GermAA+ny, USAA, FrAA-nce and BritAA-in

Ich habe das alberne Wortspiel heute mal direkt vierfach in die Überschrift gepackt ...

Die Chinesen sind ja dafür bekannt, dass sie bei vielen Sachen nicht nur diskutieren, sondern auch handeln. Während die europäischen Politiker die Macht der US-Ratingagenturen brechen wollen und über eine europäische Konkurrenz nachdenken und diskutieren (was auch immer man von der Unabhängigkeit einer Ratingagentur halten soll, wenn diese politisch initiiert wird), haben die Chinesen bereits ihre eigene Ratingagentur. Dagong Global Credit Rating Co. heisst der Laden.

Tja und bei den ersten (?) Ratings, die heute kamen, hat es wirklich "gong" gemacht. Oder gar einen Knall gegeben?

Dagong hat nämlich die USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland nicht auf AAA wie alle anderen Ratingagenturen. China allerdings auch nicht. China ist mit AA+ aber nur eine Stufe darunter (wie auch Deutschland, Kanada und die Niederlande), die USA liegen mit AA 2 Stufen und Großbritannien und Frankreich mit AA- sogar drei Stufen niedriger. Belgien, Spanien und Italien sind mit A- sogar 6 Stufen schlechter bewertet.

Aber Dadong ist nicht nur einfach böse, sondern sieht noch einige Länder auf AAA, die bei den anderen Ratingagenturen ebenfalls Spitzenklasse sind: Norwegen, Dänemark, die Schweiz, Singapur, Australien und Neuseeland. Das scheinen aber alle zu sein.

Telegraph: Chinese rating agency strips Western nations of AAA status

Verifizieren kann ich die Nachricht leider nicht, die Website verhält sich äußerst ungewöhnlich. Seht selbst: Dagong Global Credit Rating Co (mich hätten die Ratings von Irland und Griechenland z.B. interessiert).

Und da die Geschichte vom ausgewiesenen Euro-Skeptiker Ambrose Evans-Pritchard kommt, würde ich eine gewisse (leichte) Vorsicht walten lassen.

Aber da beisst die Maus keinen Faden ab ... Die Ratings von Dadong spiegeln das, was ich als gesunden Menschenverstand bezeichnen würde, deutlich besser wieder als die Ratings von Standard & Poors, Moody's und Fitch. Das AAA für Großbritannien halte ich z.B. für einen Witz und selbst über das von Deutschland kann man diskutieren ...

Update (21:49):

Ach, FT Alphaville hatte die Story schon viel früher ...

FT Alphaville: Sovereign ratings made in China

Update (14.07.10):

Danke an die Kommentatoren. Hier ist der Link auf alle Länder-Ratings von Dagong:
Dagongcredit.com: Sovereign Credit Rating Report 2010(PDF)

9 Länder hat Dagong besser als die "normalen" Ratingagenturen, darunter alle 4 BRIC-Staaten. Die positive Abweichung ist bei China mit drei Stufen am größten.
18 Länder werden schlechter bewertet. Spanien hat mit 4 Stufen (unter dem S&P-Rating) die größte Abweichung. Aber auch Belgien, Großbritannien, Frankreich, Mexiko, Israel, Island und die Philippinen sind drei Stufen schwächer. Die restlichen 23 Länderratings stimmen in etwa überein.

Kommentare :

  1. auf http://www.dagongcredit.com/dagongweb/zx/show.php?id=1493&table=web_zxzx kann ich zumindest griechenland (platz 41) mit BB finden. irland ist IMHO bei den 50 nicht dabei ...

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  2. http://www.dagongcredit.com/dagongweb/english/pr/show.php?id=69&table=web_e_zxzx

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  3. @egghat
    Mal abgesehn davon dass die Ratingagenturen im allgemeinen Schwachmaten sind. Solche Ratings sind absolut nutzlos und zeigen nur dass sowohl die Ratingagentur als auch du keinen blassen Schimmer hat wie eine FIAT Währung funktioniert.

    Weder die UK noch die USA oder Japan haben ein Solvenzrisiko. Das geht schon per definitionem nicht. Und die Bondmärkte wissen das auch! 10 Jahre US Treasuries notieren bei 2.9-3.0%.

    Also schreib nicht so einen Unsinn sonst muss ich meine Kachingles andersweitig verteilen. Das ist der Nachteil wenn man Kohle will. Man ist erpressbar ;-)

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  4. @Stephan
    "Weder die UK noch die USA oder Japan haben ein Solvenzrisiko. Das geht schon per definitionem nicht."
    Beim Verlust von Triple-A geht es auch nicht um Insolvenz, sondern um die erwartete Geldwertstabilität. Also ist Beitrag - wie gewohnt - mitnichten Unsinn ...

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  5. @Stephan:
    Ich kann mir Situationen vorstellen, in denen ein Land sich dafür entscheidet, seinen Verpflichtungen selbst "auf dem Papier" nicht nachzukommen. Zum Beispiel wegen haesslicher Nebenwirkungen der Geldschoepfung.
    Dieses Risko ist in Ländern mit hohem Geldschoepfungsbedarf sicher hoeher als ueblich.

    Zudem sollte ein Rating meiner Meinung nach irgendwie berücksichtigen, dass dem Anleger eigentlich daran liegen duerfte, den realen Wert seiner Anlage zu erhalten.

    Aber mir ist natuerlich klar, dass den uebblichen Ratingagenturen nichts ferner liegt, als sich um so etwas irrelevantes wie Anlegerinteressen zu scheren...

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  6. a) Danke für die Links. Ich habe den artikel ergänzt.

    b) @Stephan:

    Natürlich hat ein Staat ein Solvenzrisiko. Zumindest in Fremdwährung (die kann man nicht weginflationieren). Und übrigens auch in einer Währung, die er nicht alleine kontrolliert wie man gerade im Euro exemplarisch an Griechenland sehen kann. Daher sind Ratings schon an und für sich kein Quark.
    Und ob ein Staat seine Schulden nicht zurückzahlt (also offiziell Pleite geht) oder ob er seine Schulden weginflationiert (gewissermaßen inoffiziell Pleite geht), kann dem Anleger am Ende ziemlich egal sein. Es gibt Länder, bei denen ist die Gefahr hoch. Es gibt welche, da ist die Gefahr relativ niedrig (Skandinavien, Schweiz, China, Rohstoffstaaten). (Den Gedanken haben aber FFriend und Flo schon aufgeschrieben)

    Wenn's dir besser passt: Sieh das Rating als Gradmaß für die Gefahr einer (Hyper-)Inflation, nicht der Pleite.

    Kannst mich also ruhig weiter kachingeln :-)

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  7. @egghead
    Ich habe davon gesprochen, dass Staaten wie die UK, USA und Japan kein Solvenzrisiko haben. Diese Staaten begeben Anleihen in ihrer eigenen FIAT Währung (keine Konvertibilität, freie Wechselkurse)

    Für die Staaten der Eurozone gibt es ein Solvenzrisiko. Das wurde schon bei der Ausgestaltung der EZ kritisch angemerkt. Wir haben ein Problem in Europa weil die Währungsunion eine Fehlkonstruktion ist.

    Natürlich ist in einem FIAT System Inflation eine Gefahr. Die hat aber nichts mit Schulden/BIP zu tun. Das kannst du sogar in dem schrecklichen Paper von Rogoff und Reinhart nachlesen.

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  8. Natürlich hat die Höhe der Schulden was mit dem Hyperinflationsrisiko zu tun. Es gibt nichts anderes, was einen Staat zur Hyperinflation zwingt außer Schulden, die er nicht mehr zurückzahlen kann.

    Was nützt es UK, wenn die in einer eigenen Gurkenwährung Schulden begeben können? Wenn die Währung niemand mehr nutzt? Simbabwe konnte auch Geld drucken (wie auch Deutschland 1923) und ist trotzdem Pleite gegangen.

    Dein Argument zieht vielleicht für die USA, solange sie noch die Weltleit- und Weltreservewährung haben, aber für alle nicht.

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  9. Die "Macht der Ratingagenturen brechen" ist ungefähr so sinnvoll wie: Die "Macht der Tankanzeige brechen", indem man das Ding abschaltet und dann auf "gut Glück" solange weiterfährt, bis der Tank leer ist.

    Alle anderen Vorurteile werden hier beseitigt: http://www.deweles.de

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