Zahl des Tages (03.08.10): 6,9

Heute mal eine Zahl des Tages, bei der "Zahl" stimmt, aber das "des Tages" sowas von gar nicht ;-) Denn es geht um einen Durchschnittswert der letzte 50 Jahre ...

Und zwar um eine Zahl, die in der Diskussion, ob in den nächsten Jahren eine Deflation oder eine Inflation wahrscheinlicher ist, immer wieder aufpoppt: Die Sparrate der US-Verbraucher.

Diese war vor 3 Jahren definitiv zu niedrig und blieb lange im Bereich von weniger als einem Prozent. Ich habe das schon damals als ganz großes Warnzeichen gesehen, während mir einige erklären wollten, dass das unproblematisch sei, weil die Verschuldung hauptsächlich gegen Immobilienwerte gemacht wurde. Naja, wir wissen was daraus geworden ist ...

Das Problem ist nun, dass die USA eigentlich Verbraucher benötigen, die konsumieren. Aber diese fangen dummerweise genau jetzt an zu sparen. Aus Sicht der Verbraucher ist das natürlich sehr gut nachvollziehbar, aus Sicht der Wirtschaft geradezu tödlich, denn diese hängt zu 70% am Konsum.

Da tut eine Einordnung des aktuellen Werts Not. Beim BIP für das 2. Quartal 2010 am letzten Freitag wurde eine Sparrate von 6,2% gemeldet (siehe US-Sparrate (BIP) Q02-10: 6,2% (+0,7 Vq)). Heute gab es eine Meldung zu den Verbrauchereinkünften, den Ausgaben und der Sparrate im Juni. Danach liegt die Sparrate nun (im Juni) bei 6,4% (nach 6,3% im Mai). Der langfristige Durchschnitt der letzten 50 Jahre liegt bei

6,9%.

Der aktuelle Wert ist also alles andere als "anormal" oder ein Zeichen für eine besonders stark ausgeprägte Angst der Verbraucher in den USA.

Das kann man natürlich so oder so interpretieren: Pessimisten werden anmerken, dass die aktuelle "normale" Sparrate noch weiter steigen kann und damit weiterhin auf die Konjunktur drücken wird. Optimisten werden dagegen halten, dass die Verbraucherausgaben trotz der erhöhten Sparquote (wenn auch nur leicht) steigen. Was meint ihr?

The Big Picture: Savings Rate approaching 50 yr average

Kommentare :

  1. Vielleicht liegt es nur daran, das die Mittel / Unterschicht keine Kredite bekommen?

    Die Oberschicht spart auf jeden Fall (sie hat so viel, das sie eh nicht alles ausgeben kann).

    Also verschuldet sich im Ausgleich Unter / Mittelschicht bis zur Halskrause. Zusammen ergab das eine Sparrate von 0-2%. Jetzt gibt es weniger Kredit, also steigt die Sparrate - eigenglich sinkt wohl nur die Neuverschuldungsrate.

    PS: In Deutschland haben die unteren 50% insgesammt ein Vermögen von 0 - also ist auch unsere tolle Sparrate von 14% nur auf wenige Leute verteilt. Es ist immer problematisch, wenn Zusammenhänge auf eine Zahl reduziert werden.

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  2. Ich glaube, diese "Verteilungserklärung" greift nur zum Teil.

    Zu Deutschland: Es ist immer so, dass die Leute mit dem größten Vermögen die höchste Sparrate haben. Und am unteren Ende 50% oder mehr kaum was dazu beitragen. Das ist so und zwar überall. Das mag sozial ungerecht sein, aber volkswirtschaftlich ist es ziemlich Wurscht, ob unten 20% oder 50% der Bevölkerung nichts sparen. Wichtig ist nur, wie viel der Rest spart.

    (Übrigens ist eine der gängigsten Erklärungen, warum man Geld über das Sozialsystem umverteilen muss, die Tatsache, dass die "Armen" das Geld sofort und vollständig ausgeben und so die Konjunktur angekurbelt wird. Mehr als wenn die Reichen das sparen würden. Jetzt stell dir mal vor, die Armen sparen auch 14%. Dann ist das Hauptargument für Umverteilung ja weg.)

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