Basel III - Das Problem Risikogewichtung bleibt ungelöst

Es wird permanent über die angestrebten Eigenkapitalquoten diskutiert, dabei ist bei einem System, das auf Basis einer Risikogewichtung erfolgt, die Risikogewichtung genau so wichtig.

Ein Beispiel: Staatsanleihen von bester Qualität müssen aktuell überhaupt nicht mit Geld hinterlegt werden. Staatsanleihen mit einem durchschnittlichen Rating mit 20% des normalen Eigenkapitals (früher also 0,2*8% als 1,6%), Unternehmensanleihen mittlerer Qualität mit 100% (also 8%), Anleihen ganz schlechter Qualität mit bis zu 1250% des normalen Eigenkapitals (also 8%*1250% --> 100%).

In der Krise passierte jetzt Folgendes: Anleihen, die eigentlich totaler Schrott waren, bekamen ein Triple A Rating und mussten nur mit 20% des normalen Eigenkapitals (also 1,6%) hinterlegt werden. Die Banken konnten also richtig viel davon kaufen und das lohnte sich auch, denn die Rendite war höher als bei Staatsanleihen. Dann stellten sich die Dinger aber als Schrott heraus, die Ratings gingen in den Keller und die Banken brauchten auf einmal statt 1,6% Eigenkapital hinter diesen Papieren 100%. Das hatte niemand und auf einmal taten sich riesige Löcher in den Bilanzen auf.

Die Risikogewichtung führt also in der Krise prozyklisch zu massiv steigendem Eigenkapitalbedarf, weil sich die Kreditqualität verschlechterte und zusätzliches Eigenkapital benötigt wurde. Und das mitten in der Krise, in der die Banken eh schon immer mit hohen Abschreibungen und Bilanzlöchern zu kämpfen haben. Basel 2 hat diesen Aspekt noch deutlich verschlimmert!

Basel III geht dagegen jetzt mit einem antizyklischen Puffer vor. Die Banken müsssen in guten Zeiten einen Eigenkapitalpuffer von 2,5% der risikogewichteten Assets aufbauen, der den oben aufgeführten Aspekt abfedern soll.

Ich hätte es jedoch viel besser gefunden, die Risikogewichtung abzuschaffen. Denn neben dem äußerst fiesen prozyklischen Effekt, den die Risikogewichtung hat, macht man sich von Bewertungsmodellen und am Ende von den Ratingagenturen abhängig. Über diese wird viel (und zu recht) gemeckert, man lässt ihnen über die Risikogewichtung aber weiterhin die Macht. Die Ratingagentur bestimmt, ob auf der Anleihe AAA oder A steht und damit, ob 20 oder 60% des normalen Eigenkapitals hinterlegt werden müssen.

In der letzten Krise ist, wie ich am Anfang schon geschrieben habe, einfach folgendes passiert: Die Banken wollen Geld verdienen und brauchen dafür Rendite. Beliebig viel Rendite geht nicht, ohne das Risiko zu erhöhen. Mehr Risiko bedeutet mehr Eigenkapital, was eine niedrige Eigenkapitalrendite nach sich zieht. Also sind die optimalen Anlagen aus Sicht der Banken die, die eine höhere Rendite abwerfen, ohne das Risiko zu erhöhen. Das gibt es im größeren Stile aber nicht. Die mit AAA bewerteten hypothekenbesicherten Anleihen warfen trotz des besten Ratings höhere Renditen ab. Es gab also durchaus Leute, die das höhere Risiko sahen (sonst wäre die Rendite so niedrig wie bei AAA Staatsanleihen gewesen). Nur nach Basel II war das Risiko eben nicht höher. Also stürzten sich die Banken darauf: Es gab höhere Renditen bei gleichen Eigenkapitalanforderungen. Es winkten in der Folge eine höhere Eigenkapitalrendite und glückliche Aktionäre.

Abstrakter betrachtet: Höhere Renditen ohne höheres Risiko gibt's nicht. Höhere Renditen ohne höheres (nach Basel II) SICHTBARES Risiko gibt es sehr wohl!

Und genau dieses unsichtbare, quasi getarnte Risiko werden die Banken auch in Zukunft wieder suchen! Irgendwo wird es neue Konstrukte geben, die durch clevere Gestaltung nach den Regeln von Basel III als sicher gelten, aber trotzdem für das gut getarnte Risiko eine höhere Rendite abwerfen.

Und genau da (wie auch immer das Konstrukt heißen wird) wird die nächste Blase entstehen und die wird am Ende irgendwann platzen. In der Anlageklasse, in der es unsichtbares Risiko gibt. Das ist das Ergebnis des Optimierungsprozesses.

Übrigens würde auch bei meinem Vorschlag eines nicht risikogewichteten Eigenkapitals solche Stellen mit höherer Rendite entstehen (das ist aber auch nicht das Problem). Nur wären das dann eben nicht zwangsläufig Stellen, an denen sich unerkanntes Risiko versteckt. Denn nur das Risiko (nicht die höhere Rendite) ist, bzw. wird irgendwann zu einem Problem  ...

Diese Gedanken habe ich in der Vergangenheit zwar alle schonmal aufgeschrieben, aber in folgendem Artikel nochmal sauber hergeleitet gesehen. Da der Artikel hoch gelobt wurde, habe ich meine über mehrere Artikel und Kommentare verstreuten Gedanken noch mal sauber aufgeschrieben.

Risk and Regulation

P.S.

Über das Gejammer der Industrie, dass Basel III die Kreditvergabe bremsen wird, würde ich mir nicht zu viele Gedanken machen. Das ist Lobbyarbeit. Aber natürlich steckt da ein Problem hinter. Irgendeine Kommission setzt ein Risikogewicht fest und irgendjemand anderes findet das falsch. Ich vielleicht zu niedrig, die Unternehmen, die den Kredit erhalten, dagegen zu hoch ("50% EK für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen statt 75% wie Basel III sie festschreibt).

BVMW: Folgeschäden für den Mittelstand drohen bei Basel III

Update (17.09.10):

Dirk Elsner vom Blicklog ergänzt (über einen Hinweis auf einen Artikel im Handelsblatt) noch einen wichtigen Punkt: Die Regulierer und die Regulierten sind die selben. Die ganzen Basel-Regeln wurden maßgeblich von den Banken (und nicht den Politikern) gemacht.

Blicklog:Netzwerk der Banken, Basel III und Alternativen zum Bürokratiemonster

Und wie ich plädiert er (wenn auch etwas anders) nicht dafür, die Lücken im Basel System mit noch mehr Regeln zu schließen (weil damit ein noch komplexeres, noch undurchschaubareres System geschaffen würde), sondern die Regeln massiv zu vereinfachen.

Kommentare :

  1. Full ack! Es fehlt eine Regelung für die Ratingagenturen und mit deren Intransparenz ist die ganze Risikogewichtung eine Farce.

    Wenn schon Risikogewichtung, dann nach staatlich sanktionierten Regeln, meinethalben ausgekegelt im Rahmen der Weltbank. Die Bank muß das nicht nach außen tragen, aber die Bankenaufsicht kann anhand dieser Regeln prüfen, ob die Bank die korrekte Gewichtung vorgenommen hat. Zuzüglich zu den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.

    AntwortenLöschen
  2. Bei Forderungen weltweiten Regelungen werde ich immer skeptisch. Geht es nicht auch in der EU? Für die Banken die hier aktiv sind, und wenn man auch dafür sorgt das Europas Anlegergelder nicht mehr so einfach in ausländische Banken fliessen die sich nicht daran halten z.B. durch entsprechende Regeln für Versicherungen und Fonds.
    Internationale Verhandlungen bringen oft nichts, ich bin dafür mehr national oder europäisch zu regeln, und dann über Regeln für institutionelle Anleger und Ratings Druck zu machen.

    Eure Meinung?

    AntwortenLöschen
  3. @anonym:

    Ich glaube inzwischen, dass die Regeln, efal w man die aufhängt, nichts nutzen. Es ist ja nicht so, dass die Ratingagenturen komplett falsche Modelle benutzen. Man wird hier eh nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Der Mittelstand findet 75% EK-Quote für seine Kredite viel zu hoch und weist darauf hin, dass griechische Staatsanleihen mit weniger Geld hinterlegt werden müssen. Politiker hingegen halte jede Spekulation über eine Pleite Griechenlands für Hirngespinste und können sich gar nicht vorstellen, dass jemals ein Land Pleite macht.

    Wie will man da einen Konsens finden? Da ist es am Ende ziemlich Wurscht, ob der Staat, die Weltbank oder Fitch das Rating macht. Ich glaube einfach, dass es ein solches objektives Rating nicht gibt ...

    AntwortenLöschen
  4. @R.E.:

    Immerhin haben wir jetzt eine Regel, die auch in den USA gilt. Ich finde das positiv.

    Die Finanzmärkte sind sicherlich die globalsten der Welt. Daher ist da am wenigsten auf nationaler Ebene zu machen. Das ShortSeling Verbot in Deutschland ist z.B. ein kompletter Flop, weil die Geschäfte jetzt einfach über die Tochter in London gemacht werden (dauerte keine 24 Stunden, bis die DeuBa die Geschäfte dorthin verlagert hatte).

    Kurz: Das ist ein extrem zweischneidiges Schwert.

    generell stimme ich aber zu, dass man durchaus auch auf EU Ebene mehr machen könnte als aktuell gemacht wird. Nicht für alles braucht man einen weltweiten Konsens. Den man am Ende sowieso nie bekommt, denn ich sehe jetzt schon die großen neuen Banken auf den Bermudas (etc.) sprießen ...

    AntwortenLöschen

Vielen Dank für Deinen Kommentar.

Sorry. Es sind leider keine anonymen Kommentare mehr möglich. Ich werde von mehr als 50 Spamkommentaren pro Tag geflutet und habe keine Lust, diese von Hand zu scannen, um darin alle drei Tage einen anonymen Kommentar zu finden, der veröffentlicht werden kann. Meldet Euch bitte an. Sorry für die Umstände.

Related Posts with Thumbnails

egghats Amazonstore