Zahl des Tages (01.08.10): 417

Die INSM (Institut Initiative für Neue Soziale Marktwirtschaft) hat gerechnet. Und ausnahmsweise bringe ich das Ergebnis mal (so sonderlich viel halte ich von dem Laden nicht, weil er mir bevorzugt Ergebnisse zu liefern scheint, die in die institutseigene "neoliberale" Philosophie passen).

Aber wenn die INSM versucht, die Kosten aus der Bankenrettung für Deutschland zu berechnen, ist das mMn doch eine Erwähnung wert. Allzu Viele haben den Versuch ja noch nicht unternommen (für die USA hingegen gibt es schon eine Fülle von Zahlen ...).

Die INSM hat errechnet, dass durch die staatlichen Rettungsaktionen für die Banken (u.a. IKB, HypoRealEstate und Commerzbank) im besten Fall Kosten von 34,2 Milliarden Euro entstehen, was

417 Euro

pro Einwohner Deutschlands entspricht.

Im (jetzt absehbaren) Worst Case könnten es auch 51,8 Mrd. Euro oder 632 Euro pro Kopf werden.

Die INSM betont netterweise, dass die Zahlen mit einem sehr großen möglichen Fehler behaftet sind und der Worst Case natürlich nur heute realistische Annahmen beinhaltet. Sollten in den USA die Immobilienpreise nochmal 30% nach unten gehen, sollte in China die Immobilienblase platzen oder ein europäischer Staat mit einem Bankrott eine große Rezession auslösen, werden auch diese Summen nicht ausreichen ...

Die INSM wäre nicht die INSM, wenn nicht gleich auch ein paar politische Empfehlungen hinterhergereicht würden:
a) Schuld ist natürlich der Staat, weil er nicht genug kontrolliert hat.
b) Dass der Staat nicht wirtschaften kann, zeigt sich auch an den Landesbanken, bei denen 80% der oben genannten Verluste angefallen sein sollen.
c) Der Staat soll sich natürlich ganz schnell (bis 2012) zurückziehen.

Naja, ich ignoriere diese ideologischen Ballast einfach und buche nur die Zahl in mein Gedächtnis ein ...

Tagesschau: Bankenrettung kostet "mindestens 34,2 Milliarden Euro"
Spiegel: Finanzkrise kostet bis zu 52 Milliarden Euro

Update (00:28):

Das I steht gar nicht für Institut, sondern für Initiative ... Ist korrigiert, auch wenn garantiert irgendwo im Text noch ein falsches "das" statt "die" steckt ...

Update (03.08.10):

Den Link zur Originalstudie möchte ich noch nachreichen, weil ich normalerweise immer versuche, genau die bevorzugt zu verlinken: Studie

Kommentare :

  1. Zu viel Staat im Bankensektor, wenn es um die Landesbanken geht. Zu wenig Staat, wenn es um die Bankenregulierung geht.

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  2. Was hast du gegen _wirtschafts_liberale Denker? Wer sollte die Wirtschaftspolitik besser beurteilen? Sozialdemagogen denen es immer um soziale Gerechtigkeit geht, und die Ressentiments gegen Spekulanten haben?
    Natürlich habe die staatlichen Insitutionen, die Politik und auch der Journalismus komplett versagt. Beim Hetzen für Gerechtigkeit sind sie an Wirtschaftsthemen interessiert, aber darüber hinaus eher nicht. Sie haben es nicht geschafft darüber informiert zu sein, dass es Probleme geben könnte, und der Sache nachzugehen. Das ist aber ihre Aufgabe.
    Ach ja, und in den Aufsichtsräten der Landesbanken sassen auch noch Politiker und Gewerkschafter.

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  3. Wieso Bankenregulierung? Eine stärkere Bankenaufsicht wäre ein besser Anfang.

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  4. Sei mir nicht boes, aber was der Kaserer in seiner <a href="http://www.insm.de/insm/Presse/Pressemeldungen/Studie-zur-Finanzkrise.html>Studie</a> (runterscrollen zu den Links) abliefert ist Bloedsinn. Typisch INSM. Nur als Beispiel "Nur Markt und Wettbewerb
    gesteuerte unternehmerische Tätigkeiten gewährleisten am besten den effizienten
    Umgang mit knappen Ressourcen. Dazu gehört auch die Bereitstellung innovativer
    Dienstleistungen. Dort, wo betriebswirtschaftliche Entscheidungen durch politische
    Interessen überlagert werden, ist ein solches Ergebnis nicht mehr zu erwarten" Klar, der Staat ist Schuld an Lehmans, IKB und HRE und, und.. die Maerkte haetten's besser gemacht. Aber INSM haste ja im 1. Absatz selbst thematisiert...

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  5. Oops nen Tueddel vergessen: Studie

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  6. "innovative Dienstleitungen" ist geradezu komisch. Bin ich der einzige, der dabei an CDOs CDO zum Quadrat und den ganzen Giftmüll denken muss?!?

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  7. @R.E.:

    Der Bankensektor ist perse nicht "wirtschaftsliberal". Das ist immer staatlich reguliert (oder eben auch nicht), es gibt immer einen impliziten Bailout, etc. Gerade in diesem Markt wird es wohl nie zur Entfaltung der Kräfte kommen, die der Wettbewerb entfalten kann.

    Die INSM hätte ansonsten die Abschaffung der Staatsgarantien fordern müssen (das Staatsgeld ist gegenüber der Garantie weniger wichtig), der hätte die Erhöhung des Eigenkapitals fordern müssen (damit in der nächsten Krise ausreichend Sicherheitspuffer da ist), er hätte der Zerschlagung von zu großen Banken zustimmen müssen (damit in der nächsten Krise die Selbstreinigungskräfte des Markt (aka Pleite mit anschließendem Ausscheiden aus dem Markt) wirken können.

    Ich bin ein großer Verfechter des Markts! Ich glaube nur, dass man den im Finanzsektor erst mal einführen muss. Aktuell herrscht da aber kein richtiger Markt und daher ist eine Beurteilung nach "herkömmlichen" Kriterien an dieser Stelle nicht angemessen.

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  8. @egghat, devnull

    Komisch. Genau diese Passage ist mir auch ins Auge gefallen.

    Märkte als Allheiheil-Mechanismus und ganz wichtig Innovation, Innovation, Innovation.

    Die Leute vom INSM sind bestimmt so welche Leute die sich wie Kinder freuen, nachdem sie es geschafft haben ein neoklassisches Kapitalmarktmodell zu verstehen und dann glauben, dass es die allgemeine Wahrheit über die Welt sei. Das wird sie aber nicht aufhalten die Schlussfolgerungen ihres Halbwissens in der Welt zu verbreiten.

    Man sollte Leute die inflationär von Innovation reden den Mund zukleben. Man setzt irgendein (a) Werkzeug/Technologie einen (b) Zweck zu und schwupps ist es eine Innovation, solange eines der beiden (a) oder (b) irgendwie der Masse der Adressaten neu erscheint. Natürlich gibt es für jedes (a) mehrere mögliche Zwecke. Nur wenn die INSMler sich allein nur über die Anzahl von Innovationen freuen, dann mag es daran liegen dass sie die Einsatzwecke nicht verstehen.

    Die meisten "Finanzinnovationen" basieren lediglich auf der Variation und Kombination von etwas Existierenden. Wow!!!

    Und da wäre der "effizienten
    Umgang mit knappen Ressourcen" und Assoziation mit Finanzdienstleistungen. Was für einen Nutzen hat ein Vertrag auf Geldzahlungen? Kann man Papier essen?

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  9. Ja, das INSM müsste kapieren, dass der Finanzsektor, wie er aktuell organisiert ist (mit der impliziten Bailout-Garantie) eben keine Marktwirtschaft ist, sondern mehr oder weniger klare Staatswirtschaft. Die ganzen wie vom Tonband abgespielten Empfehlungen bzgl. mehr Innovationen und Wettbewerb laufen völlig ins Leere.

    Die Empfehlungen sind richtig (wenn auch wenig originell), wenn es sich um Marktwritschaft handelt, aber laufen völlig ins Leere, wenn es sich um die Finanzmärkte handelt.

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  10. Bin ganz deiner Meinung, egghat. Worum es mir ging ist, dass man mit Kritik am "Neoliberalismus" nicht weiter kommt. Das machen nur die Gewerkschaften, SPD und alle die noch mehr Staatswirtschaft wollen. Ich finde es ausserdem besonders unverschämt das die gegen Spekulation und hohe Managergehälter allgemein hetzen, aber bei der Bankenregulierung bzw. Bankenaufsicht auch weiterhin nichts tun, und bei der nächsten Krise ist wieder der böse Kapitalismus und Neoliberalismus schuld.

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  11. Aus der Linken kommt nur in seltensten Fällen eine vernünftige Kritik am Kapitalismus, weil sie ihn gar nicht erst verstehen. Oder besser gesagt, die Linken verstehen nicht, warum der Kapitalismus gewonnen hat und welche Stärken er besitzt. Deshalb bringen sie auch so viele sinnlose Regulierungsvorschläge, die nichts bewirken. Und wenn sie doch was bewirken, dann haben sie hohe "Kollateralschäden", die oft höher sind als der positive Effekt der Regulierung.

    Leider ist das, was die Kapitalismusverfechter machen, kaum besser. Da kommt zwar öfter ein sinnvoller vorschlag, der wird dann in der Lobbykratie bis zur Unkenntlichkeit und Unwirksamkeit verwässert (siehe Volckers Regulierungsplan, von dem auch fast nur die Begrenzungen des Eigenhandels umgesetzt wurde. Die Aufspaltung der Banken ist zum Beispiel komplett gecancelt worden).

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