Basel III durch, wie bisher schon durchgesickert (4,5%+2,5%)

Wie ich zwischendurch schonmal schrieb, sind die Eigenkapitalanforderungen für die Banken nach Basel III ein wenig aufgeweicht worden: BASEL III: 1% VON TIER 1 SCHON WEGVERHANDELT

Allerdings blieb es im Kern bei diesen Aufweichungen. Dazu kam nur noch eine weitere Aufweichung gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen: Der antizyklische Puffer von 3% ist auf 2,5% geschrumpft worden. Damit ergibt sich jetzt ein Gesamtwert von Tier 1 + Tier 2 inkl. und zzgl. der zwei Puffer von 10,5%. Insgesamt wurden also 1,5% wegverhandelt.

Die Zeitpläne sind etwas deutlicher gestreckt worden. Umgesetzt werden müssen die oben genannten Regeln in mehreren Stufen bis Anfang 2019 (siehe PDF Link unten). Mit einer Ausnahme: Instrumente, die heute noch als Eigenkapital gelten, werden erst ab 2023 nicht mehr anerkannt. Ob darunter auch die stillen Einlagen, über die sich z.B. die deutschen (Landes-) Banken finanzieren, darunter fallen, ist noch unklar.

Es scheint mir gerade bei solchen Detailfragen viel von den nationalen Behörden abzuhängen, die das dann wohl im Detail entscheiden. Ob das dann wirklich zu weltweit vergleichbaren Bedingungen führt, wird man abwarten müssen.

Auch was mit meinem Lieblingsrisikofaktor, der Risikogewichtung (und damit der Risikobewertung), passiert, ist mir noch unklar. Entscheiden das auch die Länderbehörden? Gibt es dazu schon neue Regeln? Oder kann es - wie aktuell - dazu kommen, dass eine besicherte Anleihe bei einem AAA-Rating nur mit 20% des normalen Eigenkapitals hinterlegt werden muss, nach Herabstufung auf Junk aber mit 1250% (also bei 8% EK mit dem kompletten Nominalwert des Papiers). Das hat in der letzten Krise einigen Banken nämlich den Nacken gebrochen. Eine Bank brauchte ja "nur" 4% ihrer Assets in AAA besicherten Papieren haben, die sich später als Junk entpuppten, und schwupps, waren 4% des Eigenkapitals auch weg.

Meiner Meinung nach dürfen solche extremen Schwankungen zwischen AAA und Junkpapieren nicht sein, denn das führt in jeder Krise (in der sich ja auch immer die Qualität der Gläubiger verschlechtert) zu massivem Eigenkapitalbedarf. Ob das der zyklische Puffer von 2,5% auffängt?

Auch gefällt mir nicht, dass die Risikobewertungen wohl weiterhin an den (zu recht kritisierten) Ratings der Ratingagenturen hängt. Einfacher als bei Basel III hätte man diese nicht entmachten können. Wenn man nichts mehr an Ratings knüpfen würde (vielleicht ist das geplant, aber ich habe heute nichts davon gelesen).

BIS: Phase In Arrangements (PDF!)
Group of Governors and Heads of Supervision announces higher global minimum capital standards

Ich werde diesen Artikel wohl morgen noch etwas ergänzen. Wer was zu den offenen Fragen findet, kann gerne einen Kommentar hinterlassen, ich baue das dann gegebenenfalls in diesen Artikel ein.

Kommentare :

  1. "Meiner Meinung nach dürfen solche extremen Schwankungen zwischen AAA und Junkpapieren nicht sein, denn das führt in jeder Krise (in der sich ja auch immer die Qualität der Gläubiger verschlechtert) zu massivem Eigenkapitalbedarf."

    Vor dem vergleichbaren Ranking-Problem stehen die PPP mit ihrem Cross Border Leasing und der damit entstandenen Nachschusspflicht für die Kommunen...

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  2. Die Bewertung von Anleihen muss einfach viel strenger werden, und die Banken sollte viele Papiere dann gar nicht mehr kaufen dürfen, zumindest keine die neu ausgegeben werden. Das sollen Anleger selber machen, die bereit sind das Risiko zu tragen, und zwar ohne Geld von der Zentralbank (Geldschöpfung).

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  3. @anonym:

    Versteh ich nicht. Gibt's da mehr Infos zu (Link?)?

    @R.E.:

    Ich weiss nicht, ob das alleine hilft. Denn dann dürften die Banken ja auch keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben. Genau das sollen sie aber tun, das ist schließlich ihre volkswirtschaftliche Funktion.

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  4. Gerne. Beispiele finden sich im Web viele. Mal wahllos ein Zitat:

    "Die Folge war, dass die AIG nun von den Rating-Agenturen schlechter bewertet wird. Das kann für die Kommunen erhebliche finanzielle Belastungen zur Folge haben. Denn in vielen Verträgen haben die Kommunen die Haftung für die Liquidität des Leasinggebers übernommen und sich vertraglich dazu verpflichtet, wenn die Bonität schlechter als die Ratingklasse AAA [sic!] ist, einen neuen Vertrag mit einem anderen Versicherer abzuschließen."

    Quelle: http://www.anwalt.de/rechtstipps/cross-border-leasing-kommunen-im-strudel-der-finanzkrise_002525.html

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  5. Das ist interessant. Schaue ich mir mal an. Die Städte haften für den Verlust des AAA Ratings. Nicht schlecht.

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