Zahl des Tages (05.07.10): 13+3

Man kann sich ja nicht jeden Tag in ein neues Thema einlesen und wenn sich eine Nummer soooo zäh dahinzieht wie die Kürzung der Solareinspeisevergütung, naja, dann schiebe ich die Schuld einfach mal auf die Politiker, die die Steilvorlage für die mehrfache Erwähnung der Zahl liefern ...

Heute haben sich Bund und Länder auf eine Kürzung der Einspeisevergütung geeinigt. Jetzt soll die Einspeisevergütung nicht um 17 (ZAHL DES TAGES (19.01.09): -17%), ähm 16 (EEG FÖRDERUNG UM 16% RUNTER - ABER ERST IM JUNI), ich meine 15 Prozent (EEG FÖRDERUNG RUNTER UM X % IM Y-EMBER ODER AUCH NICHT) und das zum Januar oder zum April oder zum Juni oder zum Juli. Und das dann mit oder ohne Streichung der Freilandanlagen. Und dann mit Erhöhung der Vergütung für den Selbstverbrauch oder auch nicht.

Jetzt wird die Förderung rückwirkend zum 1. Juli um 13% gekürzt und zum 1. Oktober nochmal um weiter 3%. Auch bei den anderen Anlagen wird analog gekürzt. Bei Freiflächen gibt es zum Beispiel statt 11% jetzt 8% zum Juli + 3 zum Oktober.

Bärbel Höhn von den Grünen erwartet ein Abwürgen einer Zukunftsbranche und sieht die Gefährdung "vieler" Arbeitsplätze (immerhin legt sie sich als gelernte Mathematikerin nicht auf eine konkrete Zahl fest). Die SPD wollte nur um 12% kürzen und ist sich natürlich ganz sicher, dass das magische Zahl ist, die die Zukunftsfähigkeit unseres Landes im 21. Jahrhundert sicherstellt. Und alles darüber der Untergang.

Grrr. Merkt man, dass ich mit einer Kompromissfindung, bei der auf mehr als 30% Preisverfall für Solaranlagen und Renditen für Dachbesitzer von nahezu 10% reagiert wird, und dann über 18 Monate lang zwischen 15 und 17% rumverhandelt wird, nicht viel anfangen kann? Wenn Unternehmen so entscheiden würden ...

Die Politiker sind doch zunehmend reine Selbstdarsteller, die sich über Scheingefechte inszenieren müssen. Es ist doch bei 30% Preisverfall völlig Wurscht, ob man 15 oder 17% kürzt. Die Renditen für Dachbesitzer bleiben hoch. Und ob sie jetzt 8,5% oder 9,5% betragen, ist komplett egal. Sie sind zu hoch und zwar deutlich zu hoch und daran ändert sich nicht viel. Und die Rechnung dafür zahlt jeder Stromverbraucher mit inzwischen über 2 Cent je KWh (EEG-UMLAGE FÜR 2010 2,0 CENT/KWH NACH 1,1 CENT). Da die Anzahl der neuen Anlagen in 2010 wahrscheinlich ähnlich hoch werden wird wie in 2009 und die Kürzung erst relativ spät kam, werden es für 2011 wohl fast 3 Cent je KWh werden. Da werden sich Hartz IVler freuen :-(

Und ich dachte, das Ziel des Gesetzes wäre es, den Solarstrom so schnell wie möglich so günstig wie möglich zu erzeugen. Und nicht der Industrie und den Dachflächenbesitzern möglichst lange möglichst hohe Renditen zu sichern. Und den Chinesen die Jobs ...

Wenn die Politiker wenigstens das Rückgrat hätten und das ganze EEG über die Bundeskasse zu finanzieren und dafür geradezustehen. Aber nein, man versteckt das im Strompreis, der mit einer unverständlichen Abrechnung komplett intransparent ist und fängt bei der nächsten Strompreiserhöhung wieder an auf die Konzerne zu schimpfen.

OK, diese Kritik haben die Stromkonzerne natürlich auch verdient. Die Politiker aber eben auch. Es war mit eine Ehre ;-)

FTD: Bund und Länder einig bei Solar-Kürzungen

Ach so: Ein alter Vorschlag von mir, wie man sich das alberne Spektakel sparen könnte: VORSCHLAG: EINSPEISEVERGÜTUNG FÜR EEG DYNAMISCH UND AUTOMATISCH ANPASSEN

Und dann noch für Nachleser die (fast) ganze Geschichte der Nummer (auch inkl. Beispielrechnungen für Leute, die noch Dachflächen frei haben. Greift zu: Staatlich garantierte Renditen in solche Höhe gibt es sonst nirgendwo): Suche nach Solarenergie.

Und noch eins: Weiss jemand, ob die zwischendurch mal geplante Erhöhung der Vergütung für selbstverbrauchten Solarstroms jetzt kommt oder nicht? Diese würde ja dazu führen, dass ein großer Teil der Kürzung für die Privaterzeuger wieder aufgehoben würde ...

Update (06.07.10):

Die Vergütung für selbstverbrauchten Strom scheint nicht geändert worden zu sein:

Änderung des EEG („PV-Novelle“) - Einigungsvorschlag des Vermittlungsausschusses - Befassung durch Bundestag und Bundesrat voraussichtlich am 8. bzw. 9. Juli

Es gibt also für selbstverbrauchten Strom gut 20 Cent je KWh, was sich inkl der Ersparnis für den normalen Stromeinkauf auf gut 40 Cent erhöht. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass ein 4-Personenhaushalt mit einer 5 KWp Anlage gut 30% seines Solarstroms selber verbrauchen kann, erhöht sich der effektive Preis pro erzeugte KWh Solarstrom von knapp 33 auf 35 Cent.

Die Kürzung fällt also in der Praxis noch geringer aus als in der Überschrift angedeutet wird. Eine Tatsache, auf die Rot-Grün natürlich nicht hinweist ....

Ob das sinnvoll ist? Ketzerisch meint, dass es bescheuert wäre, den Solarstrom nicht in den Spitzenlastzeiten einzuspeisen. Schließlich wäre einer der großen Vorteile des Solarstroms, dass er anfällt, wenn der Verbrauch am höchsten ist. Allerdings muss man dagegen fragen, ob denn die Lastspitzen in den solarstromerzeugenden Haushalten nicht genauso aussehen wie im Durchschnitt aller Stromverbraucher. Dann wäre es ja egal, ob eingespeist oder verbraucht wird. Auf der Positivseite der stärkeren Förderung des Eigenverbrauchs würde eine Entlastung des Netzes und ein Einstieg in die Förderung der dezentralen Stromförderung stehen. Beides mMn sinnvolle Ziele.

Die Erklärung (inkl. steuerlicher Betrachtung):

Neue Einspeisevergütung ab 01.07.2010

Update (07.07.10):

Die FAZ hat einen Kommentar dazu. Auch wenn ich diesen im Großen unterschreiben würde, frage ich mich, wie die FAZ auf Renditen von bis zu 17% kommt ... Das scheint mir dann doch etwas arg viel. Die Rechnungen in Börse Online gingen nach der Kürzung eher von 8 bis 9% aus.

FAZ: Auf der Sonnenseite

Update (08.07.10):

Das Gesetz ist jetzt wirklich durch ... Man glaubt es kaum ...

Handelsblatt: Bundestag billigt Solar-Kompromiss

Update (09.07.10):

Jetzt aber wirklich:

Handelsblatt: Bundesrat billigt Solar-Kompromiss

Kommentare :

  1. Mein letzter Infostand ist, dass Privatleute für selbstverbrauchten Strom eine erhöhte Vergütung erhalten. Ein Passus, der an Absurdität nicht zu überbieten ist. Es lohnt sich für den Solaranlagenbesitzer Strom zu verschwenden, denn wenn man ihn weggibt bekommt man weniger Geld. Das ist besonders bitter, weil Solarstrom am Tag produziert wird und damit anders als Wind dann, wenn tatsächlich auch Strom benötigt wird ("Peak hours"). Jetzt schafft die Politik mit dem Passus einen Anreiz den Strom gar nicht zur Deckung der Spitzenbedarfe zu verwenden, sondern lieber die eigene Nachtspeicherheizung in der warmen Sommermittagssonne aufzuladen.

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  2. Nee, das stimmt nicht. Der Eigenverbrauch war nicht so teuer, dass der über die Vergütungssätze stieg. Das habe ich zwar auch mal gedacht, aber wenn die alte Zahl stimmt, dann gibt es für selbst verbrauchten Strom 8 Cent. Mit den 20 Cent, die man durch den eingesparten Strom spart, macht das 28 Cent. Das ist noch unter der Vergütung. Es lohnt sich also nicht, Strom zu "verbrennen". Dann fehlen ja die gesparten 20 Cent.

    Mit der tageszeitabhängigen Sache hast du allerdings recht. Es ist ziemlich blöd, den Strom nicht tagsüber einzuspeisen, wenn die Preise am höchsten sind.

    Das einzig sinnvolle hinter der Geschichte *könnte* sein, dass man damit einen Markt für die Pufferung schaffen will. Wenn die Vergütung für selbst verbrauchten Strom hoch genug wird und über den Einspeisesatz steigt, lohnt es sich, Strom selber zu puffern (Akkus, Brennstoffzelle) und später zu verbrauchen. Wenn das das Ziel sein sollte, wäre das durchaus sinnvoll. Denn das große Problem der Fotovoltaik ist ja nicht, dass sie nicht bald wettbewerbsfähig ist, sondern dass sie bald *zu* wettbewerbsfähig ist. Und dafür brauchen wir Speicher. Scchade, dass nach den ganzen Fördergeldern, die in die Taschen der Dachflächenbesitzer gehen, dafür keine Knete mehr da ist ...

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  3. @ketzerisch:

    Ich korrigiere mich. Ich habe das nochmal nachgelesen und es sieht wirklich so aus, als wäre der Betrag (nach Einsparung des Strompreises) für selbstverbrauchten STrom höher als der für eingespeisten. Damit
    wäre deine Kritik berechtigt.

    Änderung des EEG („PV-Novelle“) - Einigungsvorschlag des Vermittlungsausschusses - Befassung durch Bundestag und Bundesrat voraussichtlich am 8. bzw. 9. Juli

    Die Erklärung:

    Neue Einspeisevergütung ab 01.07.2010

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  4. Ach so: Strom einfach wegzuschmeissen lohnt sich aber trotzdem nicht. Die 41 Cent gibt es ja nur, weil darin der Bezugspreis eingerechnet ist. Man bekommt für den Strom "nur" gut 20 Cent, wenn man den nicht brauchen würde, könnte man ja besser für knapp 33 Cent einspeisen.

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  5. Du hast natürlich recht. Das die 41cent 20cent angenommene Strompreisersparnis enthalten war mir nicht bekannt. Danke!

    Trotzdem stellen sich mir bei einigen Sätze aus dem verlinkten Artikel die Haare zu berge. Da steht zum Beispiel: "Denn sobald Solarstrom den gleichen oder sogar einen geringeren Preis hat wie konventioneller Strom aus der Steckdose, ist es für jeden Besitzer einer Solaranlage sinnvoll, einen möglichst großen Teil des selbst erzeugten Stroms auch selbst zu verbrauchen"

    Quatsch. Als Solaranlagenbesitzer ist der Strompreis doch egal. Mich interessiert nur die Einspeisevergütung.

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  6. Ja, da hast du Recht.

    Der Strompreis interessiert nur als ein Teil der Addition von Strompreis + Selbstverbrauchsvergütung.

    Spannend wird der Preis für den eingekauften Strom erst dann, wenn die Einspeisevergütung niedriger ist als der Strompreis. Davon sind wir aber noch 11 Cent (oder so) entfernt. Wahrscheinlich ein Thema für 2013 oder 2014. Ich rechne nämlich weiterhin mit einem massiven Preisverfall für Solarzellen. Daher ist die Überförderung jetzt auch doof, weil der Preis für Solarzellen auch ohne Überförderung fallen würde. Das Geld könnte man jetzt schlauer investieren. Zum Beispiel in Smart Grid Technologien und/oder Speichertechnologien. Als tollste Idee: Den Akku von E-Autos als Pufferspeicher für's Netz mitbenutzen.

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  7. Ja, oder in ganz schnöde Kabel zwischen den Grids der einzelnen Länder. Kabel nach Osten gibt es kaum. Kabel zu den Wasserkraftwerken in Schweden und Norwegen viel zu wenig.

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  8. Yepp. Das stimmt auch. Selbst über die Alpen ist das Stromnetz zu schwach.

    Kabel nach Island wären auch cool.

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