Zahl des Tages (24.08.10): -27,2%

Tja, auch wenn die Zahl der gelesenen (besser als gelesen markierten Feeds) größer wird, heute nochmal als einziger Artikel eine Zahl aus der Rubrik "gesetzt".

Es geht um den US-Immobilienmarkt und einer der zwei wichtigsten Zahlen aus der Ecke. Neben der Preisentwicklung gemessen am Case-Shiller-Index ist das die Entwicklung für das Volumen, die man am besten an der Zahl der Existing Home Sales ablesen kann. Die Anzahl der Verkäufe von Bestandsimmobilien (yes, jetzt habe ich dank meiner Leser endlich die korrekte Übersetzung dafür) macht nämlich etwa 90% des gesamten Wohnimmobilienmarkts aus. Damit ist sie um einiges wichtiger als die Anzahl der Neubauanträge, die Stimmung der Hausbauer oder die Menge der verkauften neuen Häuser.

Bei den Umsätzen erwartete ich schon seit einiger Zeit einen deutlichen Einbruch, weil Ende April die Steuergutschrift für Erstkäufer ausgelaufen ist. Dass daraus im Mai noch nicht wurde, war klar, weil die Statistik die Häuser erst mit abgeschlossener Transaktion zählt und sich der Berg aus dem April im Mai langsam abbaute. Dass sich dieser Effekt bis in den Juni zog, überraschte mich dann ein wenig, aber wirklich gezweifelt habe ich an dem Einbruch nicht. Vor allem zeigte sich beim Lagerbestand in Monaten schon im Juni eine deutliche Verschlechterung (ZAHL DES TAGES (22.07.10): 8,9).

Das war aber nur der Anfang ... Denn die heute gemeldeten Zahlen überraschten mich erneut, aber diesmal auf der negativen Seite. Denn im Juli brachen die Umsätze gegenüber dem Vormonat um

27,2%

ein. Das muss man eigentlich schon als blanke Zahl unter Desaster einsortieren, aber spätestens wenn man bedenkt, dass der Juli eigentlich ein saisonal starker Monat ist, müsste selbst Permaoptimisten die Kinnlade herunterklappen.

Naja und es geht noch weiter ... Der Juni wurde um 110.000 Einheiten nach unten korrigiert, das Minus betrug also eigentlich fast 30%. Die absolute Zahl von 3,83 Millionen verkauften Immobilien war der niedrigste seit 10 Jahren (länger reicht die Zahlenreihe nicht zurück).

Und auch die Ausrede, dass es nur ein Einbruch sei, der auf den Peak vor dem Auslauf der Förderung im April zurückgeht, zieht nicht, denn auch im Vergleich zum Juli des Vorjahres liegen die Verkäufe nun wieder über 25% im Minus.

Und der Blick auf die eigentlich wichtigste Zahl in der Veröffentlichung, den Lagerbestand in Monaten, macht das ganze Ausmaß des Desasters klar. Weil zu den eingebrochenen Umsätzen ein um 2,5% gestiegenes Angebot kam, verschlechterte sich dieser Wert von 8,9 Monaten im Juni auf 12,5 Monate im Juli. Das ist ein Anstieg um

40(!!!)%.

Der Lagerbestand in Monaten liegt nun wieder in der Nähe der schlechtesten Werte in dieser Krise. Die ganze mühsame Verbesserung der vergangenen Monate ist also in nur einem Monat vollständig verdampft ...

Wahrlich kein gutes Zeichen für alle, die dauernd für Konjunkturprogramme plädieren. Denn diese stellen sich (wie auch jetzt) zu oft als Strohfeuer heraus ...

Marketwatch: Existing-home sales plunge 27.2%

Oder direkt von der Quelle:

NAR: July Existing-Home Sales Fall as Expected but Prices Rise

Ach so Standarddisclaimer: Meine Immowette gewinne ich trotzdem :-) Auch wenn es nur so ist, weil die Uhr zu meinen Gunsten tickt ...

Update (23:00):

Die beiden üblichen Postings mit den schönen Grafiken bei Calculated Risk:

Calculated Risk: Existing Home Sales lowest since 1996, 12.5 months of supply
Calculated Risk: Existing Home Inventory decreases 1.9% Year-over-Year

Die 12,5 Monate scheinen übrigens sogar schlechter zu sein als am Top der Krise ... Und der Rückgang um grob 1,5 Millionen Einheiten war etwa dreimal so hoch wie von den Analysten erwartet ... Diese lagen bei 4,7 Millionen ...

Update 2 (23:11):

Immerhin ein Analyst hatte eine gute Schätzung ... Und Bauchschmerzen, weil er so weit unter der Konsensschätzung lag ...

Lawler: Existing Home Sales: “Consensus” vs. Likely

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