Zahl des Tages (19.07.10): 126.300.000.000

Ich habe in den Kommentaren schon ein paar Mal eine Zahl aus Spanien angekündigt und daher muss ich die langsam mal bringen, auch wenn ich nach einer Stunde suchen die Zahl an der Quelle selber noch nicht verifizieren konnte. Aber ich weiss, dass ich im Fall von Griechenland auch schonmal ergebnislos gesucht habe. Daher schreibe ich das jetzt einfach mal auf und hoffe a) dass die Zahl stimmt (stimmig ist sie auf jeden Fall) und b) dass mir ein Leser verraten kann, in welcher der unzähligen Veröffentlichungen der EZB diese Zahlen stehen ... (danke ...).

Es geht im die Ausleihungen des spanischen Bankensektors bei der EZB. Im Fall von Griechenland war es so, dass sich die griechischen Banken schon einige Monate vor der totalen Zuspitzung mehr und mehr Geld von der EZB geliehen haben. Erstens, weil sie mehr Geld brauchten, um die Unmengen an griechischen Staatsanleihen kaufen zu können und zweitens, weil den griechischen Banken schlicht niemand mehr Geld leihen wollte ... Die EZB wurde also zum letzt möglichen Geldausleiher.

Man soll der Teufel nicht an die Wand malen, aber im Fall Spanien sieht es nun ähnlich aus. Die Ausleihungen des spanischen Bankensektors bei der EZB sind im Juni 2010 auf

126.300.000.000 (126,3 Milliarden) Euro

gestiegen. Das ist ein satter Anstieg um fast 50% gegenüber dem Mai und von fast 80% gegenüber Juni 2009.

Dass es sich um spezifische Probleme Spaniens handelt, sieht man beim Vergleich mit allen Ausleihungen der EZB: Diese sind etwa 4% gegenüber dem Vormonat und knapp 18% gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken. Folglich stieg der Anteil des spanischen Bankensektors an den gesamten Krediten der EZB von 14 auf jetzt 25%. Es würde mich nicht wundern, wenn Spanien damit der größte Kreditnehmer der EZB wäre (zumindest sind sie vorne dabei). Leider habe ich dazu die passenden Zahlen bei der EZB nicht gefunden und kann das nicht nachprüfen.

Es sieht also - trotz aller gegenteiligen Beteuerungen  - nicht gut für den spanischen Bankensektor aus. Wenn am Markt niemand mehr den spanischen Banken Geld leiht (was sich ja schon früher (im Mai) abzeichnete, siehe: SPANISCHE GROSSBANK BBVA MIT REFINANZIERUNGSPROBLEMEN), wird es auch schnell eng für den spanischen Staat. Da nützen auch ein paar erfolgreiche Versteigerungen von Staatsanleihen (mit saftigem Zinsaufschlag) auch nicht mehr viel.

Bin mal gespannt, was der EU-Stresstest für die spanischen Banken ergibt. Die erste deutsche Bank soll ja bereits gerüchtehalber Probleme haben (siehe HRE hat Probleme mit dem Bankenstresstest). Und ich halte es für unwahrscheinlich, dass die spanischen Banken problemlos durchkommen, wenn die Ratingagentur Moody's Verluste von 240 Mrd. Euro im Kreditportfolio der spanischen Banken erwartet. Und das im mittleren Szenario des Moody's-eigenen Stresstests (siehe ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000), im schlechteren Szenario sah es noch düsterer aus ....

Leben in Spanien: Die Schulden Spaniens bei der Europäischen Zentralbank im Juni brach Rekorde

Update (20.07.10):

Aha, ein (leider) anonymer Kommentator hat zwei interessante Artikel hinterlassen. Dabei vor allem einen, der direkt auf die Notenbank verweist (ich hab die Quelle also). Ich hätte nur nicht bei der EZB suchen sollen (obwohl die Zahl da bestimmt auch irgendwo steht), sondern bei der Banco de España ... Da findet man die Zahl und ich bin sehr beruhigt, dass die Zahlen oben alle stimmen:

Banco de España: 8.1.b BALANCE DEL BANCO DE ESPAÑA. PRÉSTAMO NETO A LAS ENTIDADES DE CRÉDITO Y SUS CONTRAPARTIDAS (PDF!)

Kommentare :

  1. Guten Abend,

    na wenn es, mal wieder, um meine Heimat geht, dann kann ich vielleicht ein wenig zur Erhärtung der Faktenlage beitragen, auch wenn es nicht unbedingt Zahlen der EZB sind, sondern Interna aus Banken und Wirtschaft.

    Bankensektor:

    Es wird zunehmend schwieriger überhaupt Hypotheken zu bekommen, die Vergabepolitik wird zunehmend restriktiv gehandhabt mit dem Ergebnis das selbst Kunden mit hervorragender Bonität eher schlechte Chancen haben eine (günstige) Hypothek zu bekommen.

    Andererseits versuchen sich Banken und Sparkassen "Althypotheken" abzujagen, da diese nicht notleidend sind. Hier wird mit guten Zinssätzen und Bonifikationen um sich geschmissen.

    Konsumkredite gibt es von der Bank oder Sparkasse kaum noch, dafür schiessen spezielle Konsumkreditagenturen usw. wie Unkraut aus allen Ecken.

    Sparkassensektor:

    Hier ist "die Kacke am dampfen" oder mit anderen Worten: Ohne Fusionen, Bad Banks und Abschreibungen geht ein grosser Teil der Sparkassen bereits am Krückstock... bisher hält man sich noch gerade so über Wasser, aber für einige Institute (Unicaja, Cajamar, CajaMadrid) sehe ich mittelfristig schwere Zeiten aufkommen.

    Wirtschaftssektor: Die Tourismusbranche ist dieses Jahr um gut 30% (!) Reingebrochen. Unausgelastete Hotels, nicht ausgelastete Mietwagenunternehmen (Auslastung liegt in der Küstenzone bei ca 72%!) Rückgänge bei den Flügen... es sieht düster aus.

    Weiterhin scheinen sehr viele Briten ihr Feriendomizil dieses Jahr zum letzten Mal zu nutzen: Aufgrund der Krise und fehlender Geldmittel werden unheimlich viele Häuser verkauft, die Preise sind teilweise im freien Fall.

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  2. Ich dachte mir daß es um diese Zahl geht :-)

    http://www.cotizalia.com/noticias/deuda-banca-espanola-bce-zona-euro-20100714-55112.html

    Es sieht wohl so aus daß erst mal die deutschen und anderen Privatbanken bedient werden sollen...

    viele Grüße

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  3. Sorry,

    die Links sind auf spanisch - aber Google Translator hilft vielleicht weiter. Wer sind die Käufer der spanischen Staatsanleihen?

    http://marcvidal.cat/2010/07/la-burbuja-de-las-reservas.html

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  4. @anonym: Danke für die Links, ich habe den im Cotizilia Artikel enthaltenen Link auf die Originalquelle bei der Banco de España ergänzt. Hätte ich auch drauf kommen können, auf *der* Seite der Bilanz zu suchen. Selbst wenn es die Zahl bestimmt auch irgendwo auf der anderen Seite bei der EZB gibt ...

    Dass die Chinesen einen großen Teil der Anleihen bei der letzten Versteigerung gekauft haben, ging hier übrigens einigermaßen breit durch die Presse. Komischerweise habe ich vom Anstieg der Schulden des spanischen Bankensektors bei der EZB nirgendwo etwas gelesen ...

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  5. @Rafael Eduardo Wefers Verástegui:

    Danke für das Update! Dass der Tourismus so kräftig eingebrochen ist, ist erscheckend. Wie viel macht der Tourismus am spanischen BIP aus? 15%?

    Den Stresstest-Artikel von Moody's hast du bestimmt gesehen, oder? Der deckt ja die Meinung, dass die Cajas der kritische Teil des spanischen Bankensektors sind. Da sah es ja selbst im mittleren Szenario schon böse aus, während die Banken das noch fast ohne neues Eigenkapital überleben könnten. Die Cajas hingegen werden gaaaanz sicher nicht ohne Staatsgelder auskommen können.

    Übrigens vermute ich hinter dem Anstieg der britischen Immobilienpreise die andere Seite der Medaille: Es leben (besser lebten) geschätzte 2 Millionen Briten außerhalb Großbritanniens, ein ganzer Teil davon in Spanien. Jetzt geben die Briten die Immobilien im Ausland wieder auf (unter anderen weil die Einnahmen im zwischenzeitlich schwachen Pfund nicht mehr ausreichen) und kaufen sich in Großbritannien eine Wohnung zurück.
    Es ist für mich die einzige logische Erklärung dafür, dass die britischen Immobilienpreise in einigen Regionen schon wieder über die Stände von vor der Krise gestiegen sind.

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  6. @egghat Offiziell ist der Tourismus mit ca. 11% im spanischen BIP verzeichnet.

    Geht man allerdings von der Tatsache aus, das bei JEDEM Hausverkauf 7% an den Staat gingen, die Touristen nicht nur in Restaurants wohnen und in Hotels essen und sich nicht nur in Taxis und Mietwägen fortbewegen, so gehe ich von einer etwas realistischeren Zahl von gut 17% aus.

    Wenn da ein solcher Einbruch stattfindet, dann ist das gravienend, vor allem wenn man sich die mittelbaren Folgen für die regional ansässigen Unternehmen anschaut.

    Deine Spekulation bezüglich der englischen Immobilien kann ich teilweise bestätigen, mit den "Erlösen" (sollte ich besser Restbeträge sagen?) kaufen viele Briten Häuser zurück, die sie vor Jahren in GB aufgegeben haben.

    Übrigens noch ein Detail zu den Kosten für Tourismus:

    Für einen kleinen Mietwagen musste man in Alicante/Murcia letztes Jahr in der Hochsaison 600-800€/Woche zahlen. Dieses Jahr sind die wieder ab 190€ zu haben. Da sieht man mal den Preisverfall in einem recht volatilen Gewerbe.

    Die Einschätzung der Banken von Moodys teile ich keinesfalls. Der private Bankensektor in Spanien ist derart undurchsichtig (schon immer gewesen), dass ich mir keinen objektiven Stresstest vorstellen mag.

    Zudem noch die Bankengeflechte eine totale Bilanzverschleierung ermöglichen, beim Grupo Santander wird je nach Finanzlage die Banestogruppe ausgeblutet oder aufgehübscht, je nachdem was gerade nötig ist.

    Echte Liquidität kann ich bei den Banken derzeit nicht erkennen.

    Besonders explosiv wird das Kriesengemisch jetzt auch noch dadurch das die spanischen Arbeitnehmer durchaus Willens und in der Lage sind die Pseudosparbemühungen von MP Zapatero platzen zu lassen.

    Ich gehe davon aus, dass massive Interventionen auf Dauer nötig sein werden um die Lage in ES zu stabilisieren.

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  7. I am not an economist, but it would be very strange if Spain went the same way as the US where the general economy is down and the banks are wonderfully active and happy.

    The stress tests have just come out, and the big Spanish banks all passed.

    That is not the end of the story, is it?

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  8. Well, the big Spanish banks seem to be OK. Even the harsh stresstest by Moody's (ZAHL DES TAGES (13.07.10): 88.331.000.000) saw the biggest problems at the "cajas". Relative to the size of their balance sheet the exposure of the big Spanish banks to the spanish real estate market seems to be quite small.

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