Zahl des Tages (07.07.10): 3.700.000.000

Vor zwei Wochen hatte ich hier ein Posting, in dem ich auf zwei spannende Zeitpunkte Ende Juni hingewiesen habe. Erstens lief ein 442 Mrd. Euro schweres Refinanzierungsgeschäft bei der EZB aus und zweitens verabschiedeten sich die griechischen Staatsanleihen aus einigen großen Indizes. Beide Ereignisse hatten das Potenzial, mittelschwere Verwerfungen auszulösen (EIN SPANNENDES MONATSENDE LIEGT VOR UNS).

Und weil ich kein Panikmacherblog bin, habe ich auch bereits darauf hingewiesen, dass das Auslaufen des 442 Mrd. Tenders bei der EZB überraschend glatt lief und die EZB dabei wirklich eine signifikante Menge Liquidität aus dem Bankensektor wieder einsammeln konnte. Was ein gutes Zeichen ist, denn die Banken scheinen sich langsam aber sicher wieder Geld untereinander zu leihen (und nicht nur auf die EZB zurückzugreifen). Auch wenn die Zinsen, die die Banken untereinander verlangen, noch etwas über den normalen Leveln liegen (ZAHL DES TAGES (01.07.10): 165.000.000.000).

Zu der EZB-Tender-Geschichte gab es noch einen Artikel ("Tender-Komödie") im Wirtschaftsquerschussblog, in dem versucht wurde, die Geldgeschäfte nachzurechnen. Dabei kam heraus, dass dem Einsammeln des Geldes in der Vorwoche eine deutliche Erhöhung durch neue Geschäfte in der Vorwoche vorausging. Es sei also nicht wirklich Liquidität eingesammelt worden. Ich hatte an dieser These aber Zweifel, auch wenn ich es nicht belegen konnte, weil man zwar sehr einfach Informationen über die neuen Geldmarktgeschäfte bekommt, aber nur recht schwierig über die ausgelaufenen (man muss halt die alten durchwühlen). Ich vermutete, dass Steffen da schlicht ein ausgelaufenes Geschäft übersehen hat.

Daher habe ich mir den Bericht der EZB für die spannende Woche auf "Wiedervorlage" gelegt und den gestern auch gecheckt. Naja, wollte ich zumindest. Aber ausnahmsweise (Quartalsanfang) kam der Bericht erst einen Tag später und daher musste ich die PS-Zahl eines Autos verbloggen, weil ich auf die schnelle nix anderes mehr hatte ...

Egal. Heute kam dann der EZB-Bericht und er bestätigte meine Interpretation. Die Summe der Refinanzierungsgeschäfte ist in der letzten Juniwoche um 189 Mrd. Euro gesunken. Dem deutlichen Minus von 312 Mrd. bei den längerfristigen Refinanzierungsgeschäften stehen 111 Mrd. Euro Anstieg bei den "Feinsteuerungsoperationen" gegenüber. Mit ein paar kleineren Posten ergeben sich also die 189 Milliarden. Auf der anderen Seite der Bilanz sind die Guthaben der Banken bei der EZB deutlich gesunken und zwar um 156 Mrd. Euro. Die 165 Mrd. Euro Liquiditätsabfluss, die die FAZ errechnet hat und die ich verbloggt habe, stimmen also (zumindest grob) ...

In dem EZB-Wochenbericht gab es auch ein Update zu den Ankaufmaßnahmen der EZB bei Staatsanleihen. Hier hatte ich ja vermutet, dass der Rauswurf der griechischen Staatsanleihen aus den wichtigen Indizes noch größere Verkäufe auslösen könnte. Das ist aber nicht passiert.

Über die beiden Ankaufprogramme kamen nur 5,0 Mrd. Euro zusätzlich in den Bilanz der EZB. 1,3 Mrd. kamen aus dem Covered-Bond-Programm, das übrigens nach Erreichen der 60-Milliarden-Grenze wie geplant eingestellt wird. Und für nur

3.700.000.000 (3,7 Milliarden) Euro

hat die EZB Staatsanleihen gekauft. Das ist in etwa so viel wie in den Wochen zuvor. Die Gesamtsumme der angekauften Staatsanleihen liegt nun bei 60 Mrd. Euro. Das dürften natürlich zum großen Teil Papiere aus Griechenland und Spanien sein, eine genaue Aufschlüsselung macht die EZB aber nicht. Eine so weit gehende Transparenz ist unerwünscht, schließlich könnte man daran ablesen, welche Staatsanleihen von den Anlegern gerade in so großem Umfang abgestoßen werden, dass die EZB stützend eingreifen muss. Spekulanten könnten auf diesen Zug dann aufspringen. Und naja, es ist nachvollziehbar, dass die EZB diese Steilvorlage nicht liefern will.

In beiden Punkten aus dem alten Posting kann ich also Entwarnung geben. Obwohl die 60 Mrd. Staatsanleihen, zu denen jede Woche weitere 4 Milliarden Euro zukommen, auch nicht wirklich beruhigend ... Bei dem Tempo wären wir am Ende des Jahres schon bei 160 Milliarden ...

EZB: 7. Juli 2010 - Konsolidierter Ausweis des Eurosystems zum 2. Juli 2010

Kleine spannende Randnotiz: Der Gesamtwert des von der EZB gehaltenen Golds ist um 65 auf 352 Mrd. Euro gestiegen. Die EZB hat Gold gekauft! Die EZB hat Gold gekauft? Nein, der Anstieg geht ausschließlich auf den Wertzuwachs des Golds im zweiten Quartal zurück. Seit Quartalsanfang wird das Gold mit 1.010 Euro je Feinunze bewertet (aktueller Kurs etwa 950 Euro).

Ich würde mich nicht wundern, wenn irgendein Goldbug versuchen würde, aus den 65 Mrd. eine goldpushende Headline zu basteln ... (sachdienliche Hinweise in den Kommentaren ...)

Kommentare :

  1. Im Querschüsse-Blog wurde es auch nachträglich richtig gestellt.

    AntwortenLöschen
  2. Ja, ich habe da einen Kommentar hinterlassen mit meinen Vermutungen und der endgültigen Interpretation. Und da drüben wird saubere Arbeit geleistet, es wird also nicht heimlich korrigiert wie bei Qualitätsmedien, sondern richtig gestellt wie es sich gehört.

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore