießen nach unten (wie in den 90er Jahren) blieb aus, obwohl vorher ein ähnlich starker Anstieg zu verzeichnen war.
In Großbritannien hat das dazu geführt, dass Immobilien alles andere als preiswert sind. Das durchschnittliche Haus kostet schon wieder etwa 5,5 Jahresgehälter, was deutlich über dem langfristigen Mittel der letzten drei Jahrzehnte liegt.



OK, einfach nur den Hauspreis mit dem Einkommen zu vergleichen, greift etwas kurz, weil die Höhe der Zinsen entscheidend ist. Bei einem Zins von 8% kann bei einer monatlichen Zahlung von 1.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren ein Hauspreis von knapp 130.000 Euro finanziert werden, bei einem Zins von 6% aber 155.000 Euro. Dummerweise machen in einer Marktwirtschaft die Preise dann relativ schnell das, was der niedrige Zins ermöglicht: Die Immobilienpreise steigen (zumindest solange sich auf der Angebotsseite nichts Dramatisches tut).

Die Frage, warum die niedrigen Zinsen in Großbritannien ihre positive Wirkung entfalten, in den USA hingegen nicht, kann man wohl auch über die Angebotsseite erklären. Wahrscheinlich liegt es an dem deutlich niedrigeren Immobilienangebot im Königreich. Gerade der Großraum London ist dicht, dicht, dicht. Dort gibt es kaum zusätzliches Angebot, außer in "Really Greater London" (janz weit draussen), von wo aus man aber 1,5 Stunden zur Arbeit fährt ... Und das zweimal am Tag. Da zahlt man lieber (eigentlich unvernünftige) Preise ... Dazu passt auch die Information, dass in London bereits vor einiger Zeit die alten Höchststände bei den Immobilienpreisen wieder überwunden wurden ( Zahl des Tages (30.10.09): +2,0%).
In den USA hingegen sind die Suburbs flächenmäßig so umfangreich, dass dort quasi problemlos neues Angebot hinzugefügt werden kann. Und das ist in der Immobilienblase auch in unvorstellbarem Ausmaß passiert. Das ist das Angebot, das in den USA weiterhin auf die Preise drückt. Und das ist das Angebot, das es in Großbritannien nie gab.

U.K. house prices up 0.1% in June: Nationwide Economic Report - MarketWatch

oder direkt von der Quelle:

Nationwide: House prices rise 3% in first half of the year (PDF!)

Kommentare :

  1. Wolfgang Münchau schrieb gestern auch was zu den wieder (oder vielmehr immer noch) verblüffend hohen Immobilienpreisen in UK


    "Wer hat Angst vorm hohen Zins?

    Wenn man verstehen will, warum britische Hauspreise trotz Krise wieder kräftig steigen und (im Gegensatz zu den amerikanischen) nur wenig eingebrochen sind ..."

    www.ftd.de/politik/deutschland/:kolumne-wolfgang-muenchau-wer-hat-angst-vorm-hohen-zins/50136499.html?page=2

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  2. Den Artikel hatte ich zur späteren Lektüre zu Seite gelegt. Hab ich jetzt mal vorgezogen.

    IMHO erklärt Münchau aber nicht, warum UK schon wieder stark gestiegen ist (und im Fall London schon wieder auf Rekordwerten steht) in den USA aber kaum was passiert ist. Das ist der Teil, den ich nicht verstehe. Die Zinsentwicklung ist ja ähnlich.

    Den Unterschied zu Deutschland, den Münchau beschreibt, hatte ich vorher auch schon verstanden ... Da ist aber mMn nicht das Paradoxon. Der komische Unterschied im Verhalten liegt zwischen UK und USA.

    Übrigens bin ich durch die BIZ Reporte durchaus stark beeinflusst. Ich finde deren zinsorientierte Erklärungen sehr logisch. Die Leute unterschätzen die Geldpolitik. Es ist kein Zufall, dass der Immobilienmarkt in Spanien, UK und USA mit den Zinserhöhungen "verkackt" ist. Das passiert jedes Mal! Und es ist kein Zufall, dass die Banken in eine Krise geschlittert sind. Das machen sie nämlich jedes Mal nach Zinserhöhungen! Das war 99/00 auch schon so.

    Und auch das, was jetzt passiert, ist immer das gleiche: Die Notenbank hält die Zinsen niedrig, damit die Banken sich dumm und dämlich verdienen können. Das ist kein unerwünschter Nebeneffekt, sondern der Hauptgrund. Das bleibt so lange so, bis die Banken so viel Gewinn generiert haben, dass die ihre Bilanzen wieder im Lot haben. Und dann, aber auch erst dann, kann die Notenbank die Zinsen wieder erhöhen.

    Es wird viel über den Bailout der Banken durch die Steuerzahler geschrieben. Aber es gibt schon viel länger den in jeder Krise wieder auftretenden Bailout durch die Niedrigzinsen der Notenbanken.

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