UTS 2010 #13: Steuerlast der Mittelschicht zu hoch? Rechnet mal richtig!

Das Gejammer über die zu hohe Steuerlast ist in Deutschland sehr gängig. Zugegeben, wahrscheinlich nicht nur hier ...

Bei all dem Gejammer wird allerdings oft vergessen, dass den Steuern auch Gegenleistungen gegenüber stehen, die der Staat erbringt. Also nicht nur Infrastruktur, Rente, Pensionen, etc., sondern auch jede Menge Angebote, die sich ein Hartz IVler nicht leisten kann, das angeblich so geplagte Mitglied der Mittelschicht aber schon: Schulen, Musikschulen, Schwimmbäder, Sporthallen, Theater, ...

Was ist Mittelschicht? Im Gegensatz zur FDP, wo die Mittelschicht scheinbar ab 80.000 Euro  Jahresgehalt (oder so) beginnt, nimmt die FAZ 70 bis 150% des Durchschnittseinkommens an. Das umfasst dann 60% der Bevölkerung, die zwischen 1.720 und 3.690 Euro verdienen (inkl. Kindergeld, etc).

Die FAZ hat vom DIW untersuchen lassen, wie viel die Familien in der Mittelschicht durchschnittlich an den Staat zahlen und was sie über Leistungen zurück erhalten.

Dass die unteren Schichten mehr bekommen als sie zahlen, ist logisch. Bei einem Einkommen von weniger als 1.300 Euro ist die Steuerlast logischerweise gering (128 Euro), die Leistungen des Staats mit 677 Euro aber schon ganz anschaulich. Je höher das Einkommen geht, desto höher steigen die Steuern, aber auch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Das heisst dann: Theater, Konzerte, zwei Sportvereine, jede Woche Schwimmbad, etc. pp., wodurch mehr der öffentlichen Kosten auf diese Nutzer umgerechnet werden.

In der unteren Hälfte der Mittelschicht (1.700 bis 2.600 Euro Nettoeinkommen) stehen 495 Euro Steuern 911 Euro staatlicher Leistungen gegenüber, selbst in der oberen Hälfte (2.600 bis 3.600) stehen 801 Euro Steuern und Abgaben noch 917 Euro Leistungen gegenüber.

Erst darüber kippt die Rechnung: Bei 3.600 bis 5.000 Euro Nettoeinkommen stehen 888 Euro Leistungen 1.234 Euro Steuern gegenüber,  bei 5.000 bis 18.000 Euro 1.081 Euro Leistungen 2.032 Euro Steuern und Abgaben.

Der Artikel hat - nicht überraschend - ziemlich heftige Reaktionen in den Kommentaren bei der FAZ ausgelöst. Einige Kritikpunkte sind sicherlich richtig:
a) Die Konzentration auf die Einkommensteuer ist falsch und greift zu kurz. Ein Punkt, den ich in solchen Diskussionen auch immer wieder betone: Man muss *alle* Steuern (inkl. MwSt, Mineralölsteuer, ...) betrachten und vor allem auch die Sozialleistungen (denen sich die Besserverdiener zum großen Teil entziehen).
b) Ob der Leistungsbrocken "Rente" fair berechnet ist, bleibt fraglich. Denn die Rente, die ein heute 30-jähriges Mitglied der Mittelschicht in 40 Jahren noch so toll aussieht wie die Rente, die ein heutiger Rentner bekommt, ist doch arg zweifelhaft.
c) Auch ob man die Mittelschicht dafür "verantwortlich" machen kann, dass sie ihre Kinder zum (teureren) Gymnasium schickt, ist eine berechtigte Frage.

Allerdings spekuliert der größte Teil der Kritiker über mögliche Fehler in der Berechnung (sogar dass das Gymnasium teurer ist als die Hauptschule wird angezweifelt, was aber allein durch die längere Schulzeit schon gaaanz einfach erklärt werden kann), um dann zur Erkenntnis zu gelangen, dass der ganze Artikel Bullshit sei. Dumerweise ist die Argumentationsbasis für diese Aussagen definitiv um einiges dünner als die Basis der Studie. Shoot the Messenger? Oder eher: "Was nicht passt, wird passend gemacht"?

Für mich ist die Aussage ziemlich klar: Wenn die Linken mehr Staat wollen, müssen sie scheinbar erst einmal in der Bevölkerung ein Gefühl dafür schaffen, dass sich Steuern LOHNEN. Dass man was dafür bekommt. Und dafür sorgen, dass das Geld sinnvoll investiert (und nicht verschwendet) wird. Die Diskussion darf nicht nur über die Einnahmenseite quantitativ geführt werden, sondern es muss auch die Ausgabenseite und zwar qualitativ berücksichtigt werden.

Daher ist ein Spitzensteuersatz von 69% wie in Dänemark (oder anderen Ländern Skandinaviens) eben nicht zwangsläufig wirtschaftsschädlich und wachstumsfeindlich. Zumindest ist das nicht nachweisbar. Das BIP pro Kopf ist zwischen 1990 und 2009 in Schweden ähnlich stark gewachsen wie in Deutschland, Dänemark liegt sogar klar vor beiden.


Es scheint also wichtiger zu sein, wofür man das Geld ausgibt, als jahrzehntelang über die Einnahmen und die Ausgaben zu streiten. Alte These von mir. Und jetzt kann ich den zweiten Teil meiner These direkt hinterher schieben: Ist es ein Zufall, dass Dänemark und Schweden 7 bis 8% ihres BIPs für Bildung ausgeben gegenüber knapp 5% in Deutschland? Ist es ein Zufall, dass die Schweden fast doppelt so viel ihres BIPs in Forschung stecken? Ich glaube nicht ... (Alle Zahlen von der Weltbank, leider nicht verlinkbar ...)

FAZ: Unserer Mittelschicht geht es prächtig

Kommentare :

  1. Die Mittelklasse zahlt aber für Sachen die sie sich auch so leisten könnte, und beispielsweise nicht jeder geht ins Theater, also konsumieren einige schon mehr davon als andere. Ausserdem bestimmt dank Steuern der Staat und nicht der Einzelne.

    Kenntst du eigentlich das ef-magazin.de ?

    AntwortenLöschen
  2. Ja kenn ich.

    Ist mir zu extrem ...

    Außerdem: Die Mittelschicht entscheidet auch so, welche Dienstleistungen sie in Anspruch nimmt. Der Staat entscheidet "nur" welche angeboten werden ...

    AntwortenLöschen
  3. Steuern und Sozialabgaben sind Zwangsabgaben, und die sollte man schon etwas kritischer sehen. Ja der Staat macht ja nur die Angebote, toll, aber zahlen muss man ja so oder so, ob man es nutzt oder nicht. Wer nicht will zahlt für die Anderen. Dieses System sollte man schon auf das Notwendigste beschränken, und nicht auch noch glorifizieren.

    AntwortenLöschen
  4. Keine Ahnung wie die Genies auf die Zahlen kommen. Sind jetzt Steuern oder Steuern und Abgaben gemeint? Hier mal als Beispiel die Daten eines Mitarbeiters von mir:

    Brutto: 3850€
    Abgaben: 1225,45€
    Netto: 2624,55

    Steuerklasse 3 (verheiratet, ein Kind)

    Dazu kommt natürlich noch:
    - Kitagebühr
    - MwSt
    - Kraftstoffsteuer
    - Kfz-Steuer
    - GEZ
    - Grundsteuer (Nebenkosten der Miete)
    - und natürlich noch Eintritt für Schwimmbad, Theater, Müllgebühren etc.

    Außerdem bin ich der Meinung, dass der Arbeitgeberanteil an den SV-Abgaben eigentlich auch der Arbeitnehmer trägt.

    AntwortenLöschen
  5. Gegenleistungen wie Schulen, Musikschulen, Schwimmbäder, Sporthallen, Theater, ...

    werden überwiegend aus den kommunalen Haushalten bezahlt, stellen nur einen Bruchteil der staatlichen Ausgaben dar. 70-80% des Bundeshaushaltes fließen in "Soziales" und "Gehälter", was auch der Grund ist, warum am Bundeshaushalt fast nichts eingespart werden kann. Und wenn, dann sind es echte Investitionen, die zusammengestrichen werden um ja nicht an den Riesenetat "Soziales und Arbeit" rangehen zu müssen.

    Außerdem habe ich es auch als "Mittelschicht" lieber, wenn mir mein Geld nicht wegbesteuert wird, damit es mir der Staat paternalistisch in Form von "Dienstleistungen" wieder zur Verfügung stellt. Ich mag es gar nicht in meinen Freiheitsgraden eingeschränkt zu werden. Freiheit statt Sozialismus. So dumm war die Parole aus dem letzten Jahrhundert nicht.

    AntwortenLöschen
  6. Hast du es als Mittelschicht lieber, wenn die Schule 300 Euro im Monat kostet? Das Schwimmbad 20? Das Theater 120? Die KiTa 250?

    Und dass dann der Hartz IVler alles nicht mehr bekommt und ein Satz von Deppen durch die Gegend rennt, die dir die Bude in Brand stecken? Oder wie in den USA jede 8. Farbiger (in Deutschland Migrant) im Knast sitzt?

    AntwortenLöschen
  7. Wenn die privaten Dienstleistungen billiger sind als jetzt die Steuern? Wo ist das Problem? In den USA brennen auch nicht ständig die Häuser, aber in Berlin die Autos, also so einfach ist es nicht. Ausserdem bringt diese staatliche Zentralisierung den enstprechenden Institutionen nur mehr Macht, also so unkritisch sollte man das nicht sehen.
    Und auf das Migranten-Thema gehe ich gar nicht ein.

    AntwortenLöschen
  8. Hömmal egghat: Dein Argument geht anders. Hohe Steuern kämen den hoch Besteuerten direkt (und nicht nur indirekt durch 'sozialen Frieden') in Form von Dienstleistungen wieder zu gute. Verzichte ich gern drauf. Ich weiß mit meinem Geld besseres anzufangen als an die Hand genommen zu werden.

    AntwortenLöschen
  9. @egghat

    Wer z.B. in Teilen von Berlin in eine vernünftige Schule möchte, der geht in eine private. Und die kann locker 300€ im Monat kosten. Hier hat der Staat voll versagt.

    AntwortenLöschen
  10. @egghat

    Hatte ich noch vergessen: Ich zahle gut 300€ Kita-Gebühren im Monat für ein Kind.

    AntwortenLöschen
  11. Mir geht es nur um eins: Es gibt für einen großen Teil der Steuern eine Gegenleistung.

    Wer Kinder hat und 300 Euro für den Kindergarten zahlt und über zu hohe Steuern jammert, verdient wirklich viel. Allein der Kinderfreibetrag sorgt schon dafür.

    Wir können natürlich alles privatisieren und Hartz IVler mit 400 Euro im Monat abspeisen. Und deren Kindern einen vernünftigen Kindergarten und eine vernünftige Schule verweigern. Wer jedoch will, dass diese Kinder nicht direkt "weggeworfen" werden, müsste denen dann auch die Hilfe bereitstellen. Und wenn dann der Hartz IVler die 300 Euro für die KiTa braucht, müsstest du das dann über Steuern finanzieren. Das kommt am Ende auf das gleiche hinaus ...

    @matsch:

    Ja Gehälter. Lehrer. Polizisten. UNd ja ok, etwas nutzloses Beamtenpack. Aber nutzloses Verwaltungspack gibt es auch bei der Deutschen Bank oder bei RWE. Das "Problem" verschwindet mit Privatisierung nicht.

    Und Soziales sind Zuschüsse für die Rentenkasse. Und das Gesundheitssystem. Und Hartz IV. Da ändert keine Privatisierung was dran ...

    Mein Sohn (6) kommt jetzt in die Schule und die kostet mich (so gut wie) nix. Das wird jetzt noch 12 (oder 13) Jahre weitergehen. Da relativieren sich die drei Jahre Kita ... Und danach geht er vielleicht zur Uni. Und die kostet dann (auch fast) nix. Jetzt war er schon zweimal im Schwimmkurs für je 50 Euro. Ist das auch nur annähernd kostendeckend? Nein. Er geht zum Hockey. Kostet 120 Euro im Jahr. Im Sommer Kunstrasenplatz, im Winter Halle. Ist das auch nur annähernd kostendeckend? Natürlich nicht.

    Die Staatsquote in Deutschland liegt bei etwa 44%. Das ist nicht soooo sonderlich hoch. Selbst als neoliberal gescholtene Staaten wie Großbritannien liegen nicht mehr darunter.

    Meiner Meinung nach sollten wir uns nicht darüber aufregen, dass der Staat uns zu viel geld abnimmt, sondern dafür sorgen, dass er es sinnvoll ausgibt (und nicht von größenwahnsinnigen Politikern für Freizeitparks an alle zwei Jahre verwendetne Formel 1 Strecken verschwendet wird).

    Kurz: Ich sehe schon seit langem den interessanten Punkt in der Diskussion nicht bei der Frage, wie viel Geld der Staat abkassiert, sondern wofür und wie er es ausgibt!

    (Ich verstehe allerdings auch, dass man das durchaus anders sehen kann. Nur das Argument, dass jemand das selber besser entscheiden kann, zieht mMn nicht. Das stimmt zwar für einen Großteil der Hälfte, die mehr als der Durchschnitt verdient. Aber nur das ist ja das soziale an dem System: Dass irgendwo Leute sein müssen, die mehr abgeben als sie bekommen ....)

    AntwortenLöschen
  12. Das Drama beginnt damit, dass sich die Mittelschicht mit dem Steuersatz beschäftigt. Obwohl sie die Sozialabgaben in Wirklichkeit mehr "belasten", was immer das heißen mag. Aber sei's drum.

    Irre ich mich, oder gibt es so ein wages Gefühl, dass der Staat Abgaben erhebt und erhöht hat für Leistungen, die er jetzt nicht mehr erbringen will. Da heißt es plötzlich Eigeninitiative oder Zusatzbeitrag, sonst geht es nicht mehr.

    In den 70ern wurden massenhaft Schwimmbäder gebaut, an denen die Kommunen heute zugrunde gehen. Es bilden sich Stiftungen zum Erhalt, der zuständige Beamte schafft es gerade noch den Leuten die Vorschriften zu erklären, nach denen das zu geschehen hat. Und die Schafe hören sich das noch geduldig an.

    Nebenbei: jeden, der auch nur ein paar Tage in einer Firma gearbeitet hat, in der richtig was los ist, den packt das Entsetzen, wenn er in ein Rathaus, ein Finanzamt, ein Ministerium oder in eine der unzähligen Sozialverwaltungen kommt. Da herrscht himmlische Ruhe, irgendeine Art von Arbeitsdruck sucht man da vergeblich.

    Die hauptsächliche Spaltung in der Gesellschaft geht zwischen "beim Staat beschäftigt" oder eben nicht. Ersteres bedeutet meistens nicht besonders gute Bezahlung, aber sicher und fast unkündbar.

    Inzwischen hat der "Staat" fast nur noch Geld für sich selbst, Verwaltung, Gehälter und Pensionen. Nicht zuletzt deshalb, haben indirekte Steuern die direkten bereits überholt. Von den vielen netten zusätzlichen Abgaben (Pass, Gewerbe, Müll, Kanal, Kindergarten, Bücher, Uni, usw....) gar nicht zu reden.

    Insofern, da wollte ich egghat beipflichten, sind nicht die Abgaben, sondern deren Verwendung das Thema. Das geriet mir nur etwas daneben.

    Der Staat und seine Verwaltung, sie machen ihren Job nicht.

    AntwortenLöschen
  13. "Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht"

    Die mittleren Schichten klagen nicht zu Unrecht, daß es ihnen schlechter geht und dass sie immer größere Lasten zu tragen haben. Wie ist es aber möglich, dass eine Gruppe, die die Mehrheit der Wähler stellt, über viele Jahre schlecht behandelt wird? Sind die Opfer auch Täter? Unterstützen sie eine Politik, die ihnen selbst schadet? Identifizieren sie sich fälschlich mit einer Oberschicht, zu der sie nicht gehören und nie gehören werden? Treibt sie die Abgrenzung von der Unterschicht in ein Bündnis, das sie ruiniert? Darüber diskutiert SR 2-Moderator Jürgen Albers am Sonntag, 23. Mai, ab 11.04 auf SR 2 KulturRadio.

    http://pcast.sr-online.de/play/fragen/2010-05-24_herrmann230510.mp3

    http://fragenblog.sr-online.de/?p=71

    AntwortenLöschen
  14. Deutschlandradio Kultur - Zeitfragen - Das letzte Tabu
    Wie viel Reichtum gibt es in Deutschland?
    Von Winfried Roth

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/zeitfragen/1210376/

    AntwortenLöschen
  15. "Mir geht es nur um eins: Es gibt für einen großen Teil der Steuern eine Gegenleistung."

    ich sag jetzt mal: Nein


    Der Großteil der Staatsausgaben (also ohne Sozialversicherungsbeiträge) geht für 'Soziales' drauf. Mir ist schon klar, dass daran fast nichts eingespart werden kann, nicht zuletzt weil hier der Wählerzorn am härtesten und schnellsten zuschlägt. Dann kommt noch die Zinslast und Verteidigung. Auch Posten, an denen nichts mehr gedreht werden kann. Was bleibt noch an freier Verfügungsmasse im Bundeshaushalt? Ein gefühltes Fünftel. Entwicklungshilfe und allerhand parasitärer Förderunsinn verlangt seinen gerechten Anteil. Für echte Investitionen und Infrastrukturmaßnahmen bleibt fast nichts mehr. Aber genau an diesem "fast nichts" wird die Sparaxt angelegt, weil hier der Aufschrei am geringsten ist und die Folgen unterlassener Investitionen sich erst lange später bemerkbar machen. Deswegen ist ja die öffentliche Infrastruktur in so einem maroden Zustand wie man es vor 20 Jahren nicht für möglich gehalten hätte, "nicht in Deutschland, wir sind doch keine Bananenrepublik". Bei den Kommunal- und Länderhaushalten ist die Ausgabenstruktur grundsätzlich zwar besser, die Dynamik in Richtung "Soziales hat Vorrang vor allem anderen" ist hier aber genauso vorhanden.

    AntwortenLöschen
  16. Wo müsste man ansetzen:

    > Steuerprüfung Deutschland

    http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/oecd_steuerpruefung_deutschland_1.6589881.html

    > Milliarden-Potenzial

    Es liege ein enormes Potenzial brach, um durch einen besseren Steuervollzug den Defizitabbau zu unterstützen, sagte der Leiter der OECD-Steuerabteilung, Jeffrey Owens, der «Berliner Zeitung». Es gehe dabei nicht um ein oder zwei Milliarden, sondern um «viele, viele Milliarden Euro».


    Oder Arzneimittelkonzerne:

    > Der Pharmareferent (Georg Schramm)
    http://www.youtube.com/watch?v=euKpzwW7BTY


    Oder neu weniger Geld verschwenden.
    Siehe Bundesrechnungshof und Landesrechnungshöfe.

    AntwortenLöschen
  17. @matsch:

    Naja, Zinsen zahlst du auch mit jedem Stück Stahl von Thyssen. Das steckt irgendwo immer im Preis drin. Kapitalismus geht halt nur mit Schulden. (Ja ich vereinfache unzulässig, denn so viel in % seines Umsatzes für Schulden wie der deutsche Staat zahlt selbst eine relativ hoch verschuldete Firma wie Thyssen nicht).

    Und Soziales sind eben auch Kindergärten, Zuschüsse zu Renten und Gesundheit, Schulen (?), ...

    Ich bleibe dabei: Ein großer Teil des Geldes, der als Steuern beim Staat landet, ist nicht verschwendet. Und die Einkommensschwelle, ab der der Deutsche mehr in das System einzahlen also sie herausbekommen, liegt viel viel höher als die meisten denken.

    Bei dem Durchschnittseinkommen von 33.500 Euro des Deutschen fallen nur etwa über 20% Einkommensteuern an. *VOR* irgendeinem Steuerfreibetrag über Auto, Kind und den diversen Pauschalen, die jeder bekommt. Mit einem Kind bist du schnell bei 10%.

    Dass irgendwann die Schwelle erreicht wird, ab der jemand mehr einzahlt als er an Leistungen erhält, ist in der Natur der Sozialstaats logisch ...

    Wir sollten lieber dafür sorgen, dass das Geld vernünftig ausgegeben wird. Und um auf einen alten Punkt von mir zurückzukommen: Auch dafür, dass das progressive Steuersystem auch wirklich eines ist ... Und nicht die Durchschnittsbelastung bei den sehr hohen EInkommen wieder sinkt. Die Spitzenbelastung liegt nach Berechnungen der OECD nämlich irgendwo bei 65.000 Euro Einkommen bei etwas über 40% und sinkt mit steigenden Einkommen wieder in Richtung 35%. Sowas ist natürlich ein Witz!

    AntwortenLöschen
  18. Ich bin gottlob nicht 'sozialversichert', trage mit meinen Steuern aber erheblich zur Finanzierung der Rentenversicherung bei (1/3 Zuschuss aus dem Bundeshaushalt), zur GKV auch mit stark wachsendem Anteil, die Arbeitslosenversicherung wird ebenso mit zweistelligem Milliardenbetrag vom Bund bezuschusst, ohne dass ich selbst irgend einen Anspruch gegenüber der SV erwerben würde. Den Schuh kannst Du mir nicht anziehen, dass ich als Nicht-SV-Pflichtiger von einer angeblichen Steuerdegression der höheren Einkommen profitieren würde. SV-Beiträge sind immer noch mehr Versicherungsbeiträge als Steuern, der Begriff "Versicherung" ist in der SV noch nicht völlig ausgehöhlt, weil Beiträge auch Ansprüche begründen, bei Steuern hingegen habe ich keinerlei Gegenleistungsanspruch. In der RV gilt sogar überwiegend noch das Äquivalenzprinzip. Eine Beitragsbemessungsgrenze in der SV ist keine himmelschreiende Ungerechtigkeit als die sie in den marktschreierischen Postillen wie SPON &Co in den letzten Jahren dargestellt wird, sondern eher etwas sehr gerechtes.

    Der Staat hat ganz sicher kein Einnahmenproblem, denn zufrieden wären die Bittsteller (vielmehr Bittschreier) erst bei einer Steuerquote von 100%. Der Staat hat ein Ausgabenproblem. Punkt.

    "die Einkommensschwelle, ab der der Deutsche mehr in das System einzahlen also sie herausbekommen, liegt viel viel höher als die meisten denken"

    Gebe ich dir überwiegend recht. Das wird gemeinhin völlig unterschätzt. Man braucht sich ja nur TV-Umfragen beim Bürger auf der Straße anschauen, wo ein dämlicher Reporter irgendeiner Nase ein Mikro hinhält und der natürlich über viel zu hohe Lohnsteuern schimpft, obwohl er selber keine 10% zahlt.

    Eine Schwierigkeit besteht darüberhinaus darin, wie man das messen will, was einer rausbekommt. Verteidigung muss man wohl pro Nase umlegen. Justiz und innere Sicherheit: wem will man die Kosten anlasten? Den Verursachern oder denen, die an einem Mehr an innerer Sicherheit interessiert sind? Die Sozialarbeiterindustrie genau so. "Wenn jeder so ein anständiger Bürger wie ich wäre, dann bräuchte es die ganzen Ausgaben nicht". Was sich borniert und kleingeistig anhört, ist jedoch keine so völlig illegitime Ansicht, über die man keinesfalls diskutieren kann ...

    AntwortenLöschen
  19. Ich bin gottlob nicht 'sozialversichert', trage mit meinen Steuern aber erheblich zur Finanzierung der Rentenversicherung bei (80 Mrd oder 1/3 Zuschuss aus dem Bundeshaushalt), zur GKV auch mit stark wachsendem Anteil, die Arbeitslosenversicherung wird ebenso mit zweistelligem Milliardenbetrag vom Bund bezuschusst, ohne dass ich selbst irgend einen Anspruch gegenüber der SV erwerben würde. Den Schuh kannst Du mir nicht anziehen, dass ich als Nicht-SV-Pflichtiger von einer angeblichen Steuerdegression der höheren Einkommen profitieren würde. SV-Beiträge sind immer noch mehr Versicherungsbeiträge als Steuern, der Begriff "Versicherung" ist in der SV noch nicht völlig ausgehöhlt, weil Beiträge auch Ansprüche begründen, bei Steuern hingegen habe ich keinerlei Gegenleistungsanspruch. In der RV gilt sogar überwiegend noch das Äquivalenzprinzip. Eine Beitragsbemessungsgrenze in der SV ist keine himmelschreiende Ungerechtigkeit als die sie in den marktschreierischen Postillen wie SPON &Co in den letzten Jahren dargestellt wird, sondern eher etwas sehr gerechtes.

    Der Staat hat ganz sicher kein Einnahmenproblem, denn zufrieden wären die Bittsteller (vielmehr Bittschreier) erst bei einer Steuerquote von 100%. Der Staat hat ein Ausgabenproblem. Punkt.

    AntwortenLöschen
  20. "die Einkommensschwelle, ab der der Deutsche mehr in das System einzahlen also sie herausbekommen, liegt viel viel höher als die meisten denken"

    Gebe ich dir überwiegend recht. Das wird gemeinhin völlig unterschätzt. Man braucht sich ja nur TV-Umfragen beim Bürger auf der Straße anschauen, wo ein dämlicher Reporter irgendeiner Nase ein Mikro hinhält und der natürlich über viel zu hohe Lohnsteuern schimpft, obwohl er selber keine 10% zahlt.

    Eine Schwierigkeit besteht darüberhinaus darin, wie man das messen will, was einer rausbekommt. Verteidigung muss man wohl pro Nase umlegen. Justiz und innere Sicherheit: wem will man die Kosten anlasten? Den Verursachern oder denen, die an einem Mehr an innerer Sicherheit interessiert sind? Die Sozialarbeiterindustrie genau so. "Wenn jeder so ein anständiger Bürger wie ich wäre, dann bräuchte es die ganzen Ausgaben nicht". Was sich borniert und kleingeistig anhört, ist jedoch keine so völlig illegitime Ansicht, über die man keinesfalls diskutieren kann ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore