Zahl des Tages (28.06.10): -0,2%

Dass die Notenbanken Geld drucken wie verrückt und die Anleger dadurch Angst vor Inflation haben, lässt sich ja schon bei einem kurzen Blick auf den Goldchart erkennen. Der Goldkurs liegt in allen Währungen der Welt ganz nahe an den historischen Höchstkursen.

Ich bin aber noch lange nicht davon überzeugt, dass wir direkt vor einer Inflation stehen. Ich sehe zwar die Unmengen Geld, die die Notenbanken in Umlauf bringen und bin mir auch der dadurch ausgelösten Gefahren bewusst, aber bisher ist weder von Preissteigerungen etwas zu sehen (siehe auch: D: Verbraucherpreise 06/10: +0,1% Vm, +0,9% Vj), noch ist im Indikator Geldmenge etwas zu erkennen.

Nach den Theorien der Monetaristen ist eine Geldmenge, die stärker steigt als die Wirtschaftsleistung, immer gefährlich und löst sich meistens in steigenden Preisen, sprich Inflation auf. Auch wenn die Theorien (wie so ungefähr alles in der Ökonomie) umstritten sind, lohnt es sich doch, einen Blick auf die Geldmenge zu werfen. Denn wenn die Geldmenge nicht steigt, kann es eigentlich kaum Inflation geben. Und wenn die Geldmenge zu schwach steigt, steht der Wirtschaft (und den Verbrauchern) zu wenig Geld für Wachstum und Konsum zu Verfügung.

Daher ist das heute gemeldete Wachstum der Geldmenge M3 in Europa von

-0,2%

kein gutes Zeichen.




In den USA sieht es auch nicht besser aus. Dort hat die letzte Veröffentlichung der Geldmenge M3, die nicht mehr offiziell, sondern nur noch inoffiziell von Shadowstats berechnet wird, einen annualisierten Rückgang von 5,9% ausgewiesen. In den USA sinkt die Geldmenge also noch dramatischer.

Dass das auch nicht in der Theorie, sondern auch in der Praxis zu den sinkenden Krediten an Firmen führt, kann man an einer Grafik im folgenden Artikel schön erkennen. Die Kredite an Unternehmen sind danach in den letzten 2 Jahren um ungefähr 400 Mrd. Dollar (oder etwa ein Viertel) gesunken. Eine Basis für starkes Wachstum und/oder Inflation sieht anders aus.

Creditwritedowns: The Risk of Recession

Kurz- und mittelfristig dürfte die Inflation kein Problem sein. Kritisch wird es erst, wenn die gedruckten Geldmassen in den Wirtschaftskreislauf kommen. Den Auslöser dafür sehe ich aber nicht. Im Gegenteil: Die Sparprogramme der Regierungen wirken genau in die gegengesetzte Richtung.

Update (29.06.10):

Interessanterweise sehen die Anleger in TIPS (inflationsgesicherten Anleihen) aus dem Dollarraum ebenfalls Inflation:

Etwa 1,8% für die nächsten 5 Jahre und 2,2% für die nächsten 20 Jahre. Beides liegt spürbar über der aktuellen Kern-Inflation, allerdings in der Ecke, wo auch die Gesamtinflation liegt.

TIPS-implied inflation still muted, buy TIPS over Nominal Treasuries.

Kommentare :

  1. Die niedrigen Bondyields lassen auch noch keine Inflationsgefahr erkennen. Ich aktualisiere bei Gelegenheit mal wieder die Zeitstrukturkurve der Break-Even-Inflation.

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  2. Komischerweise sehen die Anleger in TIPS (inflationsgesicherten Anleihen) aus dem Dollarraum ebenfalls Inflation:

    Etwa 1,8% für die nächsten 5 Jahre und 2,2% für die nächsten 20 Jahre. Beides liegt spürbar über der aktuellen Kern-Inflation, allerdings in der Ecke, wo auch die Gesamtinflation liegt.

    TIPS-implied inflation still muted, buy TIPS over Nominal Treasuries.

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  3. Guter Beitrag, @egghat.
    Bei der Geldmenge, ich vgl. dazu Angaben der EZB, sehe ich auch keinerlei Anzeichen für Inflation aus theoretischer Begründung.

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  4. a) Danke.

    b) In der Geldmenge M1 (+10% in Europa) lauert die Gefahr schon. Aber solange das nicht von den Banken weiterverliehen wird, kommt es in der Wirtschaft nicht an. Und dass es nicht weiterverliehen wird, ist ja offensichtlich. Die Banken müssen erstmal Bilanzlöcher stopfen ...

    So ein Deleveraging nach einer so großen Blase ist nicht nach ein paar Monaten Geschichte. Die Nummer brauchte schon immer länger. Wenn man Pech hat, 2 Jahrzehnte wie in Japan.

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  5. Nach den Theorien der Monetaristen ist eine Geldmenge, die stärker steigt als die Wirtschaftsleistung, immer gefährlich und löst sich meistens in steigenden Preisen, sprich Inflation auf.

    Bin ich dumm, linksextrem oder etwas anderes derartiges, wenn ich mich bei dieser Aussage frage, ob denn die Verteilung des Geldes eine Rolle spielt?

    Warum sollte ein Wachstum von M3 eine Rolle spielen, wenn dieses Wachstum zu 90 % dahin geht, die Zinsen von Anlegern zu bedienen? Die dieses Geld daraufhin wiederum anlegen. Für einen, dessen Wohlstand sich im Bereich des Medians befindet, ändert sich dadurch ja nichts. Und wenn die Masse durch ebensolche Personen gebildet werden, haben die also auch nicht mehr Geld, Dinge zu kaufen.

    Natürlich unter der Annahme, dass den Leuten nicht Kredite schmackhaft gemacht werden, die sie nie zurückzahlen können, das dürfte künstlich Geld unter die Menschen bringen. Mit dem Preis einer Finanzkrise einige Jahre später. Für Kredige an Unternehmen dürfte etwas ähnliches gelten.

    Gut, einige Annahmen meinerseits sind vermutlich sehr fragwürdig - aber die Gedankengänge erscheinen mir nicht unlogisch, und würden das sehr simple erwähnte Modell aushebeln.

    Ich suche nur Durchblick...

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  6. Woher nimmst du die 90%? Damit steht oder fällt deine Überlegung ... Die natürlich nicht deine ist, die ist ja durchaus gängig. Sie erklärt nur trotzdem nicht, warum Inflation entsteht ...

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  7. 90 % sind natürlich übertrieben.

    Aber wenn ich z.B. diesem Link glauben kann ( http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,602649,00.html ), dann besitzen die obersten 10 % 60 % des Vermögens. Bzw. die obersten 30 % 91 % des Vermögens.

    Was machen die mit ihrem Vermögen? So viel wird man nicht ausgeben können, also dürften sie es angelegt haben. Firmenbesitz, Staatsanleihen gekauft, Aktien, Fonds, Immobilien und was es sonst noch alles gibt.

    Dieses Geld landet schlussendlich dann doch in der Wirtschaft, sei es weil die Banken es als Kredit weiterverleihen (+Hebel).

    Blase platzt. Finanzkrise. Banken haben das Problem, dass die Assets nichts mehr wert sind. Geld gerät ins Stocken. Wirtschaftswachstum gerät ins Stocken. Zinsen können nicht mehr bedient werden.

    Die Zentralbank senkt den Zinssatz. Kredite werden zaghaft ausgegeben. Werden hauptsächlich dazu verwendet, Verbindlichkeiten zu bezahlen, bis Geld wieder hereinkommt (Hauptziel von Unternehmenskrediten, soweit ich das verstanden habe). Lohnerhöhung gibt es ja keine.

    D.h. das Geld geht an diejenigen, die angelegt haben und erwarten, dass ihr Geld mit Zinsen zurückkommt. Was auch geschieht. Ob durch Banken oder durch Unternehmenskredite.

    Diejenigen, die das nicht machen können, können ihr Geld nur durch Konsumentenkredite erhöhen. Solange sie das nicht machen, dürfte die Inflation nicht ansteigen, höchstens Blasenbildung angeheizt werden (außer die Reichen stecken den Gewinn großteils in Konsum).

    Nehmen sie doch Kredit auf, steht uns auf lange Sicht (siehe USA) mal wieder der Crash ins Haus.

    Das hört sich für mich schlüssig an - habe ich Denkfehler oder sind meine Annahmen falsch? Es scheint mir so einfach...

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  8. Ja, es ist zu einfach. Weil der Effekt durch die Zinsen massiv überschätzt wird. Denn es gibt auch noch Inflation! Das Anlegen in kurzlaufenden Anleihen wirft im Durchschnitt keine Realrendite ab. Also der Zins ist niedriger als die Inflation.

    Wenn du nur auf den Effekt der Zinsen schaust, vergisst du mit der Inflation einen großen Teil. Die Geldmenge wächst mehr durch den Effekt der Inflation und der wachsenden Wirtschaftsleistung als über den Effekt durch die Zinsen.

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  9. Wo kommt die Inflation her? Ich dachte das Ansteigen des Preisniveaus ergibt sich dadurch, dass mehr Leute etwas kaufen können.

    Inflation ist ja nichts, was von sich selbst aus steigt sondern ergibt sich aus dem Preisniveau, welches sich seinerseits aus Preisberechnungen der Anbieter ergibt (wenn ich das richtig verstanden habe).

    Die Anbieter machen das ja auch durch Marktbeobachtung, in dem sie schauen, wieviel die Leute für Produkte ausgeben können.

    Btw, das macht mich in der Wirtschaftstheorie ganz wahnsinnig - wenn man sagt, dass ein Faktor X steigt und deshalb abc geschieht. Allerdings weiß keiner (bzw. gibt es 20 Theorien), welche Handlungen dazu geführt haben dass Faktor X steigt. Gibts da denn nichts handfestes, brauchbares, nachvollziehbares, wie es in der Wissenschaft eigentlich der Fall sein solte?

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  10. Meines Wissens ist Inflation nach der österreichischen Schule nicht gleich Preissteigerung! Wenn mehr Geld gedruckt wird als die Wirtschaft wächst ist das Inflation.
    Inflation gehört zu den Neusprech-Wörtern, deren Bedeutung verändert wurde.

    Man kann davon ausgehen das die Politik weiter mehr Geld erzeugt um die Märkte zu stützen. Ausserdem wurde während der letzten Jahrzehnte viel Papiergeld erschaffen um damit künstliche Nachfrage zu erzeugen, die Investitionen um sie zu befriedigen sind Fehlinvestitionen, als Sicherheit dienen die Ersparnisse, und daher sind diese Ersparnisse in Gefahr. Die Aktienwerte basieren auch auf dieser künstlichen Nachfrage.
    Das System kann daher erstmal nur mit noch mehr ungerechtfertigt erzeugtem Geld am Leben erhalten werden, oder es bricht zusammen. Die Politik hat zuviel Geld erzeugt oder erzeugen lassen, und sie werden damit weiter machen. Darum der hohe Goldpreis.

    So habe ich das verstanden, siehe efmagazin und Co.

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  11. Wenn mehr Geld gedruckt wird als die Wirtschaft wächst ist das Inflation.

    Wenn Inflation allerdings nur dadurch definiert wird, ist der Wert an sich nicht sonderlich aussagekräftig. Denn wenn das Geld anschließend nur in einem Safe herumliegt, ohne dass es jemand zu Gesicht bekommt, ist der Effekt gleich 0.

    Daher spielt es meiner Meinung nach eine Rolle, was mit diesem Geld geschieht. Wer bekommt es und was stellt er damit an. Das sind die Fragen, deren Antworten zeigen wie es wirtschaftlich weitergeht.

    Ausserdem wurde während der letzten Jahrzehnte viel Papiergeld erschaffen um damit künstliche Nachfrage zu erzeugen
    Das Papiergeld selbst hat ja nicht mehr viel mit dem Geld zu tun, es gibt ja kaum etwas davon (verglichen mit dem Geld auf den Konten). Nachfrage gibt es nur, wenn jemand etwas nachfragt - wer hat das erschaffene Geld erhalten und was wurde nachgefragt? Ansonsten ist diese Aussage (ich bitte um Verzeihung) ziemlich unbrauchbar.

    die Investitionen um sie zu befriedigen sind Fehlinvestitionen
    Was für Investitionen? Wer hat investiert, der Staat? Worin hat er sein Geld gelegt? Und warum was das falsch?

    Ich möchte hier keine Kritik üben, mich treibt ehrliche Neugier an. Ich versuche schon seit Jahren, zu verstehen, warum manche Aussagen getätig werden, aber ich scheitere.

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  12. " Denn wenn das Geld anschließend nur in einem Safe herumliegt, ohne dass es jemand zu Gesicht bekommt, ist der Effekt gleich 0."

    Du musst, wenn du das verstehen willst, nicht rein theoretische Annahmen treffen, sondern schauen, was wirklich passiert. Wenn zu viel Geld in der Wirtschaft ist, landet das nicht als Bargeld im Safe (ein Bruchtteil davon schon), sondern in Aktien/Anleihen/Rohstoffen oder wird als Kredit weitergegeben und steht dann Verbrauchern und Firmen zur Verfügung.

    Wenn ich jetzt so viel hier aufschreibe und ich dir nicht genau sagen kann, wo denn das Geld landet, liegt das daran, dass das niemand im Vorraus sagen kann. Jetzt landet das Geld mMn vor allem in den Finanzmärkten. Deshalb haben wir da eine Inflation (Niedrigzinsen also hohe Kurse bei Anleihen). Woanders aber noch nicht. Wenn das Geld aus dem Finanzsektor in die Realwirtschaft schwappt, bekommen wir dann dort auch Inflation. Aktuell sind wir aber noch nicht da. Die Preise bei den "Produkten" der Finanzbranche steigen schon. Am Ende auch INflation, in der Logik der Inflationsmessung aber nicht. Dort gehen nur Mieten, Lebensmittel, etc. ein.

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