Zahl des Tages (20.07.10): 0,80

Eigentlich ist die Zahl im Mittelpunkt aus der gleichen Ecke wie gestern, nur nicht aus Spanien, sondern aus Griechenland. Aber da das ein wenig öde ist, habe ich noch eine andere Zahl gesucht, die am Ende die Folge der beiden Zahlen darstellt. Außerdem konnte ich nicht nein sagen, wenn es dazu passend eine (halbwegs) lustiges Musikvideo zu verlinken gibt ;-)

Also es geht um die Kredite der griechischen Banken bei der EZB. Diese sind bis Ende Juni auf

93,4 Mrd. Euro

gestiegen.  Das ist ein Plus von knapp 5% in einem Monat, in dem (siehe die Zahl des Tages von gestern) die Kredite der EZB insgesamt um knapp 5% gesunken sind.

Man muss die Zahl mit etwas Skepsis betrachten (wie die Zahl gestern auch, was mir gestern aber noch nicht klar war), denn am 1. Juli lief der große einjährige Tender aus (siehe: EIN SPANNENDES MONATSENDE LIEGT VOR UNS). Das heisst, der Bericht der Bank of Greece gibt den Stand genau am Tag *vor* dem Auslaufen des Tenders wieder.
Der nächste Bericht Ende Juli wird möglicherweise besser aussehen, denn bei dem Geschäft wurden dem europäischen Bankensektor ja viel Liquidität entzogen (ZAHL DES TAGES (01.07.10): 165.000.000.000) und damit müssten die Summen auf der anderen Seite der Bilanzen bei den Zentralbanken der einzelnen Länder auch gesunken sein. Ich werde das beobachten ...

FT Alphaville: It’s all Greek (banks) to the ECB

Kann man aber wegen des ausgelaufenen Mega-Tenders Entwarnung geben? Ich schätze nicht. Denn es gibt sehr wohl Zeichen dafür, dass die Refinanzierungssituation der europäischen Banken nicht die beste ist. Dort wo ich kurz nach Auslaufen des Tenders noch vorsichtig Entwarnung gegeben habe ("Leichte Entspannung, aber keine Entwarnung"), zeigt sich jetzt doch eine gewisse Anspannung. Dass die EZB so kräftig Liquidität aus dem System ziehen konnte, war zwar ein gutes Zeichen, allerdings war die Interpretation, dass die Refinanzierung der europäischen Banken untereinander wieder problemlos klappt, wohl voreilig. Denn der Zins im Interbankenhandel ist gestern auf ein neues 12-Monatshoch bei

0,80% 

gestiegen.

Und das, obwohl sich am Leitzins nichts geändert hat. Die Banken leihen sich immer weniger gerne Geld, bzw. verlangen einfach mehr Zinsen, weil sie ein höheres Risiko bei der Gegenseite sehen.

Das muss natürlich nicht unbedingt mit dem Liquiditätsentzug der EZB zusammenhängen, sondern kann auch nur die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem EU-Bankenstresstest widerspiegeln. Die Ursache wird wohl niemand so richtig herausfinden, fest steht aber, dass der Geldmarkt in Europa so angespannt ist, wie seit Monaten nicht mehr.

Zerohedge: European Interbank Liquidity Gets Worse: EUR Libor Passes 0.80%, OIS Surges To Highest In Over One Year

So und jetzt noch ein Country-Walzer (?) zur großen griechischen Schuldenkrise ;-)



Toll oder?

gefunden über: Calculated Risk: Merle Hazard: Greek Debt Song
Homepage von Merle Hazard

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