Zahl des Tages (14.06.10): -3,5

Wer hier häufiger liest weiss, dass für mich die Entscheidung zwischen Deflation und Inflation für mich noch lange nicht entschieden ist. Der Smart Investor ist der Meinung, dass wir am Anfang des Crack-Up-Booms stehen und es auf direktem Weg in der Hyperinflation geht. Im letzten Heft war aber auch ein Interview mit Felix Zulauf, der glaubt, dass die Wirtschaft erst noch einmal zurückfallen wird. Dann werden die Regierungen und Notenbanken noch massiver gegensteuern als bisher und dann wird der Crack-Up-Boom nach Meinung Zulaufs unvermeidlich. Ich neige eher zum Zulauf-Szenario, aber wie gesagt, sicher ist das beileibe nicht.

Kurz: Ich halte Ausschau nach Anzeichen für einen Double-Dip. Und vielleicht haben wir in der letzten Woche ein allererstes Zeichen gesehen. Einer der besten Frühindikatoren (der bekannte taugt nichts, der hat die letzte Rezession nicht vorhergesagt und der wird wohl die nächste auch nicht vorhersagen, weil der Indikator allein durch die Zinsdifferenz dick im Plus liegt) ist der ECRI Indikator. Dieser hat in den letzten Monaten einen historischen Absturz hingelegt (zugegeben nach einem historischen Höhenflug) und wäre hier fast schonmal Zahl des Tages gewesen. Aber weil der Wert letzte Woche nur noch knapp über der Nulllinie war (+0,3%), dachte ich mir, warte nochmal eine Woche, vielleicht haben wir dann einen negativen Wert.

OK und den gab es dann wirklich. Am letzten Freitag kam der neue Wert und dieser lag tatsächlich mit

-3,2%

im negativen Bereich.

Die ECRI betont, dass das kein Zeichen für eine neue Rezession sei. Dazu müsste die Phase mit negativen Monatswerten länger sein. Aber der ECRI-Indikator zeigt mindestens eine deutliche Wachstumsabschwächung an. Und das ist schonmal spannend, denn die Konsensschätzung für das Wirtschaftswachstum der USA in 2010 (und 2011) liegt noch bei etwa 3%.

Da juckt's mir ja schon fast wieder in den Fingern. Nochmal eine Rezessionswette gegen alle 50 Experten, die das WSJ befragt? Nee, dafür ist es noch zu früh. Und am Ende ist eine neue Rezessionswette auch zu risikoreich, weil die Notenbanken und die Regierung natürlich mit Adleraugen auf die Konjunktur schauen. Und sie werden, wie es auch Zulauf erwartet, schnell und massiv reagieren. Und sie werden sich nicht, wie es ja eigentlich mal angekündigt war, langsam aus den Stützungsmaßnahmen zurückziehen. Also die angekauften Anleihen im Wert von 700 Milliarden wieder langsam in den Markt zurückgeben und den Leitzins vom Rekordtief aus vorsichtig auf ein "normales" Niveau zurückzuhieven. Aber wenn das nicht passiert und im Gegenteil die Stützungsmaßnahmen sogar noch ausgebaut werden, kann man dagegen schlecht auf eine Rezession wetten. Wie heißt es so schön? Never fight the Fed.

ECRI: WLI Drops, But No Double-Dip Yet

FT Alphaville: ECRI watching with Edwards

Kommentare :

  1. hmm.
    Es schon eine crux mit diesen key-Indikatoren.
    Hecheln die nicht alle den Trends (Z.B. Dr. Copper oder Baltic Dry Shipping Prices)hinterher ?
    Es waere doch schon schoen, wenn man die Vorgaenge nicht nur empirisch sondern wissenschaftlich erfassen koennte.

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  2. Na, Baltic Dry ist *viel* zu volatil. Außerdem ist das eher ein Indikator für die Weltwirtschaft. Wie auch Kupfer. Der Preis für Kupfer wird in Asien gemacht. Beides ist für die stark Konsumgetrieben US-Wirtschaft nicht so sonderlich hilfreich.

    Das interessante am ECRI ist, dass er stark auf die Finanzmärkte setzt:

    Geldmengen
    ECRI Preisindex für industrielle Märkte
    Hypothekenanträge
    Spanne bei der Qualität von Anleihen
    Aktienkurse
    Erträge bei Anleihen
    Erstanträge auf Arbeitslosigkeit

    Er könnte also eigentlich das gleiche Problem haben wie der "offizielle" Frühindikator. Hat er aber nicht. Ich schätze, dass die Geldmenge, die ja ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit immer noch sinkt, den Indikator runterzieht.

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  3. Achso.
    Wie koennte man den egghat motivieren, mit seinem background einen Indikator für unsere Volkswirtschaft zu entwickeln, wie beispielsweise den
    InflationDeflationTimer 

    Man koennte den dann eggi nennen.

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  4. Ob Double Dip und (eine kurze Phase der) Deflation nun kommen oder nicht, beobachten lässt sich zweierlei

    1. es wird von der EZB und dem EU-Haftungsverbund (aktuell gibt die Bundesregierung gerade eine Garantie für die Einlagen der spanischen Banken) gestützt bis die Schwarte kracht. Kein Preis ist zu hoch. Auf ein schier unfassbares Rettungspaket wird das nächstgrößere gesetzt.

    2. An den Vermögensmärkten (Aktien wie Immobilien) herrscht eine vordergründig den Atem verschlagende Robustheit vor. Die Immobilienmakler berichten seit Herbst 2008 davon, dass ihnen die Bude eingerannt wird, jüngst wieder besonders extrem.

    Die Asset Inflation haben wir schon. Die Billionen an Geldvermögen rettet man nicht dadurch, dass man Supermärkte plündert. Ich glaube nicht, wer noch draußen steht, je nochmal vom Markt eine Gelegenheit zum billigen Einstieg präsentiert bekommen wird. Der Run ist schon längst im Gange, wobei es natürlich nicht ohne Verwirrung geht, die Angst vor dem Double Dip die Herde auch mal zeitweilig Aktien verkaufen lässt. Es ist sowas von offensichtlich wo die Reise mittelfristig hingehen wird oder vielmehr hingehen muss. Man braucht doch nur mal jemanden zu fragen, der 20 Jahre auf einer einsamen Insel verbracht hat, wie seine Einschätzung ist.

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  5. "Die Asset Inflation haben wir schon"

    Indiz ?

    An den Immobilienpreisen kann man das wohl nicht festmachen. Obwohl Don Alfonso das gern so hinstellt.
    An den Gewerbeimmos erst recht nicht. Was in MUC links und rechts der Stammstrecke alles leer steht !

    Am DAX etwa ?
    Am Gold vielleicht.

    "dass man Supermärkte plündert."
    hmm.
    Die Verkaufzahlen bei Daimler sind auch nicht so berauschend.

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  6. Die Printmedien, ob Handelsblatt, FTD, Wiwo, Manager Magazin etc., bringen alle halb lang einen Artikel darüber, dass die Nachfrage nach Wohnimmobilien die Preise in den gefragteren Lagen markant anziehen hat lassen. Keine Woche, wo nicht irgendein Magazin damit aufmacht, welche Immobilienstandorte dem um sein Geld besorgten Leser die besten Aussichten auf Werterhalt versprechen. Die Immobilienmakler berichten unisono, von größter Nachkriegswirtschaftskrise und Jobangst keine Spur, die betuchte (und konservativ denkende) Privatkundschaft renne ihnen die Bude ein. Klaro, weil es gilt, Papierfestgeld gegen Sachwerte zu tauschen.

    DAX und MDAX sind in beachtlichen Höhen. Wer zwei Jahre in Tiefschlaf verbracht hat würde denken, allzuviel passiert kann ja nicht sein.

    "Supermarkt plündern"
    Es ist doch idiotisch anzunehmen, Inflation würde sich zuerst an den Kosumentenpreisen bemerkbar machen. Dann würde es ja jeder merken was gespielt wird. Wenn ich eine Million auf dem Konto habe, dann bringe ich mein Geld nicht in Sicherheit indem ich mir einen Vorrat an Kondensmilch und Dosenravioli zulege.

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  7. @Kroesus2:

    Ab 1000 Flatters (auf das ganze blog, button ganz rechts) mach ich einen ;-)

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  8. @matsch:

    Ich teile deine Einschätzung, dass wir eine Assetinflation haben. Es ist eigentlich keine Assetklasse wirklich preiswert. Aktien, hochklassige Rentenpapiere, Unternehmensanleihen, Rohstoffe (Öl/Gold), alles ist eher teuer.

    Ich kann mir trotzdem sicher, dass wenn die Notenbanken und Regierungen vom Gas gehen würden, die Konjunktur wieder einbrechen würde. Die Regierungen gehen jetzt teilweise vorsichtig vom Gas, die Notenbanken aber überwiegend noch nicht.

    2008 war die Wette einfacher: Es zogen dunkle Wolken auf, bei denen alle unterschätzt haben, wie dunkel sie sind und dass ein kurzer Schauer nicht ausreichte, um die Lage zu klären. Heute ist bei jeder Wolke direkt wieder Panik bei Notenbanken und Regierungen und sie steuern sofort dagegen (bzw. bleiben auf dem Gaspedal).

    Wegen der erhöhten Aufmerksamkeit ist der Ausbruch einer neuen Rezession unwahrscheinlicher als damals. Bei einem "normalen" Zinsniveau von 3% und Staatsdefiziten, die innerhalb der Maastrichtkriterien wären, wäre die Rezession aber mMn sicher.

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  9. ich sehe zwei gegenläufige Effekte:
    - die öffentlichen Ausgaben werden ein wenig gedrosselt (eigentlich nicht wirklich, von 2008 auf 2010 haben wir eine Ausgabensteigerung allein des Bundes von 37 Mrd. Von Sparen kann keine Rede sein)
    - Konsumfreude bei den Privathaushalten. Man weiß ja nicht, ob morgen das Geld noch was wert ist

    auf Seiten der Notenbanken: keine Änderung. "Wir finanzieren alles"

    Gefahr eines Double Dip nur wenn die Leute Angst kriegen (völlig zu recht ja aus Mikro-Sicht). Politik und Notenbanken tun alles um diese berechtigten Ängste zu zerstreuen. Nie habe ich mich mehr von Politik und vor allem von den Notenbanken mit ihren willfährigen Apologeten (IWF, Krugman, Reich und wie sie alle heißen mögen) belogen gefühlt.

    Wie es auch kommt, selbst wenn die Konjunktur einen L-förmigen Verlauf nimmt, die Asset Preise werden sich davon nicht groß irritieren lassen.

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  10. @matsch:

    Die Geldmenge M3 sinkt. In den USA und ich glaube auch hier (wollte ich immer mal zur Zahl des Tages machen). Das Kreditvolumen an die Verbraucher sinkt. Es wird immer noch Luft aus der Kreditblase gelassen. Sie spanischen Verbraucher sollen mit 310% des BIPs verschuldet sind (!). Das ist alles hochgradig deflationär.

    Das ganze neu geschaffene Geld liegt im Moment bei den Notenbanken. In den Wirtschaftskreislauf kommt da nicht allzu viel.

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  11. Für BP kommt es jetzt richtig dicke: Die Rating-Agentur Fitch stuft die Kreditwürdigkeit des Ölkonzerns erneut herunter, dieses Mal fast auf Ramschniveau. Auch die Konkurrenten gehen auf Distanz - vor dem US-Kongress werfen sie der britischen Firma schwere Versäumnisse vor.

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  12. Für mich ein Zeichen, dass wir das Szenario Japan spielen werden.

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