Zahl des Tages (16.06.10): 250.000.000.000

Nein, heute warte ich nicht. Es war Spanien angekündigt (ZAHL DES TAGES (15.06.10): 8.500.000.000), es gibt Spanien). Nein, nicht bei der WM (obwohl da auch), sondern bei der Zahl des Tages.

Es verdichten sich die Gerüchte, dass Spanien aus dem Eurorettungstopf eine Kreditlinie von bis zu

250.000.000.000 (250 Milliarden) Euro

zur Verfügung gestellt werden sollen. Whoah. Das hat eine andere Qualität als die Griechenlandnummer ...

Spanien hat etwa 560 Mrd. Euro Schulden (lt. Wikipedia, es könnten inzwischen aber mehr sein), die Eurozone übernimmt also im Extremfall fast die Hälfte der spanischen Schulden.

Das ganze lässt natürlich Spekulationen aufkommen, ob das das Ende des Euros einläutet. Diese sind aber inzwischen so breit getreten, dass ich die hier nicht wiederholen möchte.

Spannender ist die Frage, die sich auch Weissgarnix stellt, warum die Spanier überhaupt besondere Hilfe benötigen (Weissgarnix: Die Einschläge kommen näher). Immerhin hatte Spanien bisher keine wirklichen Probleme sich zu refinanzieren und dieser Eindruck bestätigte sich auch gestern: FAZ: Spanien holt sich relativ reibungslos Kredit. 5 Milliarden Euro konnten den Spanier platzieren, allerdings mit etwas höheren Risikoaufschlägen als bei der letzten Versteigerung.

Heute setzt sich der Negativtrend fort, wenn auch bei weitem nicht so dramatisch wie im Fall Griechenland. Zweijährige spanische Staatsanleihen rentieren heute mit 3,34%, nachdem erst gestern die 3% Marke durchbrochen wurde. Die zehnjährigen Anleihen liegen aktuell bei 4,84%. Zum Vergleich: Griechenland liegt bei 8,6% (10 J)  bzw. 9,2% (2 J).

Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass in Spanien die riesige Kreditblase komplett platzt (die spanischen Verbraucher sollen Gesamtschulden in Höhe von 310 des BIPs haben. Das muss aber brutto sein, die Zahl von 172%, die die Credit Suisse erwähnt hat, scheint mir realistischer zu sein) und von den nötigen Abschreibungen erst Bruchteile vorgenommen wurden. Im Zweifelsfall nimmt die Bank die Immobilie lieber selber in die Bücher als die überfällige Hypothek abzuschreiben (siehe z.B. hier: SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA? oder ZAHL DES TAGES (01.06.10): 2%).

Offengelegt werden sollen diese ganzen versteckten Verluste scheinbar erst wenn Spanien ausreichend Finanzmittel zur Verfügung stehen. Und die Politiker (wie auch ich; ausnahmsweise sind wir uns mal einig) zweifeln wohl daran, dass Spanien nach der Ankündigung eines Rettungspakets für die Banken noch Kredite bekommt. Schließlich entsprechen Verbraucherschulden von 172% oder gar 310% des BIPs grob 1,7 bzw. 3,1 Billionen Euro. Dass daraus leicht dreistellige Milliardensummen entstehen können, ist auch bei begrenzter Fantasie leicht vorstellbar.

Dass die spanischen Banken keine Kredite mehr bekommen und sich die EZB zum alleinigen Kreditgeber entwickelt, habe ich hier ja auch schon geschrieben (SPANISCHE GROSSBANK BBVA MIT REFINANZIERUNGSPROBLEMEN oder auch hier: FT: Spanish banks break ECB loan record). Den Banken brechen also die Werte auf der einen Seite der Bilanz genauso schnell zusammen, wie die Refinanzierung auf der anderen Seite der Bilanz versiegt.

Und für manche der eigentliche Hammer: Spanien ist bei den Ratingagenturen noch hervorragend bewertet. Fitch hat erst vor knapp 3 Wochen Spanien um eine Stufe von AAA auf AA+ herabgestuft (SPANIEN VERLIERT AAA BEI FITCH), bei Moody's ist Spanien sogar noch AAA, bei S&P nur zwei Stufen darunter (AA).

Es sind übrigens die gleichen Politiker, die den Ratingagenturen im Fall von Griechenland permanent zu schlechte Noten vorwerfen (nachdem vor ein paar Jahren die Noten im Fall der CDOs angeblich immer viel zu gut waren) und in diesem Fall einem Land Hilfe gewähren, dass laut den Ratingagenturen noch hochgradig solvent ist. Komisch, dass sich noch kein Politiker darüber beschwert hat, dass Spanien ein zu gutes Rating hat ...

FTD: Schuldenkrise: Spanien-Alarm am Anleihemarkt

Update (12:19):

Handelsblatt: Risikoaufschläge für Spanien auf Rekordhoch

Kommentare :

  1. Das wird noch einen Schock zum Ende der Woche geben, befürchte ich. Wobei 250 Milliarden ein echter Hammer wären.

    Ich erinnere mich noch daran, dass 2008 die spanischen Banken landauf landab gelobt wurden, weil sie mit dem CDS-Handel nichts zu tun hatten. Offenbar kein Wunder, die hatten ja alle Hände voll zu tun, um jeden Preis Kredite unters Volk zu bringen.

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  2. - Die EU-Kommission dementierte indes hartnäckig

    - "Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete den Bericht der spanischen Zeitung als „sehr bizarr“

    - „Ich kann dies deutlich zurückweisen“, sagte der Sprecher.

    "aus der Luft gegriffen", "grotesk", "absurd"

    Es hört sich immer gleich an. Wie hoch ist nochmal der Anteil Spaniens am eigenen Rettungspaket? 12%?

    Das sog. Euro-Rettungspaket von 750 Mrd, eigentlich ja nur dazu gedacht, an die klammen ClubMed-Staaten ausgereicht zu werden, wird - wen wundert's - über den Umweg staatliche Bankengarantie zur Rettung der spanischen Banken zweckentfremdet.

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  3. @joha:

    Naja, 250 Mrd. sind im Vergleich zu dem Paket, was fur die Griechen geschnürt wurde, gar nicht so viel. In Prozent des BIPs gerechnet wäre das sogar kleiner.

    @matsch:

    Die Dementi sind Müll. Die Gerüchte halten sich schon so lange und kommen aus so vielen Quellen, dass da irgendwas dran sein muss.

    Und ja: Das 750 Mio. Paket macht nur Sinn, wenn es für mehr als Griechenland gedacht war. Ich wundere mich nur, dass Spanien als nächster angegriffen wird. Ich hatte eher mit Portugal gerechnet ...

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  4. Ich finde die Dementi ja auch zum Brüllen. Sie hören sich seit Monaten auf frappierende Weise immer gleich lächerlich an, mit der allergrößten Entschiedenheit wird alles zurückgewiesen, es bestünde nicht der Hauch eines Zweifels ... nur um eine Woche später genau das zu tun, was zuvor als "grotesk", "absurd" abgetan wurde. Comical Ali at his best.

    'Grotesk' ist es, dass so getan wird als würde das 750 Mrd Paket von allen Mitgliedsstaaten getragen. Ein Pleite-Kandidat bürgt für sich selbst. Man muss nur fest daran glauben ...

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  5. Ich mache noch lustig Witze über Nordkorea, aber Sozialistenwitze und Witze über Comical Ali kann man nicht mehr machen. Wir werden genau so von Doublespeakern fehl regiert ...

    Es ist errinnert mich an

    Es gibt nichts zu sehen ...

    Das baue ich irgndwann auch mal in ein Posting ein ...

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  6. "Spannender ist die Frage, die sich auch Weissgarnix stellt, warum die Spanier überhaupt besondere Hilfe benötigen (Weissgarnix: Die Einschläge kommen näher). Immerhin hatte Spanien bisher keine wirklichen Probleme sich zu refinanzieren und dieser Eindruck bestätigte sich auch gestern: FAZ: Spanien holt sich relativ reibungslos Kredit. 5 Milliarden Euro konnten den Spanier platzieren, allerdings mit etwas höheren Risikoaufschlägen als bei der letzten Versteigerung."

    Noch spannender ist die Frage, welche "privaten Investoren" das Zeugs denn gekauft haben sollen. Meiner Meinung nach würde niemand bei gesundem Verstand spanische Anleihen zu diesen Konditionen anfassen. Ich tippe ganz klar auf die EZB.

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  7. Und nicht vergessen, sobald die Zinsen für Spanien über 5% steigen, dürfen sie sich aus der Finanzierung des "Griechenrettungspakets" zurückziehen. Zur Erinnerung hier ist der BRD-Steuerzahler bisher mit 22 Milliarden in der Pflicht. Der Anteil Spaniens beträgt ca. 9 Mia. und wird, wie es aussieht, alsbald auf diejenigen Euromitglieder umgelegt, die sich noch für weniger als 5% verschulden können. Das sind die sogenannten Reichen im Euroklub. Reich ist man in diesem erlauchten Verein bereits, wenn man sein Defizit etwas billiger als die anderen Klubmitglieder finanzieren kann. Wie war doch nochmal Lehmans Motto? Enjoy wealth

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  8. @Olaf:

    Privatanleger? Nee, große Institutionelle, die das Risiko von 3% Spanienbonds tragen können. Die kaufen noch ganz andere Sachen bei 2 Prozentpunkten mehr Rendite.

    @Anonym:

    Das ist ein interessanter Hinweis. Liegt die Grenze denn hart bei 5%? Außerdem sind die Zinsen noch ein ganzes Stückchen davon weg ...

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  9. "Privatanleger? Nee, große Institutionelle, die das Risiko von 3% Spanienbonds tragen können. Die kaufen noch ganz andere Sachen bei 2 Prozentpunkten mehr Rendite."

    Du sagst es. Institutionelle können jedes Risiko tragen. Es ist ja nicht ihr Geld. Mit ihrem privaten Geld gehen sie viel sorgsamer um. Subprime-Mist, ClubMed-Anleihen etc. haben die sich vor zwei, drei Jahren wegen weit geringerer Rendite-Vorteile als von 2% reingepackt. 0,2-0,5% mehr Rendite haben bei diesen mit TOP-Rating versehenen Gruselbonds als Kaufargument völlig ausgereicht

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