UTS 2010 #7: Der Stresstest im Rückblick

Heute mal was für Spezialisten: Die Ergebnisse der EU-Bankenstresstests im Rückblick. Ich habe mich ja schon einigermaßen skeptisch zum Stresstest geäußert (ZAHL DES TAGES (23.07.10): 7), der am Ende natürlich das gewünschte Ergebnis geliefert hat: Alles in Butter.

Selbst wenn ich gestehen muss, dass einige der Annahmen strenger waren als man Anfang vermuten durfte. Dass Immobilienpreisrückgänge überhaupt im Modell drin waren, war zumindest mir bis zum Tag der Veröffentlichung der Bedingungen nicht bekannt.

Die Analysten von HSBC Trinkaus  haben die Ergebnisse gut eine Woche nach der Veröffentlichung nochmal unter die Lupe genommen und dabei eine Reihe interessanter Details und Divergenzen herausgefunden.

Am spannendsten fand ich drei Klumpenrisiken:

a) Die Staatsverschuldung Estland liegt zu zwei Dritteln bei schwedischen Banken. Was aber erstmal unkritisch ist, Estland geht es ziemlich gut und es erfüllt alle Maastricht-Kriterien.
b) Die österreichische Raiffeisen Gruppe ist die einzige Bank, die mehr Privatkredite im Ausland als im Heimatmarkt vergeben hat. Wegen des Schwerpunkts Osteuropa und der Gesamtsumme von 38 Mrd. Euro nicht ganz unkritisch.
c) Knapp 60% der isländischen Staatsverschuldung liegt bei deutschen Banken. Das sind 700 Millionen, die ziemlich wacklig sind. Island ist schließlich nur dank eines IWF Kredits noch liquide ...

Interessant auch, dass die Nettoposition der deutschen Banken gegenüber Island nur 450 Millionen beträgt. Es sind also scheinbar 250 Millionen über Kreditausfallversicherungen (CDS) abgesichert worden. So viel zu dem Thema, dass CDS nur ein reines Zockerprodukt sind und nicht zur Absicherung benutzt werden.

Bei den Divergenzen fallen ein paar Zahlen auf, die nicht logisch erklärbar sind. So soll der französisch-belgische Staatsfinanzierer nur 2,8 Mrd. Euro Forderungen an Frankreich haben. Im Heimatmarkt ohne Forderungen gegenüber einem der Hauptkunden? Seehr seltsam. Soll das alles gehedged sein? Oder hat die Dexia das anders weggebucht?

Es war ja nach den Bedingungen des Stresstest erlaubt, die Forderungen aus dem (kurzfristigen) Umlaufvermögen ins (langfristige) Anlagevermögen umzubuchen. Dort war dann das kurzfristige Risiko, das im Stresstest modelliert wurde, weg, wenn denn die Restlaufzeit ausreichend lang war. Und das ist die Bedingung, die den ganzen Stresstest zu einem mehr oder weniger großen Witz gemacht hat. Denn die Möglichkeit haben die Banken doch garantiert genutzt und die kritischsten Kredite und Forderungen ins Anlagevermögen "weggebucht" ....

Trinkaus: Trends im Visier: Banken-Stresstests, die Daten auf den zweiten Blick (da auf den PDF Link klicken, der enthält alle Details und Grafiken)

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