UTS 2010 #2: China-Immobilienpreise zur Hälfte nur heiße Luft?

Die Zahl ist in der Zwischenzeit vielleicht schon weiter durch die Presse gegangen, aber das lässt sich bei vorbereiteten Postings im Urlaub nicht vermeiden ...

Es geht um den chinesischen Immobilienmarkt, der ja ziemlich unbestritten in einer Blase steckt. Zumindest in manchen Regionen, vor allem in der wirtschaftlich wichtigen Küstenregion (Peking, Shanghai, Shenzen), sind die Preise extrem gestiegen. 30% innerhalb eines Jahres sind da durchaus üblich. Und das auch nicht zum ersten Mal ...

Die chinesische Notenbank hat schon reagiert. Die Leitzinsen wurden bereits erhöht. Aber auch die Bedingungen für die Immobilienfinanzierungen wurden verschärft. Die Anforderungen an das nötige Eigenkapital wurden erhöht, für Zweit-und Drittwohnungen noch stärker als für Erstwohnungen.

Jetzt wird erneut verschärft. Der Kauf von Drittwohnungen wird in vier Regionen komplett verboten. In den anderen Regionen wird die Mindesthöhe des Eigenkapitals auf 60% erhöht und zusätzlich auf den Zins ein 50%iger (Straf-)Zins aufgeschlagen.

Auch auf der anderen Seite der Finanzierung wird angesetzt. Den Banken, die sich schon vor einigen Monaten einem Stresstest unterziehen mussten, droht bereits jetzt der nächste Test. Nur werden die Bedingungen nochmals verschärft: Nachdem im ersten Test ein Immobilienpreisrückgang von 30% unterstellt wurde, müssen die Banken nun einen Rückgang von

50%

verkraften können. Teilweise werden sogar Rückgänge von bis zu 60% gemeldet. (Offiziell sind die Zahlen nicht, genau wie die Ergebnisse der ersten Stufe nicht veröffentlicht wurden).

Marketwatch: Chinese banks to stress test for 50% house-price fall: reports
China's Stress Tests: 60% Decline in House Prices
Zerohedge: Chinese Banking Stress Test Assumptions Imply Chinese Real Estate May Be Overvalued By As Much As 60%

Und ziemlich detailliert:

FT Alphaville: Cracks in the Chinese bubble?

Sehr schöne Grafik, die zeigt, wie der Einbruch der Umsätze jetzt langsam von sinkenden Preisen gefolgt wird.

Hmmm, immerhin machen die Chinesen einen Stresstest, der diesen Namen verdient ... Auch wenn 60% Preiseinbruch in einer derart stark wachsenden Volkswirtschaft fast unvorstellbar erscheinen.

Aber es ja in China politisch gewollt, dass die Kreditvergabe eingeschränkt werden soll. Was passt da besser in den Kram, als über einen strengen Stresstest den Banken die Kreditvergabe zu verbieten? (In Europa ist das Ziel ja ein ganz anderes gewesen: Es sollte gezeigt werden, dass die Banken gesund sind und weiter Kredite vergeben können. Damit es bloß keine Kreditklemme gibt. Also wurden die Bedingungen für den Stresstest dementsprechend weich formuliert).

Es muss übrigens nicht zwangsläufig heissen, dass ein Stresstest mit 60% Preisrückgang auch wirklich 60% Preisrückgang impliziert. Selbst skeptische Analysten erwarten in den Boomregionen eher 25 bis 40% sinkende Hauspreise.

FT Alphaville: StanChart: Chinese property correction imminent

Zu den Überhitzungserscheinungen am chinesischen Immobilienmarkt siehe auch: ZAHL DES TAGES (29.07.10): 1.300.000.000

Kaum fertig geschrieben, sehe ich schon, dass das Handelsblatt die Zahl ebenfalls hat:
Handelsblatt: China lässt Luft aus Immobilienblase

Bis der Artikel erscheint, steht das wahrscheinlich auch in der FTD. Und im Spiegel. Und was weiss ich noch ...

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