Zahl des Tages (06.09.10): 105.000.000.000

Die Diskussion um neue Eigenkapitalrichtlinien ist alt. Auch in diesem Blog. Und meine Forderungen sind den Stammlesern bekannt: 8% hartes Eigenkapitalquote auf die *nicht*risikogewichteten Assets. Für die Begründung verweise ich auf DIE REAKTION AUF DIE KRISE - DOKUMENTIERT AN EINEM BEISPIEL.

Jetzt liegen erste konkrete Vorschläge zu Basel III, der nächsten Stufe der Eigenkapitalanforderungen vor:

Es soll 6% Tier 1 Eigenkapital verlangt werden, dazu kommen 4% Tier 2. Tier 1 wird ergänzt um einen Sicherheitspuffer von 3% zzgl. eines weiteren Puffers von 3%, der aber nur in guten Zeiten aufgefüllt werden muss.
Das hört sich jetzt erstmal wesentlich höher an als aktuell. Allerdings ist das ziemlich schwierig zu beurteilen, weil etwas unklar ist, was alles zum Kerneigenkapital gehört. Zur Erinnerung: Die UBS ist mit 0,9% hartem Eigenkapital in die Krise gegangen, es war also nur Bruchteil der Bilanzsumme mit hartem Eigenkapital hinterlegt, der Rest war Hybridkapital wie z.B. Wandelanleihen.

Genau das ist auch eines der Probleme, das die deutschen Banken haben: Zu viel weiches und zu wenig hartes Eigenkapital. Deshalb trommeln sie nun wie wild auf den Lobbytrommeln und warnen bei zu strengen Eigenkapitalregeln vor einer Einschränkung der Kreditvergabe. Und das würde der Wirtschaft den Treibstoff "Geld" entziehen.

Das zweite Problem der deutschen Banken scheint eine neu eingeführte Obergrenze für die Kreditvergabe zu sein (leverage ratio). Diese soll beim 33fachen des harten Eigenkapitals liegen, was im Umkehrschluss eine Unterlegungen mit 3% Eigenkapital bedeutet. Hört sich eigentlich nicht viel an, für die deutschen Banken aber scheinbar zu viel. Professor Gerke findet es auch "großzügig", sprich lasch. (Gerke zur Basel III-Reform: "Man war zu großzügig")

Nach ersten Berechnungen müssen die deutschen Banken zu Erfüllung der Basel III Regeln

105.000.000.000 (105 Milliarden) Euro

neues Eigenkapital einsammeln. Allein aus dem neuen Punkt Leverage Ratio stammen dabei 36 Milliarden.

Das finden die deutschen Banken natürlich wenig berauschend, immerhin würde so oder so die Gewinnfähigkeit (gerechnet auf eine heutige Aktie) deutlich gesenkt. Und Ackermann könnte seine 25% Rendite auf's Eigenkapital wohl für immer beerdigen.

Das sollte dem deutschen Steuerzahler aber ziemlich egal sein, denn es gilt, die Banken stabil genug zu machen, damit diese die nächste Krise ohne Staatshilfe überstehen können. Und wenn die Regeln für alle Banken in allen Ländern gleich streng sind, gibt es im internationalen Wettbewerb keinen Nachteil und damit keinen Grund zum Meckern.

Zeit: Banken müssen mit harten Eigenkapitalregeln rechnen

Deloitte: Basel III Modifizierte Kapitalanforderungen im Spiegel der Finanzmarktkrise (PDF!)
(Leider nicht ganz klar, ob das der letzte Stand ist)

FAZ: Banken warnen vor Kreditengpass wegen neuer Regeln

Ich bin gespannt, wie sich das im Großen (Zeitrahmen) und im Kleiner (welche Assets müssen wie stark hinterlegt werden) weiterentwickelt. Basel III soll bereits am Wochenende beschlossen werden.

Update (07.09.10):

Nach einer Analyse sollen nur die Banken aus Skandinavien (namentlich DNB NOR, Handelsbanken und Nordea) die strengen Anforderungen erfüllen. Die meisten Banken (auch die richtig großen wie Barclays) dürften Probleme bekommen.

FT Alphaville: Basel Schadenfreude

Kommentare :

  1. M.E. schwächen die hohen Eigenkapitalanforderungen die noch althergebracht arbeitenden Banken. Diese nehmen nicht am Casino-Betrieb teil und brauchen eigentlich auch keine höheren Eigenkapitalbestände. Auf der anderen Seite sind die Anforderungen viel zu niedrig, da die Casinobanken durch immer noch größere Hebel jede Eigenkapitalerhöhung ad absurdum führen können.

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  2. Da ist durchaus was dran. Das liegt am Ende an der Risikogewichtung des Eigenkapitals. Es lässt sich scheinbar "je Eigenkapital" mit risikoreichen Geschäften mehr Geld verdienen als mit risikoarmen. Das ist ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass diese Geschäfte mit zu wenig Eigenkapital hinterlegt werden müssen.

    Deshalb habe ich in meinem Vorschlag die Risikogewichtung auch rausgenommen. Alles muss mit gleich viel Geld hinterlegt werden. Ende. Aus.

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