Zahl des Tages (14.07.10): -3,1%

Ich habe zwar eine andere spannende Zahl aus Spanien gefunden, aber da das gestern schon Thema war, verschiebe ich das mal auf morgen, auch wenn die Gefahr besteht, dass irgendjemand die Zahl vor mir entdeckt ...

Was nehme ich dann? Ah, mein Lieblingsthema: Der US-Immobilienmarkt.

Heute gab es wie an jedem Dienstag den Wochenbericht der MBA (Mortgage Bankers Association), in dem über das Geschäftsvolumen und den Zins in der Vorwoche berichtet. Normalerweise sind die Zahlen nicht so spannend, weil die Änderungen von Woche zu Woche (logischerweise) nicht sonderlich groß sind. Aber in größeren Abständen kann man ruhig mal auf die Zahl schauen.

Denn gerade aus dem Volumen der abgeschlossenen Kreditverträge lässt sich die Entwicklung am US-Immobilienmarkt in näherer Zukunft ziemlich gut ablesen. Denn wenn die MBA eine sinkende Zahl neuer Hypotheken meldet, sinkt in der Folge logischerweise auch die Anzahl der verkauften Immobilien. Die Zahlen der MBA laufen den offiziellen Zahlen immer etwas voraus, allein schon, weil es sie wöchentlich gibt.

Die MBA unterscheidet zwischen Neuanträgen auf Hypotheken (Purchase Index) und Refinanzierungen (Refinance Index). Der Refinanzierungsmarkt macht knapp 80% des Gesamtmarkts aus. In der vergangenen Woche sind beide Teile gesunken. Die Refinanzierungen gingen um 2,9% zurück, die Neuanträge um

3,1%.

Warum hebe ich nun die (unwichtige) wöchentliche Änderung des (unwichtigeren) kleineren Teils auf den Thron? Weil mir a) die genauen Zahlen fehlen (die MBA meldet die nicht für jedermann wie mich, zumindest wüsste ich nicht wo) und weil b) der absolute Wert der (Neu-)Hypotheken auf den niedrigsten Stand seit Dezember 1996 gefallen ist. Beim Vierwochendurchschnitt muss man sogar noch weiter in die Vergangenheit schauen, um einen niedrigeren Wert zu finden: Bis September 1995. Der Stand, der nun erreicht wurde, ist also richtig niedrig.

Im Chart bei Calculated Risk kann man schön sehen, wie dramatisch die Zahlen gesunken sind. Allein seit Ende April, als die Steuergutschrift für Erstkäufer auslief, beträgt das Minus schon wieder über 40%. Vom Hoch in 2005 aus gesehen hat sich die Anzahl der Hypotheken in etwa gedrittelt. Autsch!

Ich bin weiterhin überrascht, dass das niedrige Zinsniveau für Hypotheken in den USA von 4,12% für 15-jährige und 4,69% für 30-jährige Laufzeiten keine positive Wirkung entfaltet. Das sind für die USA traumhaft niedrige Zinsen! Die 4,6% für 30-jährige Hypotheken, die im Mai erreicht wurden, waren der tiefste Wert seit 50 Jahren! Positiver Effekt? Keiner ... (Das niedrige Zinsniveau war einer der Pfeiler, auf die ich meine Immowette gebaut habe ...)

Es sieht mehr und mehr danach aus, als habe ausschließlich die Steuergutschrift für eine Zwischenerholung gesorgt (die ganz nebenbei noch ziemlich schwach ausfiel). Nun geht es wieder klar nach unten und ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir nur auf ein Double Dip zusteuern oder ob das "zweite Bein" sogar unter die alten Tiefs führen wird ... Das hängt am Ende natürlich auch an der Politik, die die Steuergutschrift für Erstkäufer wieder verlängern will (oder schon hat?).

Meine Immowette gewinne ich trotzdem, weil der Restzeitraum bis Ende der Wette nicht mehr lang genug ist. 10% Preisminus in wenigen Monaten - Won't happen.

MBA: Press Release - Weekly Application Survey 14.07.10
CalculatedRisk: MBA: Mortgage Purchase Applications lowest since December 1996

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