Zahl des Tages (02.09.10): 26%

Immerhin muss ich der Tatsache Respekt zollen, dass man in Irland den Tatsachen ins Auge schaut und nicht versucht, wie Ambac und MBIA weiter durchzuwurschteln ... Obwohl das Modell des Überlebens am Ende doch relativ ähnlich ist ...

Es geht um die Anglo Irish Bank, die bei meiner letzten Aufstellung der Abschläge von Schrotthypotheken bei der Auslagerung an die irische Bad Bank NAMA noch fehlte. Diese haben sich im zweiten Quartal etwas gebessert, bleiben aber im Schnitt ungefähr auf dem Niveau, das ich für die anderen Banken vor knapp einem Monat zur Zahl des Tages gemacht habe (ZAHL DES TAGES (04.08.10): 47,6%)

Die Anglo Irish Bank musste im ersten Halbjahr aber nicht nur auf die Auslagerungen an die irische Bad Bank NAMA Abschreibungen vornehmen, sondern auch auf die eigenen Kredite mussten weitere 4,85 Milliarden abgeschrieben werden. Alles in allem hat die Anglo Irish Bank im ersten Halbjahr einen Verlust von 8,2 Mrd. Euro angehäuft, was den irischen Staat dazu gezwungen hat, in drei Etappen (zuletzt 8,58 Mrd. Euro) inzwischen 18,9 Mrd. Euro neues Eigenkapital einzuzahlen. (Marketwatch meldet übrigens 22,9 Mrd. Staatshilfe, was aber IMHO falsch ist).

Die erste Kapitalmaßnahme bei der Anglo Irish Bank wurde bisher als defizitwirksam bewertet, sprich sie erhöhte den offiziell gemeldeten Schuldenstand Irlands. Sollte diese Einschätzung auch für die neue Staatshilfe bei der Anglo Irish Bank und die Hilfe für Irish Nationwide gelten, würde sich das Haushaltsdefizit Irlands 2010 auf

26% des BIPs

erhöhen. Wohlgemerkt nicht der Gesamtschuldenstand, sondern das zusätzliche Defizit des laufenden Jahres. Schluck.

Das wäre ein erschreckend klarer und natürlich trauriger Rekord. Haushaltsdefizite im zweistelligen Prozentbereich konnte sich vor drei Jahren kaum jemand vorstellen. Und einen Wert von 26% erst recht nicht. Vielleicht in Simbabwe, aber nicht in der Eurozone ... Die Maastricht-Grenze liegt bei 3% ...

Um dem ganzen eine positive Note zu geben: Wenn die staatlichen Bankenhilfen und die Verluste der Bad Bank sofort wirksam werden, hat das immerhin einen Vorteil: Die Verluste sind sichtbar und zwar sofort und heute. Es wird nicht gemauschelt und vertuscht und die Verluste einfach versteckt, wie es zum Beispiel in den USA über eine Änderung der Buchhaltungsrichtlinien gemacht wird (es muss nicht mehr jeder Verlust abgeschrieben werden, wenn die Bewertung am Markt nicht nachvollziehbar ist. Man bucht die Schrottpapiere einfach um und lässt die wahrscheinlichen Verluste erst bei Fälligkeit "aufpoppen").

Marketwatch: Anglo Irish Bank's loss hits $10.4 billion
Trinkaus: Der Martk heute (02.09.10)

oder der Geschäftsbericht direkt von der Bank:

Anglo Irish Bank Group: Interim Report 2010 PDF (31-08-2010)

Zurück zur Zukunft der Anglo Irish Bank: Der Vorstand hat vorgeschlagen, die Bank massiv zu schrumpfen, genauer gesagt um 80(!)%. Das wäre die preiswerteste Version und damit die sinnvollere Alternative zu einer Abwicklung, die über 1, 10 bzw. 20 Jahre erfolgen könnte.

Immerhin würde sowohl die Schrumpfung wie auch die Abwicklung geordnet vonstatten gehen und nicht wie bei Ambac ein Teil der Kunden und Investoren in einer bald insolventen Restfirma stecken bleiben, während ein paar Glückliche in eine neue gute Ambac übernommen werden (siehe AMBAC IMMER NOCH NICHT PLEITE (FOLGE 27)

Allerdings kann die Politik sich auch noch gegen den Vorschlag des Vorstands entscheiden und eine kurzfristig etatschonendere (wenn auch nach Meinung des Vorstands insgesamt teurere) Abwicklung über 10 oder 20 Jahre durchsetzen. Die Politik bestimmt eh die Geschicke der irischen Banken und insbesondere der Anglo Irish Bank. Dort ist die Notenbank bereits der größte Geldgeber, der der Bank bereits mehr Geld zur Verfügung stellt als die Kunden dort noch horten.

Die Kunden ziehen interessanterweise sowieso ihr Geld ab. Im ersten Halbjahr hat die Anglo Irish Bank 15% ihrer Kundeneinlagen (entspricht 4,1 Mrd. Euro) verloren. Dieser (wenn auch langsame) Bankrun (eher ein Bankwalk ;-)) wird sich wohl fortsetzen, denn am 29. September läuft die uneingeschränkte Staatsgarantie für Einlagen bei irischen Banken aus. Da dürften noch einige nervös werden ...

Kurz vorher muss Irland eine Reihe Staatsanleihen refinanzieren. Zusammengenommen wird der September wohl noch ein spannender Monat für Irland werden ...

(Man müsste übrigens mal checken, ob die anderen großen irischen Banken ähnliche Abflüsse zu verzeichnen hatten. Diese totgeschwiegenen Bankruns finde ich ziemlich spannend ...)

Suche nach Irland in meinem kleinen Blog

Update (14:15):

OK, nochmal etwas nachgeschlagen: Der Discount bei der zweiten Tranche der NAMA-Aufkäufe der Schrotthypotheken war doch höher als in der ersten Tranche. Der Abschlag betrug 61,9%. Im Schnitt aller Banken betrug der Abschlag in der zweiten Tranche 55,6%, in der ersten Tranche lag der Wert noch bei 47%.

FT Alphaville: Those increasing Irish haircuts…
(Eigentlich wäre das auch ne schöne Zahl des Tages gewesen ...)

Update 2 (16:52):

Es gibt Gerüchte, dass die irischen Banken bei der Regierung angeklopft haben, um eine Verlängerung der Ende September auslaufenden Staatsgarantien zu erreichen. Nicht wirklich überraschend, bei der Assetqualität in den Bilanzen der irischen Banken muss eigentlich jeder halbwegs vernünftige Mensch sein Geld dort abziehen ...

FT Alphaville: Ireland’s exteeeeended banking issues

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