Markowitz in der Kritik

"Es sind ja nicht die Dinge, die du als gefährlich erkannt hast, die dich umbringen, sondern diejenigen, die du für sicher hältst"
Sehr schönes Zitat aus einem (mMn zu Recht) sehr kritischen Artikel über die moderne Portfoliotheorie von Markowitz in der FAZ.

Diese besagt im Wesentlichen (und IMHO auch korrekterweise), dass man einem Portfolio eine risikoreichere Anlage hinzumischen kann, aber dadurch nicht nur die Rendite erhöht (logisch!), sondern gleichzeitig auch das Risiko senken kann. Der letzte Teil ist etwas verblüffend, aber hier kommt die Korrelation ins Spiel. Wenn die risikoreichere Zumischung sich nämlich unabhängig vom Rest des Portfolios verhält (also z.B. eben nicht mit dem Restportfolio mitsinkt), kann der positive Effekt auf das Gesamtrisiko durchaus eintreten.

Nur haben die Korrelationen ein großes Problem: Sie sind leider auch nicht sonderlich stabil. Zwar sinken z.B. Chemieunternehmen tendenziell, wenn der Ölpreis steigt (höhere Rohstoffkosten drücken auf die Marge), aber wenn die Konjunktur boomt und die Chemiekonzerne die Preissteigerungen weitergeben können, ist der Zusammenhang nicht mehr gültig. Dann steigt nämlich plötzlich beides (wie 2006 oder 2007). Oder wenn die Konjunktur einbricht, fällt auch beides (wie in der Krise ab 2008). In den entscheidenden Phasen habe ich mein Gesamtrisiko nur minimal gesenkt.

Es gibt natürlich ein paar Zusammenhänge, die immer stabil bleiben werden. Diese sind aber so bekannt, dass man diese auch in ein paar Faustregeln abbilden kann. Kaufe Anleihen und Aktien. Kaufe bloß nicht nur ein Land oder einen Kontinent. Kaufe nicht nur eine Branche.
Wenn jetzt Computermodelle sagen, dass man nur x% seines Portfolios durch einen Fonds xy oder die Aktie z ersetzen muss, und schon eine um 0,142% höhere Rendite bei 3,2% niedrigerem Risiko erwarten kann, ist das aber Volksverdummung. Sie täuschen eine Genauigkeit vor, die in der Realität nicht da ist.  Dazu sind die Zusammenhänge viel zu schwach und die Ungenauigkeit in den Prognosen, die man zwangsläufig für das Modell benötigt, zu hoch. Die Renditeprognosen für die Aktien/Fonds sind viel zu schwammig. Einfach alle Aktien mit 8% Rendite annehmen? Die Rendite der Vergangenheit hochrechnen? (Es steht nicht umsonst unter der Werbung immer "die Performance der Vergangenheit lässt keine Schlüsse auf die Performance der Zukunft zu"). Und die Schwankungen ebenfalls einfach in die Zukunft fortschreiben und als Parameter in das Modell geben? Und die Korrelationen auch einfach als unverändert annehmen und dann rein in den Computer?

Kurz: Diese Tools dienen vor allem einen Zweck: Irgendein (wahrscheinlich überteuertes) Produkt an den Kunden zu vertickern (und ganz nebenbei den Berater mit einem nobelpreisgestützten Verfahren aus der Haftung zu nehmen).

Im vergangenen Jahrzehnt sehr in Mode war diese Vertriebsmöglichkeit bei Hedgefonds. Der größte Teil davon hat sich jedoch als ziemlich teurer Flop herausgestellt. Profitiert haben nur die Initiatoren der Hedgefonds. Die meisten Privatanleger dürften nur ein überteuertes und wenig wirksames Produkt erworben haben ...

Selbst die Stiftungsfonds der Eliteunis Yale und Harvard, die bei der Diversifizierung ihrer Portfolios extrem weit gegangen sind, haben in der Krise massive Verluste eingefahren und mussten das Scheitern ihrer Computermodelle eingestehen.

Portfoliostrategie: Risiko wird zur entscheidenden Stellgröße - Strategie & Trends - Finanzen - Investor - FAZ.NET

Kurz: Als Theorie hat Markowitz wertvolle Erkenntnisse geliefert. In der Praxis hingegen sollte man sich von den darauf basierenden Computermodellen fernhalten und als sinnvolles Extrakt für sein Depot das herausziehen, was man in ein paar Faustregeln zusammenfassen kann.

Kommentare :

  1. Bin sehr oft einer Meinung mit Dir. Den von Dir verlinkten FAZ Artikel fand ich allerdings sehr ärgerlich (und dass Du solchem Bogus aufsitzt noch mehr).

    Die Moderne Portfolio Theorie (MPT) und Efficient Market Theorie (EMT) sind sehr spannende Denkmodelle, die helfen können, Märkte zu verstehen und Entscheidungen zu treffen. Ich würde sogar so weit gehen, dass jeder Kapitalmarktinteressierte diese Modelle kennen muss, unabhängig davon ob/ wie er letztlich Kapital anlegen will.

    Der FAZ Artikel unterstellt u.a., dass die MPT, davon ausgeht, dass Märkte immer effizient und das Korrelationen zwischen Asset-Klassen statisch wären. Das wäre in der Tat dumm, nur gibt es keinen Vertreter der MPT/EMT der so etwas behauptet. Diese Verleumdungen werden immer wieder gern von Vertretern der Finanzindustrie in die Welt gesetzt. Schließlich möchte man weiterhin Provisionen mit aktiven Fonds oder Vermögensverwaltungsmandaten verdienen.

    Für Leute, die nicht zu wissenschaftlich aber trotzdem fundiert die MPT bzw. EMT kennenlernen wollen, kann ich das Buch „Souverän investieren mit Indexfonds“ von Gert Kommer sehr empfehlen (nicht vom tumben Titel blenden lassen).

    Wer es genauer wissen will, kann sich natürlich auch gleich an die Veröffentlichungen von Markowitz, Sharpe, Fama etc. halten.

    Gruss
    Harry

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  2. Markowitz geht schon von ner Menge Dinge aus, die in der Praxis so nicht stimmen bzw. zmindets umstritten sind. Grundsätzlich muss er vom effizienten Markt ausgehen, denn wenn jemand wüsste, welche Aktie steigt, könnte er ja direkt die kaufen. Also macht der Harry M. erstmal alle gleich. Dann geht er von der Normalverteilung der Kursbewegungen aus. Auch umstritten. Dann gibt es keine Transaktionskosten. Dann wird nichts dazu gesagt, wie oft man denn anpassen muss. Monatlich? Jährlich? Oder noch seltener?
    Was passiert denn in einem Crash wie 2008, wo sicherste Anlagen (AAA) auf einmal wegkrachen und alles andere mit (auch wenn es vorher unkorrelliert war)? Was hat der Markowitz dazu gesagt?

    Ich habe mich einen Zeitlang ziemlich intensiv mit dem Markowitz beschäftigt. Und ich kann nur sagen, dass man meiner Meinung nach als Privatanleger mit Faustregeln genausoweit kommt wie z.B. mit dem Optimierer, den die FAZ anbietet. Ich glaube nicht, dass das irgendjemandem nach Umschichtungsgebühren etwas bringt.

    Mit Markowitz könnte ich mein Depot total toll optimieren, wenn es jetzt 2008 wäre und ich die Volas, Renditen und Korrelationen von 2009 schon hätte. Die hatte ich 2008 aber nicht. Deshalb habe ich da 2008 nur Mist reingegeben und dann eben auch Mist rausbekommen.

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