Die Reaktion auf die Krise - dokumentiert an einem Beispiel

Ich meckere ja schon länger darüber, dass wir als Reaktion auf die größte Krise der Weltwirtschaft seit etwa 80 Jahren einen Haufen neuer Regulierungen bekommen haben, die vor allem populistisch sind, Aktivität vortäuschen, aber kaum dazu beitragen werden, die nächste Krise zu verhindern (Bonibesteuerung, Bankenabgabe). An die Sachen, die wirklich wichtig sind, traut man sich aber nicht ran.

Schau'n wir kurz zurück: Das wirkliche Risiko in der Krise bestand doch aus den unbeherrschbaren Folgen, die aus der Pleite einer großen Bank entstehen könnten.

Tja, und wie könnte man da vorsorgen? Genau auf zwei Arten:

a) Die Folgen überschaubar machen, in dem man die Größe der Banken beschränkt (Too-Big-To-Fail Banken verbieten/zerschlagen). Der heute erreichte Status ist aber das Gegenteil: Da die Pleiteinstitute von anderen Banken übernommen wurden, haben wir heute noch größere Banken als zuvor.
b) Die Wahrscheinlichkeit einer Bankenpleite senken. Dazu möchte ich heute etwas mehr schreiben.

Banken arbeiten mit einem relativ geringen Eigenkapital und verleihen dieses mehrfach weiter. Das ist der so genannte Hebel. Aus 50 Milliarden Eigenkapital wird dann schnell eine Bilanzsumme von 500, 1.000 oder gar 2.000 Milliarden. Lehman hatte vor der Pleite einen Hebel auf das Kerneigenkapital von etwa 40, die UBS agierte sogar teilweise mit einer Kerneigenkapitalquote von 0,9% (in der Umkehr ein Hebel von über 50).

Wenn eine solche Bank wie die UBS jetzt Abschreibungen in Höhe von 0,9% ihres Eigenkapitals ihrer Bilanzsumme vornehmen muss, ist sie überschuldet. Dann braucht sie neues Eigenkapital (was ihr aber in einer Krise niemand gibt, es sei denn, der Staat springt ein). Oder es ist Schicht.

Abschreibungen in Höhe von 0,9% der Bilanzsumme sind aber nicht sooo außergewöhnlich, sondern stellen einen Fall dar, auf den die Kapitalstruktur einer Bank vorbereitet sein muss. Und je größer dieser Puffer ist, desto unwahrscheinlicher wird eine Rettungsaktion für eine Bank.

Die Investmentbanken in den USA waren übrigens bis 2004 zu einer Eigenkapitalquote von 8% (also einem maximalen Hebel von 12,5) verpflichtet. Dann hat man dieses Gesetz (welch grandioser Fehler!) unter viel Lobbydruck aufgehoben. Sofort begannen sich die Bilanzen der Investmentbanken immer weiter aufzublähen und die Eigenkapitalquote( = Risikopuffer) wurde immer geringer. Und dann reichten vergleichsweise kleine Abschreibungen, um die ganze Bank in die Pleite zu stürzen.

Für sowas gibt es natürlich eigentlich Regeln. Diese werden mit der Zeit weiterentwickelt. Diskutiert wird gerade Basel III,  aktuell gültig sind die Regeln nach Basel II. Diese schreiben eine Eigenkapitalhinterlegung vor, die von der Qualität der Assets abhängt. Für eine Staatsanleihe mit einem Rating von AAA muss z.B. gar keine Sicherheit hinterlegt werden, für eine Staatsanleihe mit einem Junkrating von B jedoch 150% der angestrebten 8% (also 12%) Eigenkapitalquote. Bei Unternehmensanleihen, Verbraucherkrediten und ähnlichen kritischeren Papieren sind die Sätze quer durch alle Qualitätsstufen wesentlich höher. Ein ABS (Asset Backed Security) mit einem Rating von B muss z.B. mit 100%(!) Eigenkapital hinterlegt werden.

Bei diesem System gibt es direkt zwei große Probleme:

a) Man macht die Eigenkapitalausstattung der Banken vom Rating der Ratingagenturen abhängig. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Die Politiker haben genau diesen Ratingagenturen, die sie jetzt gerne und häufig kritisieren, die Macht verliehen. Nach Basel II sind Banken dazu verpflichtet, die Ratings der Agenturen zu berücksichtigen.
b) Das System ist sehr prozyklisch. In einer Krise sinkt logischerweise die Qualität der Assets in der Bilanz einer Bank. Das war natürlich schon immer so und die Bank musste dann Abschreibungen vornehmen und unter Umständen neues Eigenkapital besorgen. Nach Basel II muss die Bank nun aber nicht mehr nur das alte Eigenkapital ersetzen, sondern noch mehr besorgen, weil das herabgeratete Papier jetzt nicht mehr mit 4%, sondern mit 12% hinterlegt werden muss. Und das alles mitten in einer Krise, in der Eigenkapital eh knapp ist und allein durch die Abschreibungen schon erhöhter Eigenkapitalbedarf besteht.

Daneben gibt es noch ein paar andere Probleme, u.a. die extrem weiche Definition von Eigenkapital, die nicht nur klassisches Eigenkapital berücksichtigt, sondern auch Wandelanleihen, nachrangig haftendes Kapital und ähnliche "Zwitterkonstruktionen", die irgendwo zwischen Fremd- und Eigenkapital liegen.

Ich habe daher schonmal vor einiger Zeit gefordert:
1.) die Ratingabhängigkeit abzuschaffen, also alle Assets mit dem gleichen Prozentsatz zu hinterlegen.
2.) ein Minimum an hartem Eigenkapital zu verlangen und Zwitterkonstrukte nur bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Also z.B. mindestens 4% hartes Eigenkapital + x% weiches Eigenkapital = insgesamt mindestens 8% Eigenkapital. (Man könnte übrigens auch einen Teil der 8% in einem gemeinsamen Pool aller Banken sammeln, der dann im Pleitefall einspringt).

Damit müssten die Bankbilanzen einen ausreichend großen Puffer für die nächste Krise haben. Was nicht bedeutet, dass man gegen "too-big-to-fail" nicht noch zusätzlich vorgehen sollte.

Die Banken müssten in der Folge natürlich massiv Eigenkapital einsammeln und die Anteile der Altaktionäre würden ziemlich verwässert. Aber das ist ehrlich gesagt nicht mein Problem, liebe Banker!

Interessanterweise hat es einer meiner Vorschläge sogar in die Regeln für Basel III geschafft und zwar die 4% Untergrenze für hartes Eigenkapital. Wow, dachte ich, so neben der Spur bin ich ja gar nicht ...

Handelsblatt: Banken müssen künftig mehr Eigenkapital vorhalten

Tja aber dann kam die Lobbykratie. Viel zu viel, viel zu hoch, nicht zu leisten. 9,7 Millionen Arbeitsplätze ständen auf dem Spiel (Ackermann). Deutschland machte Druck.




Und es kam zu einem (vorläufigen) Kompromiss. Aus 4% wurden 3%.





Und neben einem Haufen von Aufweichungen in Randgebieten (die ich hier jetzt nicht diskutieren möchte) wurde auch der zeitliche Rahmen gestreckt. Die neuen Regeln sollen erst 2018 (statt 2013) gelten. (Und das ist auch noch nicht das Ende der Verhandlungen).

Die Reaktion der Börsianer war eindeutig - Jubel! 8 der 10 besten Aktien am Dienstag waren Bankaktien.

Aber gut "für uns alle" ist das nicht. Die Banken haben in unserer Volkswirtschaft eine Aufgabe (Kreditvergabe) und haben daher (über den Hebel) ein Gelderzeugungsprivileg bekommen. Daher bin ich der Meinung, dass die Banken gerne auf das Privileg des billigen Zentralbankgeldes, der Haftungsgarantie für die Konten und Ähnliches verzichten können und dann als Hedgefonds weitermachen können. Oder aber sie wollen weiterhin billiges Zentralbankgeld haben, dann sollten sie aber nach unseren Regeln spielen. Und die müssen anders aussehen als bisher.

Die FTD fordert in einem Leitartikel auch eine Diskussion über die Eigenkapitalanforderungen und nicht über Schwachsinn wie Bonisteuern. Ich erkläre hiermit meine Pflicht erfüllt ;-)

FTD: Das Beste kommt noch

Aber ich würde eben noch weitergehen: Es muss nicht nur das Eigenkapital raus, es muss auch die Gewichtung nach Ratings weg. Keep it simple stupid. KISS. Die Komplexität des Finanzsektors ist in allen Details viel zu hoch. Und das ist auch ein Grund für die Krise. Man hat sich mit Hilfe von mathematischen Modellen eingeredet, man habe das alles im Griff und muss (bei fairer Betrachtung) eigentlich zugeben, dass man nix im Griff hatte. Geändert daran wird allerdings nichts (im Gegenteil: In Basel 3 wird noch über jede Menge weiterer komplexer Sachen wie zum Beispiel dynamischer Risikopuffer diskutiert).

Zum Glück bin ich nicht der Einzige, der solche (angeblich) radikale Regeln fordert. Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeswirtschaftsministerium fordert das Gleiche!

Handelsblatt: Wissenschaftlicher Beirat macht radikale Vorschläge

Als ich das vor ein paar Wochen gelesen habe, bin ich fast einem Optimismusschock erlegen. Nach den faulen Kompromissen von Anfang der Woche weiss ich aber wieder, dass alles so bleibt wie gehabt:

a) Die Lobbyisten siegen, u.a. weil mit (unhaltbaren) Untergangsprognosen Stimmung gemacht wird.
b) Das was ein wissenschaftlicher Beirat empfiehlt und was die Politiker dann umsetzen, hat nur in Ausnahmefällen was miteinander zu tun ... Manchmal stellen sie sogar das exakte Gegenteil dar.

Update (18:09):

Es sollte natürlich "0,9% der Bilanzsumme" statt Eigenkapital heißen ...

Kommentare :

  1. Dem kann ich nur zustimmen. Hier in Österreich haben wir das Erfordernis von 4 % "hartem" Eigenkapital (bei uns "Kernkapital" genannt; im Wesentlichen das eingezahlte Aktien-, Stamm- oder Genossenschaftskapital und der rückgelegte Gewinn der Vorjahre)nach Bankwesengesetz bereits jetzt. Definiert ist das im Umkehrweg, da das "weiche" Kapital (bei uns "ergänzende Eigenmittel")mit maximal der Höhe des Kernkapitals anrechenbar ist. Teilweise ist jedoch tatsächlich fraglich, welche Qualität die ergänzenden Eigenmittel wirklich aufweisen. Besonderes Kuriosum: Genossenschaften dürfen die Nachschusspflicht ihrer Mitglieder (gleich, ob die noch leben oder schon gestorben sind oder was auch immer) zu 75 % und maximal bis 25 % des Kernkapitals als ERGÄNZENDE EIGENMITTEL anrechnen! Prinzipiell stimme ich jedenfalls zu, auf Ratingunterlegung zu verzichten - zumindest für jene Positionen über dem Bilanzstrich. Allerdings sind in weiten Teilen der Kreditwirtschaft die außerbilanziellen Positionen so umfangreich, daß eine derartige (d.h. ratingunabhängige) Unterlegungspflicht wohl extrem laaaaange Übergangsfristen benötigen wird.

    So zumindest meine Meinung als Innenrevisor einer österreichischen Bank.

    lg - urriegel

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  2. Aha! Das wusste ich gar nicht, dass die österreichsichen Regeln unterschiedlich sind. Die Schweizer haben an der Stelle auch reformiert, zumindest hatte sie es nach dem 0,9% Deaster bei der UBS mal vor (kenne den aktuellen Stand aber nicht)

    Die Ratingproblematik zieht sich eigentlich noch weiter. Z.B. ist das Thema Counterparty-Risk erst in der Krise eins geworden, also z.B. alle Versicherungen, die mit der AIG abgeschlossen wurden. Aktuell kann eine Bank ja einfach hingehen und Schrott kaufen, dann den passenden CDS dazu und schwupps ist das Risiko Null. Das ist natürlich Murks.

    Jetzt wird versucht mit komplexen Bewertungsmodellen aus diesen Geschäften das Risiko der Gegenseite herauszurechnen, um nur dieses zu berücksichtigen. Ich wette, das geht irgendwann schief. Ob wegen Betrugs, wegen schlechter Bewertungsmodelle oder wegen eines "schwarzen Schwans" ist letztendlich egal.

    Ich finde, dass solche Geschäfte in den Bilanz einer Bank einfach nichts zu suchen haben. Zumindest nicht in der Menge, dass sie die Eigenkapitalquote deutlich beeinflussen. Das sind Geschäfte für Hedgefonds.

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  3. >> Wenn eine solche Bank wie die UBS jetzt Abschreibungen in Höhe von 0,9% ihres Eigenkapitals vornehmen muss, ist sie überschuldet.

    Sollte es nicht heißen " Wenn eine solche Bank wie die UBS jetzt Abschreibungen in Höhe von 0,9% ihrer Bilanzsumme vornehmen muss, ist sie überschuldet. " ?

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  4. Kann dir in vielem nur zustimmen. Allerdings zeigen deine Ausführungen zu Punkt b) das eine Regulierung die bestimmt zu welchem Asset nun welches Eigenkapital hinterlegt werden muss, in ein nicht enden wollenden Kuhhandel zwischen Lobyisten und Politikern endet. Dabei kann man gar nicht genau wissen welche Höhe an Eigenkapital zu welchem Asset nun notwenig oder ideal wäre und wie diese Forderungen nun in der Krise bei jedem einzelnen Bankhaus wirken. Das liegt in jedem Fall anders.

    Die beste Lösung wäre meiner Meinung nach man würde sich drastisch auf Möglichkeit a) besinnen. Banken gnadenlos verkleinern auf Größen die Problemlos pleite gehen können. Im Gegenzug werden dann auch die Regularien vereinfacht und gelockert. Wenn es kein volkswirtschaftliches Problem mehr ist das eine Bank pleite geht, muss ich auch nicht so stark regulieren und kann mehr Eigenverantwortung den Banken überlassen. Sie sollen dann selber einschätzen wieviel Eigenkapital sinnvoll ist zu hinterlegen.
    Denn im Grunde nutzen diese hochkomplexen Regularien vorallem den großen Bankhäusern, die sich am besten darauf einstellen können. Diese sind auch am ehesten in der Lage auf steigende Kapitalanforderungen zu reagieren.

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  5. @ applegg

    Jaja, natürlich. Ist verbessert. Danke für den Hinweis.

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  6. @Joerg:

    Ich plädiere doch auch für eine drastische Vereinfachung: 8% auf alles. Und aus. Da muss man sich über Bewertungsdetails keine Gedanken mehr machen. Man verbietet auch die Verrechnung von Geschäften (Call + Put= Nix) und aus.

    Mir ist bewusst, dass das zu Verwerfungen auf dem Markt führt. Weil das heute übliche "geringes Risiko wird mit höherem Hebel ausgeglichen" nicht mehr funktioniert. Eine Bank, die sich auf low-risk-Geschäft konzentriert, verdient halt weniger. Oder muss einfach eine höhere Marge verlangen. Oder mehr Service an die Low-Risk-Geschäfte hängen und damit das Geld verdienen. Was auch immer. Das soll der Markt regeln und nicht mein Problem sein. Ich will nur nicht mehr angebliche "Low-Risk-Banken" wie die HRE sehen, die mit 100fachen Hebeln agieren ...

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  7. Sehr feiner, gut verständlicher Beitrag. Leider wird die internationale Banklobby Entscheidungen, die gegen ihre Interessen gerichtet sind, wieder verhindern. Die eine oder andere Geldspende und das ein oder andere Hintergrundgespräch am Kamin wird wie in der Vergangenheit verlässlich wirken. Man nennt das glaube ich auch Landschaftspflege.

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  8. Zu egghat, 28.07. um 18:19 Uhr.

    Im Grunde halte ich das für eine theoretisch sehr gute Idee.

    Das Problem: Man hätte die Regeln nie lockern dürfen. Jetzt zurückzurudern, halte ich für möglich bei einem 20jährigen Übergangszeitraum.

    Es sei denn, Sie hätten einen Vorschlag, wie die Deutsche Bank ihr Eigenkapital auf 8 % der Bilanzsumme aufstocken soll, wenn Sie eine Quasi-Verstaatlichung einmal aussen vor lassen. Und dann reden wir von Vorschlägen für die übrigen Banken.

    Nochmal: Auch ich würde gerne dort hin, habe aber keine ausgereifte Ahnung wie. Am ehesten scheint mir noch eine Aufspaltung in Retail- und Investmentbanken praktikabel, sofern den Retailbanken die Refinanzierung der Investmenthäuser verboten wird.

    lg - urriegel

    (Hoffentlich sieht das noch jemand!)

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  9. Das sieht noch jemand (also mindestens ich). Ich bekomme eine Mail beim jedem Kommentar, auch damit ich Spam löschen kann ...

    Tja, die Aufspaltung in Investement und Retail ist eine mögliche Umsetzungsidee. Und die anderen gehen in ähnliche Richtungen: Die Abermilliarden Optionsgeschäfte, die jetzt mit Werten von Nahezu Null in den Bilanzen stehen, müssen aus den Bilanzen raus --> Ausgliedern. Sowas gehört meiner Meinung nach nie in eine Bankbilanz.

    Was die 20 Jahre angeht: Da bin ich eigentlich nicht so skeptisch. Ein paar Sachen ausgliedern und dann ein paar Jahre die Gewinne einbehalten und durch ist die Nummer. Die Deutsche Bank hat gerade in einem "schwachen" Quartal 1,2 Mrd. Euro verdient. Das sind immer noch 5 Mrd. im Jahr.

    Es darf bei dieser Regulierung nicht zu viel Rücksicht auf die Aktionäre genommen werden! Die Aktien ALLER Banken wären wertlos ausgebucht worden, wenn nicht die Notenbank Unmengen an Geld zur Verfügung gestellt hätten und wenn es nicht einen Haufen direkter (Commerzbank, ...) und indirekter Bailouts (AIG) gegeben hätte.

    Der Finanzsektor ist zu groß im Verhältnis zu seinem volkswirtschaftlichen Nutzen. Ich habe aber auch nichts dagegen. Wenn er sein Geld verdient und für irgendjemanden Nutzen schafft: Soll er es machen. Ich will nur weg von der staatlichen Haftung dafür. Der Finanzsektor muss (und wird wohl auch) schrumpfen. Für die Aktionäre ist das keine schöne Aussicht ...

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  10. Tendenziell schließe ich mich der Auffassung von Jörg an.

    Das Thema Eigenkapital bei Banken ist ein „zu weites Feld“, um es hier zu darzustellen. Da spannt sich der Bogen über Ermittlung Risikoaktiva, Ratingansätze, Eigenmittelqualität, Mindesthöhe usw. usw. usw. (Sofern eine Bank über ein anerkanntes internes Ratingverfahren verfügt, ist sie übrigens nicht verpflichtet, externe Ratings zu verwenden… was nicht heißen soll, dass die Ergebnisse deswegen besser sind.)

    Speziell zur Ratingunterlegung möchte ich anmerken, dass es nicht vollständig abwegig erscheint sich Fragen zu stellen, ob z. B. eine Gleichbehandlung aller Kreditforderungen unabhängig von der jeweiligen Bonität tatsächlich sachgerecht ist. Das wurde u. a. mit Basel II getan.

    Zweifellos lässt sich darüber streiten, ob die aus Basel II resultierenden, teils hochmathematischen Konzepte zu besseren Verhältnissen führen. Aber sie haben sicherlich einer Menge von Mathematikstudenten tolle Jobs verschafft. ;-)

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  11. Da Sie es ja zumindest noch sehen, erlaube ich mir noch eine Antwort:

    Die Auslagerung selbst löst leider noch kein Problem. Auslagerung bedeutet, daß Vermögen aus der Aktiva verschwindet und dann Aktiva in einer neuen "Bank" darstellt. Im Gegenzug buche ich jedoch die Refinanzierung als Forderung ein. Das Risiko ist also nur theoretisch verschwunden. Denn: Macht die neue "Investmentgesellschaft" bankrott, muss die alte Bank die Revinanzierung (d.h. ihren Aktivposten) abschreiben. Es bleibt beim alten.

    Aus der täglichen Praxis kann ich sagen: Das ist aktuell auch unlösbar. In Summe leiden wir in Österreich unter sehr geringen Ausleihungsgraden. Das heißt, die Spareinlagen kann ich nicht als Direktkredite unterbringen. Wir waren und sind gezwungen, Liquidität weiterzureichen - auch an Häuser, die "Investmentbanking" betreiben oder eben im Osten engagiert sind. Wir bräuchten also noch einen Weg, die Spargelder in die neuen "Investmentgesellschaften" umzuleiten. Dann können wir die aber im Fall der Fälle auch nicht Pleite gehen lassen - wegen der Oma ... Sie wissen schon.

    Alles in Allem ist das also für mich auch ein Lösungsweg, der als Sackgasse endet. Lösung, die niemand hören will: Inflation könnte das Verhältnis wieder richtigstellen.

    lg - urriegel

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  12. Nochetwas:

    Fragen wir uns, warum die das Investmentbanking betreiben? Klar, wegen der Rendite. Aber warum können Sie es? Weil sie Liquidität haben und auch vor der Krise hatten. Gesundschrumpfen kann der Finanzsektor nur, wenn auch die Passiva (d.h. im Endeffekt die Einlagen der Kunden) schrumpfen - oder die Überschüsse bei der EZB geparkt werden müssen. Aber momentan geht die EZB genau den gegenteiligen Weg - weshalb ich eher auch auf die Inflationslösung tippe.

    lg - urriegel

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  13. Meiner Meinung nach sollte man auch die Geldschöpfung regulieren, die Banken bekommen ja Geld von der EZB das sie verleihen. Das bläst an sich schon die Blase auf. Es sollte nur noch Geld für Kredite geben die für konkrete Investitionen genutzt werden. Konsumentenkredite würden dadurch natürlich viel teurer, ebenso Kredite für Häuser die viel mehr wert sind als die Bausubstanz, und das ist auch gut so.

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  14. @anonym:

    Dass die Ratingunterlegung einen Sinn hat (Basel II) ist nicht strittig. Das war durchaus "gut gemeint". Man wollte damit den Banken, die wenig Risiko haben, eine größere Bilanzsumme (=mehr Gewinne) ermöglichen. Leider ist das auch schon in der Lobbykratie soo verwässert worden, dass am Ende *alle* Banken ihre Bilanzsumme (mehr oder weniger) stark erhöhen konnten (und nicht nur die sehr konservativen).

    Außerdem hat Basel II immer den fiesen prozyklischen Effekt, dass ich bei sinkender Qualität der Assets überproportional mehr Eigenkapital nachschießen muss. Ja, jetzt will man mit Basel 3 ein System schaffen, dass in guten Zeiten zum Aufbau von Risikopuffern führen soll.

    Auch wieder gut gemeint. Aber lösen wir damit nicht ein Problem eines hochkomplexen Systems mit einem noch komplexeren System? Durchschaut das am Ende noch jemand? Ich zweifle ...

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  15. @ urriegel

    Ich meine mit Auslagerung eine wirklich neue Firma. Eine Firma, die sich ganz neu Geld besorgen muss (nicht von der alten "Mutter"), sondern von privaten Investoren (zB. über die Börse). Also wie ein Hedgefonds. Angeblich verdienen die Banken mit diesen Geschäften doch so viel Geld. Dann sollte sich auch ein Investor dafür finden lassen.

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  16. @R.E.:

    Ich glaube, dass das Bankensystem in Deutschland nicht so schlecht ist, dass man so radikal eingreifen muss. Immerhin steht mit der KfW ein Institut bereit, über das die Politik die Kreditvergabe ankurbeln kann.

    Ich tendiere im Moment eher dazu, eine Trennung der Banken favorisieren. Eine klassische Bank, die das macht, was Banken vor 50 Jahren gemacht haben und eine Investmentbank, die den ganzen spekulativen Kram macht. So wie die USA das vor 15 Jahren noch hatten. Ich fand damals, dass das eine saublöde, altmodische, überholte Idee war, aber inzwischen kapiere ich, was man damit bezweckt hat.

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  17. Bitte? Unsere Banken haben Milliaren in dubiose Investments gesteckt und mussten gerettet werden. Ich denke das ist Grund genug ihnen Privilegien zu nehmen.

    Wenn so eine Trennung in Normal-/Investmentbanken kommt, ist es auch entscheidend, ob die Investmentbanken dann Geld von der EZB bekommen können, oder nur mit dem Geld spekulieren dürfen das sie haben, wobei sich die Frage stellt ob es dann noch Banken sind.
    Nein, wir brauchen keine Investmentbanken, wir brauchen gar keine Banken die mit dem Geld der EZB spekulieren oder damit Kredite an Privatpersonen im In- und Ausland vergeben.

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  18. Ja sicher. So meine ich das. Investmentbanken bekommen KEINEN Zugriff auf das Geld bei der Notenbank. (Man wird nicht verhindern können, das Zinssenkungen trotzdem dort ankommen, aber man kann es wenigstens versuchen). Notenbankgeld und Rettungsaktionen gibt es nur noch für die Geschäftsbanken.

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  19. Ich bleibe dennoch dabei: Das Problem ist passivseitig mindestens genauso hoch. Die Banken müssen das Geld von Anlegern "Otto Normalverbraucher", die eine sichere Anlage wünschen (Sparbuch, Pfandbrief ...)irgendwie weiterverleihen. Und wenn es zur Trennung Retail/Investment über die Börse kommt, wird es nicht genug Risikoinvestoren geben. Es sei denn, man macht aus der Oma mit falschen Versprechungen einen Risikoinvestor. Oder dreht ihr das versteckt in einem Fonds an.

    Was haben wir denn aus der Finanzkrise am Beispiel Island gelernt? Vor dem großen Knall hat Ice-Save eine Menge Kohle mit hohen Renditen angelockt. Da sind auch die Oma's und Opa's weich geworden - eigentlich also Risikoinvestoren (so wie beim Auslagerungsmodell Investment), nicht wahr? Kann mir jetzt jemand erklären, warum wir diese Oma/Opa-Risikoinvestoren besonders schützen müssen, vor allem die Briten und Niederländer?

    Im Übrigen ist das tatsächliche (also nicht nur das über die Medien kolportierte) Schuldgefühl in den Banken erstaunlich. Schuld waren immer die anderen, in den eigenen Häusern gibt es nur weisse Westen. Dementsprechend wird auch Lobbyarbeit auf den subtilsten Wegen betrieben - und die Entscheidungsträger haben dem nichts entgegenzusetzen. Es ist ein Kampf mit unfairen Mitteln.

    lg - urriegel

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  20. Da darf man gerne eine andere Meinung haben (vor allem, weil meine auch nicht in Stein gemeisselt ist ...).

    Aber was die Trennung angeht: Die Amerikaner hatten lange genau so ein System. Das funktionierte auch, wenn auch nicht völlig problemlos. Vom Prinzip her würde das schon gehen.

    Man hat es übrigens abgeschafft, weil man sich einbildete, dass Banken, die in allen Geschäftsbereichen aktiv sind, stabiler sind (läuft der eine Bereich schlecht, läuft der andere vielleicht noch gut).

    Übrigens bin ich nicht der Meinung, dass die Trennung *der* entscheidende Teil ist. Strenge Eigenkapitalrichtlinien und ein Ende von zu großen Banken sind definitiv Punkte, die wichtiger sind.

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  21. Wir sind da grundsätzlich auf einer Linie, stimme dem Ziel voll zu.

    Ich wollte nur die Probleme der Umsetzung anschneiden.

    Zu den USA/vormalige Trennung halte ich meinen Kommentar vom 29.07. um 08:40 anwendbar:

    Man hätte nicht lockern/hier: zusammenlegen dürfen. Jetzt zurückzurudern wird eine spannende Sache.

    Übrigens: Wollte immer schon einmal Danke sagen. Kann mich leider nicht bei allen Themen fachlich einmischen, deshalb das Danke an dieser Stelle.

    Schönen Urlaub! Vielleicht Österreich?

    lg - urriegel

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  22. Danke für das Lob.

    Ich bin übrigens sehr skeptisch, was die Entflechtung angeht. Ich sehe keinen politischen Willen dazu. Man bekommt ja schon einfachere Sachen nicht hin (Basel2 bzw. 3).

    Urlaub: Nee, leider nicht Österreich (=Berge). Ostsee. Dänemark (ist aber so schlecht auch nicht ...)

    Nächstes Jahr wahrscheinlich Bayern, kinderfreundlicher Bauernhof.

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  23. @joerg

    als ich einst das erste mal über ein V@R-Modell stolperte, blätterte ich ohne groß nachzudenken weiter. Billiges Spielzeug...

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  24. @nigecus:

    VAR kann schon nützlich sein (z.B. als "Leitplanke für einen Fondsamanager). Aber eben nicht so nützlich, dass man darauf die Kontrolle eines Bankensektors bauen sollte, der über 10% des BIPs ausmacht ...

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  25. Da auf die mathematischen Modelle bisher nicht eingegangen wurde, will ich das mal tun. Prinzipiell kranken die mathematischen Modelle hinter den Verbriefungen an genau einem Punkt: sie betrachten die Käufer dieser Papiere als voneinander unabhängig.

    Das stimmt in guten Zeiten nicht, wenn das Dutzend führender Banken dieser Welt seine Kunden auf diese Papiere hetzt, nur geht das in der Phase des Aufpumpens der Blase gut.

    Und das stimmt in schlechten Zeiten nicht, wenn die Herde die Richtung wechselt. Oder wenn die Wirtschaft schwächelt und damit immer tausende von Kreditnehmern ihren Zahlungsverpflichtungen GLEICHZEITIG nicht mehr nachkommen können.

    Von daher ist Entkoppelung wirklich Pflicht. Die Trennung von Geschäfts- und Investitionsbanken. Die Begrenzung der Größe einer Bank durch das Ansteigen der Auflagen mit dem Bilanzwachstum, um so die Milch sauer zu machen. Wir brauchen mehr und kleinere Marktteilnehmer.

    Wenn bspw. die Deutsche Bank als größter Zuckerhändler der Welt auftritt, dann haben wir die gleichen Global Player bereits branchenübergreifend. In meinen Augen ein NO GO.

    Ansonsten: Schöner Beitrag zum Weiterempfehlen!

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  26. Empfehlen Sie mich weiter. Bookmarken sie meine Seiten (del.icio.us/mister-wong.de). Verlinken Sie meine Site. Stellen meine Artikel bei Yigg.de/Shortnews.de/webnews.de ein). Danke!

    Danke für das Lob!

    Die Anmerkung, die das Problem im Endeffekt auf eine Korrelation (normal so gut wie keine, in der Krise aber auf einmal eine sehr hohe) zurückführt, finde ich übrigens sehr spannend!

    Auch die Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen mit steigender Bilanzsumme ist überlegenswert.

    (Und dem Rest stimme ich ebenfalls zu ...)

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  27. @egghat

    egghat: "VAR kann schon nützlich sein (z.B. als "Leitplanke für einen Fondsamanager). Aber eben nicht so nützlich, dass man darauf die Kontrolle eines Bankensektors bauen sollte, der über 10% des BIPs ausmacht ..."

    Stimme zu. Die reißt das Problem an. Makroökonomische Modell basieren i.d.R. auf die Überführung eines Individual-Modells auf ein Ein-Agenten-Modell (Anders geht es ja auch nicht).

    Annahmen=Ausnahmen. Natürlich KANN ein Asset Manager, qualifizierter Anleger oder auch Kleinanleger irgendein formales Modell für seine Anlageentscheidungen zurecht basteln. Der Begriff "Leitplanke" ist dafür sehr schön. Man nimmt ein Modell und klappert dann die Annahmen durch und löst diese ggf. auf, falls diese zu stark von der Welt abweichen in der man investiert. Man muss die Ausnahmen kennen, wenn man ein formales Modell benutzt (=Das Bauchgefühl, Erfahrung, explizites Wissen, usw.). Das Problem beim v@R ist, dass so wie es in Textbüchern und Gesetzen steht eine einzige große Annahme ist. Ein V@R hat hat ein verdammt großes "endogenes Modellrisiko".

    Heterogen versus Homogen und beides zusammen. Angenommen alle Marktteilnehmer (sind so naiv und) benutzen irgendein V@R, dann sind diese trotzdem heterogen. Wie kommt dann eine Regulierung auf den Gedanken diese Heterogenität nur auf Marktpreisschwankungen (=das ist selbst Annahmenbehaftet) zu beschränken und den Rest zu einem Ein-Agenten-Modell zu approximieren? Das ist spätensten abenteuerlich, wenn sie unterschiedliche Assetklassen in einen Topf werfen, z.B. dort wo Marktpreise kaum Aussagekraft haben (z.B. nicht so regulär vorkommen), oder nur sekundär für den Anlageerfolg sind (z.B. aktiv im Primärmarkt, hold to maturity, etc.).

    Regulierung. Es wäre wiklich besser wenn Regulierung garnicht erst "die Schleusen aufmacht" indem sie an einer Annahmenstelle Heterogenität zulässt, aber den ganzen Rest als homogen betrachtet. Dafür haben die Buzzword-Kreationisten vom INSM wirklich mal ein schönes neues Wort geschaffen: "Regulierungsabitrage" (Beliebter Trick: Mache aus Marktpreisrisiko ein Adressenrisiko; Und schwupps kein "Risiko" mehr). Wie sagt man so schön "man soll keine halbe Sachen machen". Genau das tut Basel2, V@R & Co. Das Problem dabei ist, dass die Regulierung unmöglich ALLES modellieren kann (=Sehr großer Aufwand=Verdammt viel Verwaltung). Eigentlich wäre es schlauer garnichts heterogenes in Regulierung zu berücksichtigen.

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  28. @egghat

    Es gab irgendeinen Fehler absenden des Kommentars. Hat wohl die zulässige Anzahl von Wörtern/Buchstaben überschritten. Habe das Kommentar bei mir gepostet. Siehe Link auf Namen.

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  29. Der Kommentar scheint komplett zu sein. Danke übrigens dafür. Sehr schön hergeleitet,

    Stimme zu. Ich teile die Meinung, dass man mit der unvollständigen Modellierung nicht weiter kommt. Daher bin ich ja auch der flappsigen Meinung,dass man einfach alles mit 8% EK hinterlegen sollte. Ebenso flappsig ist es mir egal, welche Schäden dadurch bei den Banken entstehen. Mich interessiert ausschließlich, ob damit Geschäfte gekillt werden, die einen volkswirtschaftlichen Nutzen haben. Das sehe ich aber nicht. Die Banken können dann nicht mehr wild rumspekulieren und z.B. wie die Deutsche Bank größte Händler von Kakao werden. Die Deutsche Bank soll Konten verwalten, Zahlungsverkehr abwickeln, Kredite bereitstellen, Finanzierungen vermitteln, etc. pp.
    Den Kakaohandel kann aber auch ein x-beliebiger Hedgefonds abwickeln. Von mir aus sollen die Banken auch das ganze Trading in Hedgefonds auslagern. Hauptsache das Risiko dort schlägt nicht direkt auf die Volkswirtschaft durch (wie aktuell). Goldman Sachs hat übrigens mit der Auslagerung schon begonnen. Hab in meinem Urlaub dazu ein Posting vorbereitet.

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