Zahl des Tages (30.07.10): -137.300.000.000

Heute gab es die erste Schätzung der Wirtschaftsleistung in der USA für das zweite Quartal 2010.  Dieses ist annualisiert um 2,4% gestiegen. Dies war etwas unter den Schätzungen der meisten Analysten.

Dabei waren die Zahlen an sich gar nicht schlecht. Der private Verbrauch hat mit 1,15 Prozentpunkten zum Wachstum beigetragen, die Investitionen der Unternehmen mit 3,14 Prozentpunkten sogar noch  mehr. Darüberhinaus stiegen auch die Exporte, die zu 1,0 Prozentpunkten Plus im BIP führten. Auch der Staat kaufte mehr ein und steigerte die Wirtschaftsleistung um 0,88 Prozentpunkte. Damit sind wir dann bei  6,13% Plus. Und jetzt kommt der einzige negative Einfluss: Die Importe sind ebenfalls gestiegen, und zwar so kräftig, dass sie die Wirtschaftsleistung der USA um satte 4,0 Prozentpunkte drückte. Danach kommt man mit ein paar Rundungen auf die 2,4%, die in der Überschrift jetzt überall stehen werden.

Man könnte das jetzt knapp als "Die Amis konsumieren zwar wieder, aber leider nur Produkte aus dem Ausland" zusammenfassen. (Unter Umständen ist die Erklärung noch etwas komplexer und es ist gar nicht in erster Linie die Menge der konsumierten Produkte gestiegen, sondern die Preise haben sich geändert. In der Krise fielen z.B. die Ölpreise massiv, was dann für ein kräftiges BIP-Plus gesorgt hat. Dann müssten jetzt aber irgendwo massive Preissteigerungen erfolgt sein und die kann ich beim aktuell relativ starken Dollar (1,30 am Anfang Q-02, 1,30 am Ende Q-02 und zwischendrin stärker) und bei einem Ölpreis, der unter dem Quartalsanfang liegt, nicht sehen. Es werden also doch wohl Mengeneffekte gewesen sein. Ende der Abschweifung).

Was ich interessanter finde als die erste, vorläufige Schätzung (die ändert sich eh nochmal), sind die kräftigen Korrekturen, die für die Vergangenheit vorgenommen wurden. 2007 wurde um 0,2 Prozentpunkte auf +1,9% nach unten korrigiert, 2008 um 0,4 Prozentpunkte (auf +0,0%) und 2009 um 0,2 Prozentpunkte auf -2,6%. Insgesamt fiel die Wirtschaftsleistung um 1,0% oder in Dollar ausgedrückt um

137.300.000.000 (137,3 Milliarden) Dollar

schwächer aus als bisher geschätzt.

Besonders kräftig waren die Korrekturen im 2. Halbjahr 2008. Das dritte Quartal steht jetzt mit minus 4,0% (vorher -2,7%), das vierte mit -6,8% (bisher -5,4%) in den Büchern. Damit haben wir übrigens ein  neues schwächstes Nachkriegsquartal. Bisher hielt diesen Rekord das erste Quartal 2009, das übrigens von -6,4% auf -4,9% nach oben korrigiert wurde.

Interessanterweise hat man "nur" die Jahre 2007 bis 2009 korrigiert. Da sich am Wert des BIPs im ersten Quartals 2010 somit nichts geändert hat, steht das erste Quartal jetzt auf einmal mit einem Plus von 3,7% statt 2,7% zu Buche. Wer jetzt also schreibt, dass der positive Teil an der Nachricht die Heraufstufung des ersten Quartals gewesen ist, hat nicht verstanden, dass das nicht auf ein stärkeres erstes Quartal zurück geht, sondern auf die drei schwächeren Jahre zuvor ... Ich bin mir sicher, dass man den Hinweis auf das stärkere erste Quartal heute mehr als einmal zu lesen bekommt ... (Ihr könnt die Links ja mal in den Kommentaren sammeln oder bei den entsprechenden Artikeln auf den allwissenden Klug*****er egghat hinweisen ;-) ).

Übrigens fragt man sich bei einer Korrektur der BIP Zahlen wie heute schon ein wenig, warum man die Zahlen überhaupt detailliert auseinander nimmt. Es wurden teilweise heftige Änderungen vorgenommen (Tabelle 2A in der Pressemitteilung). Zum Beispiel wurde der Wachstumsbeitrag aus dem Import für das vierte Quartal 2008 von 3,12 Prozentpunkte auf 4,53 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Wenn man bedenkt, wie hektisch die Börse auf 0,1 oder 0,2 Prozentpunkte Abweichung reagiert, sollte man soooo falsche Zahlen eigentlich nicht vermuten.

Bea.gov: GROSS DOMESTIC PRODUCT: SECOND QUARTER 2010 (ADVANCE ESTIMATE) + REVISED ESTIMATES: 2007 THROUGH FIRST QUARTER 2010

Update (17:05):

Interessante Entwicklung bei der Sparrate: Im 2. Quartal 2010 über 6%.

US-Sparrate (BIP) Q02-10: 6,2% (+0,7 Vq)

Kommentare :

  1. Wer bei solchen Schummeleien noch an rationale Märkte glaubt, haha.

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  2. Ob da wirklich geschummelt wird, weiss ich nicht. Was aber auf jeden Fall überrascht: Jede 0,1% mehr oder weniger führen an der Börse zu mittelschweren Ausschlägen. Und bei einer solchen Korrektur wie am Wochenende wird mal eben ein ganzes Prozent wegkorrigiert ...

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