Zahl des Tages (10.06.10): -7,4%

Es ist etwas aus dem Blickfeld geraten, aber die Eigenkapitalquoten der Banken sind immer noch wichtig. Eine Zeit lang hat Zeitenwende.ch, ein leider stillgelegtes Blog, die Bankbilanzen immer hochkompetent auseinandergenommen und darauf hingewiesen, dass die Probleme, die in den USA schon sichtbar waren, in Deutschland und der Schweiz ebenfalls bald zum Vorschein treten werden. Was dann auch passierte.

Josef Ackermann ist zwar immer noch seeeeehr stolz darauf, dass "seine" Deutsche Bank ohne Staatshilfen durch die tiefste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit gekommen ist. Allerdings stimmt das auch nur zur Hälfte. Denn ohne die Bailouts für die Landesbanken, die Hyporealestate und die Commerzbank (Update: und die AIG)  hätte die Deutsche Bank auch viel schlimmere Probleme bekommen ...

Die normalerweise breit geschwellte Brust von Ackermann dürfte heute einige Male gebebt haben als bekannt wurde, dass die amerikanische Bankenaufsicht  FDIC die Niederlassung der Deutschen Bank in den USA unter die Lupe genommen. Und sich die FDIC nicht mehr sicher ist, ob sie die Bilanzkennzahlen weiterhin akzeptieren soll. Immerhin hat die US-Niederlassung der Deutschen Bank namens Taunus eine negative Kernkapitalquote (Tier-1) von


minus 7,4%.

Das ist natürlich ziemlich weit weg von den eigentlich geforderten 8% PLUS. Im Fall von Taunus ist das Eigenkapital, das mit 8,1 Milliarden Dollar in den Miesen liegt.

Die FDIC hat solche (eigentlich desaströsen) Zahlen bisher akzeptiert, weil die Deutsche Bank für alle  Niederlassungen die volle Haftung übernimmt. Die FDIC hat aber nun berechnet, dass der Hebel (also das Risiko) in der Bilanz der Mutter Deutsche Bank immer noch sehr hoch ist (Hebel knapp 23 oder 4,4% Eigenkapital); zum Vergleich hat die Citigroup als eine der schwächeren US-Banken 7,7% Tier-1-Ratio). Daher könnte die FDIC die Haftungsübernahme unter Umständen nicht mehr akzeptieren. Weil die Bilanz der Mutter eben nicht mehr ausreichend Puffer für die Übernahme der Risiken der Töchter bietet.

Das wird Ackermann sicherlich nicht gerne hören. Denn um das negative Eigenkapital der US-Tochter  (oder die niedrige Eigenkapitalquote der Mutter) auszugleichen, müsste die Deutsche Bank ein paar Milliarden Eigenkapital an den Kapitalmärkten einsammeln. Und Kapitalerhöhungen für Banken sind immer noch nicht so einfach durchzuführen ...

Diese aktuelle Geschichte zeigt exemplarisch, dass die Banken in den USA zwar viel schlimmere Probleme hatten als in Europa, aber die Sanierung dort eben auch viel radikaler und härter durchgeführt wurde. Im Notfall hat der Staat die Banken, die wie die Deutsche Bank meinten, ohne Kapitalerhöhung durch die Krise kommen zu können, einfach zur Kapitalerhöhung gezwungen. Nun sind eher die Banken in Japan und Europa die, die schlecht kapitalisiert sind und nicht mehr vorrangig die in den USA.

FT Alphaville: Of Taunus and Tier 1

Handelsblatt: US-Behörde nimmt Deutsche Bank ins Visier

Update (11.06.10):

Ich habe den größten Bailout von allen vergessen, den der AIG. Doof von mir, war immerhin Zahl des Tages (16.03.09): 12.000.000.000.
Danke an m106 für den Hinweis.

Kommentare :

  1. Du hast die AIG vergessen. Wenn ich mich richtig erinnere hatte der Josef alleinen von denen 10 Mrd. bekommen!?

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  2. Ich Dämlack.
    Danke für den Hinweis, ist ergänzt.

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