Kanam US Grundbesitz: Erster "offener" Immobilienfonds gibt auf ...

Tjoah, da hat's den ersten aus der Liste erwischt. Premiere in Deutschland!

Der Kanam US Grundinvest (ISIN: DE0006791817) wird nach knapp 2 Jahren Schließung nicht wieder geöffnet, sondern abgewickelt. 10 der 17 Immobilien aus dem Fondsvermögen seien bereits verkauft, die anderen 7 sollen bis zum 31.3.2011 folgen. Eine erste Zahlung soll bereits dieses Jahr vorgenommen werden, den Rest gibt es dann voraussichtlich Ende März.

FTD: Offener Immofonds wird erstmals für immer dicht gemacht
FTD: Liquidierung: Kanam macht offenen Immobilienfonds für immer dicht

oder direkt von der Quelle eine Infoseite zum Prozedere:

KanAm: Auflösung und Auszahlung des KanAm US-grundinvest Fonds

Die Börsianer zeigen sich relativ unbeeindruckt. Die scheinen das alles schon geahnt zu haben. Der Fonds, dessen offizieller Rücknahmekurs bei ungefähr 50 Euro liegt (was aber wegen der Schließung nichts heisst), notiert an den Fondsbörsen etwa 20 Euro darunter. Wobei die Fondsbörse in Hamburg die einzige ist, die aktuell einen vernünftigen Kurs stellt (29,50 zu 31,00), Düsseldorf stellt nur einen Bidkurs und Lang & Schwarz einen eher unverschämten Spread mit 26,00 zu 29,80. Der Rest enthält sich.

Ich bin wirklich sehr gespannt, ob der P2 von Morgan Stanley die Öffnung Anfang November hinbekommt oder ob der Fonds bereits nach ein paar Stunden wieder geschlossen werden muss ... Oder ob die den Fonds doch nicht aufmachen, denn irgendwie fehlt mir der Glaube, dass die Anleger beim KanAm unbedingt rauswollen, aber die im Morgan Stanley P2 ganz entspannt sind ... Vom Kursverlust her nehmen die sich nicht viel ...

ZAHL DES TAGES (10.09.10): 52%

oder wen die ganze Geschichte interessiert:

Die ganze Geschichte der Immobilienfonds in dieser Krise in diesem kleinen Blog

Dass die Probleme bei den Immobilienfonds auch weitere Auswirkungen haben, zeigt eine Nachricht vom Montag. Die Allianz musste nämlich auch einen Immobilien-Dachfonds schließen, der seinerseits in Immobilienfonds investiert. Wenn diese nicht liquide sind, wird auch der Dachfons irgendwann illiquide. Gut, technisch gesehen ist der Dachfonds noch liquide, denn ein Teil seiner Gelder steckt ja in noch offenen Fonds. Allerdings ist die größte Position ein Fonds aus eigenem Hause und den will man wohl nicht selber durch eigene Verkäufe des Dachfonds in die Bredouille bringen ...

FTD: Allianz vergrätzt Anleger

Update (17:27):

Die FTD teilt in einem Kommentar meine Meinung, dass es auch für die anderen geschlossenen Immobilienfonds schwer wird, nochmal wieder zu öffnen.

FTD: Liquidierung: Immofonds-Schließung nur die Spitze des Eisbergs

Und eines wollte ich eigentlich schon in die erste Version schreiben, habe es aber vergessen:

In der Börse Online von letzter Woche war ein Artikel über einen Rechtsanwalt, der gegen die Bank- und Vermögensberater, die die geschlossenen Immobilienfonds empfohlen haben, wegen Fehlberatung klagen will. Immerhin haben die Fonds nicht mehr versprochen als das "magische Dreieck der Vermögensanlage" aufzulösen und dem Anleger gleichzeitig hohe Renditen, hohe Sicherheit und hohe Liquidität zu bieten. Leider bekommt man aber immer nur zwei dieser Ziele und sobald ich ein drittes anstrebe, muss ich eines der zwei anderen aufgeben. Im besten Fall.

Im schlechtesten Fall bekomme ich nämlich gar nichts. Und das ist die Bilanz der problematischen Immobilienfonds: Schlechte Rendite (Kurshalbierung), schlechte Liquidität und keine Sicherheit (oder soll man eine Kurshalbierung unter Sicherheit verbuchen?),

Wenn das keine gute Basis für eine Klage wegen Falschberatung ist, dann weiss ich es auch nicht ... (aber der Anlegerschutz in Deutschland ist immer noch mittelalterlich (wenn auch nicht mehr steinzeitlich))

Den Artikel (und ein paar andere) gibt es auf der Homepage des Rechtsanwalts: http://www.ra-hahn-mcl.de/content/medien/medienpraesenz.shtml (womit ich den nicht empfohlen haben möchte und auch die Chancen einer Klage nicht beurteilen kann).

Update (01.10.10):

Hier noch ein Hinweis auf ein Interview mit der Scope Analystin Sonja Knorr, die weitere Abwicklungen für möglich hält:

Handelsblatt: „Weitere Abwicklungen sind nicht ausgeschlossen“

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