Zahl des Tages (15.06.10): 8.500.000.000

OK, auf vielfachen Wunsch heute nicht Spanien, sondern Griechenland. Morgen kommt dann bestimmt wieder Spanien ;-)

Nach der Herabstufung Griechenlands auf Junk durch Moody's gestern (MOODY'S SENKT GRIECHENLAND AUF JUNK) beschwerten sich die griechischen (und die europäischen) Politiker natürlich wie üblich, dass diese Entscheidung nicht nachvollziehbar sei und die Ratingagenturen am besten gleich abgeschafft gehören, siehe z.B. hier Tagesschau: "Erstaunlich und unglücklich".

Irgendwie wollen die Politiker nicht akzeptieren, dass die Ratingagenturen viel zu lange viel zu gute Noten vergeben haben. Damals beim verbrieften Hypotheken-Giftmüll und diesmal bei Staatsanleihen von hoch verschuldeten Ländern.

Außerdem im Blickfeld natürlich die Spekulanten. Wie im Sozialismus wird scheinbar alles verboten, was nicht sein darf. Wird aber auch nichts nützen.

Denn hinter diesem ganzen oberflächlichen Gejammer stecken ganz konkrete Gründe. Ich hatte diese Zahl schonmal in einer vorherigen Zahl des Tages (ZAHL DES TAGES (06.04.10): 8.000.000.000), aber es gibt jetzt ein Update. Die Griechen haben im April erneut

8.500.000.000 (8,5 Milliarden) Euro

bei den griechischen Banken abgehoben und ins Ausland geschafft. In den ersten vier Monaten sollen es insgesamt 18,5 Milliarden gewesen sein, was etwa 7% der Bankeinlagen entspricht. Der Trend soll sich im Mai und Juni fortgesetzt haben.

In der alten Meldung (kann ich gerade nicht lesen, weil ich an mein eigenes Blog nicht rankomme) war vom Fluchtziel Zypern die Rede, diesmal soll London der beliebteste Zufluchtsort sein.

Es sind also keine bösen Spekulanten, sondern eure eigenen Wähler, die euch nicht mehr trauen, liebe Politiker.

Spiegel: Griechen schaffen Milliarden Euro ins Ausland

Ich möchte auch noch einen anderen Punkt betonen: Ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Rettungspaket für Griechenland nicht geschnürt wurde, weil der Staat Griechenland akute Probleme hatte, sich zu refinanzieren, sondern vielmehr weil die griechischen Banken am Abgrund standen. Die Kunden zogen Geld ab und an den Kreditmärkten war auch keines mehr zu bekommen. Einziger verbliebener Geschäftspartner ist die EZB bzw. die nationale Notenbank. Statt wie in normalen Zeiten leihen sich die griechischen Banken nicht 2% bei der Zentralbank  sondern jetzt schon 18% ihres Geldes dort (siehe FT Alphaville: Götterdämmerung for Greek banksFT Alphaville: Greeks on Greece).

Und genau das gleiche Muster erkenne ich in Spanien. Die Banken leihen sich das Geld nur noch bei der EZB, weil sie am Kreditmarkt kein Geld mehr bekommen. Wahrscheinlich wird das wie in Griechenland von einem Bankrun begleitet. Über den wie in Griechenland nicht berichtet wird. Bankruns wurde und werden eh nur selten thematisiert. Schweigekartell? Oder schlicht der Tatsache geschuldet, dass das heute eh alles virtuell passiert und die Medien ohne lange Schlangen vor den Banken das gar nicht mitbekommen.

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