Zahl des Tages (26.07.10):-10,5%

So richtig was Dolles habe ich nicht gefunden, daher eine Zahl, die in den letzten Wochen schon ein paar Mal Thema war und am Freitag endgültig die magische Schwelle übersprungen hat.

Der Frühindikator für die US-Wirtschaft vom Economic Cycle Research Institute (ECRI) ist in der letzten Woche zwar unverändert geblieben., aber da der Indikator im Vorjahr einen ziemlichen Anstieg hatte, sackte die Jahresrate auf

-10,5%.

Damit liegt der ECRI jetzt unterhalb der Schwelle von minus 10 Zählern, und das wurde bisher jedes Mal von einer Rezession gefolgt.

Auch dieses Mal? Ich bin noch skeptisch (was in diesem Fall heisst, dass ich etwas optimistischer für die US-Wirtschaft bin). Denn ein großer Teil des Rückgangs geht mMn auf den extrem starken Aufschwung im letzten Jahr zurück. Es ist also immer noch (zumindest zum Teil) ein Zurückpendeln auf den Normalzustand. Und ich glaube nicht, dass das für eine richtige Rezession reicht, also zwei Quartale in Folge mit einer schrumpfenden Wirtschaft in Folge. Dazu liegt das "Basiswachstum" der US-Wirtschaft einfach zu hoch. Ohne richtigen Schock schrumpft die Wirtschaft in den USA eigentlich nicht. Und den Schock sehe ich nicht.

ECRI: WLI Unchanged, Growth Rate Drops

Bei Investmentpostcards gibt es eine Diskussion des ECRI, der so schwierig zu beurteilen ist, weil die genaue Zusammensetzung der 19 Subindikatoren unbekannt ist. Im Artikel wird darauf hingewiesen, dass der ECRI eine sehr hohe Korrelation zum S&P 500 aufweist und möglicherweise allein dessen erlahmende Aufwärtsbewegung den ECRI WLI wieder ins Minus kippen lässt.

Investmenpostcards: ECRI WLI: Slowdown or double-dip recession?

Der Analyst David Rosenberg hat auf der anderen Seite seine Wahrscheinlichkeitsschätzung für eine erneute Rezession auf 67% erhöht.

Financial Post: David Rosenberg raises odds of double-dip recession to 67%

Was allerdings etwas komisch ist, denn nur wenige Stunden vorher habe ich "Rosenbergs 17 Gründe bullish zu sein" gelesen ...

FT Alphaville: Rosenberg’s 17 reasons to be bullish (seriously)

Die Gründe von Rosenberg sind allerdings sehr stimmig: Sein Hauptargument gegen eine erneute Rezession ist, dass die Politik aktuell sehr wachsam ist. Sobald eine Abschwächung droht, wird sofort reagiert (und neue Schulden gemacht, sei es für Neubauförderung, für Abwrackprämien, etc.). Das ist anders als vor 3 Jahren. Damals war alles in rosa und niemand bis auf ein paar Permabullen und ganz wenige schlaue Köpfe (und ich) haben das Platzen der Blase gesehen ...

Kommentare :

  1. Hallo mal wieder,

    für diesen Satz: "Dazu liegt das "Basiswachstum" der US-Wirtschaft einfach zu hoch. Ohne richtigen Schock schrumpft die Wirtschaft in den USA eigentlich nicht. Und den Schock sehe ich nicht."

    wirst Du Dich in spätestens 5 Jahren schämen ;)

    Gruß,

    Hardy

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  2. Naja, das Basiswachstum kommt über das Bevölkerungswachstum. Das sorgt einfach für 1,x% mehr Wachstum in den USA als in D.

    Und der externe Schock vor 3 Jahren war ausmachbar: Die Immobilienblase. Die war extrem aufgeblasen und die Banken extrem gehebelt. Aus die immobilienblase ist jetzt bei 30% Preisrückgang viel Luft entwichen und die Hebel haben sich auch in die richtige Richtung entwickelt (Bilanzsumme geschrumpft, teilweise massiv neues Eigenkapital nachgeschoben).

    Was ich mir sehr gut vorstellen kann: Dass die USA ein schmerzhaftes Deleveraging a la Japan bekommen. Und wir eine ähnliche Welldachkonjunktur bekommen. Nur halt auf einem etwas höheren Niveau (Argument siehe oben, Demografie in Japan ist wie in D).

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  3. Hallo nochmal,

    "Naja, das Basiswachstum kommt über das Bevölkerungswachstum"

    Na ja, der Zuzug von - sorry - eher ungebildeten Mexikanern sorgt automatisch für Wirtschaftswachstum? Das ist interessant.

    "Und der externe Schock vor 3 Jahren war ausmachbar: Die Immobilienblase."

    Und die noch anstehende Kreditkartenblase? Oder die Unfähigkeit der Amerikaner, ohne Importe überhaupt zu überleben? Die unmäßige Verschuldung von Staat, Bundesstaaten, Banken, Industrie und Privathaushalten? Dazu das Außenhandelsdefizit und eine Sparquote von nahe 0%, was in Kombination und im Gegenteil zu Japan oder Deutschland das Defizit noch erhöht? Sorry, aber: Amerika wird noch genau einen Krieg führen - Iran - und dann im Bürgerkrieg versinken.

    Gruß,

    Hardyate

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  4. Die Amis haben eine Greencard. Es ziehen nicht unkontrolliert Unausgebildete zu, sondern zumindest teilweise sind die sehr gut ausgewählt. AUßerdem: Fertilitätsrate (Kinder pro Frau) in den USA größer 2 und damit wesentlich höher als in Europa (und auch Deutschland): http://www.heise.de/tp/blogs/3/101952

    Kreditkartenschulden sind ein Witz im Vergleich zu den Hypotheken. Es geht um ein Fünftel oder noch weniger. Außerdem sinken die Verbraucherschulden seit 2 Jahren.

    Sparrate ist nicht mehr Null, sondern über 3% der Einkommen im Durchschnitt der letzten Monate. Wenig, aber eben nicht mehr so ein Desaster wie vor 3 Jahren als sie negativ war.

    Ich sage ja nicht, dass alles in Butter ist, aber einige Faktoren haben sich deutlich gebessert. Der Knackpunkt ist jetzt die Staatsverschuldung, die eigentlich nicht so weiter gehen kann. Und wenn dort gespart wird, wird das die Wirtschaft deutlich dämpfen. Daran zweifle ich nicht. Nur traue ich mich nicht darauf zu wetten, weil ich mir relativ sicher bin, dass ohne massive Sparmaßnahmen des Staats (die aber eigentlich überfällig sind) die US-Wirtschaft nicht in eine Rezession abkippt. Sollte der Staat sparen und sagen wir mal in zwei Jahren eine Halbierung des Defizits anstreben, ist eine Rezession aber unvermeidbar (außer die USA reduzieren den einzigen Posten, den sie reduzieren können, ohne dass es die eigene Wirtschaft zu stark beeinträchtigt: Die Kriegskosten in Afghanistan und im Irak).

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  5. Hallo,

    fangen wir hinten an:

    "...außer die USA reduzieren den einzigen Posten, den sie reduzieren können, ohne dass es die eigene Wirtschaft zu stark beeinträchtigt: Die Kriegskosten..."

    Na das ist ja wirklich das völlig Falsche - Militärtechnik ist das einzige Gebiet, in dem die Amis wirklich noch konkurrenzfähig sind. Würde das auch noch wegbrechen, ist eh' Schluss.

    "Sparrate ist nicht mehr Null, sondern über 3% der Einkommen im Durchschnitt der letzten Monate. "

    Laut FTD (finde den Link nicht mehr) inzwischen wieder bei Null. Nichtsdestotrotz: Selbst 3% sind bei einem nicht vorhandenen Sozialsystem immer noch erheblich zu wenig. In D. haben wir >10% - und staatliche Rente! Der Hinweis auf negative Werte = Desaster hinkt, denn ob +3% oder -1% - im Vergleich zu (früheren) japanischen und aktuellen deutschen Werten ist es immer noch viel zu wenig.

    "Kreditkartenschulden sind ein Witz im Vergleich zu den Hypotheken. Es geht um ein Fünftel oder noch weniger."

    jein, denn: Hypotheken sind (üblicherweise, siehe auch Heinsohn) durch hinterlegte Immobilien zumindest teilweise gedeckt. Kreditkartenschulden hingegen werden mit aktuell 14% sollverzinst und sind nur durch Arbeit gedeckt. Und wenn ICH 1/5 meines Immobilienkredites als Kreditkarten-Soll hätte, wäre ich auch bankrott...

    "Außerdem sinken die Verbraucherschulden seit 2 Jahren."

    Unerheblich, da sowohl Tempo als auch Niveau unbekannt und wie ich meine zu tief (Tempo) und zu hoch (Niveau) sind.

    "Es ziehen nicht unkontrolliert Unausgebildete zu..."

    Sieh Dich mal bspw. in El Paso um. Dort ziehen unkontrolliert Unausgebildete zu. Massiv und ungebremst. Im Vergleich dazu sind die Green-Card-Leute unerheblich.

    Zur Staatsverschuldung dann noch:

    http://blog.markusgaertner.com/2010/07/28/wer-ist-hier-sozialistisch-uncle-sam/

    Gruß,

    Hardy

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  8. In Kriegen wird viel Geld sinnlos "verballert", das nicht der nationalen Wirtschaft dient. Alle laufenden Kosten (u.a. Sprit) sind komplett zum Fenster hinausgeworfen. Der Panzer und das Flugzeug landen natürlich in Dollars in den Staaten, aber wie viel ist das? 50%? 70%? Und der Rest ist auf jeden Fall ziemlich ineffizeint eingesetzt ...

    Die Sparrate ist in der letzten Meldung sogar bei 4% PCE

    Die Zahl der Illegalen ist in der Krise gesunken. Mancher mittelamerikanische Staat hat das Ausbleiben der Transferzahlungen deutlich gespürt. D.h. ja nicht, dass es keine Illegalen mehr gibt. Aber für das BIP sind die eh vergleichsweise unkritisch. Die sind da, essen und arbeiten irgendwie irgendwas und kosten den Staat kein Geld. Kurz: SIe steigern das BIP. Es kann ja eigentlich auch keinen Menschen geben, der das BIP senkt ...

    Was die Kreditkartenschulden angeht: Es sind (mMn) 800 Mrd. Dollar. egghat

    Das reicht nicht für das Auslösen einer Krise. Wenn der Gesamtwert des Immobiliemarkts von mehr als 20 Mrd Dollar, der zu mehr als der Hälfte über Kredit finanziert wird, um 40% nach unten geht: *Das* löst eine Krise aus. Aber die 800 Mrd.? MMn nicht.

    Ja, die Schulden von Privaten und Unternehmen sind zu hoch, aber das wird keine Krise mehr auslösen. Da wird langsam zurückgefahren, aber das dürfte im Wesentlichen neutral sein. Gut, Wachstumsimpulse gehen davon auch nicht aus. Die wirkliche Gefahr für die Konjunktur liegt im Staatssektor, der irgendwann auf die Bremse steigen muss. Einfach weiter 10% des BIPs als Neuschulden zu produzieren, geht nicht.

    Sobald der Staat aber beginnt zu sparen, wird es für die Wirtschaft kritisch. Deshalb ist die Gefahr für eine Rezession in Europa, wo die Sparprogramme überall aufgelegt werden, wesentlich größer als in den USA.

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