Zahl des Tages (13.07.10): 88.331.000.000

Heute habe ich eine Zahl herausgesucht, die gleich an mehrere Nachrichten anknüpft. Eine alte, der "Stresstest" für die 91 größten EU-Banken (ZAHL DES TAGES (08.07.10): 91), den ich ja nur noch Yoga-Test nenne, weil die Bedingungen so weich sind (DER STRESSTEST FÜR DIE 91 EU-BANKEN WIRD NOCH RELAXTER ...).
Trotzdem - und damit zu den aktuellen Nachrichten - wird die Veröffentlichung der Einzel-Ergebnisse der Banken jetzt um zwei Wochen nach hinten verschoben (FTD: Stresstest-Ergebnisse werden für Anleger zum Nerven-Stresstest). Das Gesamtergebnis - nur halt ohne Aufschlüsselung nach Ländern oder einzelnen Banken - kommt wie geplant in der nächsten Woche am Freitag dem 23. Juli.

Passend übrigens auch, dass die EU jetzt (auf einmal) plant, dass der große EU-Rettungstopf, der offiziell zur Rettung der schwachen Südstaaten gedacht war, auch für die Rettung der kritischen Banken eingesetzt werden kann. Das ist schon ein hübscher Strategieschwenk! Auch wenn man natürlich sagen muss, dass der Rettungsfonds ja schon immer nicht die Rettung der Länder im Sinn hatte, sondern die Rettung der Gläubiger dieser Länder. Und das sind zu einem großen Teil Banken. Aber immerhin hat man es jetzt explizit ausgesprochen ...

Tagesschau: Notfalls hilft der EU-Krisenfonds

Aber so langsam zur Zahl des Tages (23:20, die Uhr läuft ...). Ich habe beim Stresstest ja bemängelt, dass mir nicht nur die Parameter des Stresstests zu weich sind, sondern auch darauf hingewiesen, dass mir Parameter fehlen (Arbeitslosigkeit, Immobilienpreisrückgang). Das geht scheinbar nicht nur mir so ...

Die Ratingagentur Fitch hat sich nämlich die Bilanzen der Banken in Spanien vorgenommen und versucht herauszufinden, wie hoch die Belastung aus dem Kreditbüchern der Banken werden könnten.

Darin eine Menge interessanter Zahlen:

Das Kreditportfolio der spanischen Banken im Inland ist 1,837 Billionen Euro schwer. Davon sind 1,084 Billionen Euro Hypotheken (die Zahl habe ich schon lange gesucht; das ist übrigens in etwa ein Jahres-BIP von Spanien!). In beiden Zahlen fehlen jeweils verbriefte Hypotheken und Kredite, weil da bei vielen Papieren ja niemand mehr so genau weiss, was da drin ist und wer die Dinger hält. Auch fehlen die Restrukturierungen überfälliger Hypotheken, bei den die spanischen Banken die Hypotheken gegen die Häuser getauscht hat, um bloß nicht die Hypothek abschreiben zu müssen (Stichwort: "dación en pago", siehe SPANIEN - GENAUSO WAHNSINNIG WIE DIE USA?). Gut, dass sind viele Annahmen, aber was will man bei der mangelnden Transparenz der Bankbilanzen auch machen? Immerhin versucht Fitch es, während die EU so eine Witzveranstaltung durchführt ...

Wie so üblich, werden drei Szenarien durchgerechnet: Das eine ist ein Base-Line-Szenario (30% Immobilienpreisrückgang), ein "irisches" Szenario (50% Preiseinbruch) und ein japanisches Szenario (65% Preisrückgang). Es werden noch einige andere Sachen definiert, das könnt ihr im FT Alphaville Artikel nachlesen. Die 50% scheinen aber nicht ganz unrealistisch zu sein, siehe den "wahnsinnig-Artikel" oben.

Beim Base-Line-Szenario erwartet Fitch einen Eigenkapitalbedarf des spanischen Bankensystem von etwa 23 Mrd. Euro (fast komplett bei den Cajas, weniger als 2 Mrd. bei den Banken), wenn die Eigenkapitalquote bei 6% bleiben soll.
Im irischen Szenario sind es bereits 48,6 Mrd. Euro, von denen dann knapp 12 bei den Banken anfallen. Im japanischen Szenario sind es dann sogar

88.331.000.000 (88,331 Milliarden) Euro,

die auch dann zu mehr als zwei Dritteln bei den Cajas anfallen.

Das Gute: Der spanischen Rettungspool FROB kann (soll) 99 Mrd. Euro bereitstellen, also müsste auch im Worst Case Szenario keine Bank Pleite gehen.
Das Schlechte: FROB hat noch kein Geld aufgenommen und bei einer Zuspitzung der Lage in Spanien dürfte das nicht gerade einfach werden ...

FT Alphaville: Stressing Spanish banks out, with Fitch

Kommentare :

  1. Base-Line-Szenario (30%), 23 Mrd. Euro
    Irisches Szenario (50%), 48,6 Mrd. Euro
    Japanisches Szenario (65%), 88,3 Mrd. Euro

    Wieso steigen die Verluste nicht proportional? Von Base-Line zu irisch ist das ja noch halbwegs nachvollziehbar, aber bei Base-Line zu japanisch verdoppeln sich die Preisrückgänge und die Wertverluste steigen um fast das Vierfache?

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  2. Naja, am Anfang ist halt ein gewisser Puffer vorhanden. Es gibt ja in den Bankbilanzen ein paar Rückstellungen für die "normalen" Risiken. Und auch die Hypotheken, die nur sagen wir mal 70% des Immobilienpreises beliehen haben, sind bei 30% Wertverlust noch nicht unter Wasser. Ab da führt aber jedes weitere Prozent Wertverlust (mehr oder weniger) 1:1 zu Einbußen.

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