Zahl des Tages (29.08.10): 1,7%

Nochmal US-BIP ...

Dass sich ein Drittel des Wachstums des US-BIP im zweiten Quartal zwischen der ersten und der zweiten Schätzung in Luft aufgelöst haben, war ja schon am Freitag Thema hier (ZAHL DES TAGES (27.08.10): 0,8). Und darauf, dass 1,6% annualisiertes Wachstum in der deutschen Logik nur 0,4% Quartalsplus, also ziemlich wenig sind, wies ich gestern hin (ZAHL DES TAGES (28.08.10): -9,9%). Auch dass der Einbruch des Immobilienmarkts nur zwei Monate nach Auslaufen der Steuergutschrift für Erstkäufer kam, habe ich schon geschrieben (ZAHL DES TAGES (24.08.10): -27,2%).

Zusammengefasst lieferte die vergangene Woche ein ziemlich konsistentes Bild der US-Wirtschaft: Sie wächst nur noch langsam und kaum selbsttragend. Der Staat muss mit seinen Hilfsmaßnahmen kräftig unter die Arme greifen. Ein Ausstieg des Staats scheint kaum vorstellbar.

Die interessante Frage ist natürlich wie viel des Aufschwungs auf den Staat zurückgehen. Und dazu gibt es tatsächlich Zahlen. Und diese zeigen wie unglaublich wacklig der Aufschwung in den USA ist.

Der Haushaltsausschuss (CBO Congressional Budget Office) hat den Effekt durchrechnen lassen. Danach sorgten die Stimulierungsmaßnahmen für

1,7%

Wachstum im 2. Quartal. Bei 1,6% Wachstum bleibt also vom selbsttragendem Aufschwung nichts übrig.

Und "sowas von nix" an Aufschwung steht im 2. Quartal zu Buche, wenn man die aggressivere Berechnung zu Grunde legt. Denn danach sorgten die staatlichen Konjunkturprogramme für ein 4,5% höheres BIP im 2. Quartal. Ohne die Konjunkturprogramme wäre die US-Wirtschaft also sogar kräftig geschrumpft.

Ich habe die höhere Schätzung aber nicht zur Zahl des Tages gemacht, weil solche Berechnungen ziemlich wacklig sind, was man schon an der Schwankungsbreite zwischen 1,7 und 4,5% ablesen kann. Außerdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass die Politiker ihren Einfluss gerne positiv darstellen möchten. Soll heißen: Zu positiv. Denn mit ein paar Hundert Milliarden alberne 1,7% Wachstum zu erzeugen, klingt schwach; 4,5% hingegen schon viel toller.
Gerade bei der Arbeitslosigkeit (0,7 bis 1,8 Prozentpunkte niedriger) oder der Anzahl der Arbeitsplätze (1,4 bis 3,3 Millionen mehr) macht sich die aggressive Schätzung deutlich besser.

Der Effekt der staatlichen Hilfen soll in den nächsten Quartalen übrigens sinken. Im 3. Quartal 2010 sollen es nur noch 1,5 bis 4,2% werden, im 4. Quartal 1,1 bis 3,6%. Wer weiss, vielleicht sorgt dieser Rückgang schon im dritten Quartal für einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession ...

Calculated Risk: CBO: Stimulus raised GDP 1.7% to 4.5% in Q2

Update (30.08.10):

Es gebe keine Wunderpille, sagt Obama.

FTD: Obama beklagt lahme Wirtschaftserholung

Tjoah, und der olle Keynes hat eben auch keine ...

Kommentare :

  1. Tja wenn man nicht an die Ursachen geht, bleibt alles ein Strohfeuer oder nicht?

    Würde auch vermuten, dass Keynes was jetzt gemacht wurde nicht gemeint hat oder gemacht hätte.
    Damit will ich nicht sagen, sein Ansatz ist besser oder hätte funktioniert. Das kann ich nicht beurteilen.

    Unpassend ist generell Dinge falsch zu reduzieren oder Leuten anzuhängen, auch wenn dies nicht zutrifft.

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  2. Das doofe an der Ursachenbekämpfung ist einfach: Es gibt zu viel Schulden und wenn man die reduziert, wächst die Wirtschaft nicht. Im Moment fahren die USAdie Politik, dass die hohe Schuldenaufnahme der Privaten (die jetzt ins Stocken geraten ist) durch höhere Schuldenaufnahme des Staats ersetzen. In der Gesamtsumme (Schulden Privat + Staat + Unternehmen) hat sich leider fast nix geändert. Ich habe keine Ahnung, wie lange die USA die Nummer weiterfahren wollen bzw. können. Die Gläubiger sind ja schon nervös ...

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