UTS 2010 #5: Wie, wir sind nicht Too-Big-To-Fail?

Dann lass es uns schnell werden ...

Was sich jetzt wie eine blöde Spekulation über abgezockte Bankster anhört, scheint so abwegig dann doch nicht zu sein.

Immerhin kommt das Ergebnis jetzt vom CGFS (Committee on the Global Financial System), das der BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich, quasi die Bank der Notenbanken) angegliedert ist. Also kein Laden, der für linke Verschwörungstheorien bekannt wäre.

Ich habe nicht die ganze Studie gelesen (vielleicht mache ich das im Urlaub, aber dieses Posting ist ja vorher entstanden), aber ein Abschnitt aus der Executive Summary ist schon sehr spannend:

At the same time, competition may have contributed to the underpricing of risk and, thus, to a leverage-based expansion of balance sheets in the run-up to the crisis. There is scant evidence for economies of scale within large internationally active banks. However, certain banks may have expanded, either domestically or internationally, with the aim of attaining a too-big-to-fail status. Such a status increases moral hazard and weakens market monitoring of risk-taking, which benefits individual firms but distorts economic incentives and renders the financial system more fragile. In turn, this underscores the importance of strong supervision and prudential buffers that restrain the build-up of risks. Effective, and therefore credible, bank resolution regimes that take into account the too-big-to-fail issue would be a welcome complement (BCBS (2010)).
Da wird jetzt natürlich nicht explizit gesagt, dass die Banken *nur* auf Teufel komm raus gewachsen sind, um Too Big To Fail zu werden. Aber ein komplett unwichtiger Punkt scheint das in den Überlegungen der Bankmanager auch nicht gewesen zu sein.

Auf diesen Aspekt zielt der Artikel in der FAZ ab:

FAZ: Banken haben die Bilanzen absichtlich aufgebläht

Allerdings muss ich sagen, dass ich den ersten Satz fast noch spannender finde (der ist fast schon was für weissgarnix). Denn da wird gesagt, dass der Wettbewerb dafür gesorgt haben könnte, dass das Risiko nicht richtig bewertet wurde. Kurz: Die Banken konnten nur wachsen, wenn sie das Risiko im Verhältnis zum Eigenkapital hochgefahren haben. Damit stieg der Gewinn und auch der Aktienkurs. Wer nicht mitgemacht hat, blieb im Kurs zurück und begab sich in die Gefahr, von einem wertvolleren Konkurrenten übernommen zu werden. Also machte man lieber mit, selbst wenn man sich der Gefahren irgendwie schon bewusst war. (Zur Absicherung liess man die Quants ein paar hochkomplexe Modelle bauen (die zwar niemand verstand, aber egal) und wägte sich in Sicherheit).

Kann das bitte mal jemand der FDP oder dem INSM erzählen? Wettbewerb, der komplett nach hinten losgeht? Wettbewerb und freie Wirtschaft, die sich als kontraproduktiv herausstellen? Das Allheilmittel "Wettbewerb", das genau zum Gegenteil führt?

Klar, für mich ist es logisch, dass der Wettbewerb im Finanzsystem nicht die positiven Auswirkungen entfaltet, die er sonst (meistens) entfaltet. Es handelt sich im Finanzsektor kurz und knapp NICHT um einen normalen Markt. Denn es fehlt ein großer Bestandteil eines funktionierendes Markt: Das Ausscheiden von Unternehmen über die Pleite. Dieser Selbstreinigungsmechanismus fehlt bei den Too-Big-To-Fail Banken. Und dann funktioniert das ganze System nicht mehr.

Dann muss man entweder dafür sorgen, dass das System wieder zu einem normalen Markt wird (z.B. durch Zerschlagung der Banken in kleinere Einheiten, die wieder (relativ) problemlos Pleitegehen können). Oder man sorgt im existierenden System dafür, dass die Wahrscheinlichkeit einer Pleite gegen Null geht (indem man Risiko und Eigenkapital reguliert). Und wenn man es richtig machen will, macht man natürlich beides ...

CGFS #41: Long-term issues in international banking

Kommentare :

  1. Gilt nicht nur für Banken, Läden wie GM gibt es auch immer noch.

    Grüße,

    KP

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  2. OT: wg. Peak Oil
    http://egghat.tumblr.com/post/933810389/peak-oil-schon-langer-berschritten

    Viele Peak Oil Pusher sind gegen unser Wirtschaftssytem eingestellt oder einfach notorische Schwarmaler, man merkt das indem sie die naheliegende Lösungen schlechtreden: Unkonventionelles Öl, Kohleverflüssigung, Methanhydrate, Atomkraft. Man ist dann also ganz schnell beim Thema Klimawandel und Atomkraft. Zur Not redet man auch die Möglichkeit Biomasse zu nutzen klein, hauptsache Panikmache. Das man nicht eine Lösung braucht, sondern diese Technologien zusammen nutzen kann, wollen manche auch nicht wahrhaben.
    So gesehen ist das Thema nicht soo wichtig. Aber ich gehe mal davon aus das wir über dem Peak drüber sind. Die Alternativen auszubauen wäre daher schon wichtig, denn die Umstellung kann schon ruppig werden, wenn mal ein grosses Feld zusammenbricht wird es "interessant". Spekulieren ist das Panikpotential des Themas sicher interessant, unsere Medien werden das Thema irgendwann so richtig nutzen um den Untergang herbeizureden (und dabei die Taschen der Spekulanten mit den richtigen Timing füllen). Auf der anderen Seite steht aber, dass unser Wirtschaft ja nur eine Blase ist die jederzeit platzen kann, noch ein Grund der gegen die Bedeutung von Peak Oil spricht.

    Es gibt zum Thema schon lange ein sehr aktives deutsches Forum und ein ganzes Netzwerk, aber bitte mit kritischer Distanz betrachten (viele Ökos und Kommunisten): http://peak-oil-forum.de

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