Zahl des Tages (29.07.10): 1.300.000.000

Wie schon die letzten drei Abende habe ich mich vor allem um die Buchung des bald anstehenden Urlaubs gekümmert, aber jetzt endlich auch was gebucht. Natürlich in einem sicheren Nichtkrisenstaat ;-) AAA, ungefährdet. Obwohl für Südtirol hätte ich auch auf AAA verzichtet, aber der Rest der Familie wollte nicht so weit fahren ... Aber nächstes Jahr gibt's endlich mal wieder Berge ...

Zum Thema:

Es gibt ja solche und solche Blasen ... In den USA hatten wir gerade eine größere und einigen anderen europäischen Ländern ebenfalls. Bis jetzt waren die Blasen aber geradezu harmlos, wenn man die Preisrückgänge von 20, 30 oder 40% mit den 70% aus der Megablase in Japan vergleicht (Wenn ich mich recht entsinne, wurde damals in Japan ein Baufläche in Tokio verkauft, die mehr kostete als der gesamte Immobilienwert Kaliforniens zusammen betrug. Der Quadratmeterpreis soll weiter über 1 Millionen Dollar pro Quadratmeter gelegen haben. Solche Zahlen muss man aber immer mit viel Skepsis aufnehmen, weil da (auch bei den Journalisten, die das schreiben) leicht der Verstand aussetzt).

Und während manche Volkswirte noch gar keine Immobilienblase  in China sehen, frage ich mich schon zunehmend, ob wir nur noch zwischen "normaler" und MEGA-Blase wählen müssen, um den Wahnsinn in China richtig zu beschreiben.


In Hongkong wurde vor Kurzem ein Gelände in der Größe von 174 * 174 Quadratmetern für

1.300.000.000 (1,3 Milliarden) Dollar

verkauft.

Das ist ein Quadratmeterpreis von fast 43.000 Dollar. Zum Vergleich: Das teuerste deutsche Haus (auf den Quadratmeter Wohnfläche umgerechnet) steht auf Sylt. Wertvoll daran ist aber das Grundstück: 2.400 qm, Kaufpreis 4,8 Millionen. Ergo: 2.000 Euro pro Quadratmeter. (Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass die Flächenpreise unter den Hochhäusern in Frankfurt oder München die 2.000 Euro noch toppen, wiewohl sie trotzdem weit von den 43.000 Dollar in Hongkong entfernt bleiben).

Aber man muss auch nicht nur über dieses eine Geschäft diskutieren: Die Überhitzung des chinesischen Immobilienmarkts kann man auch an vielen anderen Zahlen festmachen. Die Preise für Wohnappartments in Bejing sind in den letzten 4 Jahren um über 150% gestiegen. Noch spannender ist (wie so häufig) die Orientierung an den Einkommen. In China Bejing kostet ein 100-qm-Appartment jetzt 17 Jahresgehälter. Im Durchschnitt über ganz China ist es das Neunfache. In München kostet eine Wohnung das Siebenfache, in London liegt der Wert bei etwa 6, in Großbritannien bei etwa 4. In allen Vergleichsfällen reden wir über Märkte, die allgemein als teuer gelten. Und alle diese toppt China deutlich.

In der Folge gelten in China inzwischen Hypotheken im Wert von 171 Mrd. Dollar als gefährdet.

FTD: Hongkongs Milliardenhügel schürt Angst vor Immobilien-Preisblase

Jetzt könnte es natürlich sein, dass die Preise einfach nur durch mangelndes Angebot nach oben getrieben werden. Wenn z.B. nur für 5% der Bevölkerung, die in einer Stadt arbeitet, auch Wohnungen vorhanden sind, orientiert sich der Preis auch weniger am Durchschnittseinkommen der gesamten Bevölkerung, sondern viel mehr am Durchschnittseinkommen der 5%, die am besten verdienen (sofern die Stadt so lebenswert ist, dass diese 5% auch dort wohnen wollen).

Kurz: Es hilft ein Blick auf die Angebotslage. Wird viel gebaut oder wenig? Ist das Angebot wie in München oder London klein, oder wird auf Teufel komm raus gebaut wie in Spanien oder Dubai? Nur wie soll man herausfinden, ob wirkliche Bewohner (London/München) oder Spekulanten (Dubai/Spanien) die Preise treiben? Das kann man leider nicht so einfach, denn schließlich wird kein Bauherr zugeben, dass er für sein neues Stadtviertel mit 23.000 neuen Wohnungen erst 7 Käufer gefunden hat ...

Aber es gibt eine Zahl, die vielleicht einen Rückschluss ermöglicht, auch wenn man die Zahl nicht überprüfen kann. In China soll es nämlich angeblich

65.400.000 (65,4 Millionen) Appartments

geben, in denen der Stromversorger einen Zähler installiert hat, über den aber nicht eine Kilowattstunde Strom geflossen ist. Eine logische Erklärung dafür gibt's eigentlich nur eine: Die Wohnungen stehen alle leer.

Hmmm. Gesunde Nachfrage sieht anders aus ... (wie gesagt: Alles unter Vorbehalt, die 65,4 Millionen waren zwar häufig zu lesen, sind aber ohne verlässliche Quelle).

WamS: Chinas Immobilienblase gefährdet auch Deutschland

Update (02.08.10):

horst_m hat meine Vermutung bestätigt und ein Grundstück in Frankfurt gefunden, das auch schon ganz schön teuer ist: Das Palais Quartier (myZeil, ...), das laut Wikipedia etwa 17.000 Quadratmeter groß ist und schon 2003 230 Millionen Euro gekostet hat. Macht also gut 13.500 Euro pro qm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Quartier

Kommentare :

  1. hallo egghat, wirf mal nicht china und hongkong in einen topf - beides weit weg und chinesisch, aber doch ziemlich verschieden: in hongkong ist das (bau)land knapp. hongkong island ist irre dicht bebaut, auf lamma ist vielleicht noch platz, aber in kowloon ist's auch eher fies eng und trotzdem teuer (daran wird sich wegen den geographischen gegebenheiten auch nicht ändern, trotz der new territories). festland-china ist dagegen ziemlich groß, sehr groß und sehr sehr verschieden, sowohl von hongkong als auch einzelne landesteile, stadt/land, etc. scheint mir jedenfalls zu verschieden um in einen topf geworfen zu werden.

    schönen gruß, r.

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  2. "In China kostet ein 100-qm-Appartment jetzt 17 Jahresgehälter. Im Durchschnitt über ganz China ist es das Neunfache."

    Ersetze das erste China durch Peking?

    Mehrere Anmerkungen:

    1. Hong-Kong kann man nicht wirklich mit China vergleichen. Da liegen Welten dazwischen.

    2. Der Preis für ein Quadratmeter Grundstück sagt erst einmal gar nichts. Entscheidend, ob der Preis absurd, teuer oder vielleicht sogar günstig ist, ist ganz wesentlich die Möglichkeit, was ich dort bauen darf. Das Grundstück in deinem Beispiel hat etwas mehr als 30.000 qm. Darf ich nur ein Einfamilienhaus mit 200 qm Nutzfläche bauen, dann ist das absurd teuer. Darf ich dagegen ein Hochhaus mit 200.000 qm Nutzfläche errichten sieht die Rechnung schon wieder anders aus. Bei der natürlichen Knappheit an Bauland in Hong-Kong kann das ein relativ normaler Preis sein.

    3. Für die Sache mit den Stromzählern gibt es noch eine Erklärung: Der Zähler wird umgangen. ;-)

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  3. @r und usedomspotter:

    Klar, ist die Lage von Hongkong was Besonderes, *aber* China und Hongkong sind sooooo unterschiedlich auch nicht mehr. Es gibt jede Menge Sonderwirtschaftszonen in China und so all zu viel Geschäfte, die ich nur noch in Hongkong machen kann, gibt es nicht mehr. Zumindest ist das mein Eindruck. Die chinesische Regierung arbeitet hart daran, im Bereich Finanzen/Börse Shanghai zur Nummer 1 zu machen und auch bei Handel, Logistik, Elektronik, etc. gibt es Konkurrenz.

    Aber ich wollte das ja auch nicht nur auf die eine Zahl festmachen, deshalb kamen ja auch noch reichlich aus "Wirklich-China".

    @usedomspotter:

    Dass es davon abhängt, wie hoch ich die Fläche bebauen darf, ist natürlich richtig. Deshalb hatte ich ja auch die Hochhausflächen in Frankfurt in die Diskussion geworfen. Ich konnte aber dafür keine Preise finden ... Vielleicht sind die Preise doch nicht so ungewöhnlich.
    Hauspreise in Höhe eines 17fachen-Jahreseinkommen sind es aber auf jeden Fall ..

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  4. Hallo,

    ein wenig kritteln muss ich auch: Die Stadt heißt auf Deutsch Peking. Wer anderer Meinung ist, möge bitte den Franzosen beibringen dass ich kein Alemanne, den Engländern dass ich kein Germane und den Italienern dass die Stadt "München" heißt, nicht "Monaco".

    Gruß,

    Hardy

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  5. Das hier in München ist auch nicht schlecht:

    http://www.immobilienscout24.de/53402630

    2000qm für schlappe 4,45Mio€ in München

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  6. Palais-Quartier in Frankfurt:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Quartier

    "... etwa 1,7 Hektar groß..."
    "war im Februar 2002 von der Deutschen Telekom für 230 Millionen Euro an den niederländischen Investor MAB verkauft worden"

    Somit ca. 13.500€/m².

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  7. Danke. Das Quartier Palais trage ich dann mal nach. Das könnte durchaus das teuerste Grundstück in D sein.

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