Zahl des Tages (09.07.10): 4

Ok, ich weiss, manche nervt es, wenn ich so hartnäckig über das EEG und die mMn viel zu hohe Vergütung für Solarstrom rummosere, aber ich habe heute nochmal neue Zahlen gefunden, die es mir angebracht erscheinen lassen, das Thema nochmal aufzupicken. Immerhin ist es für's Erste wohl zum letzten Mal, denn das Gesetz ist jetzt endlich durch Bundestag (gestern) und Bundesrat (heute) durchgegangen und damit demnächst gültig.

Die groben Bedingungen habe ich ja schon (mehrfach) beschrieben: Für kleine Dachflächenanlagen sinkt die Einspeisevergütung um 13% (im Juli) und 3% (im Oktober). Damit reagiert die Politik auf Preissenkungen von über 30% bei den Solaranlagen, die von der standardmäßigen Senkung der EEG-Vergütung von 8% jährlich nicht angemessen abgebildet wird. Was dazu führte, dass Fotovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach die profitabelste Geldanlage schlechthin waren. Auch nach der außerplanmäßigen Senkung, die jetzt beschlossen wurde, werden den Renditen wohl immer noch hoch bleiben. Wenn auch wahrscheinlich nicht zweistellig wie im Moment.

Wie hoch die Renditen sind, sieht man an der Menge der installierten Anlagen. Der Experte der Verbraucherzentrale schätzt die in diesem Jahr bereits installierte Leistung auf 6.500 KWp. Das wäre schon etwa doppelt so viel wie im Vorjahr. Das wird in diesem Tempo nicht weitergehen, aber 10.000 KWp für das Gesamtjahr erscheinen durchaus im Bereich des Möglichen zu sein.

Der ein oder andere wird sich an die folgende Tabelle erinnern, die ich mal aus einer RWI Studie zum Thema Solarschulden übernommen habe.

Tabelle 1: Vergütungen für Solarstrom (original aus 2007):

Jahr Solarstrom Zuwachs Vergütung Vergütung pro Jahr Über 20 Jahre Über 20 Jahre real
Mrd. kWh Mrd. kWh Cent/kWh Mill. Mrd. Mrd.
2000 0,06 0,06 50,62 32,4 0,65 0,62
2001 0,12 0,05 50,62 26,3 0,53 0,49
2002 0,19 0,07 48,09 34,6 0,69 0,64
2003 0,31 0,13 45,69 57,1 1,14 1,03
2004 0,56 0,24 50,58 123,4 2,47 2,18
2005 1,28 0,73 54,53 395,3 7,91 6,86
2006 2,00 0,72 51,80 371,9 7,44 6,33
2007 3,24 1,24 49,21 517,3 10,35 8,60
Kumulierte Vergütung bei Auslaufen des EEG 2007: 31,18 26,75
2008 4,36 1,93 46,75 614,3 12,29 10,04
2009 5,97 1,60 43,01 712,1 14,24 11,41
2010 7,84 1,88 39,14 791,4 15,83 12,44
Kumulierte Vergütung bei Auslaufen des EEG 2010: 73,54 60,64

Erläuterungen:
Spalte 1: Tatsächlicher Ausbau von 2000 bis 2006 (BMU 2007b: 14). Ab 2007 Daten aus Sarasin (2007: 19).
Spalte 2 gibt die daraus resultierenden jährlichen Zuwächse an Solarstrom an.
Spalte 3: Einspeisevergütungen laut EEG 2000 und EEG-Novelle 2004.
Spalte 4: Produkt von Spalte 2 und 3.
Spalte 5 stellt das Zwanzigfache der Spalte 4 dar.
Spalte 6 gibt den Barwert der Vergütungen aus Spalte 5 an.

Diese Tabelle stammt aus einer alten Analyse des RWI, deshalb wurde auch der Stand eines theoretischen Auslaufens des EEG Ende 2007 in die Tabelle eingearbeitet. Dazu kam es aber bekanntlich nicht (und das war auch gut so).

Allerdings ist die Förderung in der Zwischenzeit ziemlich aus dem Ruder gelaufen. Ich hatte dazu schon einige Male etwas geschrieben. Ich hatte auch schonmal versucht zu errechnen, wie der aktuelle Stand der Solarschulden nach der Kürzung der Einspeisevergütung, aber der geradezu explodierenden Ausweitung der Flächen wohl so ausschaut. Damals war es aber sehr schwierig an Zahlen, geradezu erschütternd schwierig, denn scheinbar diskutieren Politiker gerne monatelang rum und beschimpfen den Gegner ohne auch nur ansatzweise über vernünftige Zahlen zu verfügen. Inzwischen gab es aber die Abrechnung, auf deren Basis die EEG-Umlage berechnet wird. Daraus und aus Schätzungen des Branchenblatts Photon und einem Bericht des BMU lassen sich halbwegs vernünftige Zahlen für 2008 und 2009 ableiten.

Für 2010 habe ich (logischerweise) auf Schätzungen zurückgegriffen. Die Schätzungen stammen aus einem Handelsblatt-Artikel und gehen auf einen Sprecher der Verbraucherzentrale zurück. Dieser schätzt, dass dieses Jahr bereits 6,5 GWp neu Fotovoltaikfläche installiert wurden und das Gesamtjahr auf 10 GWp kommen könnte. Das ist natürlich ziemlich irre, denn das heisst nicht mehr und nicht weniger, als dass 2010 genauso viel Solarzellen installiert wurden wie in den 10 Jahre zuvor zusammen. Für 2011 habe ich nach der erneuten planmäßigen Kürzung der Einspeisevergütung Anfang des Jahres einen deutlichen Rückgang der neu installierten Fläche angenommen (Rückgang auf das Niveau von 2009). Die GWp (Spitzenleistung) habe ich auf GWh umgerechnet und mal quergecheckt: 2008 wurden 6.200 MWh Fotovoltaikstrom nach EEG abgerechnet, was ziemlich gut zu den 5,1 GWp Ende 2008 und den 8,67 GWp Ende 2009 passt.

Tabelle 2: Vergütungen für Solarstrom, aktualisiert.

Jahr Solarstrom Zuwachs Vergütung Vergütung pro Jahr Über 20 Jahre Über 20 Jahre real
Mrd. GWp Mrd. GWp Cent/kWh Mill. Mrd. Mrd.
2000 0,06 0,06 50,62 30,37 0,61 0,45
2001 0,12 0,05 50,62 25,31 0,51 0,38
2002 0,19 0,07 48,09 33,66 0,67 0,50
2003 0,31 0,13 45,69 59,4 1,19 0,88
2004 0,56 0,24 50,58 121,39 2,43 1,81
2005 1,28 0,73 54,53 398,07 7,96 5,92
2006 2,00 0,72 51,80 372,96 7,46 5,55
2007 3,24 1,24 49,21 610,2 10,35 9,08
ab hier neue Zahlen:
2008 5,17 1,93 46,75 614,3 18,05 13,42
2009 8,67 3,50 43,01 712,1 30,11 22,40
2010/1 15,17 6,50 39,14 791,4 50,88 37,85
2010/2 18,67 3,50 33 1155 23,1 17,18
2011 22,17 3,50 29,7 1039,5 20,79 15,47
Kumulierte Vergütung Ende 2011: 175,95 130,89

Die Spalten sind wie oben, nur in der rechten Spalte habe ich den Barwert selber ausgerechnet und dafür einen Zins von 3% angenommen. 2010 ist das erste Halbjahr, 2010/2 das zweite.

Wenn man ganz stumpf zusammenrechnet, summiert sich die Belastung aus der Einspeisevergütung, die das EEG in den 12 Jahren seines Bestehens Ende 2011 erzeugt haben wird, auf schlappe 175,95 Mrd. Euro. Wow. Da waren die 77 Mrd. Euro ja geradezu lächerlich ;-)

Eine Anpassung habe ich aber schon gemacht und zwar die Inflationsbereinigung. Danach bleiben real aber immer noch 130,89 Mrd. übrig. Das ist mehr als doppelt so viel der RWI damals errechnet hat und was wurde der für die Prognose angegriffen.

Aber mir gefielen an der Studie noch ein paar andere Sachen nicht. U.a. wird der normale Preis des Stroms nicht mit den Kosten für den Fotovoltaikstrom verrechnet. Außerdem fehlt die Berücksichtigung der Tatsache, dass die alten Solarschulden  ja schon teilweise abbezahlt wurden (die aus dem Jahr 2001 Ende 2011 etwa schon zur Hälfte ; die Vergütung ist ja "nur" 20 Jahre lang fest).

Tabelle 3: Vergütungen für Solarstrom, aktualisiert unter Berücksichtigung der Stromkosten (5,7 Cent bis 2007, dann 6,2, 69 und danach 7,0 Cent je KWh) und der bereits getilgten Solarschulden.

Jahr Solarstrom Zuwachs Netto-Vergütung Netto-Vergütung
pro Jahr
Über 20 Jahre Über 20 Jahre real real, abzgl. bereits abgezahlt
Mrd. GWp Mrd. GWp Cent/kWh Mill. Mrd. Mrd.
2000 0,06 0,06 44,92 26,95 0,54 0,40 0,20
2001 0,12 0,05 44,92 22,46 0,45 0,33 0,18
2002 0,19 0,07 42,39 29,67 0,59 0,44 0,26
2003 0,31 0,13 39,99 51,99 1,04 0,77 0,50
2004 0,56 0,24 44,88 107,71 2,15 1,60 1,12
2005 1,28 0,73 48,83 356,46 7,13 5,30 3,71
2006 2,00 0,72 46,1 331,92 6,64 4,94 3,70
2007 3,24 1,24 43,51 539,52 10,79 8,03 6,42
ab hier neue Zahlen:
2008 5,17 1,93 40,55 782,62 15,65 11,64 9,90
2009 8,67 3,50 36,11 1263,85 25,28 18,80 16,92
2010/1 15,17 6,50 32,14 2089,1 41,78 31,08 29,53
2010/2 18,67 3,50 26 910 18,2 13,54 12,86
2011 22,17 3,50 22,7 794 15,89 11,82 11,82
Kumulierte Vergütung Ende 2011: 146,14 108,71 97,14


Die Berücksichtigung des Strompreises für den normalen Strom senkt die Summe der Solarschulden um knapp 30 Mrd und den Barwert um etwa 22 Mrd. Nochmal 11 Mrd. gehen runter, wenn man die Ende 2011 bereits geleisteten Zahlungen berücksichtigt. Aber selbst danach würden bei angenommener sofortiger Einstellung des EEG die Belastungen auf den  Stromabrechnungen der nächsten 20 Jahre auf 97 Mrd. Euro belaufen.

Auch wenn ich 5% Inflation/Strompreisanstieg annehme, bleiben noch über 81 Mrd. Euro. Allein aus 2009 und 2010 stammen etwa 50 Mrd. davon. Die Jahre davor waren OK, aber in den letzten beiden Jahren hat die Politik viel zu spät und viel zu zurückhaltend auf die einbrechenden Preise bei den Solarzellen reagiert. Deshalb schreibe ich mir ja auch die Finger wund ...


Konkret bezahlt das jeder Haushalt über die Stromrechnung. 2010 liegt die Umlage bei 2,0 Cent (EEG-UMLAGE FÜR 2010 2,0 CENT/KWH NACH 1,1 CENT), nach den Masseninstallationen werden das nach Schätzung des Sprechers der Verbraucherschutzvereine wohl 3,5 bis

4 Cent je KWh werden.

Bei aktuell etwa 20 Cent je KWh machen die (nochmal) 2 Cent mehr also leckere 10% aus ...

Ändern wird sich die Situation erst, wenn 2012 zum ersten Mal bei "zu viel" neu installierter Fläche mit einem deutlichen Abschlag bei der Vergütung reagiert wird. Dann wird nämlich je nach neu installierter Fläche in den 12 Monaten zuvor ab 3,5 GWp um 3,0%, ab 4,5 GWp um 6,0%, ab 5,5 GWp um 9,0% und ab 6,5 GWp um 12% gekürzt. 2012 könnten also zur regulären Kürzung von 8% nochmal 12% hinzukommen. (Wieso da gestoppt wird, weiss ich auch nicht. Immerhin haben die letzten 2 Jahre gezeigt, dass die Preise durchaus mehr als 20% im Jahr fallen können ...)

2013 wären wir dann bei voller Ausschöpfung der 20% bei unter 25 Cent je eingespeister KWh Solarstrom angekommen und damit wohl unter dem, was man dann für Strom bezahlen muss. Das (erste) große Ziel der Netzparität wäre dann erreicht.

Mir wäre aber lieber gewesen, wenn man das geschafft hätte, ohne den Preis für die restlichen 96% des Stroms um dann wahrscheinlich 6 oder 7 Cent erhöht zu haben ... Dann hätten wir nämlich vielleicht auch noch Geld, um uns um die Zukunftsthemen "Smart Grid" und "Stromspeicherung" zu kümmern ...

Handelsblatt: Länder geben Widerstand gegen Solarkürzung auf

Gesetzentwurf:

BR-Ds_284-10(neu)_Gesetzesbeschluss_BT.pdf

BMU:Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2009 (PDF!)

Jahresabrechnung 2008 EEG

P.S. (Mindestens) Eine Sache in meiner Rechnung ist etwas wacklig: Ich habe als Preis für den eingespeisten Solarstrom den Maximalsatz (kleine Aufdachanlagen) genommen. Die Vergütung für Anlagen auf Freiflächen ist aber teilweise deutlich niedriger (etwa 10 Cent).
Bis 2008 war die Aufspaltung zwischen Freiflächen und Dachanlagen nicht so groß, daher konnte ich aus den alten Zahlen über die Verteilung der Anlagetypen nichts ableiten. Es kann aber durchaus sein, dass die Vergütung für 2009 und 2010 dadurch ein paar Cent niedriger ausfallen wird.
Das ändert aber nichts daran, dass wir bisher viel zu viel gefördert haben und auch jetzt noch zu stark fördern. Vor allem weil mit der Vergütung für selbstverbrauchten Solarstrom ein neues Fass aufgemacht wird, das in seinen Auswirkungen noch nicht beurteilt werden kann. Wer weiss, wie viele Milliarden daraus entstehen ...

Update (10.07.10):

Spanien und Italien denken übrigens auch über massive Kürzungen nach. Jeder, der die Kürzungen für falsch hält, ist komplett bescheuert und muss sich mMn ab sofort als Solarlobbyist beschimpfen lassen ... Liebe Bärbel ...

Barron's: Spain Reportedly To Cut Solar Subsidy 30% For Existing Plants 
Barron's: Solar: Italy Reportedly Plans Sharp Cuts In Feed In Tariffs

Update (11.07.10):

Bin ich eigentlich der Einzige, der es komisch findet, dass die FASZ mit dem Thema auf der Titelseite aufmacht und der Spiegel seinen Kommentar schon per Vorabmeldung durch die Gegend schickt?

FAZ: Grüne Energie macht den Strom teuer

Kommentare :

  1. Danke, sehr interessant. Wegen mir kannst Du das Thema gern auch wieder aufgreifen - nervt mich nicht ;-)

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  2. Liest sich prima ist aber zu vereinfacht. Dein Modell hat mit der Realität recht wenig zu tun. Einen wichtigen Faktor hast du aussenvorgelassen: Merrit Order Effekt. Es ist halt maßgeblich wie der Preis an der Strombörse ermittelt wird. Kurz: das teuerste Kraftwerk bestimmt den Strompreis. Und über EEG wird z.B. zur Mittagszeit aufgrund von PV deutlich weniger Strom nachgefragt, wodurch teure Kraftwerke verdrängt werden und der Preis für den restlichen Strom sinkt. Natürlich übersteigt dieser Effekt nicht die Kosten für das EEG. Trotzdem muss dies bei der Berechnung berücksichtigt werden.

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  3. Mist, dass ich das vergessen habe.

    Merrit Order ist etwas, dass die Verfechter des Solarstroms immer in die Diskussion werfen. Die sind scheinbar ziemlich stolz darauf, etwas so kompliziertes verstanden zu haben.

    Dumm daran ist nur, dass es Merrit Order zwar gibt, aber bei Solarstromvergütungen von 40 Cent/KWh so gut wie nie zieht. Bei Windkraft (8-10 Cent) ist das anders. Da gibt es schon eine Reihe Zeiten, wo die Windkraft in Zeiten läuft, wo der Strom mehr als 10 Cent kostet. Aber 40 Cent gibt's so gut wie nie ... Kann man gut bei Wikipedia nachlesen ...

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  4. Es heisst übrigens Merit Order ... Ich Depp schreib das auch falsch ...

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  5. "Merrit Order ist etwas, dass die Verfechter des Solarstroms immer in die Diskussion werfen. Die sind scheinbar ziemlich stolz darauf, etwas so kompliziertes verstanden zu haben."
    hmmm, wenn ich deinen nächsten Absatz lese, dann habe ich leider das Gefühl, dass du es leider nicht verstanden hast, sorry.

    >Dumm daran ist nur, dass es >Merrit Order zwar gibt, aber bei >Solarstromvergütungen von 40 >Cent/KWh so gut wie nie zieht. >Bei Windkraft (8-10 Cent) ist das >anders. Da gibt es schon eine >Reihe Zeiten, wo die Windkraft in >Zeiten läuft, wo der Strom mehr >als 10 Cent kostet. Aber 40 Cent >gibt's so gut wie nie ... Kann >man gut bei Wikipedia nachlesen >...
    Falsch. Bitte nochmals aufmerksam nachlesen. Kurz: der Strompreis muss nicht über 40 cents gehen, damit der Effekt eintritt. Es werden schon früher teure Kraftwerke verdrängt.

    Ein SEHR Vereifachtes Beispiel:
    1) ohne EEG-Strom: Es werden in einer Mittagsstunde an der Börse 100 kWh zu je 0,25€/kWh gehandelt. Das macht eine Gesamtpreis von 25,00€
    2) mit EEG-Strom: Es werden 15 kWh nach EEG für durchschnittlich 0,30€/kWh eingespeist und an der Börse die restlichen 85kWh für nur noch 0,20€/kWh.
    Der EEG-Strom kostet 4,50€, der an der Börse 17,00€, macht zusammen 21,50€, also 3,50€ weniger als ohne EEG-Strom! Obwohl der doch teurer ist...

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  6. OK, hast Recht. Es kann zu diesem Effekt kommen. Zumindest theoretisch auch für Fotovoltaik, selbst wenn der Preis des Stroms der abgeschalteten Kraftwerke unter dem Preis des Fotovoltaikstroms liegt.

    Aber das wird nie im Leben ein entscheidender Teil sein. Aus einer Untersuchung über die Windkraft weiss ich, dass dort der Effekt durch die *direkte* Verdrängung stammt. Weil z.B. Kraftwerke aus Gas und Heizöl teuren Spitzenkraftstrom machen und der über 10 Cent kostet. Da kann die Windkraft günstiger sein und dann gibt es einen Haufen Merit-Order-Erlöse.

    Fakt ist aber, dass Merit Order bei Windkraft ein entscheidender Effekt ist (weil etwa 10% des Stroms aus Windkraft kommt und der Preis bei etwa 10 Cent liegt), aber bei Fotovoltaik kaum greift, weil der Preis dort im Schnitt noch bei etwa 40 Cent liegt und nur 1,einwenig% des Stroms aus Fotovoltaik stammen. Für 2008 wird der Merit-Order Effekt auf 3,5 bis 4 Mrd. Euro geschätzt. Jetzt rechne bei der Verteilung von Kosten und Anteilen an der Stromerzeugung mal durch, was da wohl aus der Fotovoltaik stammen mag ... Klar: Auf der Habenseite des Solarstroms steht die zeitliche Verteilung (Erzeugung in Spitzenlastzeiten), aber das wird es nicht allein rausreissen ...

    Ganz nebenbei ist auch Merit-Order kein Grund, *zu viel* für Solarstrom zu zahlen und Dachflächenbesitzern risikolose 10% und mehr zu schenken. Es ist vielleicht ein Grund, die Rechnung zu überarbeiten. Aber so lange die letzten Zahlen aus 2006 stammen (und dort ziemlich explizit stand, dass der Effekt fast ausschließlich aus der Windkraft stammt) sehe ich dafür keinen Anlass.

    Deswegen schreibe ich hier auch nicht gegen die Windkraft oder das EEG, sondern *nur* gegen die zu hohe Vergütung des Fotovoltaikstroms. Ich habe nix gegen das Gesetz und die Ziele, ich habe nur was gegen die Ausgestaltung und die viel zu späte Absenkung der Vergütung.

    Übrigens sollte man auch nicht verschweigen, dass es auch das Gegenteil von Merit-Order gibt: Nämlich Grundlast-Windkraft-Strom, der dann zu negativen Preise führt, man also Geld bekommt, wenn man den überflüssigen Strom verbraucht. Darüber muss man sich bei 1,x% aus Fotovoltaik (was wahrscheinlich auf über 3% bis Ende 2011 steigen wird) aber keinen Kopf machen.

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  7. OK, hast Recht. Es kann zu diesem Effekt kommen. Zumindest theoretisch auch für Fotovoltaik, selbst wenn der Preis des Stroms der abgeschalteten Kraftwerke unter dem Preis des Fotovoltaikstroms liegt.

    Aber das wird nie im Leben ein entscheidender Teil sein. Aus einer Untersuchung über die Windkraft weiss ich, dass dort der Effekt durch die *direkte* Verdrängung stammt. Weil z.B. Kraftwerke aus Gas und Heizöl teuren Spitzenkraftstrom machen und der über 10 Cent kostet. Da kann die Windkraft günstiger sein und dann gibt es einen Haufen Merit-Order-Erlöse.

    Fakt ist aber, dass Merit Order bei Windkraft ein entscheidender Effekt ist (weil etwa 10% des Stroms aus Windkraft kommt und der Preis bei etwa 10 Cent liegt), aber bei Fotovoltaik kaum greift, weil der Preis dort im Schnitt noch bei etwa 40 Cent liegt und nur 1,einwenig% des Stroms aus Fotovoltaik stammen. Für 2008 wird der Merit-Order Effekt auf 3,5 bis 4 Mrd. Euro geschätzt. Jetzt rechne bei der Verteilung von Kosten und Anteilen an der Stromerzeugung mal durch, was da wohl aus der Fotovoltaik stammen mag ... Klar: Auf der Habenseite des Solarstroms steht die zeitliche Verteilung (Erzeugung in Spitzenlastzeiten), aber das wird es nicht allein rausreissen ...

    Ganz nebenbei ist auch Merit-Order kein Grund, *zu viel* für Solarstrom zu zahlen und Dachflächenbesitzern risikolose 10% und mehr zu schenken. Es ist vielleicht ein Grund, die Rechnung zu überarbeiten. Aber so lange die letzten Zahlen aus 2006 stammen (und dort ziemlich explizit stand, dass der Effekt fast ausschließlich aus der Windkraft stammt) sehe ich dafür keinen Anlass.

    Deswegen schreibe ich hier auch nicht gegen die Windkraft oder das EEG, sondern *nur* gegen die zu hohe Vergütung des Fotovoltaikstroms. Ich habe nix gegen das Gesetz und die Ziele, ich habe nur was gegen die Ausgestaltung und die viel zu späte Absenkung der Vergütung.

    Übrigens sollte man auch nicht verschweigen, dass es auch das Gegenteil von Merit-Order gibt: Nämlich Grundlast-Windkraft-Strom, der dann zu negativen Preise führt, man also Geld bekommt, wenn man den überflüssigen Strom verbraucht. Darüber muss man sich bei 1,x% aus Fotovoltaik (was wahrscheinlich auf über 3% bis Ende 2011 steigen wird) aber keinen Kopf machen.

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  8. Was ich noch schreiben wollte:

    Ich glaube, dass die Überförderung des Fotovoltaikstroms für die gesamte Akzeptanz des EEG ziemlich kontraproduktiv sein könnte.

    Der EEG-Satz für Fotovolatik ist nicht mehr dem ursprünglichem Ziel des EEG geschuldet (den Strom so schnell wie möglich wettbewerbsfähig zu bekommen), sondern ist jetzt nur noch eine nachfragesteigernde Subvention. Man senkt nicht den Preis dadurch, dass man die Nachfrage so hoch wie möglich hält. Klar, bis zu einer bestimmten Höhe gibt es Skaleneffekte, die für Preissenkungen durch eine Erhöhung der Produktion sorgen. Aber ab einer bestimmten Höhe *verhindert* man über zu hohe Förderung auch ein Sinken der Preise und sorgt nur für hohe Renditen der Dachflächenbesitzer und Solarzellenhersteller ...

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  9. Immer noch Lesenswert, auch ein Jahr später...

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